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Zusammenbruch der 1. Napoleonischen Herrschaft

Robespierre, Danton, Umsturz, Ancien Regime, Napoleon, Kaisertum, Französische Kriege

Moderator: Barbarossa

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Barbarossa
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»Die Schlacht bei Paris - seit 400 Jahren erreicht erstmals wieder ein feindliches Heer die französische Hauptstadt.

Am 30. März 1814 erreichten die Streitkräfte der sechsten Koalition aus Russland, Preußen, Österreich und mehreren deutschen Staaten auf dem vorläufigen Höhepunkt der Befreiungskriege die französische Hauptstadt. Vor den Toren von Paris kam es zur letzten großen Entscheidungsschlacht des Winterfeldzuges von 1814. Die Armeen unter Fürst Karl Philipp zu Schwarzenberg und Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher griffen die französischen Verteidigungsstellungen an und eroberten im Laufe des Tages die beherrschenden Höhen um die Stadt, insbesondere den Montmartre. Am Nachmittag kapitulierten die Verteidiger unter Marschall Auguste Frédéric Louis Viesse de Marmont. Paris stand den Verbündeten schutzlos offen.

Die Einnahme der französischen Hauptstadt steht für den völligen militärischen Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft in Frankreich und leitete unmittelbar die erste Abdankung Napoleons ein.

Der Weg nach Paris: Der deutsche Befreiungskrieg seit März 1813

Militärischer Hintergrund dieses Ereignisses war der Befreiungskrieg gegen Napoleon, der im Frühjahr 1813 begann. Nach der Katastrophe des Russlandfeldzuges von 1812 hatten sich nacheinander mehrere europäische Mächte und deutsche Mittelstaaten zu einer neuen, zur Sechsten Koalition zusammengeschlossen.

Frühjahr 1813:
Preußen trat im März 1813 an der Seite Russlands in den Krieg ein. In den ersten Gefechten in Sachsen – etwa bei Großgörschen (2. Mai) und Bautzen (20./21. Mai) – konnte Napoleon zwar noch taktische Siege erringen, doch gelang es ihm nicht die Gegner entscheidend zu schlagen, noch die strategische Initiative dauerhaft zu behaupten.

Sommer und Herbst 1813:
Im August 1813 trat auch Österreich der Koalition bei. Nach mehreren Schlachten in Mitteldeutschland erreichte der Feldzug im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig den blutigen Höhepunkt. Es war die größte Schlacht der damaligen europäischen Geschichte. Napoleons Niederlage zwang ihn zum strategischen Rückzug über den Rhein.

Winterfeldzug 1814:
Zu Beginn des Jahres 1814 drangen die Koalitionsarmeen in Frankreich ein. Napoleon führte im sogenannten Frankreichfeldzug von 1814 noch mehrere erfolgreiche Gegenangriffe – etwa bei Champaubert, Montmirail und Montereau –, doch konnte er die zahlenmäßige Überlegenheit der Gegner nicht ausgleichen. Die alliierten Armeen verfügten über deutlich größere Kräfte und rückten schließlich auf Paris vor.

Ein strukturelles Problem der napoleonischen Kriegsführung in den letzten Jahren seines Kaiserreichs trat hervor. Die französische Armee bestand längst nicht mehr ausschließlich aus französischen Soldaten. Im Russlandfeldzug von 1812 hatte die Grande Armée einen sehr starken multinationalen Charakter angenommen und setzte sich aus Kontingenten zahlreicher verbündeter oder abhängiger Staaten zusammen. Neben französischen Truppen kämpften große Verbände aus den Rheinbundstaaten, aus dem Herzogtum Warschau, aus Italien, aus den Niederlanden sowie aus weiteren von Frankreich abhängigen Gebieten.

Allein die deutschen Rheinbundstaaten stellten etwa 120.000 Soldaten, darunter ungefähr 30.000 Bayern, mehr als 27.000 Westfalen und rund 20.000 Sachsen. Hinzu kamen etwa 96.000 Polen aus dem Herzogtum Warschau. Die katastrophalen Verluste dieses multinational zusammengesetzten Heeres im Russlandfeldzug und in den folgenden Kämpfen schwächten Napoleons militärische Basis erheblich. Zudem wechselten nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 mehrere bisherige Verbündete – darunter Bayern und andere Rheinbundstaaten – auf die Seite der Koalition, wodurch sich das Kräfteverhältnis weiter zu Ungunsten Frankreichs verschob.

Ende März 1814 standen die Armeen der Verbündeten schließlich vor Paris. Seit 400 Jahren war es die erste feindliche Armee, die Paris erreichte.

Verlauf der Schlacht

Kräfteverhältnis und Ausgangslage

Die Verteidigung von Paris lag hauptsächlich in den Händen der Marschälle Marmont und Mortier. Zusammen verfügten sie über etwa 25.000 reguläre Soldaten, unterstützt durch Nationalgardisten und Freiwillige. Den Verteidigern standen etwa 80.000 alliierte Soldaten gegenüber.

Napoleon selbst befand sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Paris. Er versuchte noch, seine Armee in Richtung Hauptstadt zu führen, erfuhr jedoch unterwegs vom Ausgang der Schlacht.

Der Angriff der Koalition

Am Morgen des 30. März begann der Angriff der Verbündeten aus nördlicher und östlicher Richtung. Russische Verbände unter Barclay de Tolly rückten zunächst auf Pantin und Romainville vor und gerieten dort in heftige Kämpfe mit französischen Truppen.

Im Laufe des Vormittags trafen weitere Teile der Koalitionsarmeen ein. Blüchers schlesische Armee erschien nördlich von Paris und begann, die französischen Stellungen zu umfassen. Besonders schwere Gefechte entwickelten sich im Raum Belleville, Pantin und entlang des Canal de l’Ourcq, wo beide Seiten erhebliche Verluste erlitten.

Gegen Mittag griffen russische und preußische Verbände verstärkt an. Schrittweise wurden mehrere Vororte genommen, und die französischen Linien mussten sich zurückziehen. Schließlich gelang es den Angreifern, auch die strategisch entscheidende Höhe von Montmartre zu besetzen, von der aus die Stadt überblickt und mit Artillerie bedroht werden konnte.

Kapitulation von Paris

Mit dem Verlust der beherrschenden Stellung wurde die Lage der Verteidiger aussichtslos. Am Nachmittag nahm Marschall Marmont Verhandlungen mit den Alliierten auf.

Noch am selben Tag akzeptierten die französischen Befehlshaber einen Waffenstillstand und erklärten sich bereit, die Stadt zu übergeben. Am 31. März 1814 zogen die alliierten Truppen in Paris ein.

Bedeutung und Folgen

Die Schlacht bei Paris hatte unmittelbare politische Konsequenzen.

Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft:
Mit dem Verlust der Hauptstadt war die militärische Lage Napoleons praktisch unhaltbar geworden. Wenige Tage später zwangen ihn seine Marschälle zur Abdankung. Am 6. April 1814 legte er die Kaiserkrone nieder.

Einzug der Koalitionsmächte in Paris:
Am 31. März 1814 zogen die Monarchen der Koalition – unter ihnen Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen – an der Spitze ihrer Truppen in die französische Hauptstadt ein.

Ende des Ersten Kaiserreichs:
Die Bourbonen wurden auf den französischen Thron zurückgeführt. Der Erste Pariser Frieden vom Mai 1814 stellte weitgehend die Grenzen Frankreichs von 1792 wieder her, das keine Gebietsverluste hinnehmen musste.

Mit der Einnahme von Paris war der Feldzug der sechsten Koalition militärisch entschieden. Der Konflikt sollte jedoch noch einmal aufflammen, als Napoleon im Frühjahr 1815 von der Insel Elba zurückkehrte und die sogenannte Herrschaft der Hundert Tage begann, die erst mit der Niederlage bei Waterloo endgültig endete.«
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»Schlacht bei Großgörschen (2. Mai 1813)

Die Schlacht bei Großgörschen war die erste große Schlacht der Befreiungskriege im Jahr 1813 im Rahmen des Frühjahrsfeldzugs. Sie steht im direkten Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung Europas nach dem desaströsen Russlandfeldzug von 1812, in dessen Verlauf die französische Hauptarmee weitgehend untergegangen war.

Napoleon Bonaparte versuchte im Frühjahr 1813 die neu entstehende Koalition aus Russland und Preußen durch einen raschen Schlag in Mitteldeutschland zu zerschlagen, bevor sich weitere Staaten anschließen konnten. Die alliierten Kräfte standen unter dem russischen Oberbefehl von Peter zu Sayn-Wittgenstein und Gebhard Leberecht von Blücher, der die preußische Armee kommandierte.

1 - Vorgeschichte und politischer Bruch Preußens

Der preußische Kurswechsel im Frühjahr 1813 hatte sich nicht abrupt vollzogen, sondern entwickelte sich aus einer existenziellen Krise des Bündnissystems mit Frankreich nach 1807. Der entscheidende Wendepunkt war die Konvention von Tauroggen am 30. Dezember 1812, die der preußische General Yorck ohne königliche Zustimmung mit Russland eigenmächtig abschloss und damit die preußischen Hilfstruppen faktisch aus dem französischen Bündnisverband herauslöste.

König Friedrich Wilhelm III. stand in den folgenden Wochen unter erheblichem politischen und diplomatischem Druck. Einerseits war Frankreichs Armee durch den Russlandfeldzug zwar geschwächt, andererseits war Napoleon weder geschlagen noch ohne militärische Ressourcen in Mitteleuropa. Die formale Bindung an Frankreich aufzulösen, war demnach nicht ohne große Risiken. Erst nach intensiven Beratungen und dem Vorrücken russischer Truppen entschied sich der König im März 1813 zur offenen Kriegserklärung an Frankreich. Diese erfolgte am 17. März 1813 und wurde durch den Aufruf „An Mein Volk“ öffentlich publik.

Es zeichnet sich ab, dass der Krieg im mitteldeutschen Raum entbrennen würde.

2 - Sachsen als Operationsraum

Sachsen wurde zum zentralen Aufmarsch- und Kampfgebiet, weil sich dort mehrere Faktoren überlagerten. Das Königreich Sachsen war ein treues Mitglied des Rheinbundes und demnach als Vasall mit Frankreich verbunden. Gleichzeitig lag es geografisch zwischen den französisch kontrollierten Gebieten westlich der Elbe und den aus Osten vorrückenden Koalitionstruppen.

Hinzu kam die Struktur des Raumes. Das mitteldeutsche Straßennetz, insbesondere die Verbindung über Leipzig, ermöglichte schnelle Truppenbewegungen und begünstigte das Zusammentreffen größerer Verbände. Leipzig fungierte als logistischer und strategischer Dreh- und Angelpunkt.

3 - Militärische Ausgangslage im Frühjahr 1813

Nach dem Rückzug aus Russland verfügte Frankreich nur noch eingeschränkt über einsatzfähige Streitkräfte. Besonders die Kavallerie war stark dezimiert, was sich unmittelbar auf Aufklärung und Beweglichkeit der französischen Armee auswirkte. Napoleon begann mit dem raschen Neuaufbau einer schlagkräftigen Armee aus Rekruten und zusammengezogenen Verbänden aus den deutschen Territorien westlich der Elbe..

Napoleon Bonaparte konzentrierte seine Kräfte aus den bereits genannten Gründen im Raum Leipzig, wobei die Armee in mehrere Marschkolonnen gegliedert war. Die Vereinigung aller Kräfte war Anfang Mai 1813 noch nicht abgeschlossen.

Die Koalition erkannte hierin die Chance und plante Angriffe auf die noch getrennt marschierenden französischen Korps, um diese einzeln zu schlagen, bevor eine Vereinigung stattfinden konnte.

4 - Verlauf der Schlacht

Am 2. Mai griffen preußisch-russische Verbände die französischen Kräfte südwestlich von Leipzig im Bereich der Dörfer Großgörschen, Kaja, Rahna und Kleingörschen an. Der Angriff traf zunächst auf französische Einheiten während deren Anmarschs.

Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Dörfer selbst und waren schwer. Mehrfach wechselten sie den Besitzer. Der Kampf war durch wiederholte Infanterieangriffe und Nahkampf geprägt.

Im weiteren Verlauf des Tages führte Napoleon zusätzliche Korps heran und verstärkte schrittweise die französische Front. Die Stabilisierung erfolgte schrittweise und zog sich über mehrere Stunden hinweg fort, unter stetig zunehmendem Druck.

Am Nachmittag kam schließlich die kaiserliche Garde zum Einsatz. Dies brachte die Wende zugunsten der Franzosen, deren Gegenangriffe nun Gewicht bekamen.

Gegen späten Nachmittag zeichnete sich eine taktische Niederlage für die Alliierten ab und sie begannen sich vom Feind zu lösen. Am Abend zogen sich die alliierten Truppen in geordneter Form zurück. Eine französische Verfolgung fand nur sehr begrenzt statt, da die dafür notwendige Kavallerie zu schwach war.

5 - Ergebnis

Die französischen Truppen behaupteten am Ende des Tages das Schlachtfeld. Dennoch konnte Napoleon nur einen begrenzten Sieg verbuchen und keine Entscheidungsschlacht gewinnen. Die alliierten Kräfte blieben als geschlossene Verbände erhalten und entzogen sich einer Vernichtung.

6 - Verluste

Die zeitgenössischen Angaben zu den Verlusten weichen deutlich voneinander ab. Französische und alliierte Berichte enthalten unterschiedliche Zahlen und Gewichtungen. In der Forschung werden nach Abgleich dieser Quellen meist Größenordnungen von etwa 15.000 bis 20.000 Mann pro Seite angegeben, wobei diese Werte aus rekonstruierten Berechnungen hervorgehen.

7 - Effizienz der preußischen Truppen im Frühjahr 1813

Die preußischen Kräfte befanden sich im Frühjahr 1813 in einem Übergangszustand zwischen Reformarmee und frisch mobilisierter Volksarmee. Ein erheblicher Teil der Verbände bestand aus neu eingezogenen Rekruten und Landwehrformationen, die erst seit kurzer Zeit ausgebildet waren. Die regulären Strukturen waren durch die Niederlage von 1806/07 geschwächt und erst teilweise wiederhergestellt.

Die militärische Leistungsfähigkeit war daher uneinheitlich. Zeitgenössische preußische Stabsberichte verweisen auf Defizite in Exerzieren, Feuerdisziplin und Gefechtskoordination, insbesondere bei unerfahrenen Einheiten (Preußische Generalstabsakten 1813). Gleichzeitig zeigen Gefechtsberichte von Yorck und anderen Kommandeuren, dass die Truppen unter direkter Führung in der Lage waren, auch unter starkem feindlichem Druck zusammenhängend zu kämpfen.

Ein entscheidender Faktor war die vorhandene Kaderstruktur aus erfahrenen Offizieren und Unteroffizieren, die eine Mindestkohärenz der Verbände sicherstellte. Dadurch konnten auch neu aufgestellte Einheiten in relativ kurzer Zeit in geschlossene Gefechtsformationen gebracht werden.

Im Gefecht bei Großgörschen zeigte sich dieses Spannungsfeld deutlich: hohe Angriffskraft in einzelnen Phasen, aber begrenzte Stabilität bei längerer Belastung und unter konzentriertem Artilleriefeuer.

8 - Bedeutung

Die Schlacht zeigte, dass Frankreich trotz der Verluste von 1812 weiterhin mächtig war. große Operationen führen und Schlachten gewinnen konnte. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass die Mobilität der französischen Armee eingeschränkt war, weil insbesondere die Kavallerie 1813 nicht mehr in der früheren Stärke und Qualität existierte.

Die Koalition setzte ihre Operationen nach dem Rückzug fort. Der Krieg verlagerte sich weiter in den mitteldeutschen Raum und führte in den folgenden Monaten zu weiteren größeren Auseinandersetzungen, die schließlich in die Entscheidungskämpfe des Jahres 1813 mündeten.

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