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Moderator: Barbarossa

 
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Sanherib
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Verbesserung bestehender Artikel

20.12.2010, 15:52

Da ich nicht genau weiß wo das hin soll, einfach mal hier rein ;-)

Ich habe vor einige Artikel etwas zu überarbeiten, hauptsächlich in dem gebiet Antike. Hauptsächlich Rechtschreibfehler und nicht gesicherte Ereignisse indem ich diese dann eben als Theorie kennzeichnen. Da ich aber nicht einfach so reinpfuschen will stelle ich Vorschläge in diesen Thread rein und ihr bestätigt sie mir oder verbessert sie weiter.
 
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Sanherib
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Re: Verbesserung bestehender Blogeinträge

20.12.2010, 15:58

Athen


Der berühmteste Gesetzgeber der Antike ist zweifellos Solon(1). Seine Herkunft(2) aus dem ehemaligen attischen Königshaus(3) garantierte ihm eine wohlwollende Beachtung beim Adel, andererseits flößte sein Gerechtigkeitssinn dem Volk Vertrauen ein, so dass er einen idealen Schiedsrichter (asymeten) abgeben konnte. Tatsächlich versuchte er, über den Streitigkeiten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu stehen und die Polis selbst im Blick zu haben. Die Verhältnisse lagen im Argen, denn die Bauernschaft verarmte immer mehr und wurde in die Schuldknechtschaft geschrieben, ein Zustand, der sich mit der mittelalterlichen Leibeigenschaft vergleichen lässt(4).
Schon früher hatte es den Versuch gegeben, in Athen eine Tyrannis zu etablieren; der Usurpator hieß Kylon und bezog seine Autorität aus einem Sieg in Olympia als Läufer, zudem war er der Schwiegersohn des megarischen Tyrannen Theagenes. Doch konnte sein Staatsstreich abgewehrt werden.
Solons Reformen können hingegen als wenigstens teilweise gelungen gelten, wenngleich seine wichtigste Amtshandlung, der Schuldenerlass (seisachtheia), nur kurzfristige Wirkung zeigte; auf lange Frist setzte er immerhin den Zug Athens in Richtung Demokratie in Bewegung. Solon hatte vehement die ihm angetragene Tyrannis zurückgewiesen, der Vernunft und nicht der Macht wollte er vertrauen. Doch dieses Vertrauen ruhte auf tönernen Füßen: Tatsächlich brachen die Adelskämpfe nach seinem Abdanken wieder aus, die aristokratischen genoi teilten sich in drei Parteiungen: die Partei der Küstenbewohner unter der Führung des Megakles (paralioi), die Partei der Ebene (pediakoi), die von reichen Familien aus Eleusis angeführt wurden, und schließlich die des Berglands unter Peisistratos (diakrioi), dem späteren Tyrannen (Arist.Ath.Pol. 13.4). Der hatte sich in einem lokalen Krieg gegen Megara als Heerführer hervorgetan und dadurch Sympathien beim Volk erworben. Mit einem Trick wurde ihm sogar eine Leibwache zugesprochen: sich selbst hatte er eine Wunde beigebracht und dann behauptet, seine Gegner trachteten ihm nach dem Leben. Mit dieser Garde gelang ihm, die Akropolis zu besetzen und die Herrschaft über Athen zu erlangen. Zwar wurde er wenig später von seinen Rivalen vertrieben, doch schloss er mit einem seiner Gegner, Megakles, eine Allianz, ehelichte dessen Tochter, und kehrte - mit der Macht dieses Verbündeten - in großem Gepränge in die Hauptstadt zurück.
Doch auch dieses Mal hielt seine Herrschaft nicht allzu lange an: Megakles wechselte wieder zu seinen alten Verbündeten, gemeinsam schickten sie Peisistratos erneut ins Exil nach Eretria, wo er zehn Jahre ausharren musste. Doch er kam wieder mit einem Heer. Peisistratos' Truppen siegte, nahm die Stadt ein, und so begann 546 die dritte und eigentliche Periode der Tyrannis.
Peisistratos und seine Sohne Hippias und Hipparchos, die dem Vater 528 nachfolgten und deren genos man daher die Peisistraden nannte, umgaben sich weder mit besonderem Luxus noch frönten sie - bis auf eine entscheidende Ausnahme - willkürlichen Herrscherlaunen. Auch Herodot gibt an, dass die bestehenden Gesetze und Ämter immer beibehalten wurden (Hdt 1.59), und Aristoteles in seinem "Staat der Athener" rühmt sie regelrecht und spricht von ihr als "goldenes Zeitalter".
Alles in allem erzielte die Tyrannis der Peisistraden einen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung für die Stadt. Unter ihnen begann die attische Keramik zu blühen. Sie förderten die Landwirtschaft, insbesondere die kleineren Bauern, denen großzügig Kredite eingeräumt wurden, um deren Produktion auszuweiten (Arist.Ath.Pol. 16.2). Die Handelswege nach Athen wurden durch Hipparchos neu vermessen, verbessert und mit Meilensteinen versehen, den sogenannten Hermen. Ähnliche Errungenschaften können die Peisistraden in der Bautätigkeit vorweisen, welche die blühende Wirtschaftskraft mit steinernen Symbolen schmückte: nicht nur wurden unter Hippias die ersten Gmynasien und Rennbahnen errichtet, ein Tempel der Athene Polias stand bereits auf Akropolis seit der ersten Tyrannis des Peisistratos um 560; Aquädukte und Brunnenhäuser gehen vor allem auf das Konto der Söhne. Darüber hinaus entfaltete schon der Vater eine rege Tätigkeit auf kultischem Gebiet - offensichtlich wollte er Attika zu einem religiösen Zentrum formen. Und er kümmerte sich schon früh vor allem um eine Neuorganisation des Stadtfestes, der Panathenaien: ihre große Form wurde alle vier Jahre(5) abgehalten und hatte ähnliche Wettkämpfe zu bieten wie die vier panhellenischen Sportfeste. Auch die Großen Dionysien gehen auf das Konto der Peisistraden, und die Stiftung eines Wettbewerbs der Tragödiendichter - mithin der Geburt der Tragödie als Kunstform.. Eine Bibliothek wurde eingerichtet, Dichter wie Anakreon, Ibykos und Simonides, d.h die Crème der griechischen Lyrik, nach Athen geholt.
Aber insbesondere unter der Herrschaft des Hippias, dem älteren der beiden Söhne, bröckelte die Zustimmung der Athener zu ihren Führern langsam ab. Auch Aristoteles gibt an, dass die Herrschaft unter den Söhnen des Peisistratos härter wurde (Arist.Ath.Pol. 16.7). Ihre Ende beginnt denn auch mit einer merkwürdigen Liebes- und Eifersuchtsgeschichte, die sowohl Thukydides als auch Aristoteles im Detail erzählen (allerdings leicht voneinander abweichend) - kein Wunder, wurden denn die Protagonisten Harmodias und Aristogeiton in der perikleischen Zeit als Volkshelden verehrt.
Hipparchos hatte versucht, die Freundschaft zwischen zwei Jünglingen aus Athen, Harmodius und Aristogeiton(6), zu splittern. Als ihm dies nicht gelang, setzte er Harmodius Schwester ungerechterweise öffentlicher Schande aus. Darauf beschlossen die Freunde, Hipparchos, sowie seinen Bruder Hippias umzubringen. Es gelang ihnen, Hipparchos zu erschlagen, doch Hippias konnte fliehen. Auch Harmodius wurde im Laufe des Attentats getötet, während Aristogeiton gefoltert und hingerichtet wurde.
So wurde zwar Hipparchos getötet, der den Anlass für die Angelegenheit gegeben hatte - hingegen blieb die Tyrannis bestehen: Harmodias fand auf der Stelle den Tod, Aristogeiton wurde später ergriffen, gefoltert und dann hingerichtet (Arist.Pol.Ath. 18.4). Nach diesem Anschlag verschärfte sich die Herrschaft des Hippias, wie Aristoteles und Thukydides übereinstimmend berichten, doch im 4. Jahr wurde der Tyrann von den Spartanern unter König Kleomenes abgesetzt und des Landes verwiesen.

(1) Nein (Angabe relativ)
(2)RF
(3) Beleg
(4) historisch schwer überprüfbar
(5)RF
(6)Laut Tom Hollands Buch: Persisches Feuer war Harmodius der Liebhaber von Aristogetion.
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Stasis


Eine erste, wesentliche Einteilung, die Christian Meier vertikal nennt, existiert zwischen Unfreien, Frauen und Periöken auf der einen, und den männlichen freien Bürger auf der anderen Seite - die letzten bilden die eigentliche Klasse der Herrschenden, wenn sie auch diese Herrschaft nicht kollektiv und institutionell verankert ausüben. Doch unterscheiden sich dagegen die eigentlichen Adelsfamilien nicht grundlegend von den Bauern(1): zwischen Großbauern und Aristokraten stand meist nur eine konstruierte Traditionslinie, die Herleitung des genos auf einen eponymen Heroen oder gar Gott. In gewisser Weise unterscheiden sich zunächst sich zumindest in den frühesten Zeiten Bauer und Adel vor allem in der Eigenart der Selbstarbeit (autourgos): Ein Adliger ließ arbeiten und beschäftigte sich lieber mit Sport, Reisen und damit einhergehend Raubzügen und Handel. Viele Adelshäuser hatten eine bestimmtes Priesteramt inne, brachten es jedoch nicht dahin, eine Priesterkaste auszubilden, die - wie in anderen Kulturen, etwa des Orients - religiöse, erzieherische und sonstige kulturellen Aufgaben übernehmen konnten: sie blieben Weihepriester und Mysterienvorsteher, hatten jedoch keinen bevorzugten Zugang zu den Göttern, sondern spielten lediglich eine von der Tradition festgesetzte Rolle; darüber hinaus hatte jeder Vorstand eines Hauses durch die Verehrung des Herdes eine priesterliche Funktion inne. Insbesondere gab es keine wirtschaftliche Abhängigkeit wie im Klientelsystem in Rom. "Nie sind die Bauern gegenüber den Adligen abgabepflichtig(2) geworden." Die Folge davon war ein Streben nach weitgehender Autarkie sowohl innerhalb der adligen Schicht als auch innerhalb der Bauernschaft. Dieses Autarkiestreben bedeutete aber zugleich einen teilweisen Verzicht des Adels auf Politik im engeren Sinne, und das hieß Machtsicherung und -ausbau.

Trotz allem: mit dem Autarkiestreben der Aristokratie musste zwangsläufig auch eine Differenzierung stattfinden. Einige betrieben größere Handelsgeschäfte, an der kleinasiatischen Küste besonders ausgeprägt, auch die Korinthischen Bakchiaden, dort herrschende Adelsdynastie investierte nicht nur in In(3)- und(4) Export, sondern errichtete auch kleine Manufakturen zur Herstellung von Töpferware. Somit erzeugte dieser "mittelständische" Reichtum einen Druck auf zwei Seiten dieser bislang starren Gesellschaft: die kleinen Bauern verarmten, und die politischen Ansprüche der aufstrebenden Großgrundbesitzer wuchsen.
Ein weiteres Moment kommt hinzu. Seit 750 hatte der Bevölkerungsdruck zu einer beispiellosen Kolonisation geführt. Zwar stand diesen Expeditionen üblicherweise ein Aristokrat als Oikist vor. Doch konnte er Mitstreiter nur gewinnen, wenn er den ärmeren Bevölkerungsschichten gleiche Landlose versprach, und so formten die Erstsiedler in den Apoikien eine gleichartige Gemeinschaft, was sich in den nachfolgenden Siedlergenerationen ändern sollte. Solche Gleichstellung erweckte jedoch Begehrlichkeiten in den Mutterstädten: man konnte an den Verfassungen der Kolonien ersehen, was politisch möglich war. So kamen eine Menge miteinander verflochtener Ursachen zusammen, welche die alte soziale Harmonie und Behäbigkeit Schritt für Schritt auflöste: innerhalb des Adels bildeten sich verschiedene Teilinteressen aus, zwischen den Bevölkerungsschichten vertieften sich die Vermögensunterschiede, und neue Eliten, die von er aufkommenden Geldwirtschaft profitierten, schoben sich in das gesellschaftliche Gefüge und fügten ihm Risse zu.
Bürgerkrieg brach vieler Orten aus, oder er schwelte. Die Lösungen, die man sich einfallen ließ, teilten sich im wesentlichen in zwei Lager: Tyrannis oder Verfassung.(5) 
(1) Hier hätte ich gerne einen Nachweis- Wenn dies möglich war nur in einem gewissen Rahmen und Zeitraum
(2-4)Rechtschreibfehler korrigiert
(5) Das klingt doch sehr fragwürdig, muss auf jeden Fall überprüft und belegt werden.
 
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Balduin
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Re: Verbesserung bestehender Artikel

20.12.2010, 16:28

Guten Tag,

der Autor der Artikel wurde soeben von mir kontaktiert. Ich hoffe er nimmt die Anfrage auf und nimmt zu deinen Verbesserungsvorschlägen Stellung.
Zudem wurde dein Status von Autor auf Publisher geändert, wodurch du auch Artikel anderer Autoren editieren, d.h. verbessern kannst.
Hier auch noch eine (hoffentlich hilfreiche) Erläuterung, wie man am besten und schnellsten Artikel auf Geschichte-Wissen veröffentlicht: viewtopic.php?f=32&t=2114
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Sanherib
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Re: Verbesserung bestehender Artikel

20.12.2010, 16:38

Danke Balduin,

Das Toturial werde ich mir zu Herzen nehmen :-)
Heute Abend nehme ich mir mal den Rest der Texte vor, vielleicht kann mich der Autor direkt kontaktieren.
 
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Sanherib
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Re: Verbesserung bestehender Artikel

21.12.2010, 18:29

Das mykenische Zeitalter, das im späten 17. vorchristlichen Jahrhundert Gestalt annahm, war eine grobschlächtige Kopie der minoischen Palastkultur(1). Ähnlich dem kretischen Vorbild bestand es in adligen Herrensitzen, mächtige Burganlagen, die sich quer über die Peloponnes erstreckten. Zu deren wichtigsten Zentren zählt man Mykene, Tyrins sowie Pylos, aber auch Theben, Orchomenos und Midea. Gewaltige "Kyklopenmauern", bis 15 Meter hoch und 8 Meter dick, umschlossen die Burganlage samt dem Gräberrund mit den Königsgräbern.
Bemerkenswert an den Bauprinzipien der mykenischen Welt, auch Späte Bronzezeit oder Späthelladikum genannt, ist die Vorrangstellung der Grabmäler vor profanen Herrschaftsbauten. Das berühmte Löwentor der mykenischen Burg wurde dagegen erst im 13. Jahrhundert errichtet, als sich die mykenische Periode schon ihrem Untergang näherte. Die Paläste entstanden erst in im 14. Jahrhundert, ein Bauboom wie nie zuvor auf dem griechischen Festland brach an. Dabei unterschieden sich die entstehenden Burgen durchaus von den minoischen Palästen: keine verschlungenen, wabenähnlichen Räumlichkeiten, sondern ein klarer Machtkern, das Megaron, ein langgezogener Hauptraum mit Säulenvorhalle und oftmals einer rückwärtigen Vorratskammer, bestimmten die Anlage des Bauwerks. Damit ähnelt der mykenische Palast stark einer mittelalterlichen Burg.
Im übrigen darf der Name "Mykenisches Zeitalter" nicht dazu verleiten, dieser Burganlage eine überragende Bedeutung zuzuordnen. Der Name hat seinen Ursprung im homerischen Epos, wo Agamemnon, seines Zeichens König von Mykene, als Oberbefehlshaber der griechischen Heeres auftritt; nach diesem Hergang hatte Schliemann das Zeitalter getauft. Nach den Zeugnissen der Ausgrabungen erhält Mykene allerdings keinerlei Auszeichnung vor anderen Machtzentren. Einem "Reich" stand also dieses Mykene daher nicht vor: zu viele lokale Machtzentren durchzog das Festland, verschiedene regionale Dynastien kämpften um die Herrschaft; allerdings scheint es im Laufe der Jahrhunderte zu einer Konzentration der wirtschaftlichen Macht an bestimmten Punkten gegeben zu haben. Diese Machtfülle wurde anscheinend durch die Besitznahme von Kreta begünstigt: Um das Jahr 1375 übernahmen Herrscher des griechischen Festlandes die Macht in Knossos(2), dem Regierungssitz der Insel, und erst seit dieser Expansion entstand die eigentliche Blüte der Palastkultur.
Allzu lange hatte sie jedoch nicht Bestand.

(1) Eine grobschkächtigr Kopie? In wieweit? Belege?
(2)Wobei nicht genau gesichert ist, wie diese Übernahme ablief. Heute vermutet mehr eine friedliche, durch Heirat langsam vorangegangene, Art dainter. Expansionist vielleicht der falsche Begriff.
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Ich habe übrigens, soweit es mir möglich war, Rechtschreibfehler korrigiert, einige Texte waren aber unter Bearbeitung eines anderen Mitglieds (-->mir daher nicht möglich)