Forum für Geschichte und Politik


Moderator: Barbarossa

 
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Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 14:34

Peppone hat geschrieben:
Zurück zum Thema, an diesem Sonntagmorgen... ;)

Natürlich ist die Bibel (ohne Anführungszeichen) die Grundlage für jeden christlichen Glauben. Dass es so viele christliche Glaubensrichtungen gibt, zeigt schon, dass die Bibel ein schwieriges Buch ist, sonst könnte man sie nicht auf so unterschiedliche Weisen interpretieren (und dann so viele unterschiedliche christliche Richtungen etablieren, die alle ihre Anhänger haben, und diese Anhänger können alle denken).

Nun muss man aber auseinanderhalten, was tatsächlich in der Bibel steht und was hineininterpretiert worden ist.
Die Katholiken (und NUR sie) haben seit etwas mehr als hundert Jahren das Dogma, Maria sei auch nach der Geburt Jesu Jungfrau im biologischen Sinn gewesen. In der Bibel steht aber lediglich, sie sei eine "junge Frau" gewesen. Demzufolge schiebe ich persönlich das Ganze auf die Ideologie der römischen Kirche des 19.Jhs. und nehme mir die Freiheit, den biologischen Interpretationsweg als historischen Irrtum zu verstehen.
Die Aufnahme Mariens in den Himmel dagegen steht so in der Bibel. Aber auch hier gilt es, erst einmal zu denken. Wer hat das geschrieben? Und wann?
Erstens wird Mariä Himmelfahrt (erst seit 1950 in der Katholischen Kirche ein Dogma) nur angedeutet, zweitens passiert dies in der Offenbarung - ein sehr schwer zu interpretierendes Buch der Bibel, von Grund auf mystisch angehaucht - und muss von da her durch die Brille der antiken Mystiker gelesen werden. Ums kurz zu machen: Nach weit verbreiteter Interpretation haben wir´s hier mit einem Bild zu tun. Keine Tatsache. Die Orthodoxen und Katholiken haben daraus durch lange Feiertradition (seit dem 5.Jh.) und katholischerseits per Dogma eine Tatsache gemacht.

So, und nun könnten wir ein Dogma nach dem anderen abklopfen, was dahinter steckt, warum es erlassen wurde und warum verschiedene andere Glaubensgrundlagen NICHT Gegenstand eines Dogmas wurden. Dann haben wir aber erst die katholische Seite abgeklopft. Bei den Evangelischen, Methodisten, Calvinisten, Orthodoxen usw.usf. gibt´s ähnliche Grundsätze, die man genauso abklopfen könnte.
Im Kern läuft´s auf eins hinaus: Der Mensch hat einen Glauben. Das kann sogar die Tatsache sein, dass man an nichts glaubt. Auch da muss man einfach darauf vertrauen, dass es stimmt. Und das heißt: Glauben. Denn beweisen kann man weder das eine noch das andere. Deswegen ist Religion keine Wissenschaft und umgekehrt.
Wer sagt dem Menschen, dass es richtig ist, was er glaubt? Sein Gewissen. Das trifft auf Christen, Moslems, Hindus, Buddhisten, Juden oder Schamaisten genauso zu wie auf Agnostiker, Atheisten oder Esoteriker. Das ist die letzte Instanz des Menschen, kein Religionsstifter, kein Religionsoberhaupt, kein Guru, kein Ideologe. Jeder Mensch muss für sich selber entscheiden, was er glaubt und was nicht.

Als Rahmen für diese Gewissensentscheidung gibt es zwei Aspekte: Religiöse Überlieferungen und die aktuelle Lebenssituation des jeweiligen Gewissensbesitzers.
Aufgrund dieser Tatsache verändern sich Glaubensgrundsätze, wenn sich die Menschen im Lauf ihrer Entwicklung verändern, und zwar wenn sie sich persönlich verändern (im Laufe ihres Lebens) genauso wie wenn sich die Auffassung einer ganzen Menschengruppe an sich ändert (im Lauf von vielleicht mehreren Generationen). Dann verändert sich die Interpretation von Grundsätzen und es verändert sich dadurch die einzelne Religion oder die Religion erfährt eine neue Auslegungsweise und trennt sich von der bisherigen Auslegungsweise ab, die aber weiter existieren kann. Konservative und Progressive gabs schon immer.

DAS ist der Grund, warum man, wann immer man zwei verschiedene Individuen fragt, zwei unterschiedliche Antworten zum Thema Glauben bekommen wird, und zwar unabhängig davon, ob die zwei beanspruchen, derselben Glaubensrichtung anzugehören oder nicht. Glaubensentscheidungen sind immer Gewissensentscheidungen und daher individuell verschieden.

Speziell der Papst kann nun beanspruchen, sich als "Sprachrohr Gottes" zu äußern. Aber auch das war eine Entscheidung von Menschen, also eine Gewissensentscheidung. Mein Gewissen sagt mir, das war eine falsche Entscheidung. Aufgrund dessen KANN ich das gar nicht glauben, ich kann es als Grundsatz meiner Kirche anerkennen, ich muss ihm allerdings nicht blindlings folgen und kann mich dabei sogar auf Jesus höchstpersönlich berufen, der den Grundsatz geprägt hat, dass der Glaube für den Menschen da sein sollte und nicht umgekehrt.

Das war jetzt etwas langatmig, aber ich hoffe, ich konnte die Verwirrung, die sich hier zwischenzeitlich geoffenbart hat, zumindest teilweise aufhellen.
Beppe

Toll, lieber Beppe,
was Du geschrieben hast. Ich sehe es genauso. :)
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Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 15:26

Wo bleibt der Teufel?

In der Diskussion wurde noch gar nicht erwähnt, dass Gott auch noch eine Konkurrenz hat, nämlich den Teufel. Ich bin zwar Atheist, aber die Existenz des Satans würde ich notfalls eher akzeptieren als die von Gott.
Wer kennt sich denn nun im Glauben aus? Satan soll angeblich ein gefallener Engel sein. Ist er gleichstark wie Gott oder nur fast so stark?
Wird alles Unheil auf der Welt vom Teufel erzeugt, also Diktaturen, Massenmorde, Serienkiller Erdbeben, Tsunamis usw.? Wenn das so ist, warum schaltet Gott den Teufel nicht einfach aus? Kann er nicht? Ist also Gott doch nicht allmächtig? Oder will er aus unerklärlichen Gründen den Teufel nicht stoppen?
War der reale Sozialismus ein „Reich des Bösen“? Dann griff Gott ein, verjagte den Teufel, Schabowski verkündete den Fall der Mauer und das Reich des Bösen verwandelte sich in das „Reich des Guten“?
Hat sich jetzt der Teufel in die „Achse des Bösen“ zurückgezogen? Sitzt der Satan nun im Iran und in Nordkorea?
Wer kennt sich hinreichend in der Religion aus, um dies alles zu erklären? :mrgreen:
(Der Beitrag ist natürlich ironisch, aber nicht ganz. Man sollte sich über diese Dinge Gedanken machen. In einigen Religionen, wie in der persischen Religion von Zarathustra, gibt es praktisch zwei Gottheiten (Zwillinge), Ahura Mazda und Ahriman, Gut und Böse, Licht und Dunkel. Beide kämpfen miteinander seit Beginn der Zeiten).
 
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Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 16:07

Das Ende des Satans und die schöne, neue Welt

„Wenn die tausend Jahre um sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis freigelassen. Er wird ausziehen, um die Völker an allen vier Enden der Erde zu verführen- das sind Gog und Magog. Sie sind so zahlreich, wie der Sand am Meer, und der Satan wird sie alle zum Kampf sammeln. Sie zogen herauf von den Enden der Erde und umstellten das Lager des heiligen Gottesvolkes und die von Gott geliebte Stadt. Aber es fiel Feuer vom Himmel und verbrannte sie.

Dann wurde der Teufel, der sie verführt hatte, in den See von brennendem Schwefel geworfen, in dem schon das Tier und der falsche Prophet waren. Dort werden sie in alle Ewigkeit Tag und Nacht gequält.

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Himmel und die erste Erde waren verschwunden und das Meer war nicht mehr vorhanden. Und ich sah die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam. Und vom Thron her sprach eine mächtige Stimme: Dies ist die Wohnstätte Gottes bei den Menschen. Er wird bei Ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Der Satan ist besiegt, das Böse ist überwunden. Es wird keinen Tod mehr geben, keine Tränen mehr und keine Traurigkeit, keine Klagen und keine Quälerei. Was einmal war, ist für immer vorbei. Denn siehe, ich mache alles neu!“ (Na also, geht doch! Warum aber nicht gleich richtig?)

Die Bibel, Neues Testament, Offenbarung des Johannes, (Das Ende der alten Welt; Absätze 19.11-20,15)
 
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Barbarossa
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Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 18:39

norvegia hat geschrieben:
Ich denke schon daß sie viel vom alten Pfarrervater mitbekommen hat.
Und der war ein Wessi und blieb es auch.
Sämtliche Pfaffenableger oder selbst Pfaffen sind kein Maßstab.
Und zum 1 Millionsten Mal, sie vertreten keinen Ossi.
Sie sind das was sie immer waren hier.
Aussenseiter die nicht das Volk waren und es auch nicht repräsentieren.
Und jeder anständige Ossi wählt links, nicht christlich.
Und die tollen Wahlergebnisse für die Christen entstehen hier nur durch die neuzugezogenen Wessis...

Immer dieses "Ossi-Wessi-Gequatsche" - Junge, Junge, Junge...
Wir sind alles Deutsche!
(Und ich bin außerdem noch Preuße!)
:twisted:
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Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 19:39

dieter hat geschrieben:
norvegia hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Liebe Norvegia,
Angie kam mit dem sechsten Lebensjahr mit ihrem Vater der ev. Pator ist in die DDR. Ich bezweifele, dass sie bis dahin viel vom "verderbten Westen" mitbekommen hat. :wink: :mrgreen:
Wie erklärst Du, das drei ostdeutsche Landesregierungen von der Christlich Demokratischen Union geführt werden :?: Die Bevölkerung der ehemaligen DDR wählt doch die Schwarzen. :wink: :mrgreen:

Ich denke schon daß sie viel vom alten Pfarrervater mitbekommen hat.
Und der war ein Wessi und blieb es auch.
Sämtliche Pfaffenableger oder selbst Pfaffen sind kein Maßstab.
Und zum 1 Millionsten Mal, sie vertreten keinen Ossi.
Sie sind das was sie immer waren hier.
Aussenseiter die nicht das Volk waren und es auch nicht repräsentieren.
Und jeder anständige Ossi wählt links, nicht christlich.
Und die tollen Wahlergebnisse für die Christen entstehen hier nur durch die neuzugezogenen Wessis...

Liebe Norvegia,
das glaubst Du doch selbst nicht, dann muß es ja wahre Völkerwanderungen in die ehemalige DDR gegeben haben, damit sie drei Landesregierungen stellen können. Habe davon nichts mitbekommen. In Brandenburg, wo Du sicherlich wohnst ist die SPD stärkste Partei vor Linke und Schwarze. Erst gesten wurde Angie in Meck-Pomm als Spitzenkandidatin in ihrem Wahlkreis gewählt worden, ohne Gegenstimme. :evil: Dann wohnen nun in Meck-Pomm nur noch Wessis und wo sind die Ossis hingekommen :?:


Ich habe immer den Eindruck, daß diese Völkerwanderung noch nicht vorbei ist, anhand der vielen Wessitempel die hier aus dem Boden sprießen, wie Pilze.
Und hier leben 80 % Wessis.
Und man möge mich bewahren vor jedem, der hier neu herzieht.
Gehe ich auf die Straße, in eine Kneipe oder einkaufen, dann steht die Chance 1: 1 Milllion, daß ich hier einen Ossi noch treffe.
Man trifft keine Ossis mehr.
Und diese vielen neuzugezogezogenen Wessis sind es auch, die hier in die Kirche rennen und das Christentum vertreten.
Und diese Personengruppe wählt dann auch CDU.
Ich bin Ossi und ich darf so reden. ;-)
 
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Barbarossa
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Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 20:04

Dann muesste sich das Wahlverhalten der Ostdeutschen in den letzten 20 Jahren aber stark veraendert haben, denn 1990 haben durchaus sehr viele Leute CDU gewaehlt oder auch FDP.

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RedScorpion

Re: Die Karriere Gottes

17.03.2013, 20:39

Darf ich 'mal schüchtern nachfragen, wer denn diese Leute sind, die in den Osten ziehen oder gezogen sind, und v.a. warum?

Danke und lG
 
norvegia
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Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 04:52

RedScorpion hat geschrieben:
Darf ich 'mal schüchtern nachfragen, wer denn diese Leute sind, die in den Osten ziehen oder gezogen sind, und v.a. warum?

Danke und lG



Es gab ganz Ostdeutschland im Schlußverkauf billig für eine Mark zu kaufen...
Ich bin Ossi und ich darf so reden. ;-)
 
norvegia
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Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 04:57

Barbarossa hat geschrieben:
Dann muesste sich das Wahlverhalten der Ostdeutschen in den letzten 20 Jahren aber stark veraendert haben, denn 1990 haben durchaus sehr viele Leute CDU gewaehlt oder auch FDP.

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Also wer FDP wählte, sollte sich in Grund und Boden schämen.
Stimmt kurz nach der Wende war das etwas anders.
Sie waren der aggressiven Wahlpropaganda nicht gewachsen aus dem Westen, die auch vom Westen bezahlt wurde.
Es mußte erst eine gewisse Zeit vergehen, damit sie sich selbst finden.
Ich bin Ossi und ich darf so reden. ;-)
 
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dieter
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Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 11:26

norvegia hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Liebe Norvegia,
Angie kam mit dem sechsten Lebensjahr mit ihrem Vater der ev. Pator ist in die DDR. Ich bezweifele, dass sie bis dahin viel vom "verderbten Westen" mitbekommen hat. :wink: :mrgreen:
Wie erklärst Du, das drei ostdeutsche Landesregierungen von der Christlich Demokratischen Union geführt werden :?: Die Bevölkerung der ehemaligen DDR wählt doch die Schwarzen. :wink: :mrgreen:

Ich denke schon daß sie viel vom alten Pfarrervater mitbekommen hat.
Und der war ein Wessi und blieb es auch.
Sämtliche Pfaffenableger oder selbst Pfaffen sind kein Maßstab.
Und zum 1 Millionsten Mal, sie vertreten keinen Ossi.
Sie sind das was sie immer waren hier.
Aussenseiter die nicht das Volk waren und es auch nicht repräsentieren.
Und jeder anständige Ossi wählt links, nicht christlich.
Und die tollen Wahlergebnisse für die Christen entstehen hier nur durch die neuzugezogenen Wessis...

Liebe Norvegia,
das glaubst Du doch selbst nicht, dann muß es ja wahre Völkerwanderungen in die ehemalige DDR gegeben haben, damit sie drei Landesregierungen stellen können. Habe davon nichts mitbekommen. In Brandenburg, wo Du sicherlich wohnst ist die SPD stärkste Partei vor Linke und Schwarze. Erst gesten wurde Angie in Meck-Pomm als Spitzenkandidatin in ihrem Wahlkreis gewählt worden, ohne Gegenstimme. :evil: Dann wohnen nun in Meck-Pomm nur noch Wessis und wo sind die Ossis hingekommen :?:


Ich habe immer den Eindruck, daß diese Völkerwanderung noch nicht vorbei ist, anhand der vielen Wessitempel die hier aus dem Boden sprießen, wie Pilze.
Und hier leben 80 % Wessis.
Und man möge mich bewahren vor jedem, der hier neu herzieht.
Gehe ich auf die Straße, in eine Kneipe oder einkaufen, dann steht die Chance 1: 1 Milllion, daß ich hier einen Ossi noch treffe.
Man trifft keine Ossis mehr.
Und diese vielen neuzugezogezogenen Wessis sind es auch, die hier in die Kirche rennen und das Christentum vertreten.
Und diese Personengruppe wählt dann auch CDU.[/quote]
Liebe Norvegia,
wo sind denn dann die Ossis geblieben :?: Du wohnst doch in Brandenburg, wenn dort soviele Wessis zugezogen sind, wieso stellt dort die CDU nur die drittstärkste Partei, hinter der Linken und der SPD :?: die dort auch eine Regierung bilden. :)
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
 
ehemaliger Autor K.

Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 14:29

norvegia:
Und jeder anständige Ossi wählt links, nicht christlich.



Wer das glaubt.... 1990 gab es in der DDR 12,4 Millionen Wahlberechtigte und noch keine Wessis auf dem Gebiet der DDR. Heute leben in der ehemaligen DDR nur noch 8 Millionen Wahlberechtigte.
Bei der letzten Bundestagswahl 2009 haben in der ehemaligen DDR gewählt: Die Linke = 2,18 Millionen; die SPD= 1,36 Millionen. Das sind wohl die anständigen Ossis. Sind nicht viele nachgeblieben.
Konservativ/Mitte/Mitte-links haben gewählt: CDU= 2,28 Millionen; die FDP = 0,81 Millionen, die Grünen= 1,37 Millionen. Das sind dann wohl alles Wessis.
Deiner Theorie nach leben heute nur noch 3,54 Millionen Ossis in der ehemaligen DDR, nämlich die Wähler von SPD und „Der Linken“. Also hat der weitaus größte Teil der ehemaligen Bevölkerung der DDR inzwischen das Weite gesucht. Stattdessen leben heute zum größten Teil Wessis bei euch. Wer das glaubt, zieht sich morgens die Hose mit der Kneifzange an.
Was machen die ursprünglichen 12,4 Millionen Wahlberechtigten heute? „Die Linke“ können sie nicht gewählt haben, jedenfalls nur zum Teil, denn im gesamten Bundesgebiet erhielt „Die Linke“ 5,18 Millionen Wähler. Was machen die restlichen 7,22 Millionen? Einige werden SPD wählen, viele aber auch die CDU. So sieht es aus mit den Helden der Arbeit.
 
RedScorpion

Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 15:36

norvegia hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:
Darf ich 'mal schüchtern nachfragen, wer denn diese Leute sind, die in den Osten ziehen oder gezogen sind, und v.a. warum?

Danke und lG



Es gab ganz Ostdeutschland im Schlußverkauf billig für eine Mark zu kaufen...

Und, war's das denn noch wert? :mrgreen: :wink:

Ernsthaft: Ich dachte immer, dass sei vllt nicht unbeding ein Fass ohne Boden, aber doch im Trillionenbereich, was da reingebuttert werden musste. Also vom Wert her so ungefähr im 10stelligen Minusbereich, mindestens.

Wer will da wohnen? Die Russen wussten schon genau, warum sie die Ehemalige nicht mehr haben wollten ... :mrgreen:

Kein Wunder, dass fast alle Ossis da weg sind. :wink:


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Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 17:51

norvegia hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben:
Dann muesste sich das Wahlverhalten der Ostdeutschen in den letzten 20 Jahren aber stark veraendert haben, denn 1990 haben durchaus sehr viele Leute CDU gewaehlt oder auch FDP...


Also wer FDP wählte, sollte sich in Grund und Boden schämen...

Eben nicht. Du mußt das im Zusammenhang mit der Einheit Deutschlands sehen.
Die SED hat durch ihre Enteignungspolitik fast den gesamten Mittelstand zerschlagen. Da sich die westdeutsche Wirtschaft aber damals schon vor allem auf den Mittelstand aufbaute, war es auch hier äußerst wichtig, daß der Mittelstand gefördert wurde, damit sich dieser neu aufbauen konnte. Es war schon vor dem 18. März 1990 klar, daß die Großbetriebe (wie das Stahlwerk in Hennigsdorf mit über 8000 Beschäftigten) diese hohen Beschäftigtenzahlen auf keinen Fall werden halten können. Einige waren so marode, daß man sie nur noch abreißen konnte. Daher waren die Ziele der FDP damals genau richtig, die Ostdeutschland als ein "Niedrigsteuergebiet" etablieren wollten. In meinen Augen wurde der Mittelstand in der Realität dann aber noch nicht genug gefördert, was man an den hochschnellenden Arbeitslosenzahlen erkennen konnte. Das hätte man viel besser koordinieren müssen.
Dann hätte es auch nicht zu diesen sozialen Zerwürfnissen geführt, wie es dann war. Die Zustimmung von Teilen der Bevölkerung für die rechtsextremistischen Anschläge kamen nicht von ungefähr, sondern waren Ausdruck einer großen Verzweiflung. Arbeitslosigkeit oder auch nur ein unsicherer Arbeitsplatz war bis dahin völlig unbekannt.

Karlheinz hat geschrieben:
Wer das glaubt.... 1990 gab es in der DDR 12,4 Millionen Wahlberechtigte und noch keine Wessis auf dem Gebiet der DDR. Heute leben in der ehemaligen DDR nur noch 8 Millionen Wahlberechtigte.
Bei der letzten Bundestagswahl 2009 haben in der ehemaligen DDR gewählt: Die Linke = 2,18 Millionen; die SPD= 1,36 Millionen. Das sind wohl die anständigen Ossis. Sind nicht viele nachgeblieben.
Konservativ/Mitte/Mitte-links haben gewählt: CDU= 2,28 Millionen; die FDP = 0,81 Millionen, die Grünen= 1,37 Millionen. Das sind dann wohl alles Wessis.
Deiner Theorie nach leben heute nur noch 3,54 Millionen Ossis in der ehemaligen DDR, nämlich die Wähler von SPD und „Der Linken“. Also hat der weitaus größte Teil der ehemaligen Bevölkerung der DDR inzwischen das Weite gesucht. Stattdessen leben heute zum größten Teil Wessis bei euch. Wer das glaubt, zieht sich morgens die Hose mit der Kneifzange an.
Was machen die ursprünglichen 12,4 Millionen Wahlberechtigten heute? „Die Linke“ können sie nicht gewählt haben, jedenfalls nur zum Teil, denn im gesamten Bundesgebiet erhielt „Die Linke“ 5,18 Millionen Wähler. Was machen die restlichen 7,22 Millionen? Einige werden SPD wählen, viele aber auch die CDU. So sieht es aus mit den Helden der Arbeit.

Danke Karlheinz, für deine Rechnung. Danach müßte es also fast einen kompletten Bevölkerungsaustausch gegeben haben. Das kann natürlich nicht sein.
:wink:


Zurück zum eigentlichen Thema:
Vielen Dank Peppone, für dein ausführliches Statement. Das war schon recht aufschlussreich. Ich muß gestehen, ich dachte tatsächlich, daß "die Gläubigen" so ziemlich alles glauben würden, was in der Bibel steht und sich zu mindest das zueigen machen, was im "Neuen Testament" steht. Daher auch meine Verblüffung, daß sich jeder im Grunde aussucht, was er sich wirklich zueigen macht.
Aber das dürfte den Priestern nicht so unbedingt "schmecken" oder?
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RedScorpion

Re: Die Karriere Gottes

18.03.2013, 21:31

Barbarossa hat geschrieben:
...
Zurück zum eigentlichen Thema:
Vielen Dank Peppone, für dein ausführliches Statement. Das war schon recht aufschlussreich. Ich muß gestehen, ich dachte tatsächlich, daß "die Gläubigen" so ziemlich alles glauben würden, was in der Bibel steht und sich zu mindest das zueigen machen, was im "Neuen Testament" steht. Daher auch meine Verblüffung, daß sich jeder im Grunde aussucht, was er sich wirklich zueigen macht.
Aber das dürfte den Priestern nicht so unbedingt "schmecken" oder?

Das ist es, was ich vorher meinte mit meinem Erstaunen darüber, dass in der Ehemaligen wohl die letzten 100 Jahre Glaubenswissenschaft verloren gegangen sind (und das sind gerade die prägenden, und zwar so ziemlich für alle in D vertretenen oder ehemals vertretenen religiösen Gruppierungen), was eine echte Schande ist, wenn's stimmt.

Wenn's um Bibeltexte geht, ist eigentlich die erste Frage, aus welcher Bibel denn überhaupt. Und freilich wollen Textstellen interpretiert und mit Glaubensinhalten verbunden bzw. gar "harmonisiert" werden, anders hätten viele zumindest auf den ersten Blick widersprüchliche Stories null Sinn. Die Zeiten, als die Bibel als das Wort Gottes angesehen wurde, sind lange vorbei (ist mir auch nicht bekannt, dass Gott sich vorzugsweise auf Deutsch geäussert hätte. Deutschland ist nicht "God's own country". Zu seinem eigenen Glück :wink: ).

Und auch die "Priester" haben - möglicherweise teilweise auch gar nichtmal wider besseren Wissens - immer schon ausgelegt, mehr oder auch weniger gegängelt durch kirchliche oder (häufiger) staatliche Institutionen. Der einzelnen Richtung, Schule oder Gemeinschaft war das ggf. aber wumpe; im Ggteil, die vielen Entwicklungen, Auseinandersetzungen und gar Kriege um Glaubensfragen (selbst wenn sie teilweise nur vorgeschoben oder als Anlass genutzt waren) zeigen ja, dass sich der Mensch so ohne weiteres nicht in seinem Glauben von weltlicher Macht dominieren lassen will und sich sehr wohl nach Stimmigkeit und Kompabilität sehnt. Und Inputs kommen da oft von Aussenseitern oder ehemaligen Aussenseitern, sind politisch und sozial bedingt und mitnichten (nur) musealer Staub.




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Re: Die Karriere Gottes

19.03.2013, 01:45

RedScorpion hat geschrieben:
norvegia hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:
Darf ich 'mal schüchtern nachfragen, wer denn diese Leute sind, die in den Osten ziehen oder gezogen sind, und v.a. warum?

Danke und lG



Es gab ganz Ostdeutschland im Schlußverkauf billig für eine Mark zu kaufen...

Und, war's das denn noch wert? :mrgreen: :wink:

Ernsthaft: Ich dachte immer, dass sei vllt nicht unbeding ein Fass ohne Boden, aber doch im Trillionenbereich, was da reingebuttert werden musste. Also vom Wert her so ungefähr im 10stelligen Minusbereich, mindestens.

Wer will da wohnen? Die Russen wussten schon genau, warum sie die Ehemalige nicht mehr haben wollten ... :mrgreen:

Kein Wunder, dass fast alle Ossis da weg sind. :wink:


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Wohl dem der weiß wovon er redet...

So abgewrackt waren wir hier gar nicht.
Es gab hier viele gute Betriebe die alle auf dem modernsten Stand der Technik waren.
Und sie konnten auch mit dem Westen konkurieren ohne Probleme.
Es gab zwar auch noch das ein oder andere baufällige, aber man kann nicht alles auf einmal neu bauen und modernisieren, nur wil die Ausländer sich das so einbilden...
Wenn ich nur 100000 Euro habe, kann ich nur ein Haus bauen und nicht fünf, wie im Kapitalismus ja allgemein so üblich...
Alles was modern war hier, wurde abgewrackt von den westlichen Turbokapitalisten hier.
Und was dieses Investititionsgrab angeht, so ist das auch Auslegung westlicher Propaganda und Politik.
Was hier wirklich so ablief war, daß jeder Wertgegenstand für eine Mark verkauft wurde an die Großkapitalisten.
Sie steckten sich wahnsinns Fördergelder in die Tasche, dafür daß sie Ostdeutschland aufkauften.
Dann nutzen sie es als Abschreibungprojekt und ließen den Betrieb ganz bewußt pleite gehen.
Die Fördergelder brauchten sie aber nie zurückzahlen.
Hier wurde ein guter Betrieb nach dem nächsten einfach so geschlossen, sie waren ja auch Konkurenz für die westlichen Betriebe.

Die Wessis wrackten hier nicht nur alles ab.
Sie taten noch viel mehr hier.
Sie zerstörten unsere Kultur und drückten uns ihre eigene auf, die wir nie für uns übernehmen würden.
Seit 20 Jahren werden wir Ossis nur noch bevormundet hier, von irgendwelchen aus dem Westen dahergelaufenen Menschen inclusive der gleich mitgebrachten Politiker, die unter Garantie nicht einen Ossi vertreten.
Sie kommen hier her mit dem stolzen Anliegen, hier Kultur reinbringen zu wollen.
Oder sie bilden sich bis heute noch ein, daß sie uns was gutes tun, wenn sie uns ihre Vorstellungen von Niveau aufs Auge drücken wollen.
Nichts macht einem Ossi mehr Angst, wie wenn der Wessi sich hier hinstellt und das Wort Niveau oder Kultur in den Mund nimmt.
Weil der Ossi sich an einer Hand abzählen kann, daß ihm nur wieder einmal mehr ein Stück genommen wird, von dem was er mal war.
Ich bin Ossi und ich darf so reden. ;-)