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Moderator: Barbarossa

 
Paul
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Neue Agrarpflanzen

17.10.2015, 12:55

Im Moment breiten sich in Europa neue Nahrungspflanzen aus, insbesondere Neue Obstpflanzen.
Insbesondere Privatleute sind hier Vorreiter. Systematisch werden neue Pflanzen eingeführt, die klimatisch geeignet sind o. sich im Grenzbereich befinden, so das angepasste Sorten gezüchtet werden können. Sehr gerne werden hierzu neue Hybriden gezüchtet z.B. Kultursorten aus dem Süden, die mit frostharten Wilden Verwandten z.B. aus Nordamerika und Sibirien gekreuzt werden.
Klimatisch geeignet ist z.B. Asimina Triloba.
Neue Hybride gibt es bei Kaki, Wein und Kiwi.
Feigen, Jujube, Granatapfel kann man hier leicht einbürgern z.B. durchs Sämlingsauslese aus Saatgut aus nördlichen Grenzregionen.
Die Einbürgerung von Citrus und Oliven ist schwieriger und deshalb etwas langwieriger.
viele Grüße

Paul

aus dem mittelhessischen Tal der Loganaha
 
Renegat
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Re: Neue Agrarpflanzen

10.11.2015, 10:45

Das Thema ist interessant, die von dir genannten Pflanzen sind jedoch nicht neu, Paul, deshalb irritiert mich der Titel. Kann man den ändern?
Im Gegenteil, es sind teilweise seit Jahrtausenden (Wein) angebaute Pflanzen, die allerdings aus wärmeren Klimazonen stammen. Durch konventionelle Pflanzenzucht hat man schon immer versucht, Pflanzen u.a. kältetoleranter zu züchten.
Wein kann man z.B. auch im Norden problemlos anbauen, die Trauben sind dann ´halt recht sauer, wenn sie nicht genug Sonne bekommen.

Hobbygärtner reizt es verständlicherweise, es mit Pflanzen zu versuchen, für die unser Klima eine Herausforderung ist. Bei Grenzfällen kommt es oft auf das Kleinklima an. Feigen sehe ich z.B. oft in Innenstädten, geschützt von wärmeabstrahlenden Mauern. Großstädte sind oft 1-2° Grad wärmer als das Umland, die begrenzenden ersten Nachtfröste kommen später.

Du schreibst, die Privatleute sind Vorreiter, meinst du, das der erwerbsmäßige Obstbau demnächst Kiwis und Granatäpfel im alten Land vor Hamburg anbauen wird?

Und was meinst du mit
Paul hat geschrieben:
Im Moment breiten sich in Europa neue Nahrungspflanzen aus, insbesondere Neue Obstpflanzen.

Der Ablauf der sogenannten Ausbreitung ist doch konsum- / verbraucherorientiert. Zuerst haben wir die Produkte kennengelernt, entweder durch Reisen in südliche Länder oder durch Importe von subtropischen Früchten oder beides.
Dadurch wuchs das Interesse und die Früchte lassen sich gut vermarkten, erzielen hohe Preise. Zur Zeit ist das meist "Flugobst" und noch recht teuer, wie der Granatapfel. Die Kiwi würde ich dagegen schon als Massenware bezeichnen, die Physalis ist auf dem Weg dahin.
Die Frage ist für mich eher, müssen wir solche Pflanzen mit hohem Energieaufwand und teuren Schutzmaßnahmen hier anbauen und damit den Obstbauern in südlicheren Ländern auch noch diesen Markt kaputtmachen?

Wenn es um neue Agrarpflanzen gehen soll, die für unser Klima geeignet sind, sollten wir lieber bei den "alten" gucken und uns wieder an deren Geschmack gewöhnen.
 
Paul
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Re: Neue Agrarpflanzen

10.11.2015, 11:26

Hier für Deutschland/Mitteleuropa handelt es sich bei Asimina Triloba, Kaki und Kiwi um neu genutzte Agrarpflanzen. Für Asimina Triloba werden schon Plantagen angelegt, weil die Rendite extrem hoch ist. Hybridkakis frisch aus Brandenburg, für den Berliner Markt und aus dem Alten Land für Hamburg werden nachziehen. Im Geschäft fand ich schon Minikiwis aus Holland. Hohe ökologische Kosten entfallen bei marktnaher Produktion. Bei Asimina Triloba existiert noch kaum eine Produktion in Europa. Die Kakiproduzenten in Spanien werden allerdings Konkurrenz bekommen.
Die Feigenproduktion in der Pfalz für die nahen Märkte ist schon alt und wird sich auf nördlichere Standorte ausdehnen. Ökologisch ist das sinnvoll, aber tatsächlich verlieren Produzenten im Süden so Absatzmärkte.
Wir hatten dieses Jahr eine gute Feigenernte, auch im Lahntal konnte ich viele Früchte ernten und verzehre jetzt die letzten Früchte. Ich habe auch einige Minikiwis geerntet und werde bald meinen ersten Granatapfel aus meinem Garten verzehren.
Da ich in meinem Garten nur Robustreben anbaue, kann ich auf Spritzmittel verzichten und ernte gesündere Weintrauben. Meine Ernte ging dieses Jahr vom Juli bis November, frische Weinbeeren aus dem Garten frisch in den Mund.
-Wein ist wirklich schon lange etabliert.
-Feigen sind fast problemlos möglich und werden sich ausbreiten. Ich selbst lese neue Sorten aus.
-Kakis(Hybridkaki) und Asimina sind problemlos möglich und werden sich ausbreiten
-Granatapfel. Anpassungszucht ist leicht, deswegen wird der Anbau in Mitteleuropa in wenigen Jahren normal sein.
-Zitrus ist im Augenblick schwer vorstellbar, aber frostharte Fruchtcitrus tollerieren schon Minusgrade unter - 18 Grad. Die Evolution für die Ausbreitung wird sich jetzt beschleunigen.
viele Grüße

Paul

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Renegat
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Re: Neue Agrarpflanzen

10.11.2015, 11:56

Paul hat geschrieben:
Hier für Deutschland/Mitteleuropa handelt es sich bei Asimina Triloba, Kaki und Kiwi um neu genutzte Agrarpflanzen. Für Asimina Triloba werden schon Plantagen angelegt, weil die Rendite extrem hoch ist. Hybridkakis frisch aus Brandenburg, für den Berliner Markt und aus dem Alten Land für Hamburg werden nachziehen. Im Geschäft fand ich schon Minikiwis aus Holland. Hohe ökologische Kosten entfallen bei marktnaher Produktion. Bei Asimina Triloba existiert noch kaum eine Produktion in Europa. Die Kakiproduzenten in Spanien werden allerdings Konkurrenz bekommen.

Eine Rückkehr zu marktnaher Produktion wird allgemein als ein Weg der Zukunft gesehen, aus verschiedenen Gründen.
Hohe ökologische Kosten entstehen aber nicht nur durch lange, teure Transportwege sondern auch durch Schutzmaßnahmen etwa durch Gewächshäuser aber auch durch Pflanzenschutzmittel. Pflanzen, die nicht in optimaler Umgebung wachsen, benötigen mehr Schutz.


Paul hat geschrieben:
Die Feigenproduktion in der Pfalz für die nahen Märkte ist schon alt und wird sich auf nördlichere Standorte ausdehnen. Ökologisch ist das sinnvoll, aber tatsächlich verlieren Produzenten im Süden so Absatzmärkte.

Ja, genau das ist die Krux. Nimm z.B. lange eingeführte Massengemüse wie Tomaten oder Paprika. Die können natürlich im Norden angebaut werden aber nur unter extrem künstlichen Bedingungen. Gerade unsere Supermarktmassentomaten können nur geschützt unter Glas mit der ganzen Palette an Pflanzenschutzmitteln produziert werden. Davon lebte NL und später Spanien geschützt durch Importschranken der EU.

Warum sollen wir überhaupt versuchen, Zitrusfrüchte oder Oliven an nördliche Klimate anzupassen? Gerade die lassen sich doch problemlos als Massenware transportieren. Noch einfacher ist es bei den weiterverabeiteten Produkten wie Saft oder Olivenöl. Das wussten ja schon die alten Römer. Olivenöl und anständig süßer Wein gehört zu den ältesten Handelsgütern und wurde schon vor über 2000 Jahren über weite Strecken gehandelt.
 
Paul
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Re: Neue Agrarpflanzen

10.11.2015, 15:19

In Norditalien und Florida hat man natürlich auch das Interesse Frostschäden an Citrus zu minimieren und züchtet etwas auf Frosthärte. So wird Hybrid 119 als Orangenersatz angepflanzt. Für Privatleute ist es mehr ein Spaß an Citrus aus dem eignen Garten, wobei das Obst aus dem Garten auch etwas Lebensqualität bietet.
Ich selbst werde mir ein Gewächshaus mit Frostwächter z.B. bei - 12 Grad zulegen. Auch wenn ich es nicht beheize, kann ich besser Jungpflanzen aufziehen. Unbeheizte Gewächshäuser haben eine gute Ökobilanz.
viele Grüße

Paul

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Re: Neue Agrarpflanzen

11.11.2015, 11:44

Paul hat geschrieben:
In Norditalien und Florida hat man natürlich auch das Interesse Frostschäden an Citrus zu minimieren und züchtet etwas auf Frosthärte. So wird Hybrid 119 als Orangenersatz angepflanzt.

Bei Dauerkulturen wie Obstbäumen, die meist eine hohe Anfangsinvestition bedeuten, greift man schon lange auf passende Unterlagen zurück und pfropft die Edelsorte auf robuste Wurzelstämmchen. Professionelle Hybridzucht findet heute oft im Labor statt und hat Vor- und Nachteile. Das hatten wir schon in viewtopic.php?p=60303#p60303


Paul hat geschrieben:
Für Privatleute ist es mehr ein Spaß an Citrus aus dem eignen Garten, wobei das Obst aus dem Garten auch etwas Lebensqualität bietet.

Ja klar und je mehr Leute privat wieder zu Mini-Kleinbauern oder Gärtnern werden, desto besser verteilen sich die Nahrungsmittel. Gerade bei Gemüse können schon kleinste Flächen einen Beitrag zur Ernährung leisten. Also Gemüse auf die Beete statt Blümchen und Obstbäume an die Straßen pflanzen statt Alleebäume.


Paul hat geschrieben:
Ich selbst werde mir ein Gewächshaus mit Frostwächter z.B. bei - 12 Grad zulegen. Auch wenn ich es nicht beheize, kann ich besser Jungpflanzen aufziehen. Unbeheizte Gewächshäuser haben eine gute Ökobilanz.

Das sei dir gegönnt, viel Spaß damit.
 
Suebe
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Re: Neue Agrarpflanzen

23.11.2016, 18:12

Unser Garten war ein "Üblicher" Cottoniaster, Liguster, diverse Nadelgewächse, ein paar Rosen usw. usf.
Seit ein paar Jahren werden die ganzen Büsche und stacheligen Gehölze peu á peu ersetzt, durch Himbeeren, Träuble, Stachelbeeren, Erdbeeren, Tomaten usw. usf.
Das macht kein bißchen mehr Arbeit wie das "Zierzeugs" aber eine Handvoll Himbeeren, soeben selbst gepflückt, macht als Aperitiv richtig Laune.
 
Paul
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Re: Neue Agrarpflanzen

23.11.2016, 18:35

Suebe hat geschrieben:
Unser Garten war ein "Üblicher" Cottoniaster, Liguster, diverse Nadelgewächse, ein paar Rosen usw. usf.
Seit ein paar Jahren werden die ganzen Büsche und stacheligen Gehölze peu á peu ersetzt, durch Himbeeren, Träuble, Stachelbeeren, Erdbeeren, Tomaten usw. usf.
Das macht kein bißchen mehr Arbeit wie das "Zierzeugs" aber eine Handvoll Himbeeren, soeben selbst gepflückt, macht als Aperitiv richtig Laune.

Es macht nicht nur die gleiche Arbeit. Man ißt auch automatisch mehr Obst, lebt also gesünder. Es ist ein schönes Hobby. Man kann ungwöhnliche Erfolgserlebnisse haben. Ich versuche neue Sorten für das Klima bei uns zu gewinnen z.B. Feigen, Granatäpfel, Citrus, Jujube. Ich habe auch schon mehrere neue Feigensorten aufgezogen.
viele Grüße

Paul

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Suebe
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Re: Neue Agrarpflanzen

24.11.2016, 12:07

Da fehlt mir bis dato noch der Hintergrund.
Wir haben uns bis jetzt auf Sachen verlegt, von denen wir wissen, dass sie auf 800 Metern Meereshöhe auch gedeihen.
Wobei die Händler einen da durchaus auch "bescheißen" einem Sachen verkaufen die woanders sicher gut gedeihen, bei mir halt gar nicht. Am besten zieht man alles selbst, hat man ein paar Jahre halt weniger Ertrag.