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Moderator: Barbarossa

 
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Triton
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Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

13.09.2014, 22:14

War Speers mildes Urteil wirklich das einzige Fehlurteil in Nürnberg?

Alfred Jodl wurde zum Tod durch den Strang verurteilt und soll sogar gar nicht unglücklich damit gewesen sein. Unter den Alliierten umstritten, wurde Jodl in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Als Einziger des Triumvirats, das Hitler nachfolgte, endete er am Galgen.

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Jodl war, im Gegensatz zu Speer, kein Liebling Hitlers, sondern wegen seiner realistischen Einschätzungen längst in Ungnade gefallen und nur wegen seiner Fachkompetenz noch im engsten Führungskreis zugegen.

War Jodl Opfer seiner Nähe zu Hitler und der Tatsache, dass Wehrmacht und SS zwangsweise die Verbrechen begehen musste, die Hitler befahl? Oder wird Jodl heute zu positiv gesehen?
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Orianne
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 00:34

Ich persönlich bin der Ansicht, dass die Hauptangeklagten von Nürnberg zum Teil fehlerhaft verurteilt wurden, man wollte das schnell erledigt haben, man kommt automatisch zu dieser Ansicht wenn man bedenkt wie viele Aktenfunde noch nach Nürnberg gemacht wurden, oder wie viele Akten durch die Russen, Engländer, Amerikaner und Franzosen zum Teil zurück gehalten wurden, während die Prozesse noch liefen.

Bei Jodl waren es ja auch die 4 Anklagepunkte, die ihm zur Last gelegt wurden:

Gemeinsamer Plan oder Verschwörung (Grundlage: Artikel 6 besonders 6a des Statuts)
Verbrechen gegen den Frieden (Grundlage: Artikel 6a des Statuts)
Kriegsverbrechen (Grundlage: Artikel 6, besonders 6b des Statuts)
Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Grundlage: Artikel 6, besonders 6c des Statuts)

"Sie waren alle Nationalchauvinisten", deren Schlüsselerlebnis die Jahre 1918/19 - Kriegsende und Revolution - bildete. Eine Situation, mit der sie sich nie abgefunden hätten. Dieser Art Revisionsdrang wurde alles untergeordnet. Skrupellosigkeit bestimmte das Leben dieser Männer. Die werde bei Jodl sichtbar, als er noch im März 1945 einen Befehl erliess, bei Kampfhandlungen auf die deutsche Zivilbevölkerung keinerlei Rücksicht mehr zu nehmen. Gleichzeitig habe er angeordnet, seine Frau ins sichere Bayern zu fliegen. Aus dem Buch von Mathias Raabe "Stufen zum Galgen - Lebenswege vor den Nürnberger Urteilen".

Seine durch seine Frau vorangetriebene Rehabilitierung 1953 durch ein Spruchkammerverfahren in München zeigt, dass Jodl den Strick nicht verdient hatte, ich hätte ihm aber 20 Jahre Haft gegeben, denn seine Verstrickung in die 4 Punkte war doch recht hoch.
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Stephan
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 01:28

Triton hat geschrieben:
...
War Jodl Opfer seiner Nähe zu Hitler und der Tatsache, dass Wehrmacht und SS zwangsweise die Verbrechen begehen musste, die Hitler befahl? Oder wird Jodl heute zu positiv gesehen?


Der Aussage, dass Wehrmacht und SS zwangsweise die Verbrechen begehen mussten, möchte ich doch widersprechen. Die Wehrmacht war der Waffenträger im Dritten Reich, wer soll den gezwungen haben? Die SS war als Organisation treibende Kraft der begangenen Verbrechen und handelte keineswegs aus Zwang.

Aber zurück zu Jodl. Ausgehend von Frau Dr. Katharina Kellmanns Aufsatz (http://www.katharinakellmann.de/Aufsaetze/Alfred-Jodl) halte ich das Todesurteil im Kontext der damaligen Zeit gegen Jodl durchaus für vertretbar. Jodl hatte durch seine Dienststellung mehr als einmal die Möglichkeit, dem Treiben seines "Führers" ein Ende zu setzen. Daran scheint er aber nicht eine Sekunde gedacht zu haben. Dazu kommt sein Versagen als Vorgesetzter. Seine Pflicht wäre es gewesen den verbrecherischen Kommissarbefehl zu verhindern, statt "seine Männer" zu Verbrechen zu anzuleiten. Warum sollte es ihm besser ergehen, als dem einfachen Landser, der bereits im Winter 1941 auch auf Grund Jodls Wirken vor Moskau erfror?
Freundliche Grüsse
Stephan
 
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Triton
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 08:35

Stephan hat geschrieben:
Die Wehrmacht war der Waffenträger im Dritten Reich, wer soll den gezwungen haben? Die SS war als Organisation treibende Kraft der begangenen Verbrechen und handelte keineswegs aus Zwang.
Missverständnis. Die Wehrmacht erreichte naturgemäß die neu kontrollierten Gebiete zuerst und war so zwangsläufig beteiligt an allen Massnahmen gegen die Bevölkerung. Die Waffen-SS genauso. Die Einsatztruppen der SS waren viel zu klein, um allein die Bevölkerung in Schach zu halten und die Säuberungsmaßnahmen durchzuführen. Organisatorisch war deshalb eine Beteiligung der Landstreitkräfte unvermeidlich, was Jodl als Militär nicht gepasst haben dürfte, ihm aber von Hitler befohlen wurde.
Du darfst nicht übersehen: Alle Wehrmachtssoldaten, auch Jodl, hatten einen Treueeid auf die Person Hitler abgeleistet.

Stephan hat geschrieben:
Jodl hatte durch seine Dienststellung mehr als einmal die Möglichkeit, dem Treiben seines "Führers" ein Ende zu setzen. Daran scheint er aber nicht eine Sekunde gedacht zu haben. Dazu kommt sein Versagen als Vorgesetzter. Seine Pflicht wäre es gewesen den verbrecherischen Kommissarbefehl zu verhindern, statt "seine Männer" zu Verbrechen zu anzuleiten.
Den Kommissarbefehl unterschrieb m.W. Keitel. Jodl war für die Planung und Durchführung militärischer Operationen zuständig, nicht für die Truppenführung. Was man Jodl natürlich vorwerfen konnte: Keinen aktiven Widerstand geleistet zu haben. Da er aber ansonsten nur auf Weisung handelte, sehe ich das Urteil als zu hart an. Von ihm ausgehende Verbrechen sind mir nicht bekannt.

Jodl war, im Gegensatz zum Hitlerzögling Speer und Speichellecker Dönitz als einziger des Triumvirats kein Vertrauter Hitlers. Privat hätte sich Hitler wohl nie mit Jodl verstanden und dienstlich kam es öfter zu lautstarken Auseinandersetzungen und nur Jodls fachliche Kompetenz machte ihn unersetzbar. Heute noch lehrt die amerikanische Militärakademie West Point Jodls Angriffspläne, weil sie wohl die besten und erfolgreichsten der jüngeren Militärgeschichte waren.

Planung und Durchführung eines Angriffskrieges als Anklagepunkt war deshalb unbestritten, aber er handelte hier auf Befehl. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er selbst die Initiative ergriff und Ziele ernannte. Sein berühmter Plan zur Invasion Norwegens soll auf Wunsch Raeders zustande gekommen sein.

Stephan hat geschrieben:
Warum sollte es ihm besser ergehen, als dem einfachen Landser, der bereits im Winter 1941 auch auf Grund Jodls Wirken vor Moskau erfror?
Dann hätte man alle Offiziere der Wehrmacht nach dem Krieg erhängen müssen. Jodl war es übrigens, der Hitler im Dezember 1940 einen sofortigen Angriff auf die UDSSR ausredete, weil er wusste, dass die Wehrmacht nicht für Kriege im Winter ausgerüstet war. Wäre es nach Jodl gegangen, hätte die Wehrmacht auch Moskau vor Einsetzen der Schlammperiode erreicht und niemand weiß, mit welchen Folgen.
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Stephan
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 16:31

Triton hat geschrieben:
Missverständnis. Die Wehrmacht erreichte naturgemäß die neu kontrollierten Gebiete zuerst und war so zwangsläufig beteiligt an allen Massnahmen gegen die Bevölkerung. Die Waffen-SS genauso. Die Einsatztruppen der SS waren viel zu klein, um allein die Bevölkerung in Schach zu halten und die Säuberungsmaßnahmen durchzuführen. Organisatorisch war deshalb eine Beteiligung der Landstreitkräfte unvermeidlich, was Jodl als Militär nicht gepasst haben dürfte, ihm aber von Hitler befohlen wurde.
Du darfst nicht übersehen: Alle Wehrmachtssoldaten, auch Jodl, hatten einen Treueeid auf die Person Hitler abgeleistet.


Zunächst einmal gibt es keinen Treueeid gegenüber einem Verbrecher! Darüberhinaus dürften viele, darunter auch Jodl, die ab dem 2. August 1934 dem "Führer" Treue schworen, vorher den Eid auf die Weimarer Verfassung abgelegt haben:
„Ich schwöre der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam leisten will.“

Eine Berufung auf den "Führereid" ist also eine denkbar schlechte Rechtfertigung, insbesondere wenn sie gleichzeitig mit dem Bruch des Eides auf die Weimarer Verfassung - die in Teilen noch heute in Kraft ist - einhergeht.

Ein Befehl kann auch keine Rechtfertigung für eine verbrecherische Tat sein, dies haben nicht nur die Nürnberger Prozesse unmissverständlich klargestellt, sogar Goebbels hatte einmal öffentlich erklärt, bei gemeinen Verbrechen gelte nicht die Ausrede des Handelns auf Befehl, zumal "wenn solche Befehle allen menschlich-ethischen Grundsätzen und den festen Gepflogenheiten der Kriegsführung widersprechen". (s. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9247428.html).

Mal ganz abgesehen von Kants Aufforderung, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, woraus folgt, dass für sein Handeln primär jeder selbst verantwortlich ist!

Die Aussage von der Wehrmacht als dem Waffenträger ist nicht nur auf die Zeit nach Kriegsbeginn sondern auch schon auf die Jahre ab dem 31.1.1933 bezogen, als sich der "Führer" die Gefolgschaft und leider nur vereinzelt die Gegnerschaft des Militärs sicherte.

In diesem Zusammenhang sei auf die Dokumentation von Horst Mühleisen "Patrioten im Widerstand" hingewiesen, zu finden unter http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1993_3_4_muehleisen.pdf.

Triton hat geschrieben:
Den Kommissarbefehl unterschrieb m.W. Keitel. Jodl war für die Planung und Durchführung militärischer Operationen zuständig, nicht für die Truppenführung. Was man Jodl natürlich vorwerfen konnte: Keinen aktiven Widerstand geleistet zu haben. Da er aber ansonsten nur auf Weisung handelte, sehe ich das Urteil als zu hart an. Von ihm ausgehende Verbrechen sind mir nicht bekannt.

Jodl war, im Gegensatz zum Hitlerzögling Speer und Speichellecker Dönitz als einziger des Triumvirats kein Vertrauter Hitlers. Privat hätte sich Hitler wohl nie mit Jodl verstanden und dienstlich kam es öfter zu lautstarken Auseinandersetzungen und nur Jodls fachliche Kompetenz machte ihn unersetzbar. Heute noch lehrt die amerikanische Militärakademie West Point Jodls Angriffspläne, weil sie wohl die besten und erfolgreichsten der jüngeren Militärgeschichte waren.

Planung und Durchführung eines Angriffskrieges als Anklagepunkt war deshalb unbestritten, aber er handelte hier auf Befehl. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er selbst die Initiative ergriff und Ziele ernannte. Sein berühmter Plan zur Invasion Norwegens soll auf Wunsch Raeders zustande gekommen sein.


Leider gibt es keine Verweise, auf die sich die vorstehenden Ausführungen stützen. Persönliches Wissen, Nichtwissen oder Empfindungen allein, sind ganz unzuverlässige Ratgeber, besonders bei so einer sensiblen Materie. Deshalb seien einige Zitate aus der bereits erwähnten Arbeit von Frau Kellmann (http://www.katharinakellmann.de/Aufsaetze/Alfred-Jodl) angeführt, die ein anderes Bild von Jodl zeichnen:

"Noch 1933 hatte er Hitler einen „Scharlatan“ genannt und ihm nur eine kurze Zeit als Reichskanzler gegeben. Doch bald wurde dieser Scharlatan für ihn zum Genie."


"Von 1939 bis 1945 sah Jodl den Diktator fast täglich, an über 5000 Besprechungen im „Führerhauptquartier“ nahm er teil. Er galt als der engste militärische Berater Hitlers."
(Hervorhebung durch mich)

"Für Alfred Jodl bedeutete dies, auf alle Fälle durchzuhalten. In seinen Augen gehörte es nicht zu den Aufgaben eines Soldaten, den Politikern an der Spitze eines Staates Empfehlungen zu geben. Entsprechende Erwartungen wies er im Sommer 1944 mit der Bemerkung zurück, für Politik hätte Hitler seinen Außenminister. Im Januar 1945 notierte Marianne Feuersenger, Sekretärin im "Führerhauptquartier" in ihrem Tagebuch, dass der Chef des Wehrmachtführungsstabes wohl immer noch an das "Genie" des Diktators glaubte. Ob der General nur nach außen hin Zuversicht zeigte oder wirklich noch von seinem Obersten Befehlshaber überzeugt war - diese Frage wird offen bleiben müssen."


"Eindeutig erwiesen ist hingegen der dritte Punkt der Anklage, die Mitwirkung an Kriegsverbrechen. Seine Mitarbeit am völkerrechtswidrigen Kommissarbefehl vom Juni 1941, der die Truppe ermächtigte, politische Offiziere, die so genannten „Kommissare“, zu erschießen, verstieß gegen geltendes Kriegsvölkerrecht."


Was den angeblichen Speichellecker Dönitz betrifft, sei die Anmerkung erlaubt, dass er zu den wenigen Offizieren gehörte, die soviel Arsch in der Hose hatten, auf dem Dienstwege - also offiziell - gegen die Reichsprogromnacht zu protestierten! Davon war Jodl meilenweit entfernt.

Triton hat geschrieben:
Dann hätte man alle Offiziere der Wehrmacht nach dem Krieg erhängen müssen.

Nein! Schuld ist immer individuell, der Kreis derer, die in Hitlers Pläne von Anfang an eingeweiht waren und auch die Möglichkeit hatten sie zu verhindern, ist wesentlich kleiner - Jodl zählte dazu.

Triton hat geschrieben:
Jodl war es übrigens, der Hitler im Dezember 1940 einen sofortigen Angriff auf die UDSSR ausredete, weil er wusste, dass die Wehrmacht nicht für Kriege im Winter ausgerüstet war. Wäre es nach Jodl gegangen, hätte die Wehrmacht auch Moskau vor Einsetzen der Schlammperiode erreicht und niemand weiß, mit welchen Folgen.


Dann hätte die Wehrmacht im Winter 1941/42 etwas weiter östlich festgesessen - wie weiland Napoleon, und wie die Geschichte ausgegangen ist, ist wohl bekannt. Wenn Jodl im Herbst 1940 bekannt war, dass die Wehrmacht nicht für eine Kriegsführung im Winter vorbereitet war, was hat er dann eigentlich unternommen, um diesen militärischen Mißstand zu beseitigen?

(Persönliche Anmerkung: Die Bw war Mitte der 70er Jahre immer noch nicht auf eine Kriegsführung im Winter vorbereitet. Statt wattierter Kleidung gab es die Empfehlung den Trainingsanzug unterzuziehen!)
Freundliche Grüsse
Stephan
 
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 17:47

Der Aufsatz von Frau Kullmann ist auch nur eine Meinung und hat nicht Unfehlbarkeitscharakter und strotzt nebenbei nur so von unbewiesenen Behauptungen. Hast Du auch eine eigene Meinung? Jodls Urteil gilt heute als Fehlurteil und Du bist also der Meinung, es war schon richtig so. Schön.

Söhnke Neitzel ist wohl deutlich anerkannter als Experte auf dem Gebiet und hat eine abweichende Meinung.

Ich habe nicht behauptet, dass der Eid auf Hitler eine Rechtfertigung für alles war, unbestritten ist aber, dass sich gerade Offiziere, die in preussischer Tradition aufgewachsen sind, daran gebunden fühlten. Dazu gehörte neben Jodl auch v. Manstein, gewiss kein Dummkopf.

Keine Ahnung, was Du sagen willst, aber um mal ein paar Fakten geradezurücken:

Es war Lütjens und nicht Dönitz, der gegen die Reichskristallnacht protestiert hat. Oder weißt Du das besser? Das ist eine so bekannte Tatsache, dass es mir wirklich schwer fällt, Deine weiteren Ausführungen ernst zu nehmen.

Natürlich war Jodl Hitlers engster Berater in militärischen Fragen, das genau war sein Job. Habe ich was anderes behauptet? Und als solcher, darin kann man seine Schuld sehen, kümmerte er sich nicht um andere Belange sondern sah sie als unabdingbar an. Ich halte ihn für unpolitisch, Durchhaltereden wie bei Dönitz kennt man von ihm nicht.
Dönitz war ein Kinnmuskelspanner und opferte viele seiner U-Boot-Fahrer in sinnlosen Missionen, man kann als Beispiel auch die Männer der "Scharnhorst" nennen. Keine Ahnung, wie man darauf kommen kann, ihn in ein besseres Licht zu rücken.

Da er bei Hitler in Ungnade gefallen war, beweist ja nur, dass selbst ein Protest gegen irgendeine Maßnahme sinnlos war, im Zweifel wurde man ersetzt. Jodl wurde nicht ersetzt, weil er fachlich unangreifbar war und sich aus politischen Fragen heraushielt.

Eine lange Haftstrafe hätte ich für richtig befunden, aber Jodl selbst soll froh gewesen sein, dass er die für ihn belastende Haft nicht länger ertragen musste.
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 18:13

Es ist vielleicht jetzt ein wenig OT, aber es erinnert mich an eine Geschichtsstunde als Schülerin. Ein Schüler fragte unseren Lehrer: "Warum waren Jodl und Guderian keine Generalfeldmarschälle"? Kurze Antwort unseres Lehrers: "Weil sie bei Hitler nicht so beliebt waren".
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

14.09.2014, 18:23

Man kann es auch so sagen: weil es mit Beiden ab und zu sehr laut wurde. Ich nehme an, immer wenn Hitler den Blick auf die Realitäten verloren hatte und sich jemand traute, ihm das auch zu sagen. Dass Jodl nicht Feldmarschall wurde, ist bei seiner einfachen Herkunft umso erstaunlicher.

Ich kenne das aus meinem privaten Umfeld, manchmal muss man lauter werden, um auch mal jemand wach zu rütteln. Lange Wirkung hat es aber nie.

Jodl sehe ich als tragische Figur. Was nicht bedeutet, dass er keine Schuld trug.
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

15.09.2014, 01:48

Triton hat geschrieben:
Der Aufsatz von Frau Kullmann ist auch nur eine Meinung und hat nicht Unfehlbarkeitscharakter und strotzt nebenbei nur so von unbewiesenen Behauptungen. Hast Du auch eine eigene Meinung? Jodls Urteil gilt heute als Fehlurteil und Du bist also der Meinung, es war schon richtig so. Schön.

Söhnke Neitzel ist wohl deutlich anerkannter als Experte auf dem Gebiet und hat eine abweichende Meinung.

Ich habe nicht behauptet, dass der Eid auf Hitler eine Rechtfertigung für alles war, unbestritten ist aber, dass sich gerade Offiziere, die in preussischer Tradition aufgewachsen sind, daran gebunden fühlten. Dazu gehörte neben Jodl auch v. Manstein, gewiss kein Dummkopf.

Keine Ahnung, was Du sagen willst, aber um mal ein paar Fakten geradezurücken:

Es war Lütjens und nicht Dönitz, der gegen die Reichskristallnacht protestiert hat. Oder weißt Du das besser? Das ist eine so bekannte Tatsache, dass es mir wirklich schwer fällt, Deine weiteren Ausführungen ernst zu nehmen.

Natürlich war Jodl Hitlers engster Berater in militärischen Fragen, das genau war sein Job. Habe ich was anderes behauptet? Und als solcher, darin kann man seine Schuld sehen, kümmerte er sich nicht um andere Belange sondern sah sie als unabdingbar an. Ich halte ihn für unpolitisch, Durchhaltereden wie bei Dönitz kennt man von ihm nicht.
Dönitz war ein Kinnmuskelspanner und opferte viele seiner U-Boot-Fahrer in sinnlosen Missionen, man kann als Beispiel auch die Männer der "Scharnhorst" nennen. Keine Ahnung, wie man darauf kommen kann, ihn in ein besseres Licht zu rücken.

Da er bei Hitler in Ungnade gefallen war, beweist ja nur, dass selbst ein Protest gegen irgendeine Maßnahme sinnlos war, im Zweifel wurde man ersetzt. Jodl wurde nicht ersetzt, weil er fachlich unangreifbar war und sich aus politischen Fragen heraushielt.

Eine lange Haftstrafe hätte ich für richtig befunden, aber Jodl selbst soll froh gewesen sein, dass er die für ihn belastende Haft nicht länger ertragen musste.


1. Wo gilt die Verurteilung Jodls heute als Fehlurteil?
2. Die Historikerin heißt Kellmann und nicht Kullmann. Dass Historiker nicht unfehlbar sind, ist zwar richtig, gilt aber ausnahmslos für alle und hilft in der Sache nicht weiter.
3. Warum werden Frau Kellmanns "unbewiesene Behauptungen" eigentlich nicht widerlegt? Pauschale Vorwürfe sind keine Argumente.
4. Die Berücksichtigung des Treueeids auf die Person Adolf Hitlers wurde vom TE ausdrücklich angemahnt. Mein Fazit dazu: Jodl brach damit seinen Eid auf die Weimarer Reichsverfassung. Andere verweigerten sich und zogen sich zurück, Jodl war die persönliche Karriere aber wohl wichtiger als seine Soldatenehre.
5. Jodl wuchs keineswegs in preussischer Tradition auf. Er war Bayer und Angehöriger der bayerischen Armee im I. Weltkrieg.
6. Gegen die Novemberprogrome protestierten lt. wiki: Dönitz, Lütjens, Mönting und Patzig http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_L%C3%BCtjens.
7. Wann ist Jodl bei Hitler in Ungnade gefallen? Vor oder nachdem ihm am 30. Januar 1943 das "Goldene Parteiabzeichen der NSDAP" verliehen wurde? Die Auszeichnung wurde bestimmt nicht als Zeichen der Ungnade verliehen.
8. Der Kommissarbefehl wurde vom Wehrmachtsführungsstab (= Jodls Dienststelle) herausgegeben und von seinem Stellvertreter Warlimont abgezeichnet und nicht wie vom TE dargestellt von Keitel. siehe http://www.ns-archiv.de/krieg/1941/kommissarbefehl.php
9. Jodl brauchte keine Durchhalteparolen um zu wirken, er war wie Eichmann ein Schreibtischtäter.

Abschließend noch ein Verweis auf eine Rezension der von Bodo Scheurig verfassten Biographie von Jodl:
(http://www.katharinakellmann.de/Buchbes ... lfred-Jodl)
Freundliche Grüsse
Stephan
 
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dieter
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

15.09.2014, 13:23

Triton hat geschrieben:
Man kann es auch so sagen: weil es mit Beiden ab und zu sehr laut wurde. Ich nehme an, immer wenn Hitler den Blick auf die Realitäten verloren hatte und sich jemand traute, ihm das auch zu sagen. Dass Jodl nicht Feldmarschall wurde, ist bei seiner einfachen Herkunft umso erstaunlicher.

Ich kenne das aus meinem privaten Umfeld, manchmal muss man lauter werden, um auch mal jemand wach zu rütteln. Lange Wirkung hat es aber nie.

Jodl sehe ich als tragische Figur. Was nicht bedeutet, dass er keine Schuld trug.

Lieber Joerg,
in so einem Krieg laden Führungskräfte automatisch Schuld auf sich. :wink:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
 
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Marek1964
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

20.09.2014, 11:55

dieter hat geschrieben:
Triton hat geschrieben:
Man kann es auch so sagen: weil es mit Beiden ab und zu sehr laut wurde. Ich nehme an, immer wenn Hitler den Blick auf die Realitäten verloren hatte und sich jemand traute, ihm das auch zu sagen. Dass Jodl nicht Feldmarschall wurde, ist bei seiner einfachen Herkunft umso erstaunlicher.

Ich kenne das aus meinem privaten Umfeld, manchmal muss man lauter werden, um auch mal jemand wach zu rütteln. Lange Wirkung hat es aber nie.

Jodl sehe ich als tragische Figur. Was nicht bedeutet, dass er keine Schuld trug.

Lieber Joerg, in so einem Krieg laden Führungskräfte automatisch Schuld auf sich. :wink:


Ja, und das ist der Grund warum man hätte Jodl hängen können, oder zu Recht getan hat. Andererseits hätte man da auch Dönitz hängen können und viele andere auch.

Gerechtigkeit zu schaffen, insbesondere vergleichend, und über so eine schwierige und lange Zeit, wo Verantwortlichkeiten so verwoben sind, wohl fast unmöglich.

So würde ich von keinem Fehlurteil sprechen, sondern vor allem von einem harten, dies insbesondere im Vergleich zu anderen Opfern, die entweder unschludig gestorben sind oder gar ihren Widerstand mit dem Leben bezahlt haben, braucht man für Jodl wohl keine Tränen zu vergiessen.
 
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

24.09.2014, 23:25

Ian Kershaw beschreibt Jodl als "glühenden Verehrer" Hitlers. Deshalb nehme ich an, dass er sich mit ihm anlegte, um ihm zu helfen.
Das kenne ich von vielen Personen in meinem Umfeld, die einfach nicht die Wahrheit hören wollen und dann stur und abweisend werden, wenn man ihnen helfen will. Dabei erkennt man den klugen Menschen daran, dass er Kritik annimmt.
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dieter
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

25.09.2014, 14:44

Marek1964 hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Triton hat geschrieben:
Man kann es auch so sagen: weil es mit Beiden ab und zu sehr laut wurde. Ich nehme an, immer wenn Hitler den Blick auf die Realitäten verloren hatte und sich jemand traute, ihm das auch zu sagen. Dass Jodl nicht Feldmarschall wurde, ist bei seiner einfachen Herkunft umso erstaunlicher.

Ich kenne das aus meinem privaten Umfeld, manchmal muss man lauter werden, um auch mal jemand wach zu rütteln. Lange Wirkung hat es aber nie.

Jodl sehe ich als tragische Figur. Was nicht bedeutet, dass er keine Schuld trug.

Lieber Joerg, in so einem Krieg laden Führungskräfte automatisch Schuld auf sich. :wink:


Ja, und das ist der Grund warum man hätte Jodl hängen können, oder zu Recht getan hat. Andererseits hätte man da auch Dönitz hängen können und viele andere auch.

Gerechtigkeit zu schaffen, insbesondere vergleichend, und über so eine schwierige und lange Zeit, wo Verantwortlichkeiten so verwoben sind, wohl fast unmöglich.

So würde ich von keinem Fehlurteil sprechen, sondern vor allem von einem harten, dies insbesondere im Vergleich zu anderen Opfern, die entweder unschludig gestorben sind oder gar ihren Widerstand mit dem Leben bezahlt haben, braucht man für Jodl wohl keine Tränen zu vergiessen.

Lieber Marek,
ich kann sowieso nicht verstehen, dass Speer so gut wegkam, er hätte mindestens lebenslang verdient. Ich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe, egal was der Täter auch gemacht hat. :wink:
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Marga
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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

25.09.2014, 16:03

[list=]
Ich bin grundsätzlich gegen die Todesstrafe, egal was der Täter auch gemacht hat. :wink:[/list]
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Da fällt mir nichts mehr ein!
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Die Abschaffung der Todesstrafe war die Stunde der Gunst für Straftäter (Mörder).

Bin nach wie vor ein Befürworter der Todesstrafe!
Andere Nationen fackeln da nicht lange. Schuld zu 100% erwiesen, sofortige Vollstreckung - kostet dem Steuerzahler schon nichts mehr.

Marga
Por favor Consejo error disculpas

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Re: Das (Fehl-?)Urteil von Nürnberg - Alfred Jodl

25.09.2014, 17:08

Jodl wünschte sich die Todesstrafe. Eine lebenslängliche Strafe hätte er schwer ertragen können.
"Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, in dem man sie ignoriert." (Aldous Huxley)