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Moderator: Barbarossa

 
Paul
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Kurdistan auf dem Weg zum eigenen Staat

03.10.2013, 10:54

Die Kurden sind ein mittelgroßes Volk, welches mit Mehrheitsgebieten auf die Staaten Türkei, Iran, Irak, Syrien, Armenien und Aserbeidschan verteilt ist. Wärend die offiziellen Angaben die Kurden in Syrien bei etwa 10 % der Bevölkerung sehen, sehen sich die kurdischen Angaben bei 22 bis 25 %. Im Autonomiegebiet werden sich die Gemischtstämmigen wohl in Zukunft als Kurden ausweisen, so das die offiziellen Zahlen sich annähern werden.
In der Geschichte gab es zwar selbständige Fürstentümer, aber bisher nur eine sehr kurzlebige Republik Mahabad im heutigen Iran. Heute gibt es ein anerkanntes Autonomiegebiet im Irak, welches schon fast die Eigenschaften eines selbständigen Staates hat. In neuerer Zeit hat sich ein 2. Autonomiegebiet im nördlichen Syrien gebildet, mit eigner Regierung und Armee.
Das Autonomiegebiet ist wie im Irak umstritten. Während im irakischen Kurdistan Ruhe herrscht, finden in Syrien heftige zunehmende Kämpfe statt, in welchem sich verschiedene Gruppen gegenseitig bekämpfen.
Die Kurden haben versucht sich dem Konflickt zwischen der offiziellen Staatsregierung und der freien syrischen Armee zu entziehen, Aus ihrem nördlichen Mehrheitsgebiet hat sich die syrische Armee kampflos zurückgezogen und ihre Waffen übergeben. In Aleppo und  anderen Siedlungsgebieten ist es auch zu Kämpfen mit den Regierungsgruppen gekommen.
Nachdem islamistische Gruppen viele Kurden ermordet haben, haben sich die Kurden auch in den Gebieten wo sie nicht insgesamt die mehrheit stellen, z.B. der Region Aleppo bewaffnet und sind zur Offensive übergegangen. Einige Einheiten der Freien Syrischen Armee hatten sich mit den Islamisten verbündet, so das auch sie bekämpft werden.
Die Autonomieregierung in Syrien und die regionalen Kräfte um Aleppo werden wahrscheinlich von der Autonomieregierung im Irak und von der PKK unterstützt. Sie wollen sich gegen die Islamisten verteidigen und einige kurdische Ortschaften und Städte zurückerobern. Es gab eine sehr große Fluchtbewegung in den mehrheitlich kurdischen Norden und in die größeren Enklaven.
Vor allem auch die kurdischen Frauen melden sich in großer Zahl zu den neuen Streitkräften, um ihr Volk und ihre Menschenrechte als Frauen zu verteidigen.
Die Türkei unterstützt die Freie Syrische Armee und auch islamistische Gruppen, auch um sie im Kampf gegen die Kurden zu stärken. Dies fördert natürlich den Gegensatz zur Türkei und zur Freien Syrischen Armee.
Die kurdischen Streitkräfte haben bisher den Nachschubweg durch ihr Gebiet nicht behindert, was sich natürlich ändern kann, insbesondere um den Nachschub für die Islamisten zu unterbinden. Das ist natürlich eine schwierigen Entscheidung, denn sie wollen den Konflickt mit der Freien Syrischen Armee nicht von sich aus eskalieren lassen.
Noch spricht die Autonomieregierung nur davon, diese Autonomie offiziell anerkennen zu lassen. De Fakto sind sie ja schon selbständig und mit dem autonomen Gebiet im Irak verbunden. Würden Syrien o. der Irak offiziell zerfallen, hätten sie automatisch den Status als selbständigen Staat. Der Abzug der PKK aus der Türkei erscheint so in einem ganz neuen Licht. Ihre Kämpfer werden in Südwestkurdistan/Nordsyrien benötigt um die Islamisten zu bekämpfen. Wenn der Konflickt eskaliert könnten die Kurden natürlich versuchen die Bergregion nördlich von Aleppo und andere Siedlungsgebiete ihrem Autonomiegebiet einzugliedern, um ein geschlossenes Gebiet zu schaffen. Das werden sie auch sehr wahrscheinlich sowieso machen. Es wäre eigentlich auch naheliegend, wenn die PKK versuchen würde den Nachschub der Islamisten schon in der Türkei zu stören.
In der Türkei leben etwa 25 % Kurden, mit steigender Tendenz. Diese Angaben hängen natürlich davon ab, ob man die Dialektgruppe der Sasa zu den Kurden zählt. Im Südosten im Iran und Irak wird dies mit den Luren auch unterschiedlich gehandhabt. Das Lurische Siedlungsgebiet im Irak gehört derzeit auch nicht zum offiziellen Autonomiegebiet.
viele Grüße

Paul

aus dem mittelhessischen Tal der Loganaha
 
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Triton
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

03.10.2013, 12:52

Hoffentlich wird es bald ein freies Kurdistan auch mit dem iranischen und türkischen Gebieten geben. Dieser ewige Unruheherd sollte doch aus der Welt geschafft werden können und das Erdöl dort ist zwar wichtig, aber jetzt auch nicht so, der Iran und der Irak haben genug davon, sollte man annehmen.

Beste Grüße
Joerg
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dieter
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

03.10.2013, 14:44

Triton hat geschrieben:
Hoffentlich wird es bald ein freies Kurdistan auch mit dem iranischen und türkischen Gebieten geben. Dieser ewige Unruheherd sollte doch aus der Welt geschafft werden können und das Erdöl dort ist zwar wichtig, aber jetzt auch nicht so, der Iran und der Irak haben genug davon, sollte man annehmen.

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Lieber Joerg,
ich befürchte, dass es das in naher Zukunft nicht geben wird, da kein Staat des Nahen Ostens freiwillig ein Gebiet abgeben wird. :roll:
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Triton
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

03.10.2013, 17:59

Ein Gebiet vielleicht nicht, aber die Bewohner.
Die Kurden sind ein sehr eigenwilliges, streitlustiges Berg-Völkchen, das sicher gerne abgestoßen werden würde. Frag mal einen deutschen Polizisten, welche Nationalitäten am meisten Ärger machen. Reinhold Messner charakterisierte sie m.E. nach so: Untereinander verschlagen, verstritten, bewaffnet, ohne Grund stolz und eingebildet, aber einig im Kampf gegen andere.

Ja, die Kurden mussten viel Unrecht erdulden, aber zum Beispiel im Laufe des ersten Golfkriegs übernahmen sie kurzzeitig die Kontrolle im irakischen Teil, weil sie annahmen, dass Saddam gestürzt werden würde. Was dort dann vorgefallen ist, hat zu einer noch härteren Gangart der Türken und Iraner geführt, auch nach dem Sturz Saddams 10 Jahre später wurde der Nordirak nicht in die völlige Autonomie entlassen.

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dieter
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

04.10.2013, 11:21

Triton hat geschrieben:
Ein Gebiet vielleicht nicht, aber die Bewohner.
Die Kurden sind ein sehr eigenwilliges, streitlustiges Berg-Völkchen, das sicher gerne abgestoßen werden würde. Frag mal einen deutschen Polizisten, welche Nationalitäten am meisten Ärger machen. Reinhold Messner charakterisierte sie m.E. nach so: Untereinander verschlagen, verstritten, bewaffnet, ohne Grund stolz und eingebildet, aber einig im Kampf gegen andere.

Ja, die Kurden mussten viel Unrecht erdulden, aber zum Beispiel im Laufe des ersten Golfkriegs übernahmen sie kurzzeitig die Kontrolle im irakischen Teil, weil sie annahmen, dass Saddam gestürzt werden würde. Was dort dann vorgefallen ist, hat zu einer noch härteren Gangart der Türken und Iraner geführt, auch nach dem Sturz Saddams 10 Jahre später wurde der Nordirak nicht in die völlige Autonomie entlassen.

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Lieber Joerg,
als Bevölkerung sind sie da,aber kein Staat des Nahen Ostens wird ihnen ein Gebiet zur Verfügung stellen, auch nicht der Irak. :wink:
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Barbarossa
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

04.10.2013, 16:38

dieter hat geschrieben:
...
als Bevölkerung sind sie da,aber kein Staat des Nahen Ostens wird ihnen ein Gebiet zur Verfügung stellen, auch nicht der Irak. :wink:

So wie ich das in Fersehberichten gesehen habe, ist das Kurdengebiet im nördlichen Irak weitgehend autonom und die Regierung in Bagdad hat gar keinen Zugriff mehr darauf. Natürlich wird von hier aus auch der Untergrund in der Türkei unterstützt, weswegen Erdogan schon Luftangriffe auf dieses Gebiet fliegen ließ.
Tja, es bringt nichts, einem Volk die Unabhängigkeit zu verweigern, wenn es die fordert. Letztlich führt das nur zur Instabilität einer ganzen Region.
Die Diskussion ist eröffnet!

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Harald
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

04.10.2013, 18:07

Die Großmächte, sprich Sicherheitsratsmitglieder, tun leider sehr wenig, um kleineren Nationen die nationale Einheit und Unabhängigkeit zu ermöglichen. Beispiel Kosowo: im Nordwesten gibt es ein Gebiet mit serbischer Bevölkerung. Dagegen gibt es in Serbien, angrenzend an das Kosowo, ein gleichgroßes und gleichbesiedeltes Gebiet mit albanischer Bevölkerung. Logisch wäre ein Gebietsaustausch, den sicher beide Seiten wegen des sie belastenden Teils ablehnen. Die Großmächte könnten das gewaltsam durchsetzen und es gäbe Frieden, sie tun es nicht.
So hat die Vernunft keine Chance und es wird immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen.
Für die staatliche Unabhängigkeit der Kurdengebiete setzt sich auch keine der Großmächte ein. Die Sowjetunion hat früher kurdische Rebellen unterstützt, aber das diente nur der Förderung der Weltrevolution.

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Paul
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

04.10.2013, 19:20

Nun haben die Kurden das Glück, das sie gar kein so kleines Volk sind, dem man die Unabhängigkeit langfristig verweigern kann. Sie werden immer zahlreicher und bauen auch ihre Macht aus. Sie sind klug genug, die formale Unabhängigkeit nicht zu überstürzen, desto sicherer wird sie kommen. Jetzt können sie sich die Autonomie in Syrien selbst nehmen, ohne das dem zugestimmt werden muß. Sie können die anderen Spieler gegenseitig ausspielen.
Assad wollte dies Autonomie nicht. Jetzt hat er ihnen beim Abzug seiner Truppen sogar noch genügend Waffen zurückgelassen, damit sie sich gegen die anderen Rebellen behaupten können. So können die FSA und die Islamisten nicht alle ihre Kräfte gegen ihn richten. Die neue Autonomieregierung kann auch genügend Hilfe aus den anderen Kurdenregionen bekommen, so das es ihnen nicht an Kämfpern und Waffen mangeln kann, selbst wenn noch viel mehr Islamisten nach Syrien strömen. Sie haben auch noch Glück, das die Christen in Aleppo in ihnen einen sehr wichtigen starken Bündnispartner sehen müssen. Der gemeinsame Feind, die islamistischen Rebellen, wird sie zusammen schweißen.
Die Kurden haben natürlich auch das Glück, das die beiden Supermächte etwas gegen die Islamisten haben und sie deshalb gemeinsam unterstützen werden, gerade auch wenn sie den Christen im Norden Schutz und alle Rechte anbieten.
Die Frage ist, wie stark wird der Konflickt mit den Islamisten eskalieren und wird die Freie Syrische Armee sich von denen befreien und mit Christen und Kurden Frieden schließen?
Die Kurden in der Türkei und im Iran haben natürlich ein größeres Problem dort ihre Unabhängigkeit durchzusetzen. Es wird sich aber sicherlich auch dort noch eine günstige Gelegenheit dazu ergeben. In der Türkei wächst in dieser Zeit das Kurdengebiet. Eigentlich müßten die Türken das Interesse haben, das die Kurden möglichst schnell unabhängig werden, denn die Assimilation war nur ein Traumgespinnst. Man kann sogar schätzen, wann die Kurden in der Türkei die Mehrheit haben, dann brauchen sie die Unabhängigkeit nicht mehr, sondern können selbst die Gesetze machen. Wenn die Türkei den Kurden alle kulturellen Rechte gibt, könnten sich die anderen Kurdengebiete sogar der Türkei anschließen. Dann ginge das noch schneller, das die Türkei der Kurdenstaat wird.
viele Grüße

Paul

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dieter
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

05.10.2013, 09:49

Barbarossa hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
...
als Bevölkerung sind sie da,aber kein Staat des Nahen Ostens wird ihnen ein Gebiet zur Verfügung stellen, auch nicht der Irak. :wink:

So wie ich das in Fersehberichten gesehen habe, ist das Kurdengebiet im nördlichen Irak weitgehend autonom und die Regierung in Bagdad hat gar keinen Zugriff mehr darauf. Natürlich wird von hier aus auch der Untergrund in der Türkei unterstützt, weswegen Erdogan schon Luftangriffe auf dieses Gebiet fliegen ließ.
Tja, es bringt nichts, einem Volk die Unabhängigkeit zu verweigern, wenn es die fordert. Letztlich führt das nur zur Instabilität einer ganzen Region.

Lieber Barbarossa,
die ganze Region ist sowieso instabil, ein Pulverfass. Es ist dort soviel zu regeln und die Großmächte haben eben die Kraft nicht mehr dazu. :roll: Die Türkei als Bündnispartner der Nato, wo ein Drittel der Bevölkerung Kurden sind, wird nichts von ihrem Gebiet abgeben. :evil:
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Triton
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

05.10.2013, 11:35

dieter hat geschrieben:
Es ist dort soviel zu regeln und die Großmächte haben eben die Kraft nicht mehr dazu. :roll: Die Türkei als Bündnispartner der Nato, wo ein Drittel der Bevölkerung Kurden sind, wird nichts von ihrem Gebiet abgeben. :evil:

Die USA sind doch in den Irak gegangen und haben den Kurden Autonomie verschafft...
Langfristig, das weiß jeder, wird es einen autonomen Staat Kurdistan geben müssen, es ist nur die Frage, auf welchem Territorium. Auch die Türkei dürfte froh darüber sein, wenn sie das Kurdenproblem los wäre. Aber wahrscheinlich will die Türkei ein Kurdistan auf irakischem Gebiet, in das die PKK-Anhänger abgeschoben werden können.

Beste Grüße
Joerg
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

05.10.2013, 14:58

Triton hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Es ist dort soviel zu regeln und die Großmächte haben eben die Kraft nicht mehr dazu. :roll: Die Türkei als Bündnispartner der Nato, wo ein Drittel der Bevölkerung Kurden sind, wird nichts von ihrem Gebiet abgeben. :evil:

Die USA sind doch in den Irak gegangen und haben den Kurden Autonomie verschafft...
Langfristig, das weiß jeder, wird es einen autonomen Staat Kurdistan geben müssen, es ist nur die Frage, auf welchem Territorium. Auch die Türkei dürfte froh darüber sein, wenn sie das Kurdenproblem los wäre. Aber wahrscheinlich will die Türkei ein Kurdistan auf irakischem Gebiet, in das die PKK-Anhänger abgeschoben werden können.

Beste Grüße
Joerg


Das sind ja nur Wunschträume der Türkei. Die PKK läßt sich nicht abschieben, sondern kann von dem Territorium aus operieren, welches am günstigsten für sie ist. Die Türkei kann auch nicht über 20 Millionen Menschen in den Nordirak abschieben. Das Kurdenproblem - Automomie o. Unabhängigkeit, wird dort gelöst werden, wo sie jetzt leben.
Wären die Kurden in Syrien eine kleine Minderheit gewesen, hätten sie vielleicht von dort vertrieben werden können. Da die früheren Bevölkerungszählungen aber wohl gefälscht waren, werden sie ihre Autonomie sogar über ein großes Gebiet ausdehnen.
Sicherlich geht jetzt ein großer Teil der PKK Kämpfer nach Nordsyrien, um dort die kurdische Bevölkerung in ihrem Kampf gegen die Islamisten und beim territorialen Ausbau des Autonomiegebiets zu unterstützen. Da gibt es natürlich Interessengegensätze, denn die Kurden wollen natürlich ein zusammenhängendes Autonomiegebiet, welches die Hauptsiedlungsgebiete einschließt. Sie werden sich also nicht nur verteidigen, sondern auch Gebiete erobern wollen, wo sie nicht die Mehrheit stellen. Außerdem wollen die Kurden jetzt auch Rache an den Islamisten, für die Massaker in der letzten Zeit nehmen. Die allgemeinen Fluchtbewegungen verändern allerdings auch die regionalen Bevölkerungszusammensetzungen, d.h. sie bekommen im Norden sowieso in den meisten sie interessierenden Gebieten die Mehrheit, also ein zusammenhängendes Gebiet.
Möglicherweise wird das Asadregime den Kurden/Christen auch Aleppo überlassen, wenn die Kurden mit den Christen ein Bündnis schließen, welches die Christen in der Region Aleppo in die Autonomie einschließt. Dadurch würde das Assad Regime seine Kräfte für andere Regionen frei bekommen. Das wäre ein kriegstaktischer Geniestreich für Assad. Der Konflickt zwischen Rebellen und Kurden würde eskalieren. Die Kurden würden ihr Territorium für den Nachschub der Rebellen schließen. Die Rebellen müßten ihren Nachschub über See und die Küstenregion heranschaffen. Die Türkei hätte dadurch vielleicht auch die Möglichkeit diesen kleineren Versorgungsweg gegen die Versorgung der Islamisten zu schließen.
viele Grüße

Paul

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Harald
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

05.10.2013, 20:11

Das ist mir alles zu spekulativ.
Das Assadregime will jetzt, daß Deutschland vermittelt.
Finger weg, Finger weg !!!

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Paul
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

06.10.2013, 00:26

Spätestens 2038 hat die Türkei eine kurdische Mehrheit.

http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... CQ&dur=766

Dieser Schätzung liegen aber die geschönten türkischen Zahlen zugrunde. Es wurde auch nicht berücksichtigt, das die Türkei noch andere Nationalitäten hat. Die Türkei zählt die Zasa normalerweise nicht zu den Kurden. Wenn man dies berücksichtigt und die Zasa zu den Kurden zählt kann die relative Mehrheit also schon früher z.B. in 20 Jahren kippen. Im Augenblick hat die Kurdische Volksgruppe noch Assimilarionsverluste. Dies wird sich in einigen Jahren auch verändern.
Das politische System wird sich auch verändern. Im Moment wählen sogar viele Kurden die Regierungspartei AKP, da es keine religiöse Kurdische Partei gibt. Die meisten kurdischen Parteien sind betont laizistisch, da sie auf die unterschiedlichen Religionen der Kurden Rücksicht nehmen, also Aleviten, Sunniten, Yesiten und Christen. Es gibt allerdings auch sehr religiöse Sunniten unter den Kurden, die noch die AKP wählen.
viele Grüße

Paul

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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

06.10.2013, 09:56

Harald hat geschrieben:
Das ist mir alles zu spekulativ.
Das Assadregime will jetzt, daß Deutschland vermittelt.
Finger weg, Finger weg !!!

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Lieber Harald,
Du hast Recht. Für mich ist das nur Propaganda. :wink:
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Re: Kurdistan auf dem Weg zum eignen Staat

06.10.2013, 10:00

Paul hat geschrieben:
Spätestens 2038 hat die Türkei eine kurdische Mehrheit.

Lieber Paul,
das sind Wunschvorstellungen. :wink:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.