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Die Schlesischen Kriege

Die Alleinherrschaft wurde durch die Ideen der Aufklärung abgelöst.

Moderator: Barbarossa

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Barbarossa
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Vollständiger Text als Zitat:
»16. Dezember 1740 - Der Beginn des Ersten Schlesischen Krieges

An diesem Tag überschritt der preußische König Friedrich II., bekannt als Friedrich der Große, mit einer Armee von etwa 27.000 Soldaten die Grenze zur österreichischen Provinz Schlesien.
Ohne jede Kriegserklärung begann damit die Invasion, die den Ersten Schlesischen Krieg einleitete und mit ihm den größeren Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) auslöste. Es war unstrittig ein Akt aggressiver Expansionspolitik und ein völliger Bruch der bisherigen brandenburg-preußischen Politik. Es veränderte nicht nur die Machtverhältnisse in Europa, sondern ebnete Preußen den Weg zur Großmachtstellung und schwächte das Haus Habsburg nachhaltig.

Die Pragmatische Sanktion und die österreichische Thronfolgekrise

Der Hintergrund dieser Ereignisse reicht bis zum Tod Kaiser Karls VI. am 20. Oktober 1740 zurück. Karl VI., der letzte männliche Habsburger in direkter Linie, hatte keine Söhne hinterlassen. Um die Einheit seiner weitläufigen dynastischen Besitzungen – darunter Österreich, Ungarn, Böhmen mit Schlesien – zu sichern, hatte er 1713 die sogenannte Pragmatische Sanktion erlassen. Dieses Dokument sollte seiner ältesten Tochter Maria Theresia die Nachfolge ermöglichen, eine Regelung, die von den meisten europäischen Mächten nach und nach anerkannt wurde.
Nach Karls Tod bestieg die erst 23-jährige Maria Theresia den Thron. Sie war eine kluge, gebildete und entschlossene, aber unerfahrene Herrscherin, deren Erbe durch Korruption, marode Finanzen und eine veraltete Armee geschwächt war. Viele Mächte, nicht nur das Preußen Friedrich II., sahen in dieser Situation eine Gelegenheit, alte Ansprüche geltend zu machen oder sich angemessen an Habsburg zu rächen, für generationenlange Benachteiligungen und Kränkungen. Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien stellten die Erbfolge infrage, doch der erste Schlag, der alles ins Rollen brachte, kam aus Preußen.

Friedrich II., selbst noch jung, hatte am 31. Mai 1740 den Thron bestiegen, nach dem Tod seines Vaters Friedrich Wilhelm I. Geprägt von aufklärerischen Ideen, Musik und französischer Literatur, würde er das Lebenswerk des Vaters verleben und die preußische Armee verkommen lassen, so die Annahme vieler Zeitgenossen. Militärischer Ehrgeiz wurde ihm nicht nachgesagt, und die zwar gut gedrillten aber kriegsunerfahrenen rund 83.000 preußischen Soldaten galten im Ausland eher als eine Marionettenarmee, denn als Bedrohung. Die Preußen bellen, sie beißen aber nicht.

Friedrich war beseelt vom Gedanken sich einen Namen zu machen und Ruhm zu ernten. Krieg zu führen gehörte zum guten Ton der Zeit. Dass sein Vater die Armee nur durch den märkischen Sand scheuchte und bis zur Erschöpfung exerzieren ließ, verstand im Ausland niemand.
Friedrich ging es nicht nur um Ruhm, er sah in Schlesien – einer reichen, industriell entwickelten Provinz mit bedeutenden Textil- und Bergbauressourcen – eine Chance, Preußen territorial und wirtschaftlich zu stärken. Schlesien war etwa so groß wie das preußische Kernland Brandenburg und war bevölkerungsreich. Friedrich berief sich zwar auf historische Ansprüche der Hohenzollern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, doch sein Handeln war primär opportunistisch: Er wollte Tatsachen schaffen, bevor Maria Theresia ihre Position festigen oder ihm jemand anderes zuvorkommen konnte.

Der Einmarsch und seine unmittelbaren Folgen

Am 16. Dezember 1740 marschierten preußische Truppen – begleitet von „klingendem Spiel“, wie Zeitzeugen berichteten – in Schlesien ein. Die österreichische Garnison war schwach und unvorbereitet; viele Festungen ergaben sich kampflos. Innerhalb weniger Wochen kontrollierte Preußen fast die gesamte Provinz. Maria Theresia, die gerade ihr viertes Kind erwartete, reagierte mit Entschlossenheit: Sie appellierte an den ungarischen Adel und mobilisierte Truppen, doch der Schock war groß.

Der Einmarsch löste eine Kette von Allianzen aus. Frankreich und Bayern unterstützten Preußen, während Großbritannien und die Niederlande auf Seiten Österreichs standen. Der Krieg weitete sich aus und umfasste Schlachten in Europa, Kolonien und auf See. Preußen siegte in der Schlacht bei Mollwitz (1741) und Chotusitz (1742), sicherte sich einen in einem schnellen Separatfrieden große Teile Schlesiens und überließ seine Alliierten ihrem Schicksal.

Es existiert aus dieser Zeit ein bekanntes französisches Sprichwort, das direkt auf Friedrich II. und seine Politik Bezug nimmt: „Travailler pour le roi de Prusse“.
Dies bedeutet wörtlich „für den König von Preußen arbeiten“ und wird im übertragenen Sinne verwendet für „umsonst arbeiten“, „für Gotteslohn schuften“ oder „sich vergeblich abrackern“.

Langfristige Bedeutung

Der 16. Dezember 1740 symbolisiert den Übergang vom barocken Mächtegleichgewicht zur modernen Großmachtpolitik. Friedrich der Große demonstrierte, dass ein bis ans äußerste straff organisierter Staat durch kühne militärische Aktionen aufsteigen konnte – ein Prinzip, das er später im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) verteidigte. Preußen behielt nach insgesamt drei Kriegen des weitaus größten Teil Schlesiens, was seine Bevölkerung und Wirtschaftsleistung verdoppelte.

Für Maria Theresia war der Verlust Schlesiens ein Trauma, das sie zu umfassenden Reformen antrieb: Sie modernisierte Verwaltung, Armee und Finanzen, was das Habsburgerreich langfristig stärkte. Dennoch blieb der Konflikt um Schlesien ein Dauerthema der deutsch-österreichischen Rivalität bis ins 19. Jahrhundert.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/p/1CDRgMYdyC/
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