Textzitat in voller Länge:
.
»22. März - Geburtstag Wilhelm I.
Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen wurde am 22. März 1797 als zweiter Sohn König Friedrich Wilhelms III. und Königin Luise in Berlin geboren.
Ursprünglich nicht für die Thronfolge vorgesehen, war seine frühe Laufbahn fast ausschließlich militärisch bestimmt. Bereits 1807 trat er der Tradition im königlichen Hause folgend, in die Armee ein und nahm 1814 aktiv an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Er widmete sich über Jahrzehnte hinweg primär der Organisation und Verwaltung des preußischen Militärwesens.
Die Ehe des königlichen Bruders blieb kinderlos und so rückte sein Familienzweig in der Thronfolge in den Mittelpunkt. Mit der Erkrankung seines Bruders übernahm er 1858 als Prinzregent zunächst die Regierungsgeschäfte und bestieg 1861 nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV. als Wilhelm I. den preußischen Thron.
Seine Regierungsantritt war unmittelbar mit dem Verfassungskonflikt um die Heeresreform verknüpft, in dessen Verlauf er 1862 Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten ernannte.
Unter seiner formalen Führung als Oberbefehlshaber erfolgten die sogenannten Einigungskriege gegen Dänemark (1864), im Auftrag des Deutschen Bunds und gemeinsam mit Österreich, gegen Österreich und den Deutschen Bund (1866) und schließlich Frankreich (1870/71).
Alle drei Kriege waren zwar blutig, wegen der Art und Weise der militärischen Herangehensweise allerdings kurz, woraus sich die preußische und im letzten Schluß deutsche Militärdoktrin der konsequenten Offensive mit aller Härte weiterentwickelte. Die bisherige Erkenntnis war: ein schneller, mit aller Entschiedenheit vorgetragener Angriff spart letztendlich Blut, da dieser bei Erfolg eine raschere Entscheidung begünstigt. Mit der Einführung neuer Militärtechnologien sollte dieses Strategie, die bald von allen westlichen Militärmächten kopiert wurde, zum fatalen Massensterben auf den Schlachtfeldern des I. Weltkriegs führen.
Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert. Trotz seiner Rolle als Symbolfigur des ersten deutschen Nationalstaates blieb sein Selbstverständnis zeitlebens hauptsächlich der preußischen Monarchie verbunden; die Kaiserkrone akzeptierte er widerwillig als notwendig gewordene politische Konsequenz. Er fügte sich den nationalen Forderungen, die von Volk und Fürsten getragen war.
Potsdam und Babelsberg
Obwohl das Alte Palais Unter den Linden in Berlin sein offizieller Amtssitz war, empfand er die Stadt oft als einengend. Sein eigentlicher Lebensmittelpunkt und privater Rückzugsort war das Schloss Babelsberg in Potsdam.
Babelsberg bot ihm die Möglichkeit, in den weitläufigen Parkanlagen spazieren zu gehen, was eines seiner beständigen Bedürfnisse war. Er schätzte die märkische Landschaft und die Ruhe außerhalb des Berliner Protokolls.
Zeitgenössische Berichte verdeutlichen, dass Wilhelm I. einen fast kargen Lebensstil pflegte. Sein Arbeitszimmer in Babelsberg war funktionell und ohne den Pomp eingerichtet, den man bei einem Monarchen seiner Zeit und Rang hätte vermuten können.
Die Ehe mit Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
Die Ehe wurde 1829 aus dynastischen Gründen geschlossen, nachdem Wilhelm die Heirat mit seiner Jugendliebe Elisa Radziwiłł als nicht standesgemäß untersagt worden war.
Während Augusta durch ihre Prägung am Sachsen-Weimar-Eisenacher Hof liberaler eingestellt war, dem Weimarer Ideal der Klassik anhing und einen politisch aktiven Salon führte, blieb Wilhelm zeitlebens der asketischen Tradition Preußens unverbrüchlich verbunden.
Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor:
• Friedrich Wilhelm (1831–1888): Der spätere Kaiser Friedrich III. Er heiratete 1858 Victoria von Großbritannien und Irland (die älteste Tochter von Queen Victoria), was die Verbindung zum britischen Königshaus festigte. Friedrich III. regierte jedoch im „Dreikaiserjahr“ 1888 aufgrund seines schweren Kehlkopfleidens nur 99 Tage.
• Luise (1838–1923): Sie heiratete 1856 den Großherzog Friedrich I. von Baden. Luise von Preußen war im badischen Land sehr populär und engagierte sich, ähnlich wie ihre Mutter Augusta, stark im sozialen Bereich und im Wohlfahrtswesen, insbesondere im Roten Kreuz.
Diese charakterlichen und weltanschaulichen Gegensätze führten dazu, dass das Paar oft getrennte Wege ging. Augusta verbrachte viel Zeit in Koblenz oder bei Kuraufenthalten, während Wilhelm seine Routinen pflichtbewusst in Potsdam und Berlin beibehielt. Ein schwere Prüfung war für sie und ihren Gatten der Bruderkrieg von 1866, den Baden an der Seite des Deutschen Bunds gegen Preußen führte.
Der "Alte Herr"
Wilhelm I. kultivierte das Bild des "pflichtbewussten ersten Soldaten seines Staates". Sein Tagesablauf war streng geregelt und von militärischer Disziplin bestimmt. Bei den Mahlzeiten hielt er sich ebenso zurück, wie bei Äußerungen in der Öffentlichkeit. Privat schätzte er die Jagd in den märkischen Forsten und die informelle Runde mit seinen Adjutanten. Diese "Herrenabende" waren oft die einzigen Momente, in denen er den starren höfischen Zwängen entfloh.
Er pflegte eine gewisse Sichtbarkeit für die Bevölkerung, etwa durch das tägliche Erscheinen am Fenster des Alten Palais zur Wachablösung, was seinen Status als volksnaher "Greisenkaiser" festigte, obwohl sein Herz der stillen Zurückgezogenheit gehörte.
Er verstarb am 9. März 1888 in Berlin, was das sogenannte Dreikaiserjahr einleitete. Seine Beisetzung fand unter hoher Anteilnahme im Vorfeld im Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg statt.
Der März war in seinem Leben ein mit wichtigen Ereignissen verknüpfter Monat. Sowohl sein eigener Geburtstag als auch der Geburtstag seiner geliebten, früh verlorenen Mutter war im März. Der Befreiungskrieg gegen Napoleon begann im März. Schließlich starb er im März, ein Tag vor dem Geburtstag seiner Mutter.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/p/19Rzof24ks/
mit freundlicher Genehmigung von 𝔇𝔦𝔢 𝔐𝔞𝔯𝔨 𝔅𝔯𝔞𝔫𝔡𝔢𝔫𝔟𝔲𝔯𝔤
Willkommen in unserem Forum! Möchten Sie an den Diskussionen teilnehmen? Dann senden Sie uns eine E-Mail mit Ihrem gewünschten Nutzernamen an geschichte.wissen@gmail.com. Wir werden Ihren Account einrichten.
22. März 1797: Geburtstag Wilhelm I. von Preußen - kurzer Lebenslauf
Moderator: Barbarossa
- Barbarossa
- Mitglied
- Beiträge: 15589
- Registriert: 09.07.2008, 16:46
- Wohnort: Mark Brandenburg
Die Diskussion ist eröffnet!
Jedes Forum lebt erst, wenn Viele mitdiskutieren.
Schreib auch du deine Meinung! Nur kurz registrieren und los gehts!
Jedes Forum lebt erst, wenn Viele mitdiskutieren.
Schreib auch du deine Meinung! Nur kurz registrieren und los gehts!
-
- Vergleichbare Themen
- Antworten
- Zugriffe
- Letzter Beitrag
-
- 0 Antworten
- 2224 Zugriffe
-
Letzter Beitrag von Barbarossa
-
- 16 Antworten
- 26439 Zugriffe
-
Letzter Beitrag von Feldwebel57
-
- 12 Antworten
- 10285 Zugriffe
-
Letzter Beitrag von Balduin
-
- 37 Antworten
- 48192 Zugriffe
-
Letzter Beitrag von dieter
-
- 13 Antworten
- 11939 Zugriffe
-
Letzter Beitrag von Skeptik
