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Maria R-W

Der Circus Maximus in Rom

28.07.2019, 12:06

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In alten Rom gab es mehrere Circusse: Den Circus Flaminius auf dem Marsfeld, den Circus Gai des Gaius Caligula auf dem Vatikanischen Hügel, der später der Petersplatz werden sollte, den Circus des Maxentius auf der Via Appia, den Circus des Domitian; den Cirkus der Flora, wo heute die Piazza Barberini ist, am unteren Ende der berühmten Via Veneto, und verschiedene andere. Der größte, prächtigste, schon damals weltberühmte war aber der Circus Maximus: Auf dem Platz wo der Legende nach der Raub der Sabinerinnen stattfand, die Valle Murcia, das Murcia-Tal, die Senkung zwischen Palatin und Aventin, trafen sich die Römer schon am Anfang ihrer Geschichte um – auf dem Rasen lagernd – Spielen beizuwohnen. 
 
Im Laufe der Jahrhunderte brauchte man bequemere Sitzmöglichkeiten, sodass die Sitze aus Holz, die inzwischen angebracht worden waren, durch Konstruktionen aus Stein ersetzt wurden – Caesar ließ beispielsweise Sitzreihen aus Travertin bauen. 
 
In der Kaiserzeit wurde der Circus Maximus prachtvoll mit Marmor umgebaut und mit Verzierungen aus Bronze und Gold geschmückt: Der Circus hat einen Umfang von 1,5 km, die Arena ist 650 m lang. In der Mitte der Arena verlief die Spina (Rückgrat), die etwa 1,5 m hoch und 6 m breit war, welche den Zweck hatte, die Arena in zwei nebeneinander laufenden Bahnen zu teilen, so dass man die Rennen besser verfolgen konnte, da das ganze Feld hierdurch optisch getrennt war. Zudem wurde so verhindert, dass die Gespanne aus der einen Bahn in die andere ausbrachen. Die Spina war aus Marmor und mit Götterbildern und Nachbildungen von Tempeln verziert – zum Beispiel dem Bild der Kybele auf einem Löwen sitzend und, ähnlich wie in dem großen Hippodrom von Olympia, schwebten auf hohen Säulen an den beiden Enden des Walles, zwei Statuen der Victoria Alata (stets aus Gold oder vergoldeter Bronze). Die Spina war aber kürzer als die Längsachse, weil sich an ihren Enden halbrunde Konstruktionen befanden. Um diese fuhren die Gespanne in einer engen Kurve. Diese ermöglichten den Wagenlenkern zudem eine Zuflucht und Versorgung sollten sie sich bei den gefährlichen Manövern verletzen.
 
Ich möchte noch darauf hinweisen, dass sich auf der Spina und auf diesen Vorbauten innen Treppen befanden. Jede dieser beiden Vorbauten war mit drei konisch zugespitzten Säulen geziert, die ursprünglich aus Holz, seit Claudius aus vergoldeter Bronze waren, und die auch die Funktion hatten, dass die Wagenlenker bereits von weitem das bedrohliche Ziel erkennen konnten. Diese Säulen, mit halbkreisförmiger Basis, nannten die Römer Metae (von metiri = messen), und die Entfernung der beiden Metae bestimmte die Länge der Bahn.   
 
In der Mitte der Spina erhob sich der Obelisk von Ramses II., welchen Augustus aus Heliopolis mitgebracht hatte und jetzt auf der Piazza del Popolo steht. Schließlich umgab die Arena ein 3 Fuß breiter und 3 Fuß tiefer Wassergraben, der Euripus genannt wurde, welcher eine Gefährdung der Zuschauer verhüten und für Frische sorgen sollte. Unter Nero wurde der Graben zugeschüttet, um Raum zu gewinnen. 
 
Carceres hießen die Schranken der Starttoranlage, die sich auf der nordwestlichen Seite befanden; ursprünglich aus Tuffstein, unter Claudius wurden sie durch Marmor ersetzt. Die Schranken mussten sehr breit sein, da man oft sieben und noch mehr Pferde nebeneinander spannte. Doppelflügelige eiserne Gittertüren verschlossen die Ausgänge in Richtung der Bahn. Eine sinnreiche Vorrichtung ermöglichte die gleichzeitige Öffnung dieser Türen in der Weise, dass durch die Ausspannung eines einzigen Taues sämtliche Riegel (Repagulae genannt) in ein und demselben Augenblick weggezogen wurden.
 
Über den Haupteingang befand sich die von einem Baldachin überdachte Tribüne: Dies war der Platz des Spielvorstehers. Der Platz für die kaiserliche Familie befand sich auf der Senatorengalerie in der ersten Reihe. Augustus hatte sich eine Loge bauen lassen (Pulvinar genannt), um sich vor den neugierigen Blicke des gemeinen Volkes zu schützen, und spätere Kaiser taten es ihm nach. Trajan ließ die Loge allerdings abreißen und wurde von Plinius dem Jüngeren dafür gelobt! Hinter der Senatorengalerie hatte der Ritterstand Platz. In der eigentlichen zweiten Reihe, von der ersten durch einen ringsherum laufenden steinernen oder marmornen Gürtel getrennt, saßen die Bürger. Der dritte Stock war für das gemeine Volk. Da dieser aus Holz bestand wurde er oft Opfer von Bränden. Die Sitzreihen wurden von Bogenwölbungen getragen: Jedes dritte Gewölbe diente als Eingang und enthielt die Treppen zu den Stockwerken. 
 
Da der Bedarf an Rennpferden für Rom selbst und für die vielen andere Städte des Reiches außerordentlich groß war, erzielte die Pferdezucht einen gewaltigen Aufschwung. In Italien entsprachen die ausgedehnten Weidestätten von Kalabrien und Apulien diesem Zwecke, aber sie konnten nicht den ganzen Bedarf decken, sodass Sizilien schon zu Beginn der Kaiserzeit seine fruchtbaren Böden für die Pferdezucht nutzte; in Griechenland war das tessalische Tiefland schon von altersher bekannt für seine Pferdezucht, und  Berberhengste hatten schon mehrfach in den Olympischen Spiele gesiegt. Im Alter von drei Jahren fing das Training eines Rennpferdes an und mit fünf Jahre kam es in die Arena. 
Aus Inschriften kennen wir einige dieser Pferde und ihre Leistungen, zum Beispiel
Tuscus mit 386 Siegen und Victor mit 429 Siegen. Aber auch Wagenlenker sind noch bekannt, so beispielsweise der berühmte Scorpus mit 1.043 Siegen und Pompeius Musclosus mit wohl 3.559 Siegen
 
Im November 2016 wurde das gesamte Areal für die Öffentlichkeit wieder geöffnet und die Stadt Rom erhielt so einen ihrer symbolischen Orte zurück, der eng mit den Ursprüngen der Stadt verbunden ist.


Die Autorin Maria Ranieri-Wiegelmann ist Diplom Touristik-Fachwirtin und stammt aus Rom, wo sie jahrelang als Fremdenführerin tätig war. Mit ihrer Agentur Romita https://italien-kulturreisen-romita.de/ bietet sie originielle und einzigartige Italienreisen an.

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