Marcion von Sinope

Das römische Reich war maßgebend für die weitere Entwicklung Europas: Republik, Kaiserreich, Caesar, Augustus

Moderator: Barbarossa

andreassolar
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Tertullian, dessen schriften die bedeutendsten Quellen zu Marcions Ideen & christlichen Vorstellungen darstellen, notierte, Marcion käme von der Stoa & sei teils von Epikur beeinflußt.
Q: Tertullian, Prozesseinreden gegen die Häretiker, 7. Kapitel.

Tertullians Einschätzung differiert doch auffallend stark von einem beträchtlichen Teil der viel viel späteren gelehrten, wissenschaftlichen & dann volkstümlich gewordenen Positionen ab dem 19. Jh., die aktuell immer noch - mit abnehmender Substanz - unter Schlagwörtern wie gnostisches Christentum umher laufen....

Hatten Tertullian etwa die notwendigen Kenntnisse, das intellektuelle Rüstzeug gefehlt?
andreassolar
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Auch in der dritten bedeutenden spätantiken, apologetischen Quelle zu Marcion, hier bei Epiphanius von Salamis zB. in dessen Gegen die Antidikomarianiten aus dem 4. Jh., Abschnitt 3, wird Marcion nicht zur Gnosis gerechnet:
Nachdem nämlich das gegenwärtige Geschlecht das Maß voll gemacht hat in allem, was lästerlich und dem Hl. Geiste zuwider ist, so verfällt man wieder auf etwas Neues: Die einen lästern den Vater, den Gott und Schöpfer des Alls, das sind diejenigen, welche von der „Gnosis“ ihren Namen haben. Dazu kommen auf der anderen Seite die sogenannten Marcioner und Archontiker und in deren Gefolge die Manichäer, die gerade den rechten Namen bekommen haben durch ein gerechtes Walten Gottes: den Namen, der Raserei ausdrückt, — diese alle mit mehreren Häresien, nämlich den Kainiten, Sethianern, Melchisedekianern, Kolorbasiern, Kerdonianern und den übrigen, sie lästern gegen den Vater des Alls, indem sie leugnen, daß er der Gott sei, der im Gesetz und in den Propheten gesprochen habe, der mit Recht angebetet wird von allen Geschöpfen als Schöpfer und Weltbildner; [...]
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Holger1969
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Hat diese ganze Streiterei etwas genützt?

Zunächst hat es wahrscheinlich etwas genützt, das NT in der heutigen Fassung durchzusetzen und die breite Masse zu christianisieren. Diese Christianisierung soll übrigens oft sehr brutal gelaufen sein, siehe als Beispiel Karl der Große und die Sachsen. Bis vor kurzer Zeit waren wir Leute aus der breiten Masse Analphabeten und konnten überhaupt nicht selbständig recherchieren. Noch im 20. Jahrhundert waren wir Leute aus der breiten Masse zum Großteil Analphabeten. Heute stellt sich die Situation anders dar und man kann selbständig recherchieren. Dabei stellt sich heraus, dass alle Religionen und Mythologien identisch sind. Da kann man nicht eine Schrift (Bibel oder Koran, etc.) als "das Gesetz" betrachten:

"Der Morgenstern taucht in allen Religionen und Mythologien mit unterschiedlichen Namen auf. Im Neuen Testament der Bibel heißt der Morgenstern Jesus (Offenbarung 22,16). Im Alten Testament der Bibel ist der Morgenstern zu Boden geschmettert und der Sohn der Morgenröte (Jesaja 14,12). In der römischen Mythologie heißt der Morgenstern Luzifer und ägyptisch Horus. In der griechischen Mythologie heißt der Morgenstern Eosphoros / Phosphoros"

https://griechischemythologieundantike. ... Theia.html
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andreassolar hat geschrieben: 05.12.2023, 00:23 Tertullian, dessen schriften die bedeutendsten Quellen zu Marcions Ideen & christlichen Vorstellungen darstellen, notierte, Marcion käme von der Stoa & sei teils von Epikur beeinflußt.
Q: Tertullian, Prozesseinreden gegen die Häretiker, 7. Kapitel.

Tertullians Einschätzung differiert doch auffallend stark von einem beträchtlichen Teil der viel viel späteren gelehrten, wissenschaftlichen & dann volkstümlich gewordenen Positionen ab dem 19. Jh., die aktuell immer noch - mit abnehmender Substanz - unter Schlagwörtern wie gnostisches Christentum umher laufen....

Hatten Tertullian etwa die notwendigen Kenntnisse, das intellektuelle Rüstzeug gefehlt?
Ja, vielleicht haben ihm die notwendigen Kenntnisse gefehlt. Aber gescheit war er sicher. Aber eben auch gesegnet mit einem starken reaktionären Charakter. Als ausgezeichneter Schüler studierte er in Rom Rhetorik, Jurisprudenz, Geschichte, Poesie, Naturwissenschaften und Philosophie.
Laut Hieronymus sei er der Sohn eines römischen Offiziers, eines Heiden, gewesen. Nach dem protestantischen Theologen Wilhelm Zimmermann stamme er von Puniern und Römern ab. In jedem Fall brachte er die erste Hälfte seines Lebens in Rom zu, die zweite in Karthago. Seit dem Jahre 193 lebte als vermögender Privatmann in seiner Vaterstadt Karthago, wo er den Rest seines Lebens zubrachte.
In der letzten Periode war Tertullian Christ. Wo, wie und warum er es geworden, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Sein reaktionärer Charakter führte irgendwann zum Ausschluß aus der Kirche. Daß Tertullian sich vor seinem Tode wieder mit der Kirche ausgesöhnt habe, ist deshalb nicht anzunehmen, weil noch zur Zeit Augustins die separatistische Gemeinde der Tertullianisten in Karthago bestand), deren Haupt und Priester er gewesen ist. Sie war die Erbin seines Geistes, seiner Lehrmeinungen und wahrscheinlich auch seines Vermögens. (Aus Wikipedia)

Tertullian heiratete eine Christin. In unserer heutigen Zeit wäre er sicher bei den Evangelikalen der USA gut aufgehoben. Seine Geisteshaltung zeigt auch ein Auszug aus den Briefen an seine Frau:
1. Brief, Kap. 5: Außerdem suchen sich die Leute Motive zum Heiraten in der Sorge um Nachkommenschaft und der mit so vielen Bitterkeiten verbundenen Freude an Kindern, Für uns gilt das nicht. Denn was sollten wir uns freuen, Kinder zu schleppen?
https://www.tertullian.org/articles/kem ... uxorem.htm
Zuletzt geändert von Balduin am 07.12.2023, 06:11, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt
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Diese merkwürdige Kürzerei aus "urheberrechtlichen Gründen" soll ein Mensch verstehen! - Den Punkt "5" habe ich doch eh schon gekürzt. Man kann die Angst auch übertreiben!
Marianne E.
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Skeptik schreibt:
Diese merkwürdige Kürzerei aus "urheberrechtlichen Gründen" soll ein Mensch verstehen! - Den Punkt "5" habe ich doch eh schon gekürzt. Man kann die Angst auch übertreiben!
Nach oben
Das hat mit Angst nichts zu tun.
Es ist einmal der Respekt vor dem geistigen Eigentum anderer, aber - und das scheint nicht so unbedingt bekannt oder anerkannt zu sein - eine rechtliche Grundlage. Es ist u.a. EU-Recht und dort in den "EU-Säulen" ausführlich erläutert.
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Marianne E. hat geschrieben: 08.12.2023, 09:33 Das hat mit Angst nichts zu tun.
Es ist einmal der Respekt vor dem geistigen Eigentum anderer, aber - und das scheint nicht so unbedingt bekannt oder anerkannt zu sein - eine rechtliche Grundlage. Es ist u.a. EU-Recht und dort in den "EU-Säulen" ausführlich erläutert.
Ich weiß, Rechtliches hat oft mit Logik nicht viel zu tun. - Einen Link kann ich jederzeit anführen. Um einen kleinen Hinweis dazu zu geben, was sich dahinter verbirgt, zitiere ich einige Sätze dazu. Jetzt kommt es aber anscheinend auf die Anzahl der Worte an. Einige Worte zuviel und schon mache ich mich strafbar. - "Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand".
Marianne E.
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Nein, auch das ist ein Irrtum.
Ob Recht oder Logik?
Recht ist gesatzes Recht und Logik ist individuell.
andreassolar
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Skeptik hat geschrieben: 06.12.2023, 10:34
andreassolar hat geschrieben: 05.12.2023, 00:23 Tertullian, dessen schriften die bedeutendsten Quellen zu Marcions Ideen & christlichen Vorstellungen darstellen, notierte, Marcion käme von der Stoa & sei teils von Epikur beeinflußt.
Q: Tertullian, Prozesseinreden gegen die Häretiker, 7. Kapitel.

Tertullians Einschätzung differiert doch auffallend stark von einem beträchtlichen Teil der viel viel späteren gelehrten, wissenschaftlichen & dann volkstümlich gewordenen Positionen ab dem 19. Jh., die aktuell immer noch - mit abnehmender Substanz - unter Schlagwörtern wie gnostisches Christentum umher laufen....

Hatten Tertullian etwa die notwendigen Kenntnisse, das intellektuelle Rüstzeug gefehlt?
Ja, vielleicht haben ihm die notwendigen Kenntnisse gefehlt.
Das war erkennbar als Witz bzw. ironisch gemeint gewesen...
Tertullian hat auch detailliert über die Häresie der Valentinianer geschrieben:
  • Adversus Valentinianos, Gegen die Valentianier,
siehe Bibliothek der Kirchenväter. Da sind ganz typische Elemente eines gnostizistischen Christentums genannt und polemisch von T. widerlegt.....

In Tertullians
  • Prozesseinreden gegen die Häretiker ,
siehe erneut BKV, werden sowohl 'Marcioniten' wie Valentinianer (polemisch) abgehandelt. Nirgendwo behauptet Tertullian eine inhaltliche Parallelität oder Ähnlichkeit der beiden Strömungen.

Deine - im besten Falle entlang veralteter wissenschaftlicher Lit.Fragemente ganz grob orientierten - leicht holzschnittartigen und moralisierenden Bruchstücke, Einschätzungen und Kommentierungen zu wahllos mäandrierenden Nebenschauplätzen gehen erneut ins Leere, am Fadenthema und einer gut fundierten, wissenschaftlichen wie systematisch-methodischen Dis. vorbei. Und Kollege Mythos agiert erkennbar nur entlang seiner ganz eigenen Agenda, eines persönlichen Glaubensthemas, ebenfalls mit Partikelbasis von (veralteten) Netzbruchstücken, meine ich nach wie vor.

Der Faden ist aus meiner Sicht beendet.
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andreassolar hat geschrieben: 09.12.2023, 15:42 Der Faden ist aus meiner Sicht beendet.
Es ist Dein Faden. Du hast ihn aufgewickelt. - Fast 800 Zugriffe hat's ja gebracht. Eine schweigende Mehrheit. Außer mir wollte sich wohl niemand in die Nesseln setzen.
Man kann die Welt verschieden sehen und beurteilen. - Das tun Religionen schon seit Jahrtausenden. Und es wird nie langweilig werden.
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Holger1969
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Skeptik hat geschrieben: 09.12.2023, 17:44
andreassolar hat geschrieben: 09.12.2023, 15:42 Der Faden ist aus meiner Sicht beendet.
Es ist Dein Faden. Du hast ihn aufgewickelt. - Fast 800 Zugriffe hat's ja gebracht. Eine schweigende Mehrheit. Außer mir wollte sich wohl niemand in die Nesseln setzen.
Man kann die Welt verschieden sehen und beurteilen. - Das tun Religionen schon seit Jahrtausenden. Und es wird nie langweilig werden.
Ich habe mich auch mehrfach in die Nesseln gesetzt. Schließlich musste ich einsehen, dass es nur um Fragmente der Gnosis geht - allerdings nicht um die komplette Gnosis.
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