Textzitat in voller Länge:
»7. und 8. Februar 1807 – Die Schlacht bei Preußisch Eylau
Mit Napoleon werden viele Schlachten verbunden. Schlachten wie Marengo, Austerlitz, Leipzig und allen voran selbstverständlich Waterloo. Wenig bekannt, vor allem weil es keine entscheidende Schlacht war, ist jene im ostpreußischen Eylau. Doch was weiter wenig bekannt, es war eine der blutigsten Begegnungen überhaupt und brachte Napoleon an den Rand einer Niederlage.
Preußen hatte sich 1806 kurzsichtig von Napoleon in eine diplomatische Sackgasse drängen lassen und erklärte ihm den Krieg: zu spät, fast isoliert, überstürzt vorgehend und in völliger Verkennung der eigenen militärischen Verfassung.
Es kam, wie es kommen mußte: Im Oktober 1806 wurde Preußen durch eine rasche Folge militärischer Niederlagen förmlich zerschmettert: Innerhalb nur weniger Tage führten das Gefecht bei Saalfeld am 10. Oktober, bei welchem Prinz Louis Ferdinand fiel, sowie die doppelte Katastrophe von Jena und Auerstedt am 14. Oktober zum weitgehenden Verlust der preußischen Feldarmee. Nachdem die allermeisten preußischen Festungen in schneller Folge kapitulierten, viele davon ohne jeden Widerstand, begann Napoleon weite Teile des Kernlandes zu besetzen. Der König floh mit seiner Familie und dem Hofstaat nach Ostpreußen, wohin sich auch die letzten Reste der Streitkräfte absetzten.
Napoleon rückte mit seinen Korps auf, um Königsberg einzunehmen, wo sich südlich davon Anfang Februar bei Preußisch Eylau eine Schlacht zutragen wird. Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Natangen, etwa 37 Kilometer südlich von Königsberg. Dort formierte sich unter General Anton Wilhelm von L’Estocq ein verbliebenes preußisches Korps, das als Anhängsel im Zusammenwirken mit der russischen Armee unter General Levin August von Bennigsen den französischen Vormarsch auf Königsberg aufhalten sollte.
Eröffnungsgefechte
Am Nachmittag des 7. Februar kam es zu einem heftigen Begegnungsgefecht zwischen französischen Einheiten der Korps Soult und Murat und russischen Kräften. Die Kämpfe um den Besitz des Ortes, der an den Marschrouten nach Norden liegt, waren sehr schwer und dauerten bis in die späten Abendstunden an. Gegen 22:00 Uhr räumte Bennigsen schließlich die Stadt und bezog eine defensive Stellung auf dem vorteilhaft gelegenen östlichen Hochplateau. Man darf Höhe hier allerdings nicht überbewerten. Das Gelände war leicht wellig. Der tatsächliche Höhenvorteil für den Verteidiger war nicht besonders.
Die Hauptschlacht (8. Februar 1807)
Die alliierten Streitkräfte (ca. 76.000 Mann) positionierten sich in einer durch 460 Geschütze gesicherten Aufstellung auf den gefrorenen Höhenrücken östlich der Stadt. Napoleon verfügte zunächst über etwa 45.000 Mann und beabsichtigte, die russischen Linien durch die im Anmarsch befindlichen starken Korps Davout (von Süden) und Ney (von Norden) zu umfassen.
Das VII. Korps unter Pierre Augereau (9.000 Mann) begann im Zentrum mit dem französischen Angriff: Ein heftiger Schneesturm beeinträchtigte jedoch die Sichtverhältnisse außerordentlich, was nichts an Napoleons Angriffsbefehl änderte. Die Verbände verloren beim Angriff schnell alle Orientierung und gerieten in das konzentrierte Feuer der russischen Artillerie. Die Franzosen erlitten binnen kürzester Zeit schwere Verluste und das Korps wurde nahezu vollständig aufgerieben.
Die Russen setzten nun ihrerseits in der Mitte zum Gegenangriff an. Um den drohenden Durchbruch russischer Infanterie zu verhindern, ordnete Napoleon eine der massivsten Kavallerieattacken der Kriegsgeschichte an. Rund 10.700 Reiter unter Murat durchstießen die russischen Angriffslinien und stabilisierten hierdurch das wankende französische Zentrum, während der herangekommene Davout gleichzeitig am rechten Flügel den Druck auf die russische Linke erhöhte.
Die Preußen greifen ein
Am Nachmittag drohte der linke russische Flügel unter dem Druck des Korps Davout bei Kutschitten zu kollabieren. In dieser kritischen Phase erreichte das preußische Korps L’Estocq gegen 13:00 Uhr Althof und formierte sich bis 14:00 Uhr bei Schloditten. Trotz der Erschöpfung durch den Gewaltmarsch bei furchtbaren Winterbedingungen, gingen die preußischen Verbände unmittelbar zum Gegenangriff über. Der Stoß in die Flanke Davouts warf die ebenfalls physisch erschöpften französischen Spitzen zurück und stellte die russische Front wieder her.
Das späte Erscheinen des Korps Ney auf französischer Seite führte zu keiner Veränderung der Lage mehr. Mit Einbruch der Dunkelheit erstarrten die Fronten. Trotz des Unentschiedens entschied sich Bennigsen in der Nacht zum 9. Februar aufgrund der prekären Versorgungslage zum Rückzug auf Königsberg.
Eylau verdeutlichte die Grenzen der napoleonischen Strategie unter extremen klimatischen Bedingungen. Seine maßgeblichen Erfolge waren auch auf die hohe Mobilität seiner Streitkräfte zurückzuführen. Dieser Vorteil kam unter den harschen Bedingungen, die der ostpreußische Winter mit sich brachte, nicht zum Tragen.
Mit insgesamt etwa 50.000 bis 55.000 Toten und Verwundeten gilt die Schlacht als eine der verlustreichsten Begegnungen der Napoleonischen Kriege.
Das Ergebnis war ein strategisches Patt. Für Preußen bedeutete die Leistung des Korps L’Estocq eine gewisse militärische Rehabilitation, nach all den deutlichen Niederlagen seit Oktober des Vorjahres. Das entschlossene Eingreifen verhinderte den Zusammenbruch des russischen linken Flügels und half den militärischen Fortbestand der Verbündeten vorerst zu bewahren.«
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Der Zusammenbruch Preußens
Moderator: Barbarossa
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