Wer sah die Schrecken des Ersten Weltkriegs voraus?

Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Moderator: Barbarossa

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Marek1964
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Dieses Jahr bietet das 100 Jahre Gedenken and den Ausbruch des ersten Weltkriegs. Viele Publikationen sind schon erschienen, viele werden noch folgen, auch Artikel in Medien. Ein Forum kann dem Geschichtsinteressierten vor allem das bieten, dass es Fragen nachgeht, die Zusammenhänge erörtert, die tiefer gehen.

Der erste Weltkrieg wurde als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" oder auch schon als "dümmster aller Kriege" bezeichnet. Letzte Bezeichnung erfand ich schon als junger Geschichtsinteressierte selbst, nur um später festzustellen, dass Kurt Tucholsky auch schon diese Bezeichnung lange vor meiner Geburt vornahm.

Eine der grossen Fragen ist immer wieder: War das Ausmass des Krieges voraussehbar?
War die Aussichtslosigkeit der Offensive gegenüber der Defensive nicht von einigen Militärexperten vorausgesehen worden?
Was nicht die Verelendung der Bevölkerung durch den Einbezug der ganzen Wirtschaft wie auch der Technik voraussehbar?
Zeigten nicht schon Kriege vorher, wie der Amerikanische Bürgerkrieg, der Russisch-Japanische Krieg und die Balkankriege wohin die Reise ging?

Ich habe gehört, dass es einige warnende Stimmen gab, teils auch schon recht lange vor 1914.

Würde mich freuen, wenn Ihr die hier auflisten und ausführen könntet.
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dieter
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Lieber Marek,
alle sahen den 1. Weltkrieg voraus, konnten sich aber dessen Schrecken nicht vorstellen. :wink:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
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Orianne
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Lieber Marek, wer die Autobiographie von General Williams Tecumseh Sherman las, die 1875 verlegt wurde, der wusste, dass der Krieg nicht mehr mit Schwert und Lanze auf dem Schlachtfeld ausgetragen wurde, denn es gibt da ein bezeichnendes Zitat: “We are not only fighting armies, but a hostile people, and must make old and young, rich and poor, feel the hard hand of war, as well as their organized armies. I know that this recent movement of mine through Georgia has had a wonderful effect in this respect. Thousands who had been deceived by their lying papers into the belief that we were being whipped all the time, realized the truth, and have no appetite for a repetition of the same experience.” Des weiteren war der Sezessionskrieg der erste eigentliche Krieg, wo Soldaten und Material mit der Eisenbahn transportiert wurden. Ich würde hier Euch Lesern das Buch "Der Marsch" von E.L Doctorow empfehlen, es handelt genau von Shermans moderner Kriegsführung, die Hitler dann im WWII perfektionierte. Ich habe mich sehr mit Sherman befasst, und ich denke, dass er doch eine psychische Krankheit hatte, aber er war nicht schizophren. Ein weiteres Zitat von ihm aus seiner Autobiographie anlässlich einer Rede: "There is many a boy here today who looks on war as all glory, but, boys, it is all hell. You can bear this warning voice to generations yet to come. I look upon war with horror."

Es gibt auch einen Artikel aus dem Zürcher Tagesanzeiger, dort steht u.A., dass viel Geld vor 1914 in die Schweiz geschafft wurde, und eben nicht nach Belgien, so dass viele Leute wussten es gibt Krieg, aber wann?....

Link zum Tagesanzeiger:

http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindt ... rraschend/
Grant stood by me when I was crazy, and I stood by him when he was drunk, and now we stand by each other.

General William Tecumseh Sherman
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dieter
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Liebe Orianne,
alle kannten den Schliefen-Plan, dass ein Angriff der Deutschen über Belgien erfolgen würde, deshalb kein Geld nach Belgien sondern nach der Schweiz. :wink:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
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Marek1964
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Auch Friedrich Engels sagte folgendes:

„Und endlich ist kein andrer Krieg für Preußen-Deutschland mehr möglich, als ein Weltkrieg von einer bisher nie gekannten Ausdehnung und Heftigkeit. Acht bis zehn Millionen Soldaten werden sich untereinander abwürgen und dabei halb Europa kahlfressen, wie noch nie ein Heuschreckenschwarm. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs zusammengedrängt in drei bis vier Jahre und über den ganzen Kontinent verbreitet; Hungersnot, Seuchen, allgemeine, durch akute Not hervorge-rufene Verwilderung der Heere wie der Volksmassen; rettungslose Verwirrung unseres künstlichen Getriebes in Handel, Industrie und Kredit, endend im allgemeinen Bankerott; Zusammenbruch der alten Staaten und ihrer traditionellen Staatsweisheit, derart, dass die Kronen zu Dutzenden über die Straßen rollen und niemand sich findet, der sie aufhebt; absolute Unmöglichkeit, vorherzusehen, wie das alles enden und wer als Sieger aus dem Kampf hervorgehen wird; nur ein Resultat ist absolut sicher: allgemeine Erschöpfung und die Herstellung der Bedingungen des schließlichen Siegs der Arbeiterklasse."

(Friedrich Engels 1887 in der Einleitung zu Borkheims „Zur Erinnerung für die deutschen Mordspatrioten 1806 bis 1807")
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Orianne
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dieter hat geschrieben:Liebe Orianne,
alle kannten den Schliefen-Plan, dass ein Angriff der Deutschen über Belgien erfolgen würde, deshalb kein Geld nach Belgien sondern nach der Schweiz. :wink:
Das war nur ein Beispiel :wink:
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RedScorpion

Ich tät da aber doch ein mittelgrosses Fragezeichen hintermachen.

Denn: Man musste schon sehr genau hinsehen um zu schnallen, dass das Reich 1914 gar nicht mehr anders konnte, als seinem abgehalferten Quasi-Failed-State Oesterreich um mittlerweile jeden Preis unter die Arme zu greifen, nachdem das neureiche Reich seinen alten kleinen Grosscousin ja selbst durch jahrzehntelange Kleinarbeit genau in diese drittklassige Rolle hineingeknechtet hatte.

Und: Das ständige "Krieg-in-Sicht", Balkankriege usw. führten zu der allgemeinen irrigen Annahme, man werde schon irgendwie mit einem blauen Auge davonkommen.
Das ist sogar gar nichtmal sooo falsch gedacht,

denn Schlieffen hin oder her, beim Scheitern des ersten Anlaufs gegen das doch dann sehr viel stabilere Frankreich (wobei aber schon die Verletzung der Neutralität Belgiens mehr als nur ein Schönheitsmakel war) hätten die Mittelmächte einen B-Plan gebraucht,

und der hätte in der Tat so aussehen können, dass man eben Frieden schliesst und für zumindest einen Teil der Zerstörungen aufkommt, die eh unrentablen Kolonien abtritt, das Elsass zurückgibt o.ä. (oder zumindest Bereitschaft zu Zugeständnissen zu verkünden),
also die Verluste der späteren Jahre vermeidet.

Das wäre dringewesen, und hätte Verantwortung gezeigt.

Aber das ist genau das, was D am meisten abgeht, leider.
Trotzdem war's aber nicht dumm, von D zu erhoffen, es besser zu machen, in eigenem Interesse (also entweder um einen Verständigungsfrieden verhandeln, den Krieg abzubrechen, gar nicht erst anzufangen oder - noch besser - Oesterreich erst gar nicht in die Abhängigkeit zu deklassieren).


Noch dazu eben das auch damals schon wichtigste Land, die USA, durch den Krieg nicht sooo wahnsinnig zerstört wurde (Todesfälle durch Gefallene und v.a. der Spanischen Grippe Erlegene aussenvorlassend), hinterher nicht soviel anders aussah als zuvor. GB auch nicht. Weite Teile Europas ebensowenig. Das ändert sich erst in den 30ern.
Fällt mir spontan die Szene aus dem Film "Titanic" mit DiCaprio ein: Sein Freund erzählt ihm, dass das Schiff eigentlich ein irisches sei, da bei Harland&Wolff in Belfast gebaut, also kein britisches (Heimathafen Southampton, glaub' ich), wie DiCaprio glaubte.
Beide liegen falsch, denn es war ein amerikanisches, da in US-Besitz.

Und das war schon typisch so vor WWI.




LG
Paul
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Spätestems nach kurzer Kriegszeit, waren die Schrecken des Krieges erkennbar. Alle Kriegsparteien hätten intensiver mit den Verhandlungen über einen Verständigungsfrieden beginnen können. Vor allem die USA hätten ihr Interesse erkennen können, einen Frieden zu vermitteln bei dem viele gewonnen hätten.
Alle Staaten hätten erkennen müssen, das die Zeit der Kolonialreiche vorbei war, auch Frankreich hätte dies erkennen können, das es nicht versuchen sollte, die Kolonie Elsaß-Nordlothringen wieder zu erobern.
viele Grüße

Paul

aus dem mittelhessischen Tal der Loganaha
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Orianne
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Paul hat geschrieben:Spätestems nach kurzer Kriegszeit, waren die Schrecken des Krieges erkennbar. Alle Kriegsparteien hätten intensiver mit den Verhandlungen über einen Verständigungsfrieden beginnen können. Vor allem die USA hätten ihr Interesse erkennen können, einen Frieden zu vermitteln bei dem viele gewonnen hätten.
Alle Staaten hätten erkennen müssen, das die Zeit der Kolonialreiche vorbei war, auch Frankreich hätte dies erkennen können, das es nicht versuchen sollte, die Kolonie Elsaß-Nordlothringen wieder zu erobern.
Du würdest also vor allem Woodrow Wilson ein gewisses Versagen zuschreiben, ich würde hier ja und nein sagen, da er doch vom Kongress quasi zurück aus Europa geholt wurde.
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Barbarossa
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Paul hat geschrieben:...
Alle Staaten hätten erkennen müssen, das die Zeit der Kolonialreiche vorbei war...
Wie kommst du darauf. Die Blütezeit des Kolonialismus begann doch erst kurz vor Beginn des 1. WKs und war erst in den 60er Jahren größtenteils zu Ende.
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Barbarossa
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RedScorpion hat geschrieben:... beim Scheitern des ersten Anlaufs gegen das doch dann sehr viel stabilere Frankreich (wobei aber schon die Verletzung der Neutralität Belgiens mehr als nur ein Schönheitsmakel war) hätten die Mittelmächte einen B-Plan gebraucht,

und der hätte in der Tat so aussehen können, dass man eben Frieden schliesst und für zumindest einen Teil der Zerstörungen aufkommt, die eh unrentablen Kolonien abtritt, das Elsass zurückgibt o.ä. (oder zumindest Bereitschaft zu Zugeständnissen zu verkünden),
also die Verluste der späteren Jahre vermeidet.

Das wäre dringewesen, und hätte Verantwortung gezeigt.
Nö, das hätte ja das Eingeständnis der völligen Niederlage bedeutet. So weit war man 1915/16 und auch 17 noch lange nicht.
Das Kaiserreich arbeitete ja auch noch am Heraubruch Russlands aus der Entete, was ja Ende 1917 auch gelang. Ohne den Kriegseintritt der USA hätte sich das die Kräftverhältnis (vermutlich kriegsentscheidend) zu Gunsten der Mittelmächte verändert. Aber wie gesagt, ohne die USA...
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RedScorpion

Barbarossa hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:... beim Scheitern des ersten Anlaufs gegen das doch dann sehr viel stabilere Frankreich (wobei aber schon die Verletzung der Neutralität Belgiens mehr als nur ein Schönheitsmakel war) hätten die Mittelmächte einen B-Plan gebraucht,

und der hätte in der Tat so aussehen können, dass man eben Frieden schliesst und für zumindest einen Teil der Zerstörungen aufkommt, die eh unrentablen Kolonien abtritt, das Elsass zurückgibt o.ä. (oder zumindest Bereitschaft zu Zugeständnissen zu verkünden),
also die Verluste der späteren Jahre vermeidet.

Das wäre dringewesen, und hätte Verantwortung gezeigt.
Nö, das hätte ja das Eingeständnis der völligen Niederlage bedeutet. So weit war man 1915/16 und auch 17 noch lange nicht.
...
Das meint' ich ja gerade mit der Verantwortungslosigkeit, welche Deutschland bis heute auszeichnet. Schon irgendwie einmalig bis plemplem.
Denn der Schlieffenplan existierte ja gerade deswegen, weil man wusste, dass man schwächer war als GB und F zusammen; ansonsten hätte man ja aufs Ueberraschungsmoment verzichten können und gleich in Lothringen angreifen können (oder gar ganz gemütlich auf einen frz. Angriff warten können, wenn man angeblich soviel stärker war), wenn man eh gewonnen hätte.
Also wäre zumindest ein Teileingeständnis einer Niederlage bzw. ein Sinn für die reale Lage, zumal man eben auch den Krieg begonnen hatte - umsonst - nicht von schlechten Eltern gewesen, und schon gar nicht ausserhalb der eigenen Logik.


Barbarossa hat geschrieben: ...
Das Kaiserreich arbeitete ja auch noch am Heraubruch Russlands aus der Entete, was ja Ende 1917 auch gelang. Ohne den Kriegseintritt der USA hätte sich das die Kräftverhältnis (vermutlich kriegsentscheidend) zu Gunsten der Mittelmächte verändert. Aber wie gesagt, ohne die USA...
Und da sind's wieder, totale Selbstüberschätzung bzw. gnadenloses "Wunsch"denken. :shock:
Abgesehen davon, dass Schlieffen gerade deswegen existierte, weil D eben nicht stärker war als F und GB zusammen, also auf die Trickkiste der Ueberraschungsstrategien usw. zurückgreifen musste,

braucht man sich bloss die wirtschaftlichen Daten von 1914 anzusehen um zu schnallen, dass D zwar enorm aufgeholt hatte, aber längst nicht doppelt so stark war wie F oder GB allein.

Daher ist völlig klar, dass D auch ohne Kriegseintritt nicht in der Lage war, den Krieg zu gewinnen (in der Tat hatte D auch keine grossen Erfolge vorzuweisen nach dem Frontstillstand, trotz bzw. gerade wegen Schlieffen).

Zumal D vom Welthandel abgeschnitten war (einmal durch GB - Ueberraschung, die ham Schiffe - , aber auch dadurch, dass man sich ungünstigerweise mit seinen besten Handelspartnern angelegt hatte - da gehört was zu an Doofheit), im Ggsatz zur Entente. Und logisch, dass dem die USA nicht tatenlos zusehen, wo auch die eigene wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel stand.
Keine Ahnung, was die Deutschen sich da vorstell(t)en. Aus einer solchen Konstellation volle Konfrontation zu fahren und nicht nur mit einem blauen Auge davonzukommen, sondern sie sogar zu gewinnen,

das ist Banane. Noch dazu allen Ernstes zu glauben, stärker als alle Gegner zusammengenommen zu sein. Keine Worte.



LG
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Barbarossa
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RedScorpion hat geschrieben:Das meint' ich ja gerade mit der Verantwortungslosigkeit, welche Deutschland bis heute auszeichnet. Schon irgendwie einmalig bis plemplem.
Wenn du es von der Warte aus siehst, dann ist wohl jeder Krieg, der je geführt wurde, Menschen gegenüber Verantwortungslos bis "plemplem". Militärstrategen haben den Krieg wohl schon immer mehr als eine Art von "Großem Schachbrett" gesehen. Darum kann es also bei dieser Betrachtung nicht gehen.
RedScorpion hat geschrieben:Denn der Schlieffenplan existierte ja gerade deswegen, weil man wusste, dass man schwächer war als GB und F zusammen; ansonsten hätte man ja aufs Ueberraschungsmoment verzichten können und gleich in Lothringen angreifen können (oder gar ganz gemütlich auf einen frz. Angriff warten können, wenn man angeblich soviel stärker war), wenn man eh gewonnen hätte.
...
Stimmt nicht.
Der Schieffenplan wurde ausgearbeitet, weil man in ihm von einem 2-Frontenkrieg ausging, der dann auch kam. Weil man einer Aufteilung der Truppen sowohl an der Ostfront und an der Westfront aus dem Wege gehen wollte, wollte man zurerst im Westen angreifen, um die französisch-britischen Truppen in einer Art Blitzkrieg schnell zu schlagen und den Krieg an dieser Front rasch zu beenden. (Das hätte man wohl nie versucht, wenn man davon ausgegangen wäre, dass man hoffnungslos unterlegen gewesen wäre.)
Dass die Kaiserlichen dabei über Belgien und Luxemburg gingen, lag an den Befestigungen, die die Franzosen an der Grenze zu Deutschland errichtet hatten (siehe: "Eiserne Barriere" als Vorläufer der "Maginot-Linie").
Zweitens ging man davon aus, dass die russischen Truppen relativ schwerfällig waren und man damit ein schnelles militärisches Vordringen Russlands für unwahrscheinlich hielt. Diesen würde man sich nach einem Sieg an der Westfront zuwenden.

Das war grob umrissen der Schliffenplan. Dieser Plan (nicht unbedingt bereits der Krieg) scheiterte in dem Moment, als die Front im Westen stecken blieb.
RedScorpion hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben: ...
Das Kaiserreich arbeitete ja auch noch am Heraubruch Russlands aus der Entete, was ja Ende 1917 auch gelang. Ohne den Kriegseintritt der USA hätte sich das die Kräftverhältnis (vermutlich kriegsentscheidend) zu Gunsten der Mittelmächte verändert. Aber wie gesagt, ohne die USA...
Und da sind's wieder, totale Selbstüberschätzung bzw. gnadenloses "Wunsch"denken. :shock:
Warum? In diesem Fall erreichte man das Ziel. Russland schied nach der "Oktoberrevolution" 1917 aus dem Krieg aus und der 2-Frontenkrieg war beendet.
:wink:

Aus meiner Sicht ist es tatsächlich die Frage, ob die Entente die Frühjahrsoffensive von1918 der Kaiserlichen auch dann zum Stehen gebracht hätten, wären die USA nicht bereits 6. April 1917 in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_ ... egsverlauf
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RedScorpion

Halt ich für total unlogisch, den Plan, wenn man davon ausgeht, dass er aus der Stärke heraus entstand.

Er macht nur Sinn, wenn man erkennt, dass man der Schwächere ist.

Nur dann braucht man sich überhaupt zu unterhalten über "erst die einen besiegen, dann den anderen". Entweder man ist so stark, dass man keinen "Blitzkrieg" braucht, oder man ist eben gerade nicht stärker.


Barbarossa hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:Das meint' ich ja gerade mit der Verantwortungslosigkeit, welche Deutschland bis heute auszeichnet. Schon irgendwie einmalig bis plemplem.
Wenn du es von der Warte aus siehst, dann ist wohl jeder Krieg, der je geführt wurde, Menschen gegenüber Verantwortungslos bis "plemplem". Militärstrategen haben den Krieg wohl schon immer mehr als eine Art von "Großem Schachbrett" gesehen. Darum kann es also bei dieser Betrachtung nicht gehen.
...
Doch, auch darum geht es, wenn auch nicht "nur".
Man mag es "Realpolitik" nennen oder zynisch oder gar pervers,

aber es gibt eine Kosten-Nutzen-Rechnung auch im Krieg, auch dann, wenn Menschenleben bzw. der Verlust derselben dabei notgedrungen miteinbezogen werden müssen.

Es gab und gibt "gerechte" Kriege und es gibt Kriege, auch genau um noch grösseren Verlust an Menschenleben zu vermeiden.
Das geht weit über die Logik von Kabinettskriegen von anno dazumal in Pusemuckel hinaus.

Barbarossa hat geschrieben: ...
Das war grob umrissen der Schliffenplan. Dieser Plan (nicht unbedingt bereits der Krieg) scheiterte in dem Moment, als die Front im Westen stecken blieb.
...
Dieser Moment war aber schon 1914. Da konnten alle späteren Opfer (also ca. 80% oder so) noch gerettet werden. Und Chancen auf einen Sieg hatte man danach nicht mehr, es sei denn, man hätte die Meere danach beherrscht. Gegen eine Macht, die diese seit Jahrhunderten dominierte?

Wie beknackt musste man sein, um das zu glauben?

Das geht weit über jegliches Kriegskalkül wie anfangs beschrieben, hinaus.

Barbarossa hat geschrieben: ...
RedScorpion hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben: ...
Das Kaiserreich arbeitete ja auch noch am Heraubruch Russlands aus der Entete, was ja Ende 1917 auch gelang. Ohne den Kriegseintritt der USA hätte sich das die Kräftverhältnis (vermutlich kriegsentscheidend) zu Gunsten der Mittelmächte verändert. Aber wie gesagt, ohne die USA...
Und da sind's wieder, totale Selbstüberschätzung bzw. gnadenloses "Wunsch"denken. :shock:
Warum? In diesem Fall erreichte man das Ziel. Russland schied nach der "Oktoberrevolution" 1917 aus dem Krieg aus und der 2-Frontenkrieg war beendet.
:wink:
...
Ja, nur nutzte das ja nix.
Die Kriegsführung im Osten war eine ganz andere als im Westen, und abgesehen davon, dass man auch Truppen zur Besatzung eines besiegten Landes braucht, kann man nicht einfach Waffen hin und herschieben, über Tausende Kilometer hinweg, bei unterschiedlicher Gleisbreite, Waffengattung, Erfahrung, Strategie, Stärke des Gegners, Versorgungslinien und und und.
Ein Sieg im Osten nützte gar nix.

Auch nach dem Ausscheiden Russlands stand das DR nicht besser da, die USA ausklammernd.

Der Handel lief am Reich vorbei, bei seinen Verbündeten krachte es in allen Fugen, und es war nichtmal genug zu essen da.

Sieger sehen anders aus.

Barbarossa hat geschrieben: ...
Aus meiner Sicht ist es tatsächlich die Frage, ob die Entente die Frühjahrsoffensive von1918 der Kaiserlichen auch dann zum Stehen gebracht hätten, wären die USA nicht bereits 6. April 1917 in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_ ... egsverlauf
Dann eben erst 1919.

Deutschland hätte auch so nix mehr zu essen gehabt.




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Barbarossa
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RedScorpion hat geschrieben:Halt ich für total unlogisch, den Plan, wenn man davon ausgeht, dass er aus der Stärke heraus entstand.

Er macht nur Sinn, wenn man erkennt, dass man der Schwächere ist.

Nur dann braucht man sich überhaupt zu unterhalten über "erst die einen besiegen, dann den anderen". Entweder man ist so stark, dass man keinen "Blitzkrieg" braucht, oder man ist eben gerade nicht stärker.
Nein, wieso? Wenn man meint, dass man selbst an einer von zwei Fronten unterlegen sei, dann verhindert man doch eher einen Krieg, als ihn zu provozieren. Wenn man aber meint, man könne die Gegner zumindest nacheinander an beiden Fronten schlagen, fühlt man sich zumindest dafür stark genug. Das sagt mir zumindest die Logik.
RedScorpion hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben: ...
Das war grob umrissen der Schliffenplan. Dieser Plan (nicht unbedingt bereits der Krieg) scheiterte in dem Moment, als die Front im Westen stecken blieb.
...
Dieser Moment war aber schon 1914. Da konnten alle späteren Opfer (also ca. 80% oder so) noch gerettet werden. Und Chancen auf einen Sieg hatte man danach nicht mehr, es sei denn, man hätte die Meere danach beherrscht. Gegen eine Macht, die diese seit Jahrhunderten dominierte?

Wie beknackt musste man sein, um das zu glauben?

Das geht weit über jegliches Kriegskalkül wie anfangs beschrieben, hinaus.
Ja gut, nach dem der Moment da war, grub man sich halt ein und versuchte es mit "Plan B" und der hieß Verschleiß des Gegners mit gewaltigen Materialschlachten und dem Einsatz von Giftgas und und und.
Davon kann man nun halten, was man will. Aber in so frühem Stadium des Krieges schon die Niederlage einzugestehen, hielt man eben auch nicht für akzeptabel, zumal die Friedensbedingungen auch hier imho nicht milder ausgefallen wären, als 1919.
RedScorpion hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben: Warum? In diesem Fall erreichte man das Ziel. Russland schied nach der "Oktoberrevolution" 1917 aus dem Krieg aus und der 2-Frontenkrieg war beendet.
:wink:
...
Ja, nur nutzte das ja nix.
Die Kriegsführung im Osten war eine ganz andere als im Westen, und abgesehen davon, dass man auch Truppen zur Besatzung eines besiegten Landes braucht, kann man nicht einfach Waffen hin und herschieben, über Tausende Kilometer hinweg, bei unterschiedlicher Gleisbreite, Waffengattung, Erfahrung, Strategie, Stärke des Gegners, Versorgungslinien und und und.
Ein Sieg im Osten nützte gar nix.
Genau das ist doch aber geschehen. 80 Divisionen (die Zahl habe ich jetzt gerade im Kopf) wurden von der Ostfront an die Westfront geworfen und dann die Frühjahrsoffensive gestartet. Diese Truppen hatten eine weit bessere Kampfmoral, als ihre Kameraden im Westen, da sie im Osten Siegeserfahrungen gemacht hatten.
RedScorpion hat geschrieben: Auch nach dem Ausscheiden Russlands stand das DR nicht besser da, die USA ausklammernd.

Der Handel lief am Reich vorbei, bei seinen Verbündeten krachte es in allen Fugen, und es war nichtmal genug zu essen da.

Sieger sehen anders aus.
Mag sein, dass die Lage prekär war, aber man kann die Amerikaner eben nicht ausklammern, sondern die machten vermutlich am Ende den Unterschied aus.
RedScorpion hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben: ...
Aus meiner Sicht ist es tatsächlich die Frage, ob die Entente die Frühjahrsoffensive von1918 der Kaiserlichen auch dann zum Stehen gebracht hätten, wären die USA nicht bereits 6. April 1917 in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_ ... egsverlauf
Dann eben erst 1919.

Deutschland hätte auch so nix mehr zu essen gehabt.
Das hätte sich nach dem erhofften Siegfrieden dann auch schlagartig geändert - zugegeben: auf Kosten der Besiegten.
Aber auch das war schon immer so.^^
Die Diskussion ist eröffnet!

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