Forum für Geschichte und Politik


Moderator: Barbarossa

 
elysian
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21.04.2009, 21:46

:?:
Aber kann es innnerhalb der Gesellschaft einer Stadt verschiedene Ethiken bzw. verschiedene Vorstellungen von Ethik geben, daß ein Fach so gesplittet werden muß?


Zu Frage 1:
Nein. Eine der Grundfragen ist z.B., ob der Mensch denn überhaupt über einen eigenen Willen verfügt. Denn daraus ist zu folgern, ob der Mensch seine Entscheidungen selber trifft (und damit so etwas wie Schuld auf sich laden kann) oder letztlich nur getrieben wird.
Eine offene und pluralistische Gesellschaft muss eine gewisse Bandbreite unterschiedlicher Anschauungen auch zu ethischen Fragen vertragen.

:?:
Und muß nicht in einer Gesellschaft mit verschiedenen Vorstellungen von Ethik nicht automatisch ein Chaos ausbrechen oder zumindest die Gesellschaft auseinanderbrechen?
Wobei hier wohl auch wieder der Begriff der Parallelgesellschaften eine Rolle spielt.


Zu Frage 2:
Jain. Eine Gesellschaft zerbricht an der Vielfalt, wenn es an einem Rahmen fehlt, der die Grenzen des Akzeptablen festlegt. Diese besteht für uns etwa in unserem Grundgesetz, das einige Pflöcke einschlägt. Die Gleichberechtigung der Frau etwa kann durchaus unterschiedlich gestaltet werden und über diese Ausgestaltung mag man streiten. Ansichten jedoch, die sich gegen den Kern der Gleichberechtigung wenden, werden jedoch ausgeschlossen.

conclusio:
Diese Fragen bedürfen einer differenzierenden Betrachtung und Lösung, um nicht in eine Gesinnnugsdiktatur abzugleiten.

:arrow: Anmekung:
Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich die von mir gestellten Fragen hier noch einmal rein kopiert.
:wink:
Barbarossa
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Barbarossa
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24.04.2009, 16:37

Was mich beim nochmaligen lesen des von mir hier reingestellten Artikels etwas irritiert, ist folgendes:
Von mehreren Diskussionspartnern - sowohl hier im Polit-Forum, als auch im Geschichtsforum - wurde mir versichert, daß der Religionsunterricht nicht direkt auf eine bestimmte Konfession ausgerichtet sei. Da ich selbst nie Religionsunterricht hatte, wußte ich es nicht besser und ließ die Behauptung jeweils so stehen.
In dem von mir hier reingestellten Artikel lese ich aber nun fogendes:
Was steht im Rahmenlehrplan für den Religionsunterricht?

Anders als der Ethikunterricht muss der Religionsunterricht bekenntnisorientiert sein – egal ob er wie jetzt ein freiwilliges Angebot ist oder ein staatliches Fach. So sieht es das Grundgesetz vor. Ziel des von der evangelischen Kirche erarbeiteten Rahmenlehrplans ist es, „religiöse Kompetenz“ zu erwerben. Die Schüler sollen eine eigene religiöse Überzeugung gewinnen und darüber diskutieren können. Die Religionslehrer vermitteln nicht nur abstraktes Wissen über Religionen wie im Ethikunterricht, sondern sie sollen die Schüler vertraut machen mit den religiösen Riten und Überzeugungen. So gehört auch das Auswendiglernen der Gebote und des Vaterunser im christlichen Unterricht dazu. Der Wahrheitsanspruch der jeweiligen Religion muss und soll nach der gewünschten Maxime der Bekenntnisorientierung gerade nicht relativiert werden.

Darüber hinaus geht es auch im Religionsunterricht um Grundfragen des Lebens, um die Persönlichkeitsentwicklung, um Gerechtigkeit, Toleranz und Verantwortung und das Erlernen sozialer Kompetenzen – aber immer ausgehend von biblischen Texten. So sollen etwa Viertklässler verstehen, dass die Zehn Gebote Möglichkeiten für ein gelingendes Miteinander eröffnen, und dies an einem Gebot erläutern können. Achtklässler sollen das Thema Gerechtigkeit am Beispiel eines biblischen Propheten entfalten können. Vor allem in den Oberschulen lernen die Jugendlichen auch andere Religionen kennen. Aufgrund der Erfahrung mit der eigenen Religion sollen sie ihnen offen und tolerant begegnen können.


:?: Kann es sein, daß ein ohnehin schon religiöser Schüler diese im Rahmenplan vorgeschriebene Bekenntnisorientierung kaum bemerrkt?


Und nun noch einen Zeitungsartikel zum Thema:
Feldzug gegen den Westen
PRO RELI Am Sonntag entscheiden die Berliner über den Religionsunterricht. Das deutsche Modell ist im internationalen Vergleich ein exotischer Ausnahmefall
VON RALPH BOLLMANN

Es ist nur eine kleine Broschüre, herausgegeben von der katholischen Bischofskonferenz. Sie dokumentiert ein Symposium, das im Frühjahr 1991 in Rom stattfand - fast zwei Jahrzehnte vor jenem überhitzten Streit über die Form des Religionsunterrichts in der deutschen Hauptstadt Berlin, den das Wahlvolk an diesem Sonntag in einer Abstimmung entscheiden soll.
"Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen in Europa", lautet der Titel des orangefarbenen Bändchens. Genauso nüchtern, wie es die Überschrift vermuten lässt, wird dort die Rechtslage in den verschiedenen Ländern dargestellt. Das Ergebnis: Im internationalen Vergleich ist nicht das Berliner Modell des Ethikunterrichts die Ausnahme. Ungewöhnlich ist vielmehr die Praxis eines konfessionellen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen, wie sie in 13 von 16 Bundesländern alle Reformversuche überdauert hat...

weiter lesen: http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv ... 102f7cfcb4
Zuletzt geändert von Barbarossa am 25.04.2009, 19:34, insgesamt 1-mal geändert.
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elysian
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25.04.2009, 03:16

Kann es sein, daß ein ohnehin schon religiöser Schüler diese im Rahmenplan vorgeschriebene Bekenntnisorientierung kaum bemerrkt?


Ich glaube, Du missverstehst da etwas. Ich versuche das mal zu verdeutlichen.

Anders als der Ethikunterricht muss der Religionsunterricht bekenntnisorientiert sein


Bekenntnisorientiert ist ein recht unbestimmter Begriff.
Da kann man sich zunächst Alles drunter vorstellen.
Gemeint ist letztlich aber, dass die Religionsgemeinschaften den Unterricht gestalten und die Schüler nach ihrer Konfession geordnet am Religionsunterricht teilnehmen, sofern sie nicht etwas anderes wünschen.

Die Schüler sollen eine eigene religiöse Überzeugung gewinnen und darüber diskutieren können.


Das "können" bezieht sich hier auf beide Teile. Wie bereits die religiöse Kompetenz in dem Satz zuvor andeutet (vgl. z.B. Medienkompetenz, etc.) wird die autonome Position zur Religion und in der Religion gefördert. Man darf ja auch nicht vergessen, dass nicht wenige Schüler bereits eine religiöse Überzeugung mitbringen, die zumeist durch das Elternhaus geprägt ist.

Die Religionslehrer vermitteln nicht nur abstraktes Wissen über Religionen wie im Ethikunterricht, sondern sie sollen die Schüler vertraut machen mit den religiösen Riten und Überzeugungen.


Das ist elementar. Ohne diese Inhalte erlangt man nur oberflächliches Wissen über die Religionsgemeinschaften. Das endet oft genug in m.E. gefährlichem Halbwissen.

So gehört auch das Auswendiglernen der Gebote und des Vaterunser im christlichen Unterricht dazu.


Nein. Das ist so pauschal nicht richtig. Oder ich hatte keinen christlichen Unterricht, bis ich das Fach Religion abgewählt hatte.... :lol:
Allerdings kann es nun wahrlich nicht schaden, wenn Kinder die 10 Gebote kennen (übrigens DIE Klammer der drei monotheistischen, letztlich abrahamitischen Religionen!!!), die schließlich eine frühe Form einer Rechtsordnung darstellen und Sätze beinhalten, die schlicht und ergreifend universal gültig sind (übrigens in ähnlicher Form in nahezu allen alten Kulturen Verbreitung fanden).
Auch das Vaterunser zu kennen sollte im Rahmen einer auch an kultureller Bildung orientierten Schulung junger Menschen in diesen Breitengraden eine Selbstverständlichkeit sein. Ich halte nichts davon, sich quasi kulturell zu kastrieren. Als wäre unsere heutige Kultur gänzlich losgelöst von der christlichen Vergangenheit. Eine absurde Vorstellung.

Der Wahrheitsanspruch der jeweiligen Religion muss und soll nach der gewünschten Maxime der Bekenntnisorientierung gerade nicht relativiert werden.


Und warum sollte der eigene Wahrheitsanspruch relativiert werden? Schließlich relativieren wir ja auch nicht die Würde des Menschen!
An diese glauben Theisten wie Atheisten aus verschiedenen Gründen, aber gleichermaßen. Auch ein Ethikunterricht arbeitet letztlich mit dem Wahrheitsanspruch.
Wie soll man denn Kindern und Jugendlichen Werte anbieten, wenn man sich nicht unbedingt zu ihnen bekennen darf?
Stellt Euch das doch mal vor:
Schüler "Glauben Sie an Gott, Herr Lehrer?"
Lehrer "Ich glaube an die Möglichkeit eines Gottes, so wie ihn sich meine Gemeinschaft wohl vorstellt, aber vielleicht haben auch die anderen Recht und Gott ist anders oder gar nicht."
Mag nett klingen, aber jeder Jugendliche wird bei einer solchen Antwort enttäuscht abwinken und denken, der Herr Lehrer stünde wohl doch nicht so richtig hinter dem, was er da so erzählt.
Wer will, kann sich das Beispiel jetzt auch mit dem Thema Menschenrechte vorstellen.... :roll:

Darüber hinaus geht es auch im Religionsunterricht um Grundfragen des Lebens, um die Persönlichkeitsentwicklung, um Gerechtigkeit, Toleranz und Verantwortung und das Erlernen sozialer Kompetenzen – aber immer ausgehend von biblischen Texten.


Auch diese Darstellung ist nicht richtig. Wir haben im Religionsunterricht natürlich auch die Bibel verwendet. Daneben jedoch wurden Referate über andere Religionen gefordert. Auch über christliche Freikirchen und diverse Sekten wurden wir unterrichtet. Dies geschag unabhängig von Bibeltexten.


Letztlich beweist die Geschichte, dass die Schüler in dem Unterricht regelmäßig nicht religiös indoktriniert werden. Andernfalls wäre wohl nicht zu erklären, warum im Westen seit Jahrzehnten viele Schüler, teils auch aus religiösen Elternhäusern, letztlich Religion abwählen und letztlich auch aus den Kirchen austreten.
Eines halte ich jedoch für ausgesprochen wichtig, und das kann der Ethikunterricht niemals leisten:
Aufgrund der Erfahrung mit der eigenen Religion sollen sie ihnen offen und tolerant begegnen können.

Wenn ich keine Erfahrung mit meiner eigenen Religion bzw. Religiösität gemacht habe, fällt mir der Zugang zu religiösen Menschen notwendig schwer. Ich kann die Hintergründe nicht nachvollziehen. Auch wenn ich nicht religiös bin, bewirkt eine intensive Auseinandersetzung mit Religion genau das. Ich mag ablehnen, was ich dann zu sehen bekomme. Aber ich bekomme eine Vorstellung davon, was Religion für andere Menschen bedeutet. Hierfür reichen abstrakte Wissenselemente schlicht nicht aus. So wenig, wie mit Vogelkunde das Fliegen vermittelt werden kann.
Darüber hinaus bringt mir die Auseinandersetzung mit der christlichen Religion und ihrer Geschichte tiefe Einblicke in die Geschichte dieses Landes und in die Entwicklung hin zum Hier und Jetzt. Ich lerne die Hintergründe, die Wurzeln, die Brüche, inneren Widersprüche und Umwälzungen kennen. Das ist überaus spannend und lehrreich. Auch weil man erkennen muss, dass nicht weniges, was uns etwa bei Islamisten die Augen rollen lässt, uns gar nicht mal so fremd war. Und man lernt zu unterscheiden, ob diese Phänomene wirklich religiös begründet sind oder ob sie (ggfls. zeitlich bedingte) kulturelle Hintergründe haben.
Das wird mir ein großer Eintopf niemals bieten können.
Ebenso wenig wie ein Ethikunterricht jemals die Tiefe einer echten philosophischen Schulung wird vermitteln können.

Der Artikel in der taz ist nichts anderes als ein voreingenommenes Pamphet. Da werden einfach ein paar der eigenen Meinung passende Beispiele in den Raum geworfen und die Gegenposition als reformfeindlich diffamiert.
Dass ausgerechnet die taz die USA einmal zum großen Vorbild erklärt....dass man das noch erleben darf! :lol:
Und als nächstes kopieren wir dann halt das amerikanische Waffengesetz?
Aber mal im Ernst. In den USA gibt es seit jeher ein kunterbuntes Angebot an Kirchen. Dies ist ein erheblicher Unterschied zu der Situation in Deutschland, in der die Masse in wenigen großen Gruppierungen versammelt ist. Weiterhin schmunzeln wir gern mal über die christlichen Fundamentalisten in den USA und den (im Fach Biologie erschreckend erfolgreichen) Kampf der Kreatonisten um religiöse Inhalte in den einzelnen Schulfächern. Auch staunen wir, welche Bedeutung der Religion in der Politik beigemessen wird. Dies hat durchaus mit dem Verbot des Religionsunterrichts zu tun. Ein solcher Unterricht ist unter staatlicher Aufsicht und kanalisiert...
Jedes Land hat aber auch seine eigenen Traditionen, geht seine eigenen Wege. Und muss seine eigenen Antworten finden. Wenn man Teile aus anderen Systemen einfach übernimmt, geht das mit Sicherheit schief.
Großbritannien wird ebenfalls als Beispiel angeführt.
Auch Großbritannien ist sonst bei der taz nicht wohl gelitten....aber wenns der eigenen Anschauung dient, knutscht so mancher wohl jede Kröte.
Jedenfalls besteht faktisch kein Unterschied, ob die Kirche den Lehrplan unter staatlicher Aufsicht erstellt oder der Staat dies selbst tut. Denn die Entscheidung liegt so oder so beim Staat. De facto dürfte GB also nicht in dieser Liste erscheinen. Aber was stört den Autor schon die Logik?
Dass Schweden auf Ethikunterricht umgestellt hat, ist richtig (vgl. aber http://209.85.129.132/search?q=cache:Q9 ... clnk&gl=de ),
aber auch hier wird wieder behauptet, dieser Unterricht sei weltanschaulich neutral. Ein weltanschaulich neutraler Wertunterricht ist jedoch unmöglich, ein Paradox, dass den Nutzer eines solchen Begriffes in ein schlechtes Licht stellt. Oder in ein gutes, enttarnendes. Wie immer man will. Entweder redet da jemand, der keine Ahnung hat, was er da sagt (/schreibt) oder er lügt bewusst!
Dass die Entwicklung in Schweden oder auch Norwegen irgendeinen positiven Effekt oder irgendeinen Fortschritt gebracht hätte, ist nicht ersichtlich. Hierfür fehlt jeder Beleg.
Jedenfalls trägt der Beitrag der unterschiedlichen konfessionellen Bindungen in Deutschlang und Schweden nicht einmal ansatzweise Rechnung (für Schweden
http://www.sweden.se/de/Startseite/Arbe ... -Religion/ ).
Sehr plump gearbeitet. Das muss ich schon sagen.
Deutlich informativer ist wohl dieses Buch
( http://books.google.de/books?id=-o7uf3B ... t&resnum=9 ).
Hier wird auch auf die steigende Zahl religiöser Privatschulen verwiesen.
Eigentlich soll Journalismus informieren und nicht einseitig polemisieren....
Dass beim Beispiel Italien auf Mussolini zurückgegriffen wird, um den Religionsunterricht zu diffamieren, während man gleichzeitig ohne mit der Wimper zu zucken den durch Hitler eingeführten Tag der Arbeit (1. Mai) für gut befindet, ist ebenso entlarvend.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie die taz es schafft, nach all den schlechten Artikeln und Beiträgen immer noch einen drauf zu setzen....oder vielleicht auch nicht erstaunlich. Erstaunlich wäre wohl eher, wenn dieses Kampfblatt mal seriös arbeitet.

Nachschlag:
Zu Theorie und Praxis in Skandinavien und den bedeutsamen historischen Hintergrund
http://209.85.129.132/search?q=cache:Lt ... clnk&gl=de

Eine äußerst lesenswerte Argumentation, die sich gegen Ende insbesondere mit den USA befasst:
http://www.rpi-loccum.de/frieschw.html

hier wird ein konfessionell-kooperativer Unterricht vorgeschlagen und die Praxis in Deutschland kritisch beleuchtet
http://209.85.129.132/search?q=cache:iY ... clnk&gl=de

hier wird im Anhang der Lehrplan geboten (lesenswert, um sich selbst ein Bild von diesem Sammelsurium zu machen)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensgest ... gionskunde

p.s. wo bleiben bei den Vorträgen für die Wertevermittlung durch LER eigentlich die Rechte der Eltern, die zu vermittelnden Werte festzusetzen oder die Rechte der Kinder, hierüber selber mitentscheiden zu können (wie dies etwa dadurch möglich ist, dass man sich zwischen Reli und Philo entscheidet und entscheiden muss)?
Das hat jedenfalls für mich auch einen Hauch von "politischer Bildung" und wenig mit Freiheit zu tun.
 
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25.04.2009, 21:05

Die Schüler sollen eine eigene religiöse Überzeugung gewinnen und darüber diskutieren können.

elysian hat geschrieben:
Das "können" bezieht sich hier auf beide Teile. Wie bereits die religiöse Kompetenz in dem Satz zuvor andeutet (vgl. z.B. Medienkompetenz, etc.) wird die autonome Position zur Religion und in der Religion gefördert. Man darf ja auch nicht vergessen, dass nicht wenige Schüler bereits eine religiöse Überzeugung mitbringen, die zumeist durch das Elternhaus geprägt ist.

Wobei man hier wohl doch lieber beim Begriff "Glaube" bleiben sollte. Von "Überzeugung" zu sprechen, halte ich für nicht so günstig - die Kommunisten waren und sind "überzeugt"...
:roll:
Die Religionslehrer vermitteln nicht nur abstraktes Wissen über Religionen wie im Ethikunterricht, sondern sie sollen die Schüler vertraut machen mit den religiösen Riten und Überzeugungen.

elysian hat geschrieben:
Das ist elementar. Ohne diese Inhalte erlangt man nur oberflächliches Wissen über die Religionsgemeinschaften. Das endet oft genug in m.E. gefährlichem Halbwissen.

Wobei man über Religionen auch mit "abstraktem" Wissen nicht unbedingt nur über Halbwissen verfügen muß und zwar, ohne selbst daran glauben zu müssen. Ich denke, ein guter LER-Unterricht (mit ausreichend Stunden natürlich) muß das leisen können.

So gehört auch das Auswendiglernen der Gebote und des Vaterunser im christlichen Unterricht dazu.

elysian hat geschrieben:
Nein. Das ist so pauschal nicht richtig. Oder ich hatte keinen christlichen Unterricht, bis ich das Fach Religion abgewählt hatte.... :lol:
Allerdings kann es nun wahrlich nicht schaden, wenn Kinder die 10 Gebote kennen (übrigens DIE Klammer der drei monotheistischen, letztlich abrahamitischen Religionen!!!), die schließlich eine frühe Form einer Rechtsordnung darstellen und Sätze beinhalten, die schlicht und ergreifend universal gültig sind (übrigens in ähnlicher Form in nahezu allen alten Kulturen Verbreitung fanden).
Auch das Vaterunser zu kennen sollte im Rahmen einer auch an kultureller Bildung orientierten Schulung junger Menschen in diesen Breitengraden eine Selbstverständlichkeit sein. Ich halte nichts davon, sich quasi kulturell zu kastrieren. Als wäre unsere heutige Kultur gänzlich losgelöst von der christlichen Vergangenheit. Eine absurde Vorstellung.

Kennen ja, aber nicht unbedingt auswendig lernen. Was ein Bürger heute wirklich auswendig kennen sollte sind die Grundrechte im Grundgesetz.

elysian hat geschrieben:
...Eines halte ich jedoch für ausgesprochen wichtig, und das kann der Ethikunterricht niemals leisten:
Aufgrund der Erfahrung mit der eigenen Religion sollen sie ihnen offen und tolerant begegnen können.

Wenn ich keine Erfahrung mit meiner eigenen Religion bzw. Religiösität gemacht habe, fällt mir der Zugang zu religiösen Menschen notwendig schwer. Ich kann die Hintergründe nicht nachvollziehen. Auch wenn ich nicht religiös bin, bewirkt eine intensive Auseinandersetzung mit Religion genau das. Ich mag ablehnen, was ich dann zu sehen bekomme. Aber ich bekomme eine Vorstellung davon, was Religion für andere Menschen bedeutet. Hierfür reichen abstrakte Wissenselemente schlicht nicht aus. So wenig, wie mit Vogelkunde das Fliegen vermittelt werden kann.

Nun ja - wenn ich nicht religiös bin, dann werde ich sicher nie verstehen, warum andere Menschen glauben und was die Religion für diese Menschen bedeutet. Aber muß ich das unbedingt?
Wichtig ist, daß man gegenüber ander denkenden oder anders- bzw. überhaupt glaubenden Menschen tolerant auftritt und dieses "anders sein" eben akzeptiert. Es sind nun mal nicht alle Menschen gleich - zum Glück. :wink:

elysian hat geschrieben:
p.s. wo bleiben bei den Vorträgen für die Wertevermittlung durch LER eigentlich die Rechte der Eltern, die zu vermittelnden Werte festzusetzen oder die Rechte der Kinder, hierüber selber mitentscheiden zu können (wie dies etwa dadurch möglich ist, dass man sich zwischen Reli und Philo entscheidet und entscheiden muss)?
Das hat jedenfalls für mich auch einen Hauch von "politischer Bildung" und wenig mit Freiheit zu tun.

Die vermittelten Werte bei LER, wie übrigens aber auch beim Religionsunterricht, werden natürich im Rahmenplan des jeweiligen Landes festgelegt. Alles hat natürlich sein Für und Wider. Beim lesen der folgenden Textstelle in einem von dir verlinkten Text kam mir noch der darauf folgende Gedanke:
„Manche Jugendliche sagen, die Kirche sei etwas für Alte“, meint Gustafsson. „Aber sie dürsten nach Spiritualität. Oft erleben sie die Sprache und die Formen der Kirche als fremdartig – nicht deren Inhalte. Keiner, dem ich begegnete, stellt die Botschaft von Liebe, Mitgefühl und Vergebung in Frage.“

aus: http://www.sweden.se/de/Startseite/Arbe ... -Religion/

In der christlichen Religion kommen tatsächlich auch Begriffe wie Vergebung vor. Unser Rechtssystem kennt mit Einrichtungen wie der Verjährung, Begnadigung und Amnestie zwar auch etwas ähnliches, aber es sind mit Ausnahme der Verjährung immer Ausnahmen von der Regel. Im großen und Ganzen ist unserem Rechtssystem der Begriff der Vergebung fremd. Das sieht man schon daran, daß man NS-Kriegsverbrecher selbst dann noch zur Verantwortung zu ziehen versucht, wenn sie bereits 90 Jahre alt und bettlägerich sind.
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elysian
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26.04.2009, 00:24

Wobei man über Religionen auch mit "abstraktem" Wissen nicht unbedingt nur über Halbwissen verfügen muß und zwar, ohne selbst daran glauben zu müssen. Ich denke, ein guter LER-Unterricht (mit ausreichend Stunden natürlich) muß das leisen können.


Den Aufbau von LER kannst Du Dir ja selber anschauen. Ich habs mir durchgelesen. Das vermittelte abstrakte Wissen bleibt notwendig oberflächlich und damit Halbwissen. Der ganze Aufbau des Faches lässt nur Abrisse der Positionen einzelner Glaubensgemeinschaften zu. Und dies auch nur bei einigen Themen.
Ich habe lange genug Religion und Philosophie als Unterricht gehabt. Das Eine kann das Andere nicht abdecken, eine Mischung beider Teile mit einem erheblichen Zusatz wird letztlich nichts leisten können.

Kennen ja, aber nicht unbedingt auswendig lernen. Was ein Bürger heute wirklich auswendig kennen sollte sind die Grundrechte im Grundgesetz.


Beides sollte bekannt sein. Wie bereits gesagt, musste ich in all den Jahren Religionsunterricht weder das Vaterunser noch die 10 Gebote auswendig lernen.
Übrigens hängt auch unser Grundgesetz, insbesondere die Art. 1-20 GG nicht unerheblich mit unserem christlichen Erbe zusammen. ;)

Nun ja - wenn ich nicht religiös bin, dann werde ich sicher nie verstehen, warum andere Menschen glauben und was die Religion für diese Menschen bedeutet. Aber muß ich das unbedingt?


Ich bin auch nicht religiös, aber ich kann sehr wohl nachvollziehen, warum die Gläubigen glauben. Toleranz ist ohne Verständnis m.E. nicht denkbar. Dies läuft nur auf Gleichgültigkeit hinaus, wie wir sie im Zusammenhang mit der Debatte über Parallelgesellschaften bereits besprochen haben.

Die vermittelten Werte bei LER, wie übrigens aber auch beim Religionsunterricht, werden natürich im Rahmenplan des jeweiligen Landes festgelegt.


Richtig, aber ich dann die Wahl zwischen verschiedenen Angeboten, die sich innerhalb des Rahmens im Ergebnis unterscheiden, statt eine einseitige Ausrichtung. Die nagt an den Grundfesten unserer pluralistischen Gesellschaft.

In der christlichen Religion kommen tatsächlich auch Begriffe wie Vergebung vor. Unser Rechtssystem kennt mit Einrichtungen wie der Verjährung, Begnadigung und Amnestie zwar auch etwas ähnliches, aber es sind mit Ausnahme der Verjährung immer Ausnahmen von der Regel. Im großen und Ganzen ist unserem Rechtssystem der Begriff der Vergebung fremd. Das sieht man schon daran, daß man NS-Kriegsverbrecher selbst dann noch zur Verantwortung zu ziehen versucht, wenn sie bereits 90 Jahre alt und bettlägerich sind.


Deine conclusio ist falsch. Erstens ist der Betroffene im wohl gemeinten aktuellen Fall nicht bettlägrig, wie ich erst vorgestern in der Zeitung las.
Aber davon unabhängig stellt die deutsche Rechtsordnung zwar mit der Unverjährbarkeit von Mord nicht unbedingt die Regel dar (es gibt Rechtsordnungen, in denen Mord verjährt!!!), aber das Strafmaß ist begrenzt und nach verbüßter Strafe erfolgt grundsätzlich die Resozialisation. Ausgenommen sind nur Täter, die auch weiterhin gefährlich erscheinen (z.B. pädophile Triebtäter). Unser Rechtssystem kennt darüber hinaus Vergebung in der Form des Rücktritts und diverser Strafmilderungen (auch bei erfolgloser tätiger Reue (man beachte den Begriff!!!)). Gerade die Abschaffung der Todesstrafe zusammen mit der zugesicherten Resozialisierung trägt dem Gedanken der Vergebung des begangenen Unrechts Geltung und richtet sich ganz klar gegen die Rachefunktion, die Recht auch haben kann. "Auge um Auge, Zahn um Zahn", also das Talionsprinzip, im islamischen Recht übrigens heute noch praktiziert, wie der Fall beweist, in dem eine Frau das Recht erstritt, ihrem Schädiger ihrerseits die Augen zu verätzen, folgert sich ganz und gar aus dem Verständnis der Vergeltung als Strafzweck. Demnach müsste ein Mörder getötet werden.
Auch gibt es zahlreiche Handlungen, die der Staat gar nicht erst strafrechtlich verfolgt, weil er sie nicht für strafwürdig erachtet. Hier bleibt die Verfolgung dem Einzelnen überlassen.
Letztlich muss man darüber hinaus allerdings akzeptieren, dass eine Demokratie und ein Rechtsstaat auch wehrhaft sein müssen und die Rechtsordnung behauptet werden muss. Andernfalls herrscht die Willkür des Stärkeren. Die persönliche Vergebung ist wie Liebe und Mitgefühl etwas, das eine Rechtsordnung nicht ersetzen kann. Sie gründen in dem Individuum als solchem. Sie können nicht verallgemeinert und kollektiviert werden. Sie können nur Ideale für die Ausformung der staatlichen Rechtsordnung bilden.
Auch hier bietet der Blick in die Geschichte ein sehr schönes Beispiel:
Papst Johannes Paul II. wurde bekanntlich Opfer eines Attentates.
Der Staat musste auf diese Herausforderung reagieren und verurteilte den Täter. Papst Johannes Paul II. besuchte nach seiner Genesung den Attentäter und vergab ihm.
Dass es, insbesondere in den USA, zahlreiche Christen gibt, die dem Gedanken der Vergebung wenig Beachtung schenken, steht einem Zusammenhang zwischen der Idee der Vergebung und bestimmter Entwicklungen in der Rechtsordnung nicht entgegen.
Übrigens kommen Begriffe wie Vergebung nicht nur vor, sondern sie sind theologisch betrachtet Ausformungen des überragenden Gebots der Nächstenliebe. "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" und "Halte auch die andere Wange hin" oder aus dem Vaterunser "Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (Anm.: NICHT Geldschuldner!!! ;) )" sind für das Verständnis des Christentum zentrale Elemente. Man kann an solchen Begriffen aber auch sehr gut die Entwicklung der Religion in der Zeit nachbilden. Hier zeigen sich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Schwerpunkte und abweichende Ausformungen, die umgekehrt betrachtet Verständnis für divergierende moderne Standpunkte vermitteln. Diese haben oft ihre eigene geisteswissenschaftliche Geschichte.
Was ich leider nicht sicher weiß, aber als Aussage von ehemaligen Muslimen las: dieser Gedanke des Vergebens (bis hin zu den biblischen Wangen) ist etwas, dass so im Islam nicht vorkommt. Wenn dem so ist, dürfte darin höchstwahrscheinlich ein Grund für die Entwicklung des islamischen Rechts liegen. Es würde auch verständlicher machen, warum etwa einem afghanischen, aber in Deutschland geschulten Juristen entgegnet wurde, scheinbar zu milde Urteile seien unislamisch, Verteidiger überflüssig, usw.
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Volksentscheid "Pro Reli" klar gescheitert

26.04.2009, 21:17

26.04.2009, 21:12 Uhr
Wahlpflichtfach Religion/Ethik
Volksentscheid "Pro Reli" klar gescheitert

Das Schulfach Religion bleibt ein freiwilliges Zusatzangebot an Berliner Schulen.

Der Volksentscheid zur Einführung eines Wahlpflichtfachs Religion/Ethik ist gescheitert, erklärte Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás am Sonntag. Nach Auszählung von 99,7 Prozent der Stimmen votierten nur 48,4 Prozent der Abstimmenden für die "Pro-Reli"-Initiative. Das entsprach lediglich 14,1 Prozent aller Wahlberechtigten und lag damit deutlich unter den nötigen 25 Prozent für einen erfolgreichen Volkserntscheid...

weiter lesen: http://www.rbb-online.de/nachrichten/po ... _Reli.html

Vorläufiges Ergebnis: http://www.berlin.de/wahlen/index.php/v ... 9-proz.asp

Mehr Informationen und Diskussion siehe auch hier: http://www.politik-diskurs.bplaced.net/ ... h-t52.html
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26.04.2009, 21:19

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27.04.2009, 15:50

Zwei Schlüsse kann man aus diesem Ergebnis ziehen:

1. direkte Demokratie kann man praktisch vergessen

Man erlebt immer wieder und hier erneut, obwohl gerade dieses Thema intensiv debattiert wurde, dass die Bürger mehrheitlich politisch desinteressiert sind und sich maximal zu den Standardwahlen qäulen. Das aber auch seit Jahren mit abnehmender Tendenz.
Erneut haben sich bei der Möglichkeit, direkt Politik zu bestimmen keine 50% aufraffen können. Unabhängig vom konkreten Ergebnis stellt sich die Frage, wie berechtigt dann die Forderungen nach einem größeren plebizitären Anteil in unserer Staatsordnung ist. Theoretisch können auf diese Weise radikale Minderheiten mit hohem Mobilisierungspotential die träge Masse übertrumpfen. Bei dem Gedanken wird mir ganz anders.


2. Berlin ist immer noch eine gespaltene Stadt

Man kann es verkürzt ausdrücken. Westberlin war für die Wahlpflicht, Ostberlin dagegen. Es ist traurig zu sehen, wie erfolgreich die Sowjets mit der Zerstörung kultureller Traditionen und der Kappung der Vergangenheit waren. Vor allem, wenn es um die Vorstellung von Freiheit geht. Allerdings muss man zugeben, dass es derlei Gedankengut auch im Westen durchaus gibt (s. Frankfurter Dummschau mit ihrer Klassenkampfrhetorik).
Die kulturelle Entfremdung, so befürchte ich, ist damit wohl nachhaltiger als erhofft.



p.s. Prognose:
Ich wage die Behauptung, dass wir in 10 Jahren in Berlin keinen Fortschritt im Bereich der Integration erleben werden, der auf LER zurückgeführt werden kann. Bestenfalls wird LER zu gar nichts führen.
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27.04.2009, 19:27

Auch ich hätte mir natürlich mehr Interesse und damit auch eine höhere Beteiligung an der Volksabstimmung gewünscht, aber ich sage mir in dem Fall immer, daß diejenigen, die nicht zur Wahl gehen, das Wahlergebnis der an der Wahl Beteiligten eben akzeptierenund zwar egal, wie die Wahl ausgeht - müssen sie ja dann auch.
:wink:

Das Wahlergebnis selbst sehe ich weniger kritisch:
Zwar habe ich auch erkannt, daß die Stadt immer noch entlang der ehemaligen Mauer in der Meinung über einige Dinge gespalten ist, aber das hängt natürlich mit den äußerst verschiedenen Lebenserfahrungen, die man in seinem Leben gemacht hat, zusammen. Die Kirche hat in der DDR eine untergeordnete Rolle gespielt und war vom damaligen SED-Regime lediglich als ein geduldetes Übel angesehen und wurde auch so behandelt. Glaube und Religion waren eine Randerscheinung und immer mehr Bürger im Osten wurden Atheisten. Jedoch bedeutet eine atheistische Überzeugung nicht zwangsläufig, daß man politisch links steht, man kann auch als Atheist durchaus eine demokratische und humanistische Grundhaltung haben und sich politisch z. B. als liberal einordnen - wie ich selbst z. B. auch.

Das Ergebnis selbst würde ich positiv berwerten, da neben dem Pflichtfach "Ethik", daß wohl in der 7. Klasse beginnt, schon ab der 1. Klasse Religion freiwillig belegt werden kann. Beide Fächer köönen sich im günstigsten Fall sogar ergänzen.
Im Übrigen halte ich es für sehr schwierig, für alle in Berlin vorhandenen Konfessionen einen Reli-Unterricht auf die Beine zu stellen, denn es gibt neben den recht zahlreichen christlichen Konfessionen, wie z. B. Protestanten, Katholiken, Neuapostolischen und Orthodoxen (um nur die wichtigsten zu nennen), auch noch Juden, Moslems (die sich auch noch einmal in Suniten und Schiiten unterteilen), Buddhisten und Hinduisten und sicher noch mehr.
:roll:
Zuletzt geändert von Barbarossa am 03.05.2009, 22:29, insgesamt 3-mal geändert.
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27.04.2009, 23:53

Ich sehe darin nach wie vor Probleme:
Einerseits sollen die Schüler möglichst in 12 Jahren das Abitur machen. Dies bedeutet Ost wie West einige Belastung hinsichtlich des abzuarbeitenden Stoffes. Religion als Zusatzfach stellt demnach eine zusätzliche Belastung für Schüler da. Hierin liegt eine sachlich nicht gerechtfertigte Benachteiligung religiöser Schüler.
Weiterhin müssen religiöse Kinder nunmehr an der L(inientreuen)ER(ziehung) teilnehmen. Dieser Unterricht vermittelt lediglich Wissen über Positionen einzelner Religionen und Weltanschauungen in bestimmten Fragen, aber keine Zusammenhänge. Es handelt sich im Prinzip um einen eher atheistisch ausgerichteten Unterricht. Insoweit liegt auch hierin ein Benachteiligung religiöser Schüler.
Im Fall des Schulgebetes herrschte hier ja Einigkeit, dass man das atheistische Kind nicht zur Teilnahme am Gebet zwingen dürfe. Wenn dies richtig ist, und davon gehe ich unbedingt aus, dann ist umgekehrt ebenso zu entscheiden. Gegen dieses Gebot der Gleichbehandlung wird hiermit verstoßen.
LER wird weiterhin dem Pluralismus in unserer Gesellschaft durch seine einseitige Konzeptionierung abträglich sein.
Das angestrebte Ziel einer besseren Integration wird hierdurch nicht gefördert werden. (nebenbei bemerkt halten gläubige Muslime von Atheisten noch weniger als von Christen....)
Auch die ethisch-moralische Bildung wird durch diesen Unterricht weit, sehr weit hinter dem Standard einer philosophischen Schulung bleiben (Philosophie ist dabei sogar sehr viel mehr als nur Ethik!).
Das Problem eierlegender Wollmilchsauen ist regelmäßig, dass sie alles zugleich zu erreichen versuchen und schließlich in allem scheitern.
Militärisch gewendet: wer alles verteidigt, verteidigt nichts.
Da kann man zahlreiche Beispiele nennen. TollCollect ist wohl eines der bekanntesten.
Die Entwicklung ethischen Denkens und die hiermit zusammenhängende große Anzahl philosophischer Systeme und Strömungen wird man bei DEM Aufbau des Unterrichtes sicherlich nicht vermitteln können.

@Barbarossa
Eine atheistische Überzeugung bedeutet ebenso wenig eine linke Einstellung wie eine agnostische (ich bin Agnostiker); aber das NEIN gegen die Wahlfreiheit der Schüler unter mehreren Angeboten das geeignete auszusuchen dagegen schon.
Ich persönlich sehe zwar auch Probleme, einen islamischen oder jüdischen Religionsunterricht zu organisieren. Allerdings halte ich diesen Schritt hinsichtlich der Integration der muslimischen Bevölkerungsteile und der Entwicklung eines sog. europäischen Islam für vorzugswürdig.
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MarcoZ
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28.04.2009, 03:25

Aus meiner Sicht sollte es keines der Fächer geben. Ich denke ,dass positive Werte wie sie auch im Religions- oder Ethikunterricht gelert werden nur effektiv sind, wenn die Eltern den Kindern diese Werte vermitteln.
Die Integration findet meiner Meinung nach nicht in der Schule(also nicht in LER oder Reli) statt,sondern in Sportvereinen, beim Dönerladen usw.

Zitat elysian: Religion als Zusatzfach stellt demnach eine zusätzliche Belastung für Schüler da.

Das machen aus meiner Sicht auch Fächer wie Sport,Musik und Kunst. Dann kann ich auch sagen ich gehe 3 mal die Woche zum Sport und ich fühle mich belastet durch die Zeitverschwendung beim Schulsportunterricht , der eh keine passende Ausstattung besitzt. :lol:
Ich als Schüler frage mich langsam wer in der heutigen Jugend eigentlich noch wirklich religiös ist. Ich sehe viele die sagen sie sind Anhänger dieser Religion, aber dann sehe ich z.B. einen angeblichen Muslim der Alkohol trinkt und ein Tatoo hat oder Christen die nur zu Weihnachten in die Kirche gehen.
Meint ihr das mangelnde Interesse am Volksentscheid hat nicht auch damit etwas zu tun , da es nur wenige Wahlberechtige direkt betrifft?
Ich war auch abstimmen ,da ich direkte Demokratie als das System der Zukunft sehe auch noch nach dem Referendum in Irland. :roll: :roll:
 
elysian
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28.04.2009, 13:57

MarcoZ hat geschrieben:
Aus meiner Sicht sollte es keines der Fächer geben. Ich denke ,dass positive Werte wie sie auch im Religions- oder Ethikunterricht gelert werden nur effektiv sind, wenn die Eltern den Kindern diese Werte vermitteln.
Die Integration findet meiner Meinung nach nicht in der Schule(also nicht in LER oder Reli) statt,sondern in Sportvereinen, beim Dönerladen usw.


Dem stimme ich teilweise zu. Das Privatleben ist sicherlich bedeutsamer. Dennoch halte ich schulische Elemente nicht für bedeutungslos.
Für viele Migranten und ihre Nachkommen ist die eigene Identität ein Problem, welche dann auch die Integrierung in die Gesellschaft oft genug hemmen kann.
Der Konflikt betrifft einerseits kulturelle Traditionen der Herkunftsländer.
Aber auch die Religion wird als identitätsstiftendes Mittel der Abgrenzung angewendet.
Eine übergroße Mehrheit der Muslime ist religiös bis sehr religiös.
Für diese Menschen ist entscheidend, welche Position der Islam bezieht. Die anderen Positionen werden sicherlich durch LER nicht mehr Würdigung erfahren, als es ohnehin schon der Fall ist. Also praktisch keine.
Will man diese Menschen integrieren, muss man die Religion integrieren.
Historisch gibt es für eine solche äußerst erfolgreiche Integrationspolitik übrigens ein gutes Beispiel: Rom!
M.m.n. werden wir die religiösen Muslime nur in die Gesellschaft einbinden können, wenn wir ihre Religiösität ernst nehmen und ihr Raum geben. Und es wird m.E. nur dann zu einem Konsens über den Islam in unserer Gesellschaft kommen, wenn die inhaltliche Bestimmung der islamischen Positionen nach Maßgabe der Aufklärung erfolgt.
Dies halte ich jedenfalls für die historische Erfahrung mit dem Christentum, dass heute auch und gerade deswegen nicht dasselbe Christentum ist, welches wir aus dem Mittelalter kennen.

Zitat elysian: Religion als Zusatzfach stellt demnach eine zusätzliche Belastung für Schüler da.

Das machen aus meiner Sicht auch Fächer wie Sport,Musik und Kunst. Dann kann ich auch sagen ich gehe 3 mal die Woche zum Sport und ich fühle mich belastet durch die Zeitverschwendung beim Schulsportunterricht , der eh keine passende Ausstattung besitzt. :lol:


Da vergleichst Du Birnen mit Äpfeln.
Es geht hier nicht darum, ob ich ein Fach für Zeitverschwendung halte oder es mich rein subjektiv belastet.
Hier geht es darum, dass nichtreligiöse Schüler die Fächermenge x abarbeiten, religiösen Schülern dagegen x+1 abverlangt wird, statt religiösen und nichtreligiösen Schülern die Wahl zwischen einem religiösen und einem areligiösen Fach zu gewähren.

Ich als Schüler frage mich langsam wer in der heutigen Jugend eigentlich noch wirklich religiös ist. Ich sehe viele die sagen sie sind Anhänger dieser Religion, aber dann sehe ich z.B. einen angeblichen Muslim der Alkohol trinkt und ein Tatoo hat oder Christen die nur zu Weihnachten in die Kirche gehen.

Willst Du etwa bestimmen, wie jemand einer Religion nachkommen muss, um als religiöser Mensch anerkannt zu werden? Ich hoffe nein. Oder zumindest, dass diese Ansicht niemals mehrheitsfähig wird. Denn in dem Fall: gute Nacht Toleranz, gute Nacht Religionsfreiheit! Da könnten wir uns gleich die Taliban ins Land holen, denn die denken genau so!
Meint ihr das mangelnde Interesse am Volksentscheid hat nicht auch damit etwas zu tun , da es nur wenige Wahlberechtige direkt betrifft?
Ich war auch abstimmen ,da ich direkte Demokratie als das System der Zukunft sehe auch noch nach dem Referendum in Irland. :roll: :roll:

Das denke ich nicht. Erstens betraf das Thema hier sehr viele Menschen.
Zweitens zeigt die Erfahrung, dass sich die Wahlbeteiligung unabhängig vom Grad der Betroffenheit nicht über die 50% schiebt.
Und ich bin ganz und gar nicht der Meinung, dass es einer demokratischen Ordnung ansteht, wenn die Entscheidung von nicht einmal der Hälfte der Bevölkerung legitimert ist.
Nach allen Erfahrungen mit Plebisziten in der Vergangenheit und Moderne halte ich diese direkte Demokratie für denkbar ungeeignet, um moderne Staaten zu regieren.
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MarcoZ
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Willst Du etwa bestimmen, wie jemand einer Religion nachkommen muss, um als religiöser Mensch anerkannt zu werden?


Natürlich will ich das nicht, dies wär auch nicht möglich da man Religionen auch verschieden Interpretieren kann. Ich meinte eher ,dass ich verwirrt bin wie manche Leute ihre Religion interpretieren. Ich akzeptiere jeden Gläubigen,solange er keinen negativen Einfluss auf anders Gläubige nimmt.



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:wink:
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Barbarossa
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28.04.2009, 22:36

elysian hat geschrieben:
...Weiterhin müssen religiöse Kinder nunmehr an der L(inientreuen)ER(ziehung) teilnehmen...

Ich hoffe, das ist jetzt nicht dein ernst, oder?
:lol:

Sicher - der Ethikunterricht bietet u.a. nur einen Überblick über die wichtigsten Religionen der Welt.
Aber wohl vor allem auch:
Ziele der Ethik

Die Ethik ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen (theoria), sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen (in einer immer unüberschaubarer werdenden Welt) Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die Anwendung dieser Prinzipien auf den einzelnen Fall ist im Allgemeinen nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten Gewissens. Aristoteles vergleicht dies mit der Kunst des Arztes und des Steuermanns. Diese verfügen über ein theoretisches Wissen, das aber situationsspezifisch angewendet werden muss. Entsprechend muss auch die praktische Urteilskraft allgemeine Prinzipien immer wieder auf neue Situationen und Lebenslagen anwenden. Damit spielt für die richtige sittliche Entscheidung neben der Kenntnis allgemeiner Prinzipien die Schulung der Urteilskraft in praktischer Erfahrung eine wichtige Rolle.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik
Also ich finde, so falsch kann das nicht sein, wenn an solch einem Unterricht alle - auch die religiösen Schüler - teilnehmen.

elysian hat geschrieben:
Da vergleichst Du Birnen mit Äpfeln.
Es geht hier nicht darum, ob ich ein Fach für Zeitverschwendung halte oder es mich rein subjektiv belastet.
Hier geht es darum, dass nichtreligiöse Schüler die Fächermenge x abarbeiten, religiösen Schülern dagegen x+1 abverlangt wird, statt religiösen und nichtreligiösen Schülern die Wahl zwischen einem religiösen und einem areligiösen Fach zu gewähren.

Nein, es wird ihnen nicht abverlangt, sie belegen es freiwillig.
Ich will es noch einmal betonen: Die religiöse Einstellung eines jeden Menschen, ist seine absolute Privatsache und hat auch wenig bis nichts mit echtem Wissen zu tun. Ich sehe jede Religion deshalb als eine Art Hobby, dem man gerne nachgeht, so wie andere Menschen andere Hobbys haben, wie z. B. Angeln, Segeln, Skifahren oder auch lesen. Deshalb könnte m.M.n. die Vermittlung der jeweiligen Religion auch in den dazu gehörigen religiösen Einrichtungen - also z. B. Kirche, Synagoge oder Moschee statt finden - eben dort, wo sie auch gepflegt wird. Aus diesem Grunde sehe ich auch den Bau von neuen Moscheen oder Tempeln durchaus positiv, denn die meisten Religionen brauchen natürlich Orte, an denen sie ausgeübt werden können. Damit sehe ich auch die Religionsfreiheit gewahrt.
Die Diskussion ist eröffnet!

Jedes Forum lebt erst, wenn Viele mitdiskutieren.
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elysian
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29.04.2009, 01:09

Barbarossa hat geschrieben:
elysian hat geschrieben:
...Weiterhin müssen religiöse Kinder nunmehr an der L(inientreuen)ER(ziehung) teilnehmen...

Ich hoffe, das ist jetzt nicht dein ernst, oder?
:lol:

Sicher - der Ethikunterricht bietet u.a. nur einen Überblick über die wichtigsten Religionen der Welt.
Aber wohl vor allem auch:
Ziele der Ethik

Die Ethik ist von ihrer Zielsetzung her eine praktische Wissenschaft. Es geht ihr nicht um ein Wissen um seiner selbst willen (theoria), sondern um eine verantwortbare Praxis. Sie soll dem Menschen (in einer immer unüberschaubarer werdenden Welt) Hilfen für seine sittlichen Entscheidungen liefern. Dabei kann die Ethik allerdings nur allgemeine Prinzipien guten Handelns oder ethischen Urteilens überhaupt oder Wertvorzugsurteile für bestimmte Typen von Problemsituationen begründen. Die Anwendung dieser Prinzipien auf den einzelnen Fall ist im Allgemeinen nicht durch sie leistbar, sondern Aufgabe der praktischen Urteilskraft und des geschulten Gewissens. Aristoteles vergleicht dies mit der Kunst des Arztes und des Steuermanns. Diese verfügen über ein theoretisches Wissen, das aber situationsspezifisch angewendet werden muss. Entsprechend muss auch die praktische Urteilskraft allgemeine Prinzipien immer wieder auf neue Situationen und Lebenslagen anwenden. Damit spielt für die richtige sittliche Entscheidung neben der Kenntnis allgemeiner Prinzipien die Schulung der Urteilskraft in praktischer Erfahrung eine wichtige Rolle.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik
Also ich finde, so falsch kann das nicht sein, wenn an solch einem Unterricht alle - auch die religiösen Schüler - teilnehmen.


Natürlich ist das satirisch gemeint.
Aber jede Satire hat ihren wahren Kern. Dieser Unterricht ist konzeptionell einseitig und wirkt negativ auf die Pluralität in Deutschland.
Dass Ethik vermittelt werden soll, dem stimme ich ausdrücklich zu. Aber Du könntest Dir den Artikel vielleicht genauer durchlesen. Dann stolperst Du nämlich hierüber:
Auch religiös motivierte Ethiken geben Antworten auf die Frage, wie gehandelt werden soll. Im Unterschied zu philosophisch begründeten Ethiken beanspruchen diese jedoch nicht in jedem Fall, dass ihre Antworten auf für jeden nachvollziehbare Argumente gegründet sind, sondern können sich etwa auf eine göttliche Offenbarung als Quelle von Handlungsnormen berufen (siehe etwa die Sollens-Aussagen der Zehn Gebote im Judentum).

Ergo: um Ethik zu vermitteln, bedarf es NICHT eines Einheitsfaches für ALLE. Dieser Unterricht reißt zudem die jeweilige Ethik aus dem Zusammenhang!
Manchen Satz eines Philosophen versteht man nur dann richtig, wenn man dessen Werk eingehender kennen gelernt hat. Hierzu gehört etwa die Frage aus der Metaphysik, ob der Mensch determiniert sei oder nicht!
Für diese notwendige Vertiefung bietet dieser Unterricht keinen Raum.
Letztlich ist die Vorstellung eines Gegensatzes zwischen Ethik und Religion jeweils an für sich Relikt der Geisteswelt, die die Aufklärung bestenfalls durchlebte. Ebenso wie die Vorstellung eines Gegensatzes von Religion und Staat von vorgestern ist.


elysian hat geschrieben:
Da vergleichst Du Birnen mit Äpfeln.
Es geht hier nicht darum, ob ich ein Fach für Zeitverschwendung halte oder es mich rein subjektiv belastet.
Hier geht es darum, dass nichtreligiöse Schüler die Fächermenge x abarbeiten, religiösen Schülern dagegen x+1 abverlangt wird, statt religiösen und nichtreligiösen Schülern die Wahl zwischen einem religiösen und einem areligiösen Fach zu gewähren.

Nein, es wird ihnen nicht abverlangt, sie belegen es freiwillig.
Ich will es noch einmal betonen: Die religiöse Einstellung eines jeden Menschen, ist seine absolute Privatsache und hat auch wenig bis nichts mit echtem Wissen zu tun. Ich sehe jede Religion deshalb als eine Art Hobby, dem man gerne nachgeht, so wie andere Menschen andere Hobbys haben, wie z. B. Angeln, Segeln, Skifahren oder auch lesen. Deshalb könnte m.M.n. die Vermittlung der jeweiligen Religion auch in den dazu gehörigen religiösen Einrichtungen - also z. B. Kirche, Synagoge oder Moschee statt finden - eben dort, wo sie auch gepflegt wird. Aus diesem Grunde sehe ich auch den Bau von neuen Moscheen oder Tempeln durchaus positiv, denn die meisten Religionen brauchen natürlich Orte, an denen sie ausgeübt werden können. Damit sehe ich auch die Religionsfreiheit gewahrt.


Das ist falsch. Wer Religion belegen will, dem wird sehr wohl abverlangt, ein zusätzliches Fach zu belegen und damit mehr Belastung auf sich zu nehmen. Aber fragen wir doch mal umgekehrt. Warum packen wir nicht alle Kinder in den Religionsunterricht und die nichtreligiösen Kinder dürfen sich LER dazu wählen? Ist doch freiwillig! Ist doch toll!
Oder noch strenger gefragt: Wieso bieten wir einfach gar nichts davon verpflichtend an, sondern alles freiwillig? Mal sehen, wer dann noch wo hingeht....
Die religiöse Einstellung eines Menschen ist sicherlich sein persönliches Recht, aber Religion hat ausgesprochen viel mit Wissen zu tun.
Und auch die religiöse Einstellung ist ein in der Öffentlichkeit zu schützendes Gut und nicht ein bösartiges Übel, das in vier Wände gesperrt gehört!
Die Vermittlung von Religionen kann natürlich auch in den Moscheen und Kirchen stattfinden, in Betschulen und sonstwo. Aber wir wissen auch, dass dort, wo dies geschieht, Fundamentalismus Boden gewinnt. Tolle Zukunft!
Damit sehe ich auch die Religionsfreiheit gewahrt.

Also auf diesen Satz muss ich nochmal dezidiert eingehen.
Da alle Grundrechte grundsätzlich gleichwertig sind, bedeutet Dein Gedanke, auf die Meinungsfreiheit übertragen, folgendes und findet sich interessanterweise in dem Vorschlag der islamischen Konferenzteilnehmer am Rassismusgipfel wieder:
Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit wird gewahrt, indem jedem seine persönliche Meinung zugebilligt wird, die er auch gerne in seinen vier Wänden verkünden darf. Oder in vom Staat dafür vorgesehenen Räumen. Darüber hinaus muss man das Recht der Meinungsfreiheit aber als Verbot des Missbrauchs dieses Rechtes verstehen.....!!!
Denk mal darüber nach!
sic transit gloria mundi