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Warum ist der Osten so unzufrieden?

Grundgesetz, Gesetzesfragen, Wahlen, bundespolitische Ereignisse, Polizei

Moderator: Barbarossa

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Balduin
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Eine provokante Frage, ich weiß. Aber eine berechtigte: Die „neuen“ Bundesländer haben in den letzten 30 Jahren ganz erheblich von der Wiedervereinigung profitiert. Die Infrastruktur, an der in der Zeit der DDR Raubbau von den Sowjets betrieben wurde, wurde umfänglich ertüchtigt. Das Wohlstandsniveau ist allgemein gestiegen. Dennoch peilt die AfD die 40 %-Marke an. Eine Partei, die offen mit Russland sympathisiert. Dem Staat, der den Osten über Jahrzehnte hinweg geschunden hat. So ganz verstehe ich es nach wie vor nicht…
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He has called on the best that was in us. There was no such thing as half-trying. Whether it was running a race or catching a football, competing in school—we were to try. And we were to try harder than anyone else. We might not be the best, and none of us were, but we were to make the effort to be the best. "After you have done the best you can", he used to say, "the hell with it". Robert F. Kennedy - Tribute to his father
repo
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Balduin hat geschrieben: 14.08.2026, 08:47 Eine provokante Frage, ich weiß. Aber eine berechtigte: Die „neuen“ Bundesländer haben in den letzten 30 Jahren ganz erheblich von der Wiedervereinigung profitiert. Die Infrastruktur, an der in der Zeit der DDR Raubbau von den Sowjets betrieben wurde, wurde umfänglich ertüchtigt. Das Wohlstandsniveau ist allgemein gestiegen. Dennoch peilt die AfD die 40 %-Marke an. Eine Partei, die offen mit Russland sympathisiert. Dem Staat, der den Osten über Jahrzehnte hinweg geschunden hat. So ganz verstehe ich es nach wie vor nicht…
Ich war Anfang August 2026 eine Woche in Mecklenburg-Vorpommern - habe also richtig frische Eindrücke.

Autobahnen, Schlösser und Baudenkmäler - alles vom Feinsten! :D
Landstraßen - fürchterlich!
In den Städten - auf 4 Gebäude die ordentlich und im Schuss sind - eine Ruine! Aber eine völlige!
Nehme ich nun einen Taschenrechner und rechne auf das Jahr 1945 36 Jahre drauf, kommt 1981 raus.
Freundinnen und Freunde, so sah es aber in den "Alten" Bundesländern maximum 1961 aus! Und genau umgekehrt, da waren ein paar Autobahnabschnitte und etliche Schlösser und andere öffentliche Bauten noch Ruinen, aber nichts wo die Menschen wohnten und lebten.

Ich habe mich im Freilichtmuseum in Schwerin lange mit einem der dortigen Ehrenamtlichen unterhalten, das Problem in Meckpom ist wohl tatsächlich die geringe Bevölkerungsdichte - die würden dort durchaus neue Industrie-Ansiedlungen bekommen, "dort arbeiten, wo andere Urlaub machen"
nur würden die halt auch Leute brauchen, die da arbeiten würden, aber die gibt es halt nicht!

maW mindestens in Meckpom kein Problem der Politik,
die hat "Autobahnen, Schlösser" ihre Hausaufgaben gemacht.
Die Probleme die es dort gibt, müssen vor Ort gelöst werden, da helfen keine Rechts- und keine Linksradikalen!
Mehr Geld aus der Bundeskasse können die auch nicht abfingern.
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Barbarossa
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Ich habe lange über die Frage nachgedacht, aber ich kann sie dir auch nicht wirklich beantworten.
Ich muss für mich selbst sagen, obwohl ich lediglich für den gesetzlichen Mindestlohn arbeite, geht es mir heute deutlich besser, als in der DDR. Vor allem fühle ich mich heute frei!
Das war in der DDR bis 1989 eben nicht so.
Reisen nach Dänemark, Norwegen und seit 2016 mindestens einmal im Jahr in die Elfenbeinküste? Das war damals reine Utopie!
Ich unterhalte mich ja auch mit meiner Mutter über solche Sachen und sie sieht das ähnlich.
Bekannte von ihr bzw. uns schimpfen dagegen nur.

Ich glaube, diese sog. DDR-Nostalgie geht an mir völlig vorbei. Je mehr Zeit vergeht, um so kritischer sehe ich sogar die DDR und auch diese SED/PDS/Linkspartei, die in meinen Augen immer die Täterpartei von damals bleiben wird.

Und weil ich es selbst nicht verstehe, habe ich einmal die KI bemüht. Ich zitiere mal daraus:

»DDR-Nostalgie meint Ostalgie - das Kofferwort aus "Osten" und "Nostalgie". Gemeint ist die nostalgische Wahrnehmung der DDR seit der Wende. Der Begriff geht auf den Dresdner Kabarettisten Uwe Steimle zurück, der ab 1992 ein Programm so nannte.

Und wichtig: Es ist fast nie Sehnsucht nach Stasi und Mauer. Es ist Sehnsucht nach einem normalen Leben in diesem System. Deshalb wehren sich viele Betroffene dagegen, als Ostalgiker das Leben in der DDR verherrlichen zu wollen.

Wie entsteht sie? Die Forschung unterscheidet 3 Phasen. Phase 1 bis ca. 1992 war Chaos und Einübung in die neue Gesellschaft, da spielte DDR-Nostalgie noch keine Rolle. Phase 2 ab 1993-1996 ist die Phase der Ernüchterung - das gilt als Startschuss für die Ostalgie.

Dahinter stecken mehrere Mechanismen, die zusammenkommen:

1. Entwertung der eigenen Biografie
Nach 1990 war fast alles aus dem Osten plötzlich nichts mehr wert: Abschlüsse, Berufe, Betriebszugehörigkeit, Erziehungsleistung. Wenn 40 Jahre Leben als "falsch gelebt" oder "System-nah" abgewertet werden, entsteht eine massive Identitätskrise. Ostalgie ist dann Selbstschutz: "Es war nicht alles schlecht."

2. Die Trotzhypothese
So nennt es die Soziologie: Je mehr der Westen über die DDR urteilte - pauschal als Unrechtsstaat, als rückständig - desto mehr verteidigten Ostdeutsche trotzig ihre eigene Vergangenheit. Das ist keine Liebe zur SED-Diktatur, sondern Abwehr von Fremdbestimmung. Forscher trennen deshalb zwischen Makro-Ostalgie (Ostalgie-Partys, DDR-Produkte kaufen als gesamtdeutsches Phänomen) und Mikro-Perspektive, also der echten Erinnerung der ehemaligen DDR-Bürger.

3. Kulturschock und soziale Unsicherheit
Die DDR war Mangelwirtschaft, aber extrem sicher: Jobgarantie, billige Miete, Kita, Zusammenhalt im Betrieb. Die BRD war frei, aber schockartig unsicher: Arbeitslosigkeit, die es vorher offiziell nicht gab, Konkurrenz, Bürokratie. Das Gehirn verklärt dann das Sichere. Nostalgie ist neurologisch immer ein Filter - wir behalten das Warme und Gemeinschaftliche, das Bedrohliche verblasst.

4. Verlust von Gemeinschaft und Alltagskultur
Die DDR hatte eigene Rituale: Pioniernachmittage, Jugendweihe, Datsche, Club-Cola, Spreewaldgurken, Ampelmännchen, Plattenbau-Nachbarschaft. Nach der Wende verschwand der Alltag über Nacht und wurde durch Westprodukte ersetzt. In den 90ern entstand deshalb ein Markt für DDR-Produkte und Souvenirs, die an das Leben in der DDR erinnern. Das ist Identitätsanker über Geschmack, Geruch, Musik.

5. Kommerzielle Verstärkung
Ab Mitte der 90er merkte die Werbung, dass man mit Retro-Gefühlen verkaufen kann. Filme wie Good Bye, Lenin!, Sonnenallee, Ostalgie-Läden in Berlin mit DDR-T-Shirts (2004), Brausepulver-Neuauflagen als "Ostalgie-Produkt" - das macht aus privater Erinnerung ein Produkt. Und das Produkt verstärkt wieder das Gefühl.

Kurz gesagt: Ostalgie entsteht als Reaktion der ehemaligen DDR-Bürger auf die schnellen Änderungen nach der Wende und auf die hektische Verwandlung der ehemaligen DDR in Demokratie.

Sie ist deshalb weniger ein Geschichtsbild als ein Gegenwartsgefühl: Wer sich heute im vereinten Deutschland nicht gesehen, abgehängt oder fremdbestimmt fühlt, blickt milder auf eine Zeit zurück, in der er wusste, wer er ist und wo er hingehört.«
Zitat Ende.

Und in genau diese Bresche springt jetzt auch die AfD. Anders ist es nicht zu erklären, dass die AfD heute die DDR-Hymne singen kann und alle singen mit. (Übrigens war seit Anfang/Mitte der 70er Jahre der Text gar nicht mehr erlaubt zu singen.)
Wie gesagt, mir sind solche Emotionen und Ansichten völlig fremd. Ich mochte nichts wirklich in der DDR.
Besonders meine Schulzeit wünsche ich mir heute noch nicht zurück - obwohl jetzt schon 40 Jahre ins Land gegangen sind. Im Gegenteil - damals wie heute (!) betrachte ich meine Schulzeit von damals als einen nie enden wollenden Horrortrip.
Vielleicht liegt meine sehr kritische Sichtweise auf damals auch mit daran.
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