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Moderator: Barbarossa

 
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dieter
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Ukraine-Krise: Krim will zu Russland

28.02.2014, 11:33

:arrow: Thematische Fortsetzung von: Assoziierung EU-Ukraine/Rücktritt von Janukowitsch gefordert
[Mod.]
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Heute kam es in den Nachrichten, dass russ. Marineeinheiten der Schwarzmeerflotte den Flughafen der Krim besetzt haben. Somit haben russ. Truppen legal in den Konflikt in der Ukraine eingegriffen und nicht nur an den Grenzen der Ukraine Manöver abgehalten. Was wird die Ukraine tun :?: Was wird die EU tun :?: Was wird die Nato tun :?: Was werden die Amis tun :?:
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Barbarossa
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Re: russ. Martineeinheiten besetzen den Flughafen der Krim

28.02.2014, 22:38

Die Lage nach dem Sturz von Janukowitsch scheint sich nicht zu beruhigen. Nach der Ernennung von Alexander Turtschinow zum Übergangspräsidenten und der Wahl des neuen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk kam es zu Spannungen auf der Halbinsel Krim, da die Bevölkerung dort zu rund 60 % aus ethnischen Russen besteht und diese die neue Regierung in Kiew ablehnt. Am Donnerstag hatten etwa 50 Bewaffnete das Parlament der Krim besetzt und auf dem Dach des Gebäudes eine russische Flagge gehisst. Inzwischen ist von einer Invasion russischer Truppen die Rede, was von der russischen Marine abgestritten wird. Russland hatte jedoch versprochen, die Interessen seiner Bürger auf der Krim zu schützen, ohne dabei militärisch vorzugehen. Schon am Mittwoch hatte Putin Manöver an der Grenze zur Ukraine angekündigt und 150.000 Soldaten in Alarmbereitschaft gesetzt. Das ukrainische Parlament forderte Russland eindringlich auf, alle Maßnahmen zu beenden, die die territoriale Unversehrtheit der Ukraine untergrüben. Derzeit wird von der ukrainischen Regierung erwogen, den Notstand über die Krim zu verhängen.
Die Lage ist unklar und prekär.

Artikel lesen: Ukraine spricht von "bewaffneter Invasion" Moskaus - Kiew: 2000 russische Soldaten in Simferopol gelandet

:arrow: Ich hab den Titel des Pfades geändert um das Thema für die weitere Entwicklung offen zu halten.

Denn ich befürchte, das geht noch eine ganze Weile weiter.
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dieter
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 09:50

Die Regierung der Krim hat Russland zur "Beruhigung der Lage" angerufen. Dem ist Russland auch sofort nachgekommen und hat Truppen gesandt. Das erinnert mich an Ungarn, wo auch angeblich die ungarische Regierung die russ. Truppen um Hilfe rief. Bei den Russen hat sich nichts geändert, die Olympischen Spiele abgewartet und jetzt geht's los, da ist es egal ob die Regierung kommunistisch ist oder sich kapitalistisch schimpft. :evil: :twisted:
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Barbarossa
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 16:14

Schon das ist ein mehr als merkwürdiger Fakt. Wie kann eine Regionalverwaltung eine ausländische Macht um Unterstützung bitten? Sie kann gar keine so weit reichenden außenpolitischen Kompetenzen haben.
Aber was ist als Konsequenz daraus zu ziehen? Sollte die Ukraine mit militärischen Mitteln die Kontrolle über die Krim zurück gewinnen? Das wäre wohl die einzig logische Konsequenz, hätte aber vermutlich einen Krieg mit Russland zur Folge.
Eine verzwickte Situation...

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Harald
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 19:26

Die Lage eskaliert schneller als man sich das vorstellen konnte. Die Krim wird sich mit russischer Waffenhilfe von der Ukraine lösen, auch Obama kann das nicht verhindern. Dann wird die ukrainische und tatarische Minderheit unterdrückt und flüchtet. Das Thema wird uns noch lange beschäftigen.

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RedScorpion

Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 19:32

Natürlich kann man das Problem lösen, militärisch sogar vergleichsweise einfach. Ein paar Nukes, und Russland ist Geschichte. Das grosse Problem, das Putin hat, und das er sich teilweise auch selbst eingehandelt hat, ist, dass ausser Assad u.ä. keiner Russland eine Träne nachweinen wird, nichtmal "befreundete" Völker wie z.B. gerade die Ukrainer.

Russland hat nichts, um einem Schlag der NATO ggf. etwas entgegenzusetzen. Und die Welt kann ohne Russland leben. Und genau das ist die Gefahr.

Ich bin zwar der Meinung, dass man Atomwaffen notfalls einsetzen muss, besser zu früh, als zu spät.

Die Frage ist, ob diese Lage gegeben ist.

Hat Russland wirklich kein Recht, alte von Stalin ausgehandelte Verträge zu revisionieren? Ich denke, darüber könnte man bei einigem Verständnis für die Belange Russlands und der russ. Bev. verhandeln.



LG
 
Harald
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 19:59

Die Krim ist eine große Halbinsel mit rd. 2 Millionen Einwohnern als Anhängsel im Süden der Ukraine. Stalin hat keine Verträge über die Krim abgeschlossen.
Wer ernsthaft über den Einsatz von Atomwaffen nachdenkt, sollte den Psychiater und das einschlägige Etablissement wechseln.

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RedScorpion

Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 20:10

Es ist nicht etwa gottgegeben, dass die Krim heut zur Ukraine gehört,

sondern Stalins Werk. Rabot Stalina.


OK?


Die andere Sache ist, dass es geradezu erschreckend ist, wie sehr es militärisch und politisch Sinn macht, gerade jetzt ein für alle Mal mit Russland aufzuräumen.

Ich garantier' Dir, dass das durchgespielt wurde.



LG
 
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Barbarossa
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 21:33

Also manchmal weiß ich auch nicht... :crazy:

Aber jetzt mal im Ernst um das richtig zu stellen:
Historisch gesehen wechselte die Krim im Jahre 1954 von der Russischen SFSR zur Ukrainischen SSR - also zur Zeit Nikita Chruschtschows und nicht zur Zeit Stalins.
Die Krim war nach 1946 acht Jahre lang zunächst eine Oblast innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR).

Nachdem der Ukrainer Nikita Chruschtschow Erster Sekretär des ZK der Sowjetunion geworden war, wurde die Krimska Oblast 1954 von der RSFSR an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übertragen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Krim#Strei ... er_Ukraine

Seit dem gehört die Krim zur Ukraine. Aber diese Zugehörigkeit blieb vor allem bei der Bevölkerung umstritten:

Im Zuge der Auflösung der Sowjetunion wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik am 24. August 1991 in den bestehenden Grenzen zum unabhängigen ukrainischen Staat, dessen Teil damit auch die Krim wurde. Anfangs konnte die Ukraine ihre Herrschaft über die Krim nur sehr mühsam durchsetzen. Nur mittels erheblichem politischen Druck konnte ein Referendum über die Unabhängigkeit der Krim verhindert werden. Als Zugeständnis wurde 1992 der Krim der Status einer Autonomen Republik innerhalb des ukrainischen Staates zugestanden.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Krim#Strei ... er_Ukraine

Ein Referendum wurde verhindert - das klingt auch nicht gut. Ich denke, sowas wird nötig werden und vor allem wird das ein Fall für die UNO.

Doch derzeit scheint die Situation weiter zu eskalieren. Eine aktuelle Meldung:

Der russische Präsident Wladimir Putin ließ sich nun vom Parlament die Entsendung russischer Soldaten in das Nachbarland genehmigen. Inzwischen bewachen Angehörige der auf der Krim stationierten russischen Schwarzmeerflotte gemeinsam mit Sicherheitskräften der autonomen Teilrepublik wichtige Gebäude, wie der pro-russische Regierungschef der Krim, Sergej Axjonow, mitteilte. Auch bei den seit einigen Tagen besetzt gehalten Flugplätzen und anderen strategisch wichtigen Einrichtungen auf der Krim handelt es sich anscheinend um russische Kräfte. Insgesamt wurden bis jetzt etwa 6000 russische Soldaten auf die Krim verlegt. Als Begründung für die Aktion wird von russischer Seite eine "lebensbedrohliche Lage für Russen und die Angehörigen der russischen Streitkräfte in der Ukraine" angegeben.
Heute Abend (20 Uhr MESZ) wollte der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen, um über die Eskalation auf der ukrainischen Halbinsel zu beraten. Russland hat dort jedoch Vetorecht.
Aber es gibt auch eine mögliche Aussicht auf eine Deeskalation: Noch im März sollen die Einwohner der Krim über den künftigen Status der Halbinsel abstimmen.

Artikel lesen: >> Ukraine-Krise vor Eskalation - Putin macht Krim-Invasion von der Lage abhängig <<

In den Nachrichten wird sogar von "russischen Mitbürgern" auf der Krim gesprochen. Schon das ist natürlich eine Anmaßung, denn es handelt sich um Bürger der Ukraine.
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RedScorpion

Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 21:58

Barbarossa hat geschrieben:
Also manchmal weiß ich auch nicht... :crazy:

Aber jetzt mal im Ernst um das richtig zu stellen:
Historisch gesehen wechselte die Krim im Jahre 1954 von der Russischen SFSR zur Ukrainischen SSR - also zur Zeit Nikita Chruschtschows und nicht zur Zeit Stalins.
Die Krim war nach 1946 acht Jahre lang zunächst eine Oblast innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR).

Nachdem der Ukrainer Nikita Chruschtschow Erster Sekretär des ZK der Sowjetunion geworden war, wurde die Krimska Oblast 1954 von der RSFSR an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik übertragen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Krim#Strei ... er_Ukraine
...

Is' ja schön.

Aber jloobste det echt, dass Nikita nu, dass der Alte noch keene 12 Monate inne Kiste lag, da n eijenes Programm ausm Boden gestampft hat nach dem Motto "Huch sind ja schon 300 Lenzen rum seit damals bei de Kosaken aufm Feld'?

Natürlich ist das Stalins Feder, und Siergyiei Nikititsch sagt ja auch, warum.


Barbarossa hat geschrieben:
...
In den Nachrichten wird sogar von "russischen Mitbürgern" auf der Krim gesprochen. Schon das ist natürlich eine Anmaßung, denn es handelt sich um Bürger der Ukraine.

Wobei aber nicht gelogen ist, dass es Russen sind, und dass die z.T. heftig betriebene Ukrainisierungspolitik Kievs sie nervt. Aus meinem Umfeld sind mir Fälle bekannt (das war allerdings schon nach der Unabhängigkeit inne 90er), dass selbst Namen zwangsumgeschrieben wurden.



LG
 
Renegat
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 22:31

Aktuell ist es ziemlich wurscht, wie die Krim zur Ukraine gekommen ist. Die Krim ist strategisch als Hafen für Russland wichtig, also werden sie die Krim behalten wollen. Zahlen sie nicht sogar Pacht dafür?
Also ist doch völlig klar, dass darüber verhandelt werden muß, wie man einerseits den Hafenzugang gewährleisten kann und andererseits, was die Menschen auf der Krim, in der Ostukraine und in der Westukraine mehrheitlich wollen.
Ich tät´ja Putinfreund Schröder hinschicken, soll er sich nützlich machen.
 
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Barbarossa
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 22:36

RedScorpion hat geschrieben:
...
Aber jloobste det echt, dass Nikita nu, dass der Alte noch keene 12 Monate inne Kiste lag, da n eijenes Programm ausm Boden gestampft hat nach dem Motto "Huch sind ja schon 300 Lenzen rum seit damals bei de Kosaken aufm Feld'?

Natürlich ist das Stalins Feder, und Siergyiei Nikititsch sagt ja auch, warum.

Das ist umstritten, wem das nun zuzuschreiben ist. Lies dir mal diesen kurzen Abschnitt durch: hier klicken

Die Idee wird Chruschtschow zugeschrieben, aber die Umsetzung wird ihm nicht allein zugetraut.

Barbarossa hat geschrieben:
...
In den Nachrichten wird sogar von "russischen Mitbürgern" auf der Krim gesprochen. Schon das ist natürlich eine Anmaßung, denn es handelt sich um Bürger der Ukraine.

RedScorpion hat geschrieben:
... Aus meinem Umfeld sind mir Fälle bekannt (das war allerdings schon nach der Unabhängigkeit inne 90er), dass selbst Namen zwangsumgeschrieben wurden.

Ist das jetzt so ein großer Unterschied?
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Barbarossa
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 22:42

Renegat hat geschrieben:
Aktuell ist es ziemlich wurscht, wie die Krim zur Ukraine gekommen ist. Die Krim ist strategisch als Hafen für Russland wichtig, also werden sie die Krim behalten wollen. Zahlen sie nicht sogar Pacht dafür?

Ja das ist so. Es läuft aktuell ein Pachtvertrag bis zum Jahr 2042. Daran ändert sich auch nach einem Regierungswechsel nichts.
Es stellt sich mir aber die Frage, vor wem die ethnischen Russen auf der Krim "beschützt" werden müssen.
:?:
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RedScorpion

Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 22:56

Barbarossa hat geschrieben:
...
Barbarossa hat geschrieben:
...
In den Nachrichten wird sogar von "russischen Mitbürgern" auf der Krim gesprochen. Schon das ist natürlich eine Anmaßung, denn es handelt sich um Bürger der Ukraine.

RedScorpion hat geschrieben:
... Aus meinem Umfeld sind mir Fälle bekannt (das war allerdings schon nach der Unabhängigkeit inne 90er), dass selbst Namen zwangsumgeschrieben wurden.

Ist das jetzt so ein großer Unterschied?
Ich weiß es nicht...

Ob's so schlimm wäre, wenn Du ab morgen qua Kiev'schen Ukas Hilbert Jakob heissen müsstest, weiss ich nicht. Aber ob es jedem gleichsam Freude bereitete, bezweifle ich sehr.


LG
 
Renegat
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Re: Lage in der Ukraine weiter prekär

01.03.2014, 22:57

Ach, Schutz von irgendwelchen exterritorialen Staatsbürgern ist doch ein beliebter Vorwand, wäre nicht das erste Mal und macht sein Kollege auf der anderen Seite des schwarzen Meers doch auch ganz gern. Auswärtige werden angeblich beschützt und Inwärtige sind Gegner und Terroristen.
Wenn die beiden Spezis sich beim Frühstück auf einem Schwarzmeerflugzeugträger mal näher kommen....