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20. August 1400: Absetzung König Wenzels

Heraldik, Jagd, Pest, Kriegsführung, Ritter, Feuerwaffen, Burgen, Könige, Königreiche

Moderator: Barbarossa

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Barbarossa
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Textzitat in voller Länge:

»Nach 600 Jahren wird erstmals ein Reichsoberhaupt abgesetzt

Am Übergang vom 14. zum 15. Jahrhundert präsentierte sich die Lage im Heiligen Römischen Reich wie im gesamten abendländischen Christentum als überaus prekär.
Am 20. August 1400 erklärten vier der sieben Kurfürsten in Oberlahnstein den in Prag residierenden römisch-deutschen König Wenzel aus dem Hause Luxemburg für abgesetzt. Die Initiative ging von den rheinischen Wahlfürsten aus: den Erzbischöfen Johann II. von Nassau (Mainz), Werner von Falkenstein (Trier) und Friedrich III. von Saarwerden (Köln) sowie Pfalzgraf Ruprecht III. von der Pfalz.

Als Begründung für diesen in der Reichsgeschichte bis dahin einmaligen Akt führten sie die fortwährende Vernachlässigung der Reichsgeschäfte, mangelnde Rechtswahrung sowie das Unvermögen an, die seit 1378 andauernde Kirchenspaltung – das Große Abendländische Schisma – beizulegen. Von der königlichen Gewalt wurde im Spätmittelalter erwartet, als advocatus ecclesiae, als weltlicher Schutzherr der Kirche, die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit auf einem Konzil oder durch Verhandlungen durchzusetzen. Bereits am folgenden Tag wählten die rheinischen Kurfürsten am Königsstuhl zu Rhens Pfalzgraf Ruprecht zum neuen römisch-deutschen König.

Die Lahnsteiner Beschlüsse berührten das Verfassungsgefüge des Reiches tiefgreifend und schufen einen beispiellosen, hochgefährlichen Präzedenzfall. Ein weniger lethargischer König hätte zu den Waffen gegriffen und zur Wahrung seiner Krone einen offenen Bürgerkrieg provoziert.

Ein Blick auf die nicht beteiligten Kurfürsten erhellt die Lage der Mark Brandenburg: An der Absetzung und der anschließenden Neuwahl nahmen drei der sieben Kurfürsten nicht teil – Wenzel in seiner Eigenschaft als König von Böhmen, Herzog Rudolf III. von Sachsen-Wittenberg sowie der aktuelle, selten beachtete rechtliche Inhaber der brandenburgischen Kurstimme. Brandenburg war 1388 von Wenzel an seinen Cousin, Markgraf Jobst von Mähren, verpfändet worden. Jobst war zwar selbst Luxemburger, doch hielt ihn keineswegs familiäre Rücksichtnahme auf den Prager Vetter zurück, sondern reiner Pragmatismus. Die Opposition der rheinischen Kurfürsten spielte ihm politisch in die Karten; zugleich wahrte er durch sein Fernbleiben den Schein der Loyalität gegenüber dem königlichen Verwandten.

Die dynastischen Verhältnisse innerhalb des Hauses Luxemburg waren zu diesem Zeitpunkt nicht von Zusammenhalt, sondern von bitteren Rivalitäten bestimmt. Die verschiedenen Linien – allen voran König Wenzel, sein jüngerer Halbbruder Sigismund von Ungarn und ihr Cousin Jobst von Mähren – standen in dauerhaften Machtkämpfen um Territorien und Finanzmittel. Jobst nutzte Brandenburg zur Verfolgung eigener politischer Ambitionen gegen die Prager und Budaer Verwandten und paktierte dabei wechselweise mit beiden Seiten.

Für die Mark Brandenburg bedeutete der Machtwechsel von 1400 eine weitere Verfestigung der strukturellen Defizite in der Landesherrschaft, die nur unter Kaiser Karl IV. kurzzeitig unterbrochen worden war. Da Jobst von Mähren die Mark primär als Geldquelle nutzte und dem Territorium weitestgehend fernblieb, fehlte eine durchsetzungsfähige Justiz- und Verwaltungsinstanz. Die Folge war ein erneutes Absinken der öffentlichen Ordnung und eine Zunahme lokaler Fehden zwischen adligen Familien und den märkischen Städten. Geschlechter wie die von Quitzow oder von Rochow nutzten die Abwesenheit der landesherrlichen Gewalt zur weiteren Ausweitung eigener Machtpositionen. Der neu gewählte König Ruprecht III. verfügte im Nordosten des Reiches über keinerlei Hausmacht oder Verbündete, um den Landfrieden und die Autorität des Reiches durchzusetzen.

In diesem Geflecht erwies sich die Stellung der Burggrafen von Nürnberg als maßgeblich für die spätere Entwicklung. Nürnberg bildete seit Generationen eines der administrativen Zentren des Reiches. Seine Burggrafen fungierten als königliche Statthalter, vertraten das Reichsoberhaupt in dessen Abwesenheit, zogen Reichseinnahmen ein und hielten Gericht. Dieses Amt erwies sich als außerordentlich lukrativ. Die Hohenzollern verstanden es, sich durch eine umsichtige Heirats- und Bündnispolitik sowohl bei den Habsburgern, wie dem Luxemburgern und auch bei den Wittelsbachern unentbehrlich zu machen.

Im Jahr 1400 wiesen die amtierenden Burggrafenbrüder Johann III. und Friedrich VI. von Hohenzollern Verbindungen in alle maßgeblichen politischen Lager auf. Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg, eine ältere Schwester der Burggrafen, war seit 1374 mit Ruprecht von der Pfalz verheiratet; Burggraf Friedrich VI. unterstützte 1400 die pfalzgräfliche Partei seines Schwagers. Burggraf Johann III. war hingegen mit Margarethe von Luxemburg, einer Tochter Kaiser Karls IV., verheiratet und damit Schwager Wenzels und Sigismunds.

Friedrich VI. war also zunächst Parteigänger Ruprechts, doch sollte sich sein Wirkungskreis bald verlagern. Nach einem finanziell ruiniösen Krieg gegen die Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber fällte König Ruprecht 1408 einen für seinen zollernschen Schwager äußerst unvorteilhaften Schiedsspruch. In dieser Lage löste sich Friedrich aus der Gefolgschaft Ruprechts und trat ab 1409 gegen ein festes Dienstgehalt als militärischer und diplomatischer Vertrauter in den Dienst des ungarischen Königs Sigismund aus dem Hause Luxemburg.
Die volle Tragweite dieser Dienstverbindung zeigte sich nach dem Tod König Ruprechts im Mai 1410. Sigismund von Ungarn griff nach der römisch-deutschen Krone und setzte bei den verfahrenen Verhandlungen ganz auf das diplomatische Geschick Burggraf Friedrichs VI. Dieser agierte als Sigismunds zentraler Wahlhelfer, organisierte das Lager seiner Befürworter und vertrat im September 1410 am Frankfurter Wahltag dessen Ansprüche. Nach dem Tod des rivalisierenden Mitkönigs Jobst von Mähren Anfang 1411 sicherte Friedrich die allgemeine Anerkennung Sigismunds als römisch-deutscher König.

Als Anerkennung für diese Dienste beim Erwerb der Reichskrone betraute Sigismund Burggraf Friedrich VI. im Jahr 1411 mit der Obersten Hauptmannschaft über die Mark Brandenburg. Zugleich erhielt Friedrich damit die Vollmacht, die zerrütteten Verhältnisse vor Ort im Sinne des Landesherrn zu befrieden. Nach der überraschenden Wiederherstellung der landesherrlichen Ordnung belehnte Sigismund Friedrich schließlich 1415 auf dem Konzil von Konstanz mit der erblichen Kurwürde.

Die Absetzung Wenzels im Jahr 1400 steht zwar in keinem direkten kausalen Zusammenhang mit dem Übergang der Mark Brandenburg an die Hohenzollern, doch die Vernetzung des Nürnberger Burggrafenhauses in die zentrale Reichspolitik sowie spätere dynastische Konstellationen ebneten den Weg für diesen historischen Machtwechsel.«

Quelle: https://www.facebook.com/share/19HD1hoe1v/
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Balduin
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Dumme Frage: Friedrich begründete das preußische Königshaus? Hochspannend, aber auch sehr verwirrend.

Ich benötige da etwas Kontext und Hintergrund. Leider kann ich mir die verschiedenen Häuser, Länder und Kurfürstentümer einfach nicht merken.
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Barbarossa
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Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg (Haus Hohenzollern) begründete nicht wirklich das preußische Königshaus. Bis dahin war es noch ein weiter Weg.
- Immerhin noch fast 300 Jahre bis zur Erhebung Preußens zum Königreich...

Aber Friedrich VI. wurde 1411/15 mit der Mark Brandenburg belehnt. Diese Mark musste erst einmal wieder eine gefestigte Landesherrschaft bekommen - Recht und Ordnung musste wieder durchgesetzt werden. Das Raubrittertum ist hier in Brandenburg heute noch sprichwörtlich.
.
Bis Preußen zu Brandenburg kam, dauerte es dann noch einmal 200 Jahre.
- 1618 erbte der Kurfürst von Brandenburg das zu diesem Zeitpunkt unter polnischem Lehen stehende Herzogtum Preußen (in Ostpreußen gelegen).
Diese (seit 1525 aus den Resten des Deutschen Ordens bestehende) Lehensabhängigkeit von Polen endete 1657 (ohne, dass es dann zum röm.-deutschen Reich gehörte - es war dann ein völlig selbständiges Gebiet).

Die Erhebung Preußens zum Königreich war ja dann 1701 - aber (bis zum Ende des röm.-deutschen Reiches 1806) erstmal nur für alle Besitzungen außerhalb des Reiches. Und zunächst auch erstmal nur mit dem Titel „König in Preußen" - weil Anfangs noch nicht einmal ganz Preußen im Besitz der Hohenzollern war.

Es mag tatsächlich kompliziert erscheinen - man muss da wohl gerade bei der preußischen Geschichte wirklich etwas tiefer in die Materie eintauchen.
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