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Moderator: Barbarossa

Sollten vermeintlich diskriminierende Begriffe postum aus literarischen Werken entfernt werden?

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Barbarossa
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Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

25.02.2011, 07:05

Ist "Pippi Langstrumpf" rassistisch?
"Negerkönig" sorgt für Ärger

Ist das Buch "Pippi Langstrumpf" rassistisch? Ja, sagt ein in Bonn lebender Kongolese und will es aus Bibliothek und Schule verbannen. Denn Pippi nennt ihren Vater "Negerkönig". Zur Entstehungszeit des Werks war "Neger" Umgangssprache, längst ist das Wort aber tabu...
weiter lesen: http://geschichte-wissen.de/go/pippilan ... egerkoenig

Also man kann es wirklich übertreiben.
Oder was meint ihr dazu?
Ich finde das Wort "Neger" nicht zwingend rassistisch und ich esse auch gern "Negerküsse" - auch dieses Wort benutze ich. Hatte ich das nicht schon irgendwo geschrieben...?
Ach ja, hier: viewtopic.php?p=7322#p7322
:D

Das ist übrigens auch genau das, was ich in meinem Kommentar meinte:
Auf den religiösen Gefühlen der Muslime trampeln wir herum und nennen es Meinungs- und Pressefreiheit - andererseits wird ein Wort, das in meinem (DDR-)Duden noch drin steht, aus dem Vokabular gestrichen und ein populäres literarisches Werk dadurch verfälscht.
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Balduin
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Re: Unglaublich: "Pippi Langstrumpf" als rassistisch angeklagt?

25.02.2011, 08:39

Das ist schon nen Quatsch - das war halt früher so und fertig. Btw heißen bei uns die Negerküsse Mohrenköpfe
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Barbarossa
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Nachträgliche Änderung vermeintlich diskriminierende Wörter?

09.02.2013, 19:48

Jetzt ist die Diskussion um dieses Thema entgültig entbrannt. Hier zunächst eine aktuelle Meldung dazu:

Samstag, 09. Februar 2013
Mehrheit zweifelt an Einfluss auf Kinder
Deutsche wollen "Neger" lesen

Sollte die Sprache in Kinderbüchern überarbeitet werden, um diskriminierende Begriffe zu streichen? Eine repräsentative Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen glaubt, die Streichung sei Zensur, Worte wie "Neger" und "Negerlein" hätten keinen Einfluss auf Kinder. Familienministerin Schröder sieht das anders...
hier: weiterlesen


:arrow: Aus diesem Grunde habe ich das Thema "Pippi Langstrumpf" erweitert und eine Umfrage dazu eingefügt.

Die Frage lautet:

Sollten vermeintlich diskriminierende Begriffe nachträglich aus literarischen Werken entfernt werden?

Es gibt die Antwortmöglichkeiten "ja", "nein" oder "weiß nicht / mir egal". Die Umfrage läuft zeitlich unbegrenzt und die angekreuzte Antwort kann später noch geändert werden.
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RedScorpion

Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

09.02.2013, 22:17

Mir ist nicht so ganz klar, warum man sich autistisch an einem Wort, das einen Bedeutungswandel durchlaufen hat und heute eben sehr negativ besetzt ist, festklammern muss, damit ein Werk "authentisch" bleibt.

Is ja wohl auch logo, warum die Bezeichnung "Neger" heut nicht mehr so toll ist wie früher, als es einfach um ein Lehnwort des lat. "niger" ging (und auch keinesfalls durchweg negativ besetzt war, ganz im Ggsatz eben zum am. "Nigger", welcher sich semantisch aufdas dt. "Neger" draufgesetzt hat und es sozusagen gekapert hat - durch die viel grösse Verbreitung des Amerikanischen).

Imho hat es Begriffe, da ist glasklar, dass es einen Bedeutungswandel gegeben hat, dass der Autor den einen semantischen Inhalt eben eigentlich nicht meinte, als er das Wort verwandte,

während es auch andere hat, die da ein bisschen sehr an den Haaren herbeigezogen sind ("StudentInnen", "Göttin", ... ).



LG
 
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Barbarossa
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

09.02.2013, 23:09

RedScorpion hat geschrieben:
Mir ist nicht so ganz klar, warum man sich autistisch an einem Wort, das einen Bedeutungswandel durchlaufen hat und heute eben sehr negativ besetzt ist, festklammern muss, damit ein Werk "authentisch" bleibt...

Mit einem Wort fängt es an. Irgendwann gefällt jemand anderem ein anderes Wort nicht und ändert dieses auch. Wo soll das enden, wenn jeder literarische Werke bekannter Autoren nach belieben einfach ändert, nur weil bestimmte Begriffe nicht mehr im aktuellen Sprachgebrauch verwendet werden?
Es ist natürlich eine Verfälschung und dagegen bin ich.
Man stelle sich nur mal vor, die Schriften von Walter von der Vogelweide würde man auf den aktuellen Sprachgebrauch umschreiben wollen.
:?
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dieter
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

10.02.2013, 10:24

Lieber Barbarossa,
Du hast mit deinen Ausführungen recht. :wink:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
 
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

10.02.2013, 14:11

Barbarossa hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:
Mir ist nicht so ganz klar, warum man sich autistisch an einem Wort, das einen Bedeutungswandel durchlaufen hat und heute eben sehr negativ besetzt ist, festklammern muss, damit ein Werk "authentisch" bleibt...

Mit einem Wort fängt es an. Irgendwann gefällt jemand anderem ein anderes Wort nicht und ändert dieses auch. Wo soll das enden, wenn jeder literarische Werke bekannter Autoren nach belieben einfach ändert, nur weil bestimmte Begriffe nicht mehr im aktuellen Sprachgebrauch verwendet werden?
Es ist natürlich eine Verfälschung und dagegen bin ich.
Man stelle sich nur mal vor, die Schriften von Walter von der Vogelweide würde man auf den aktuellen Sprachgebrauch umschreiben wollen.
:?


Kinderbücher, so habe ich gehört, hätten einen pädagogischen und einen literarischen Wert. Aus pädagogischen Gründen sei es sinnvoll, aktuelle Ausgaben zu verändern. Aus literarischen Gründen sollten parallel dazu aber die alten Ausgaben weiter bestehen bleiben.

Dies geschieht auch bei anderen Werken: Walter von der Vogelweide verstehe ich im Original praktisch gar nicht, deshalb gibt es parallel auch eine neue Ausgabe. Manche Bibeln von früher sind sehr altertümlich geschrieben und unterscheiden sich schon deutlich von neueren Exemplaren. In meiner alten Bibel steht: "Weiber", in der neuen Bibel "Frauen". Meine Sammlung deutscher Heldensagen, zur Nazizeit erschienen, ist auch in vieler Hinsicht anders als die Sammlung der gleichen Sagen, die ich kürzlich gekauft habe. Die gleichzeitige Existenz verschiedener Ausgaben ist nicht ungewöhnlich. Es spricht nichts dagegen, Inhalte zu überarbeiten, wenn man weiter auf die Originale zurückgreifen kann.
 
ehemaliger Autor K.

Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

11.02.2013, 10:05

Noch einmal:

Barbarossa:
Man stelle sich nur mal vor, die Schriften von Walter von der Vogelweide würde man auf den aktuellen Sprachgebrauch umschreiben wollen.

Noch einmal: Viele Werke wurden modernisiert, weil wir sie sonst nur noch schwer verstehen können. Ich erinnere an den schrecklichen „Versteher“ in diesem Forum, der uns mit seiner altertümlichen Sprache quälte. Selbst Klassiker wurden ja aktualisiert. Solange das Original bestehen bleibt, sehe ich da kein Problem.

Barbarossa:
Mit einem Wort fängt es an. Irgendwann gefällt jemand anderem ein anderes Wort nicht und ändert dieses auch. Wo soll das enden, wenn jeder literarische Werke bekannter Autoren nach belieben einfach ändert, nur weil bestimmte Begriffe nicht mehr im aktuellen Sprachgebrauch verwendet werden?

Werke werden nicht nach Belieben geändert. Dies kann nur der Verlag machen, der das Copyright besitzt. In der Regel muss sich der Autor damit einverstanden erklären, dass der Verlag gewisse Änderungen vornehmen kann. Falls der Autor tot ist, gibt es ebenfalls für diesen Fall gesetzliche Regelungen. Üblicherweise werden Änderungen aber ausführlich von den Lektoren vorher diskutiert. Es geht ja oft auch nicht nur um Ausdrücke, sondern auch um veränderte Rechtschreibregeln etc. Bei jeder Neuauflage müssen Umänderungen zuvor sorgfältig geprüft und hinterfragt werden.
 
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Barbarossa
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

11.02.2013, 21:54

Ok, danke für die Info.

In solchen Fällen würde ich aber gut finden, im Anschluß an die zeitgemäße Übersetzung das Original immer auch mit abzudrucken.
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ehemaliger Autor K.

Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

12.02.2013, 08:36

Barbarossa hat geschrieben:
Ok, danke für die Info.

In solchen Fällen würde ich aber gut finden, im Anschluß an die zeitgemäße Übersetzung das Original immer auch mit abzudrucken.


Das wird teilweise auch gemacht. Allerdings werden viele Bücher dann unverhältnismäßig dick. Hinzu kommt, der weitaus größte Teil der Leser ist gar nicht an dem Original interessiert. Ich brauche beispielsweise den Grimmelshausen nicht in der ursprünglichen Schreibe und so geht es fast allen Lesern. Die Reclam-Ausgaben bringen fast alle Werke in heutigen, angepassten Versionen. In Bibliotheken gibt es dann die Originale.
 
Renegat
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

10.07.2013, 15:11

Seit die Umfragen am Ende des Portals erscheinen, bemerke ich dieses ältere Thema. Da ich für meine Frage kein neues aufmachen will, denke ich, es könnte hier passen. (Ist das mit den Umfragen neu oder habe ich das vorher übersehen?)

Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einem Sechsjährigen über die Olympiade. Kinder lieben Flaggen und die kann man gut malen. Also kamen wir auf die olympischen Ringe und ihre Bedeutung. Den Vorschlag des Jungen = höher, schneller, weiter, mußte ich verwerfen, da wir uns einig waren, dass es 5 verschiedenfarbige Ringe sind. Die Farben wußte er, aber nicht die Bedeutung. Meinen erwachsenen Erklärungsvortrag konnte ich nach den 5 Erdteilen gerade noch stoppen und habe ihm was erzählt vom großen Sportfest, an dem alle Menschen aus allen Erdteilen friedlich zusammenkommen und sich verbunden fühlen.

Was hättet ihr gesagt?

Ohne zu googeln, was ich natürlich inzwischen gemacht habe und wieder einmal festgestellt habe, wie wichtig gerade bei der Weitergabe an die nächste Generation die politische Korrektheit ist.
 
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Barbarossa
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

10.07.2013, 17:33

Renegat hat geschrieben:
Seit die Umfragen am Ende des Portals erscheinen, bemerke ich dieses ältere Thema. Da ich für meine Frage kein neues aufmachen will, denke ich, es könnte hier passen. (Ist das mit den Umfragen neu oder habe ich das vorher übersehen?)

Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einem Sechsjährigen über die Olympiade. Kinder lieben Flaggen und die kann man gut malen. Also kamen wir auf die olympischen Ringe und ihre Bedeutung. Den Vorschlag des Jungen = höher, schneller, weiter, mußte ich verwerfen, da wir uns einig waren, dass es 5 verschiedenfarbige Ringe sind. Die Farben wußte er, aber nicht die Bedeutung. Meinen erwachsenen Erklärungsvortrag konnte ich nach den 5 Erdteilen gerade noch stoppen und habe ihm was erzählt vom großen Sportfest, an dem alle Menschen aus allen Erdteilen friedlich zusammenkommen und sich verbunden fühlen.

Was hättet ihr gesagt?

...

Ich schätze, auch nichts anderes. Kinder (vor allem 6 Jahre alte) brauchen keine langen Vorträge. Kurze und prägnante Antworten sind da genau richtig.
5 Ringe sind ja von der Sache her eigentlich auch nicht so ganz korrekt, da Nord- und Südamerika eigentlich 2 verschiedene Kontinente sind. So hat man ihn als "Doppelkontinent" in einem Ring. Ich staune sowieso, daß Südamerika noch nicht protestiert hat und für sich einen eigenen Ring verlangt...
:wink:
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Balduin
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

10.07.2013, 21:32

Renegat hat geschrieben:
(Ist das mit den Umfragen neu oder habe ich das vorher übersehen?)


Das habe ich gestern freigeschaltet. :)
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Barbarossa
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

10.07.2013, 22:05

Ralph hat geschrieben:
Renegat hat geschrieben:
(Ist das mit den Umfragen neu oder habe ich das vorher übersehen?)


Das habe ich gestern freigeschaltet. :)

Das finde ich eine wirklich gute Neuerung.
:wink:
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Harald
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Re: Postume Änderung vermeintlich diskriminierender Wörter?

13.07.2013, 13:26

Es ist doch hochgradig unsinnig, Kindern gegenüber zu verschweigen, daß es Menschen verschiedener Rasse und Hautfarbe gibt. Das merken sie irgendwann schon mal selber und haben dann eigene Vorstellungen von der Vernunft der Erwachsenen. Genauso unsinnig ist es, das Wort Neger zu verbieten. Das Wort selbst ist keineswegs rassistisch. Rassistisch ist nur die Bedeutung, die man hineininterpretiert. Rassismus beseitigt man nicht durch Maulkörbe.

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