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Moderator: Barbarossa

 
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Karriere Gottes - von kleiner Gottheit zum Allmächtigen

26.11.2012, 11:45

Wie aus einer kleinen Gottheit ein allmächtiger Herrscher wurde
Hat Gott eine geschichte? Kann man seine "Karriere" zum einzigen und allmächtigen Gott für Juden, Christen und Muslime nachzeichnen? Die Ausgangsfragen erscheinen nur auf den ersten Blick provokant. Tatsächlich hat Jahwe - so nennt sich der Gott der Bibel selbst - greifbare Spuren hinterlassen.
Begann Gottes Geschichte vor 3400 Jahren?
Quelle: http://www.terra-x.zdf.de
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 10:16

Da ist zunächst einmal der Name selbst. Die bislang älteste Erwähnung Jahwes außerhalb der Bibel findet sich in Soleb im heutigen Sudan. Der Pharao Amenophis III. hatte dort im 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung am einem Tempel eine Liste der Regionen und Völker anbringen lassen, die unter seiner Herrschaft standen. Die Hieroglyphen sprechen von einem Land der Schasu namens Jahwe und legen den Schluss nahe, dass die Geschichte des biblischen Gottes vor 3400 Jahren mit dem Volk des Schasu begann, die als Wanderarbeiter und Viehhirten den Vorderen Orient durchstreiften.
Quelle: www.terra-x.zdf.de
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 10:49

Gott hat eine Geschichte, so wie alles andere auch, er ist nicht ewig, er existiert auch nicht wirklich, sondern nur in der Phantasie der Menschen. Wenn sie nicht mehr an ihn glauben, so wie das heute bei vielen der Fall ist, stirbt Gott. Gott stirbt, aber der Mensch lebt weiter.
 
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Triton
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 13:37

Karlheinz hat geschrieben:
Gott hat eine Geschichte, so wie alles andere auch, er ist nicht ewig, er existiert auch nicht wirklich, sondern nur in der Phantasie der Menschen.
Hmmm. War es nicht Descartes, der behauptete, dass es das, was wir uns denken können, auch geben muss? Wenn man es sich überlegt, dann hat er Recht! Die menschliche Phantasie ist nicht groß genug, sich etwas vorzustellen, das keinen Bezug zur eigenen Welt hat.
Gott existierte in allen bekannten Kulturen in verschiedenen Formen, ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass alle Menschen ganz unabhängig voneinander immer ähnliche Modelle und Wesen erschaffen, um sich die Welt zu erklären.
Für mich stellt sich nicht die Frage, ob es Gott gibt, sondern was Gott ist. Wo fängt er an und wo hört er auf? Hat er "nur" den Urknall ausgelöst und lenkt er dauernd mit?

Übrigens ist die ZDF-Reihe von Margot Käßmann "gemacht" worden, wenn ich mich nicht irre. Nichts gegen die Frau, aber vor 3400 Jahren, also 1400 v.Christus, fängt ganz sicher nicht die Geschichte Gottes an. Gerade in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte dürften alle möglichen Gottesvorstellungen vorhanden gewesen sein und das wurde in Wandmalereien auch dargestellt. Für solche religionshistorische und philosophische Themen ist Frau Käßmann nicht die geeignete Person.

Beste Grüße
Joerg
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 14:05

zu Triton:
Hmmm. War es nicht Descartes, der behauptete, dass es das, was wir uns denken können, auch geben muss? Wenn man es sich überlegt, dann hat er Recht! Die menschliche Phantasie ist nicht groß genug, sich etwas vorzustellen, das keinen Bezug zur eigenen Welt hat.
Gott existierte in allen bekannten Kulturen in verschiedenen Formen, ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass alle Menschen ganz unabhängig voneinander immer ähnliche Modelle und Wesen erschaffen, um sich die Welt zu erklären.


Soweit mir bekannt ist, sagte Descartes: „Ich denke, also bin ich“, aber nicht, das alles, was ich mir denken kann, deswegen auch existiert. Vorstellen kann ich mir ja die verrücktesten Sachen…

Die Religion hat laut Religionsforscher viele Ursachen: Sie setzt eine Ordnung (Gesetze), sie „erklärt“ natürliche Phänomene (Blitz und Donner z.B.), sie „erklärt“ letzte Fragen (Leben und Tod, Sinn des menschlichen Daseins, Entstehung und Sinn des Universums), sie legitimiert Herrschaft (von Priestern oder Gottkönigen), und noch viel mehr. Laut Anthropologen hatten die Menschen früher ein magisches Denken, d.h. sie unterschieden nicht zwischen Realität und Fantasie, Träume, Visionen waren für sie real, deshalb schufen sie phantastische Welten. (Machen einige noch immer, Tolkien, Harry Potter, die Menschen lieben so etwas).

Religionen gibt es offensichtlich, so lange wie der Mensch denken kann und nach einer Erklärung für seine Welt sucht. Schon in der Steinzeit gab es diverse Kulte. Für die menschliche Evolution ist Religion offensichtlich sehr wichtig, da sie Verhaltensnormen und Gesetze festlegt, die das menschliche Zusammenleben regeln, denn anders als bei Tieren ist bei uns Verhalten nicht mehr rein instinktmäßig festgelegt.

Ob das ZDF gut beraten war, unsere gute Theologin mit der Sendung zu beauftragen, bezweifle ich allerding auch.
 
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 14:20

Karlheinz hat geschrieben:
Gott hat eine Geschichte, so wie alles andere auch, er ist nicht ewig, er existiert auch nicht wirklich, sondern nur in der Phantasie der Menschen. Wenn sie nicht mehr an ihn glauben, so wie das heute bei vielen der Fall ist, stirbt Gott. Gott stirbt, aber der Mensch lebt weiter.

Lieber Karlheinz,
natürlich ohne die Anbetung von Menschen existiert auch keine Gottheit. Das Interessante an dieser Geschichte ist , wie die Juden von mehreren Götttern im Laufe ihrer Geschichte zu einem einzigen Gott kamen :?: Sie hatten durchaus Anfangs mehrere Götter, sogar eine weibliche Hauptgottheit, die sie aber durch die Angriffe der Assyrer auf Israel venachlässigt hatten und sich ausschließlich auf Jahwe konzentrierten. :wink: Die Sendung des ZDF am Sonntag Abends war sehr interessant. Frau Käßmann mit ihren Kommentaren gab auch Erklärungen ab.
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 14:25

Triton hat geschrieben:
Karlheinz hat geschrieben:
Übrigens ist die ZDF-Reihe von Margot Käßmann "gemacht" worden, wenn ich mich nicht irre. Nichts gegen die Frau, aber vor 3400 Jahren, also 1400 v.Christus, fängt ganz sicher nicht die Geschichte Gottes an. Gerade in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte dürften alle möglichen Gottesvorstellungen vorhanden gewesen sein und das wurde in Wandmalereien auch dargestellt. Für solche religionshistorische und philosophische Themen ist Frau Käßmann nicht die geeignete Person.
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Lieber Joerg,
dass es immer Götter gab ist völlig klar, aber die Juden hatten den ersten alleinigen Gott, wenn Du den Gott Aton von Echnaton nicht zählst, dann war das der erste alleinige Gott. :wink:
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Triton
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 14:26

Doch, Gott existiert auch ohne den Menschen. Menschen gibts ja noch nicht soooo lange. Und ob Gott jetzt ein Teamarbeiter ist oder ein Einzeltäter ist mir dabei reichlich schnuppe.
Nur die menschliche Erklärung, das Menschenmodell "Gott", existiert nicht ohne Menschen.

@Karlheinz:
Mach mal ein Beispiel, was nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, aber Du Dir denken kannst!
Natürlich existieren keine kilometergroßen Ameisen mit Plasmakanonen als Beutewerkzeugen, aber alle einzelnen Elemente existieren.

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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 14:32

Triton hat geschrieben:
Doch, Gott existiert auch ohne den Menschen. Menschen gibts ja noch nicht soooo lange. Und ob Gott jetzt ein Teamarbeiter ist oder ein Einzeltäter ist mir dabei reichlich schnuppe.
Nur die menschliche Erklärung, das Menschenmodell "Gott", existiert nicht ohne Menschen.
Beste Grüße
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Lieber Joerg,
es ist schon wichtig, ob er für alles verantwortlich sein soll oder nur für einem bestimmten Bereich. Erstaunlich auch, dass die drei Religionen, welche im Nahen Osten entstanden sind EinGott-Religionen sind. :wink:
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 15:03

Triton:
Mach mal ein Beispiel, was nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, aber Du Dir denken kannst!
Natürlich existieren keine kilometergroßen Ameisen mit Plasmakanonen als Beutewerkzeugen, aber alle einzelnen Elemente existieren.


Aber darum geht es doch gerade, um das Gesamtbild, nicht um die Einzelteile. Ich behaupte, dass die Welten von Harry Potter und Tolkien nicht existieren. Nur weil sich jemand so etwas ausgedacht hat, sind sie deswegen trotzdem nicht real. Harry Potter hat einen Zauberstab. Natürlich gibt es so einen Stab aus ordinärem Holz überall, nur kann man damit eben nicht zaubern. Und gerade darum geht es doch, um die Verknüpfungen. In der Fantasie ist das Ganze eben mehr als die Summe seiner Teile. Ich behaupte also: es gibt einen Stab, aber damit kann man nicht zaubern, auch wenn sich jemand so etwas einmal ausgedacht hat, ist es dennoch nicht real.
 
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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 15:28

Genau das ist es doch. Der Zauberstab ist ein Holzstab, den es gibt. Und man zaubert damit Kaninchen (die gibts ganz real) aus einem leeren Zylinder, der auch wieder ganz real ist. Es gibt eben alles, und was es nicht gibt, sind nur Kompositionen aus Dingen, die es gibt.
Gott gibt es, weil viele Menschen eine ordnende Kraft hinter all dem Chaos vermuten und spüren, das sie umgibt und das dennoch als Ganzes auf ganz erstaumliche Weise funktioniert. Wäre da nichts, zumindest keine Erklärungslücke, hätten sich die Menschen nie Gedanken drüber gemacht.

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Re: Die Karriere Gottes

27.11.2012, 15:57

Triton:
Genau das ist es doch. Der Zauberstab ist ein Holzstab, den es gibt. Und man zaubert damit Kaninchen (die gibts ganz real) aus einem leeren Zylinder, der auch wieder ganz real ist. Es gibt eben alles, und was es nicht gibt, sind nur Kompositionen aus Dingen, die es gibt.
Gott gibt es, weil viele Menschen eine ordnende Kraft hinter all dem Chaos vermuten und spüren, das sie umgibt und das dennoch als Ganzes auf ganz erstaumliche Weise funktioniert. Wäre da nichts, zumindest keine Erklärungslücke, hätten sich die Menschen nie Gedanken drüber gemacht.


Genau das meinte ich ja auch. Es gibt die realen Dinge und die Kompositionen, die ich mir ausdenken kann, die aber deswegen nicht real sein müssen. Mit einem Zauberstab kann ich kein Kaninchen zaubern, das ist nur ein Trick, keine wirkliche Zauberei, die gibt es nicht, auch wenn ich mir so etwas vorstellen kann.
Was nun aber das Universum und Gott betrifft: Muss es eine letzte Kraft geben, die alles geschaffen hat und lenkt oder ist Gott nur ein Erklärungsnotstand? So lange wir nicht wissen, wie es wirklich zusammenhängt, nennen wir es erst einmal Gott. Irgendwann finden wir vielleicht die Erklärung und dann brauchen wir ihn nicht mehr.
 
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Re: Die Karriere Gottes

28.11.2012, 14:32

Weitere Hinweise liefert die Bibel selbst. Im Buch Exodos bringt sie an mehreren Stellen die Auftritte Gottes mit vulkanischen Erscheinungen in Verbindung: das Bild vom brennenden Dornbusch etwas oder die Rauch- und Feuersäulen, die das Volk Israel bei seinen Wanderungen leiten. Prof. Schmincke, einer der renommiersten deutschen Vulkanologen, identifiziert die Bibelzitate als Beschreibung vulkanischer Aktivitäten. Der Wissenschaftler hat auch die Gebiete östlich des Roten Meeres im heutigen Saudi-Arabien bereist, die bis heute tektonisch instabil und vulkanisch aktiv sind. Ist dort die Herkunft des biblischen Gottes zu suchen?
Quelle: www.terra-x.zdf.de
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Barbarossa
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Re: Die Karriere Gottes

28.11.2012, 18:52

Karlheinz hat geschrieben:
...Es gibt die realen Dinge und die Kompositionen, die ich mir ausdenken kann, die aber deswegen nicht real sein müssen. Mit einem Zauberstab kann ich kein Kaninchen zaubern, das ist nur ein Trick, keine wirkliche Zauberei, die gibt es nicht, auch wenn ich mir so etwas vorstellen kann.
Was nun aber das Universum und Gott betrifft: Muss es eine letzte Kraft geben, die alles geschaffen hat und lenkt oder ist Gott nur ein Erklärungsnotstand? So lange wir nicht wissen, wie es wirklich zusammenhängt, nennen wir es erst einmal Gott. Irgendwann finden wir vielleicht die Erklärung und dann brauchen wir ihn nicht mehr.

Ganz genau so sehe ich das auch - nachzulesen im Artikel "Gehört der Islam zu Deutschland?" im Abschnitt "Christliche (Leit-)Kultur?".
:wink:
Die Diskussion ist eröffnet!

Jedes Forum lebt erst, wenn Viele mitdiskutieren.
Schreib auch du deine Meinung! Nur kurz registrieren und los gehts! ;-)
 
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Re: Die Karriere Gottes

29.11.2012, 09:47

Barbarossa hat geschrieben:
Karlheinz hat geschrieben:
...Es gibt die realen Dinge und die Kompositionen, die ich mir ausdenken kann, die aber deswegen nicht real sein müssen. Mit einem Zauberstab kann ich kein Kaninchen zaubern, das ist nur ein Trick, keine wirkliche Zauberei, die gibt es nicht, auch wenn ich mir so etwas vorstellen kann.
Was nun aber das Universum und Gott betrifft: Muss es eine letzte Kraft geben, die alles geschaffen hat und lenkt oder ist Gott nur ein Erklärungsnotstand? So lange wir nicht wissen, wie es wirklich zusammenhängt, nennen wir es erst einmal Gott. Irgendwann finden wir vielleicht die Erklärung und dann brauchen wir ihn nicht mehr.

Ganz genau so sehe ich das auch - nachzulesen im Artikel "Gehört der Islam zu Deutschland?" im Abschnitt "Christliche (Leit-)Kultur?".
:wink:

Ihr Lieben,
bis zum Beweis des Gegenteils glaube ich, dass es einen Gott gibt. :wink:
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