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Moderator: Barbarossa

 
Avy
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Fragen zum 2. Weltkrieg (Mentalität, „einfache Leute“)

13.06.2018, 12:48

Hallo :)
ich schreibe momentan einen Roman, der während des zweiten Weltkriegs spielt. Es ist ein Fantasy Roman, dh. der Krieg spielt nur eine Nebenrolle, quasi als Kulisse. Trotzdem ist es schwierig diese Kulisse zu nehmen, wenn man nicht viel darüber weiß. Meine Fragen wären deshalb:
1. 1945, also kurz vor Kriegsende: Wie war die Einstellung der Menschen gegenüber der SS? Und wie viel wussten sie von der Judenverfolgung?

2. Wussten die einfachen Leute in den Dörfern da schon, was wirklich in den Konzentrationslagern geschieht?

3. In Filmen sieht man ja immer wieder, dass viele Menschen die Juden gehasst haben. Das traf doch sicherlich aber nicht auf alle zu? Bestimmt gab es auch viele, die das alles für schrecklich und ungerecht hielten?

4. In meinem Buch „datet“ die Mutter der Protagonistin einen SS-Offizier. Es spielt ca. Februar 1945 bei Mainz. Welche Rolle hatten die Offiziere da? Also wofür waren sie hauptsächlich verantwortlich? Und welche Dienstgrade gab es? Ist es realistisch, dass er sie heiratet und bei ihr einzieht? Und gibt es etwas, das ich wissen muss?

Und 5. So weit ich weiß gab es in der Nähe von Mainz kein KZ, oder? Oder zumindest kein Vernichtungslager.

Falls ihr noch etwas wisst, was ich gebrauchen könnte, wäre ich sehr dankbar, wenn ihr es erzählt.
Bis dahin vielen Dank schonmal!

Liebe Grüße von Avy :)
 
Paul
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Wohnort: Mittelhessen an der Loganaha

Re: Fragen zum 2. Weltkrieg (Mentalität, „einfache Leute“)

13.06.2018, 13:58

In der Region Lodz wußte man fast alles über die Verbrechen an Juden. Schlieslich machten die Juden 1/3 der Bevölkerung aus und es gab ein großes Ghetto. Juden die vergeblich zu fliehen versuchten wurden öffentlich erhängt. Auch Soldaten die Befehle verweigerten wurden öffentlich hingerichtet.
Die normale meist religiöse Bevölkerung versuchte zu überleben, aber nicht an Verbrechen beteiligt zu werden. Hass auf Juden gab es kaum, woher sollte der kommen? Juden gehörten ja sogar zur deutschsprachigen Bevölkerung. Ein Teil sprach hochdeutsch, aber auch jiddisch ist ja ein deutscher Dialekt.
Meine Eltern nahmen die Deutsche Staatsangehörigkeit im Volkslistenverfahren an. Mein Vater arbeitete als Arbeiter bei der Post und wurde als Körperbehindeter nicht wie seine Brüder eingezogen. Meine Mutter ging aufs deutsche Gymnasium. Mein Opa meldete sich zur Feuerwehr, um nicht zur Heim SS eingezogen zu werden.
Funktionäre mischten sich ins private Leben. Sie forderten meinen Vater auf zu heiraten. Es dürfte auch eine Polin sein. Sie forderten ihn auch auf das Haus eines polnischen Besitzers zu stehlen. Mein Vater der in einer Hütte lebte zog daraufhin zu seinem Bruder ins Haus, um keine Schwierigkeiten zu bekommen.
viele Grüße

Paul

aus dem mittelhessischen Tal der Loganaha