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Moderator: Barbarossa

 
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Nemeth
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Diensterfahrungen der Bundeswehr

14.01.2015, 14:00

Nachden das Thema "Diensterfahrungen der Volksarmee ................." durchaus beachtliche Resonanz
gefunden hat, wäre es an der Zeit mal über die Diensterfahrungen in der Bundeswehr zu sprechen.
Wir haben hier im Forum bestimmt Mitglieder, die kompetent Auskunft geben könnten.
Da wären nicht nur Dienstpläne, Beschwerdewege und Bewaffnung und Ausrüstung ein Thema.
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Wendenkönig
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

15.01.2015, 18:16

Oh ja, das interessiert mich auch, so als alter Militärprofi der "Gegenseite". Wir wurden ja auch ununterbrochen mit Propaganda versorgt, von wegen "Bonner Ultras", Finger ständig auf dem Auslöser usw.
10 Tage frei, nach einer gewissen Dienstdauer, ...hätten wir auch gern gehabt. Ich als "Profi" hatte es ja noch gut, ich war jeden Abend zu hause (außer natürlich bei Manövern, allgemeinen Übungen usw.) Selbst nach dieser Zeit gab es deshalb aber nicht extra frei.
BW - Verpflegung, Waffen einsatzbereit halten und, und, und... Da gibt es ja so viele Aspekte, die wenn alles stimmt, was man nach der Wende, wiederum nur, LESEN konnte oder in Funk und Fernsehen verklickert bekam, ja so gar nicht gewesen sein konnten. Meine "Mini- Bundeswehr- Phase", noch dazu als zivieler Wachangestellter hat nun auch nicht den umfassenden Eindruck erbracht.
Ich persönlich kann nur sagen, wenn es immer so war, wie ich es, wie gesagt ein paar Monate gesehen habe, dann hätten wir wohl tatsächlich, nach einem "Wochenendeinsatz", die Nieten am Eifelturm geputzt und die Soldaten der BW hätten sich am Montag über die fremde Fahne am Mast gewundert. :angel: Ich bitte diese Worte nicht als das zu nehmen wie es vielleicht klingt. Sie sind tatsächlich mit Augenzwinkern zu genießen! BITTE!
Ich lass mich da auch auf keine Diskusion ein ;) ...nur mal so am Rande erwähnt.

War denn hier niemand, ausser, ich glaube Triton, bei der BW? Das wäre ja echt schade.
Wie gesagt, mich interessiert das sehr!!!!!!! und ich freue mich eigentlich sehr auf einen regen "Erfahrungsaustausch"
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Triton
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

15.01.2015, 20:19

Wendenkönig hat geschrieben:
Ich persönlich kann nur sagen, wenn es immer so war, wie ich es, wie gesagt ein paar Monate gesehen habe, dann hätten wir wohl tatsächlich, nach einem "Wochenendeinsatz", die Nieten am Eifelturm geputzt und die Soldaten der BW hätten sich am Montag über die fremde Fahne am Mast gewundert.

Es gab das "Schreckgespenst" Nato-Alarm, wenn der ausgerufen wurde, war Ausgangssperre. Und ich nehme an, wenn die NVA alle Fahrzeuge aufgetankt, Munition ausgegeben hätte und die Truppen gen Westen verlegt hätte, wären die Kasernen voll gewesen.
Aber natürlich stimmt, das an normalen Wochenenden das Gros der Truppen zu Hause war.

Offensivpläne gab es nicht. Ich war bei einer Einheit mit atomaren Kurzstreckenraketen, nach Abschaffung der Mittelstreckenraketen das Einzige, was an mobilem Einsatzmaterial vorhanden war. Die Raketen mit gut 100 km Reichweite waren alle im Westen der Republik stationiert, Der 3.Weltkrieg hätte also auf dem Boden der ehemaligen BRD stattgefunden.

Zum Zustand der Truppen kann ich nur sagen, dass alle Waffengattungen ihr Handwerk beherrschten, aber natürlich die Motivation nicht sonderlich hoch war. Die wenigsten waren begeisterte Soldaten, man erfüllte eben mürrisch seine Pflicht. Verhätschelte Wohlstandssoldaten waren wir aber nicht, es wurde teilweise echte Leidensfähigkeit abverlangt - und oft mit dem Hinweis, dass die Gegner im Osten noch ganz anders rangenommen wurden.

Heute nehme ich an, dass das westliche Material deutlich besser war, vor allem Luftwaffe und alles, was mit Elektronik zu tun hatte. Auch die vielen Besatzungstruppen waren teilweise erstklassig, vor allem die Berufsarmee der Briten und die deutlich disziplinierteren Franzosen, mit der Spazierfahrt nach Paris wäre es wohl schnell zu Ende gewesen und ein sehr blutiger Landkrieg hätte irgendwo in der Mitte Deutschlands getobt.
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Wendenkönig
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

15.01.2015, 22:08

Zum Zustand der Truppen kann ich nur sagen, dass alle Waffengattungen ihr Handwerk beherrschten, aber natürlich die Motivation nicht sonderlich hoch war. Die wenigsten waren begeisterte Soldaten, man erfüllte eben mürrisch seine Pflicht. Verhätschelte Wohlstandssoldaten waren wir aber nicht, es wurde teilweise echte Leidensfähigkeit abverlangt - und oft mit dem Hinweis, dass die Gegner im Osten noch ganz anders rangenommen wurden.

Ist interessant zu lesen. Diese Zeilen kann ich für die NVA voll übernehmen und bestätigen. In dem Fall haben sie uns wohl auf beiden Seiten den gleichen Mist erzählt. Man, man, man, ich könnte ko....!

Es gab das "Schreckgespenst" Nato-Alarm, wenn der ausgerufen wurde, war Ausgangssperre. Und ich nehme an, wenn die NVA alle Fahrzeuge aufgetankt, Munition ausgegeben hätte und die Truppen gen Westen verlegt hätte, wären die Kasernen voll gewesen.
Aber natürlich stimmt, das an normalen Wochenenden das Gros der Truppen zu Hause war.


Also zu meiner Zeit, wenn ich mich recht erinnere, gab es solchen Extra- Alarm von Seiten des WP nicht. Mit dem zu Hause sein war es ja bei uns genau umgedreht. Das Gros war ja immer in der Kaserne und lag in Bereitschaft. Was im Ernstfall von zu Hause zurückbeordert worden wäre, wäre dann per Achse nachgeführt worden. WENN wir in Marsch gesetzt worden wären ...ja, da hast Du Recht, es wär viel "Masse" auf Euch zugekommen, allerdings, die LKW waren immer vollgetankt und die Munition war auf den entsprechenden LKW verladen. Der Kampfsatz von 300 Schuss war immer greifbar und wäre während der Marschpausen verteilt worden. Klar sind bei Märschen auch Fahrzeuge liegen geblieben aber das war nicht der Rede wert, im Vergleich zur Gesamtmasse.

Offensivpläne gab es nicht. Ich war bei einer Einheit mit atomaren Kurzstreckenraketen, nach Abschaffung der Mittelstreckenraketen das Einzige, was an mobilem Einsatzmaterial vorhanden war. Die Raketen mit gut 100 km Reichweite waren alle im Westen der Republik stationiert, Der 3.Weltkrieg hätte also auf dem Boden der ehemaligen BRD stattgefunden.

Stimmt, so ein Krieg wäre auf gesamtdeutschem Boden durchgeführt worden. Bei uns wären nämlich die russischen Raketen eingeschlagen. Laut Propaganda wäret ihr ja bei uns unterwegs gewesen, da ihr ja der Aggressor für uns wart. Wir hatten sowieso nur die Aufgabe uns, ich glaube 30 min oder drei Tage, ich weiß es wirklich nicht mehr. Auf jeden Fall sehr kurze Zeit. Wie weit soll man mit dreihundert Schuss schon kommen. (natürlich ist diese Zeit auf einen Angriff eurerseits bezogen. Ansonsten hätten wir ja Nieten geputzt ;) ) zu halten. Dann hätten die Russen mitgemischt. Wir waren offiziell Kanonenfutter. Viel Landkrieg zwischen Deutschen, hätte es wohl nicht gegeben ...nur gut, dass es nie so weit kam!!!


Heute nehme ich an, dass das westliche Material deutlich besser war, vor allem Luftwaffe und alles, was mit Elektronik zu tun hatte.

glaub ich nicht so unbedingt.
Kleine Anekdote: Als in Spremberg, das PR- 14 an die Bundeswehr übergeben wurde, kam ein OSL Prinz von ...Namen hab ich vergessen, da für mich ja uninteressant, (damals) und hat sich natürlich viel Zeit genommen um die Bestände, Zustand, Einsatzbereitschaft usw. zu begutachten. Seine Worte, O-Ton nach der Besichtigung: Dass ihr gut wart wussten wir ja aber dass ihr SO gut wart, damit hätten wir nicht gerechnet.
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

16.01.2015, 16:48

Oje,oje, viele wussten vieles über die NVA. Über die BW weiß keiner was, nicht mal die, die alles wissen. Schade :cry:
Die einzige Ausnahme und der einzige gediente Ex BRD- BW- gediente ist Triton.


DANKE!!! Triton.

Nun, sei es wie es sei, ich bin nachdenklich geworden. :?
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Triton
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

16.01.2015, 20:42

Wundert mich, ehrlich gesagt, gar nicht. Auch meine Erfahrung ist, dass nur bei den etwa 45-60jährigen relativ viele dem Staat gedient und ihn verteidigt haben. Ein Unterschied zum Osten war, dass relativ viele, die ums Verrecken nicht zum Bund wollten, Schlupflöcher fanden. Zivildienst, THW, Feuerwehr, Polizei oder gar Ausmusterung wegen kaputten Knien oder gar zuviel Matsch in der Birne. Auch mussten nur maximal 2 Söhne einer Familie dienen.

Ich nehme an, in der NVA gab es keinen Alarm, weil immer alle da waren :D
Stimmt, jetzt erinnere ich mich auch, dass beim Bund alle Fahrzeuge immer vollgetankt waren.

Eine Anekdote: Bei einer Übung kam mal ein "hohes Vieh" zu uns in die Batterie und machte Smalltalk. Ein Edelgefreiter (war ich auch mal), der kurz vor der Entlassung stand, sagte dann frei heraus: "Herr Oberst (oder Oberstleutnant), mit dem Schlafsack und der xy-Ausrüstung kommen wir aber in Russland nicht weit." Darauf fragte das hohe Vieh in die Runde: Wer war schon mal im Osten? Ich meldete mich als Einziger, da ich mal eine Woche in der DDR war. "Und, Gefreiter, haben SIe irgendetwas dort gesehen, das wir unbedingt haben wollen?" Da fiel mir auch nichts ein...

Die Bundeswehr wollte die DDR nicht erobern, ganz ehrlich.

Es gibt einen Roman von Tom Clancy (Jagd auf Roter Oktober), der sehr realistisch den fiktiven 3.Weltkrieg in den 80ern beschreibt. Nach Anfangserfolgen bleibt dort der Angriff der WP-Truppen relativ rasch in der Mitte der BRD stecken und als sich das Blatt wendet (Eintreffen von US-Truppen), greift die Rote Armee zu Nuklearwaffen. So oder so ähnlich wäre es wohl gewesen. Überlebt hätte man das als Soldat vielleicht sogar eher als die Zivilisten in den Kampfgebieten.
http://www.amazon.de/Im-Sturm-Tom-Clancy/dp/3442098246
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

16.01.2015, 22:28

Jagd auf Roter Oktober war doch ein U-Boot-Filb, Ein Sowjetischer U-Boot Kapitän wird abtrünnig und desertiert mit samt U-Boot und Besatzung. Wird dann gejagt aber es gelingt ihm seine Besatzung zu täuschen und damit zu retten und übergibt das boot an die Amerikaner. GANZ GROB ZUSAMMEN GEFASST. Hauptdarsteller ist Sean Connery. Roter Oktober hieß das U- Boot und war das modernste Atom U Boot der "Galaxy- Klasse" ...bei den Russen ist es eine andere Klassenbezeichnung, glaube ich.

Das die BW die DDR erobern wollte, denke ich, daran haben wohl nicht mal die Offiziere der NVA geglaubt. Aber Politunterricht und der Glaube des einzelnen, ...das waren zwei ganz verschiedene Schuhe. :wink:

Die meisten waren auch sehr angepi... als sie erkannten, wie man uns, gelinde gesagt, verscheißert hat.
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Triton
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

17.01.2015, 00:33

Der Clancy-Roman heißt: "Im Sturm". Kurzweilige Strandlektüre, so kann man es nennen. Aber kein Schund, das auch wieder nicht. "Roter Oktober" zeigt übrigens, dass man bei der NATO sehr wohl wusste, dass die Sowjets nicht auf Bäumen lebten.

Was ich sagen kann: Es gab so Schulungen zum Kräfteverhältnis NATO-WP, die immer den Tenor hatten: Die sind stärker und mehr, wir müssen höllisch aufpassen.
Es wurden Schauergeschichten erzählt, wie:
Der Rotarmist trainiert ständig, 5 Tage ohne Essen durchzuhalten.
Jeder Russe kann so harmlose Häschen wie Euch lautlos einen nach dem anderen umbringen, das merkt ihr gar nicht, bis ihr selbst dran seid.
Die NVA hat mit den Grenztruppen, der Polizei und den Betriebsgruppen riesige Reservoirs an hochprofessionellen Kämpfern, die Zahlen sind alle deshalb noch viel zu niedrig. Wenn es losgeht überschwemmen gewaltige Horden die Grenze,

Wir mit unseren paar Atomraketchen wären wohl so eine Art Puffer gewesen, die den ersten Ansturm bremsen hätte sollen, nachdem Panzertruppen und ähnliches schon verheizt waren. Das einzige real genannte Ziel während meiner Zeit war Frankfurt am Main (Flughafen), der nach einer Eroberung durch WP-Truppen hätte unbrauchbar gemacht werden müssen.

Sowas wurde natürlich in der Öffentlichkeit nicht verbreitet, dass die eigenen Raketen gar nicht die Reichweite hatten, den Osten zu erreichen.
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

17.01.2015, 13:32

Da kannste mal wieder sehen, das Gros der Militärangehörigen und der restlichen bewaffneten Organe, wie es im DDR- Beamten- Deutsch hieß, wurden hüben wie drüben mit dem gleichen Unsinn berieselt.
Die russischen Soldaten, die in der DDR stationiert waren, waren glaube ich, manchmal sehr froh, wenn es zu Übungen raus ging und sie als Regulierer eingesetzt wurden. Die armen Schweine wurden dann fast regelmäßig von der deutschen Bevolkerung versorgt und konnten sich dann oftmals das erste mal satt essen. Was ich selbst erlebt habe, eine kleine Mannschaft, etwa 5- 6 Soldaten wurden abgesetzt und waren dann 14 Tage im Zelt im Strassengraben und warteten dann auf die Kolonnen denen sie den Weg weisen mussten. (Tschechenkriese 1968). In dieser Zeit kam ein Verpflegungsauto vorbei und brachte für jeden 5 Büchsen Wurst oder Fleisch, keine Ahnung, und etwas Brot. Alles war im sogenannten "Daweibeutel", von der Größe heutiger, mittelgroßer, Plastik- Einkaufstüten. Es war im Endeffekt weniger, als was wir später bei der NVA als Tagesration bekommen haben. Die Jungs wurden dann aber, von den deutschen Frauen und den Kindern versorgt und haben sich wie die Kinder über das Essen gefreut. Getränke natürlich auch. Sie warn sehr dankbar. Das alles hatte aber nichts mit Training zu tun, Sie wurden von ihren Offizieren einfach wie Vieh behandelt. Bei einer anderen Übung, da war ich selbst schon bei der Armee, wurde so ein einzelner Regulierer einfach vergessen. Nach etwa 14 Tagen wurde er dann endlich von einem Jeep abgeholt. Keiner hatte sich Gedanken gemacht, wie der über die Runden gekommen ist.
Nicht umsonst war die Desertationsrate sehr hoch. Auch auf die Gefahr hin, exetutiert zu werden und das war eigentlich, bei Desertation, das übliche Strafmaß, liefen sie weg und wollten nur noch nach hause.

Aber zurück zu BW und NVA. Heute denke ich oft daran, wieviel sinnlose Zeit man uns gestohlen hat. Auch den Berufssoldaten. Sehr wenige waren aus reiner Überzeugung diesen Schritt gegangen. Viele wurden so lange drangsaliert und auch genötigt, bis sie sagten, ...gib her den Wisch, ich unterschreibe. Und dann war die Zeit weg, ...mindestens 10 Jahre Leben!
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

17.01.2015, 13:33

Wie ging es bei Euch eigentlich bei der Musterung zu? Gab es da auch diesen Druck?
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Nemeth
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

17.01.2015, 18:13

Wenn ich alle die Ausnamen (oder Ausflüchte) um nicht in die Bundeswehr eingezogen zu werden analysiere, so frage ich mich, wer hat denn überhaupt gedient ?

--- und wenn man 5 Söhne gehabt hätte, sie wären alle zur NVA gezogen worden
---eigene Familie, inklusuve Kinder waren kein Hindernisgrund
--- körperliche Gebrechen, gab es keine (zum Sockenzählen war jeder gut )

Wenn das noch stimmt, was ich auch nur vom Hörensagen kenne, wenn der Vater im II. WK
gefallen war, brauchte der Sohn nicht zur BW. Stimmt das ?
Bei der NVA hat darauf niemand Rücksicht genommen.
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Triton
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

17.01.2015, 18:56

Wendenkönig hat geschrieben:
Wie ging es bei Euch eigentlich bei der Musterung zu? Gab es da auch diesen Druck?
Bei der Musterung wurde nichts besprochen, nur ob man überhaupt diensttauglich ist, dort hätte ich den Mund aufmachen sollen, dass ich leicht Rücken- und Kopfschmerzen bekomme, Farbenblind bin ich sowieso, vielleicht hätten sie mich laufen lassen.

Es gab danach einen zweiten Termin, den Eignungstest, der aus einem Fragebogen und einem IQ-Test bestand. Ich gab als erster ab, das weiß ich noch, nach der Auswertung wurde ich sofort festgehalten und sollte möglichst 12 Jahre ankreuzen (Offizierslaufbahn), aber genötigt wurde man nicht.

Es gab Zeiten (70er und 80er Jahre) in denen es sehr schwer war, um den Dienst herumzukommen. Zivildienst war deutlich länger, Die anderen Ausflüchte auch nicht nur das reinste Vergnügen.
Die Spezialisten, die ganz untauglich waren, waren neben echten Fällen leider meist die mit Beziehungen und Tricks.

Den mehrfachen Familienvater oder den fertig studierten Ingenieur habe ich genauso als Schütze Arsch erlebt wie den selbstständigen Unternehmer. Das hat niemand interessiert.
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Re: Diensterfahrungen der Bundeswehr

11.05.2017, 10:13

Triton hat geschrieben:
Die Spezialisten, die ganz untauglich waren, waren neben echten Fällen leider meist die mit Beziehungen und Tricks.

Den mehrfachen Familienvater oder den fertig studierten Ingenieur habe ich genauso als Schütze Arsch erlebt wie den selbstständigen Unternehmer. Das hat niemand interessiert.

Diese Erfahrungen kann ich bestätigen.
Eine kleine Anekdote noch aus meiner Zeit:
Zur Gastenausbildung war ich an der Marinefernmeldeschule in Flensburg - Mürwik.
Dort musste ich das erste (und einzige) Mal militärische Wache gehen und bekam entsprechend Waffen und Munition ausgehändigt.
Bei der Vergatterung sagte dann der OvWa: "Männer, falls Sie hier auf dem Gelände während der Ronde irgendeine unbekannte Person treffen und Diese flüchten will, tun Sie sich selbst einen Gefallen und schiessen Sie in die Luft und um Gottes Willen nicht hinterher! Wir haben hier auf unserem Gelände nichts, was der Russe nicht sowieso schon weiss!"
Das fand ich erheiternd und hilfreich zugleich.
Dieser Beitrag spiegelt nur die Meinung des Verfassers wieder und erhebt keinen Anspruch auf Wahrhaftigkeit.