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Moderator: Barbarossa

 
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dieter
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 12:58

Lia hat geschrieben:
Ich ziehe mich hier raus, mir unsoziales Verhalten vorwerfen zu lassen, habe ich nicht nötig.
Wer Finnland will, solte erstmal genau eruieren, wie es dort geht und muss tief in die Tasche greifen, und im hoch gelobten Skandinavien vermehren sich kritische Stimmen zum Bildungswesen.

Liebe Lia,
wer hat Dir unsoziales Verhalten vorgeworfen, :?: ich nicht. Du kämpfst einen Phantomkampf. :wink: :mrgreen:
Übrigends Finnland hat zwei Lehrer pro Klasse und einen Psychologen und ist deshalb Vorbild für mich. :wink:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
 
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dieter
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 13:15

Marek1964 hat geschrieben:
Marek1964 hat geschrieben:
Lieber Marek,
das ist die entscheidende Frage. Ich habe nur den Schulalltag unsers Sohnes geschildert und muß feststellen, dass sich bei unserer Enkeltochter, die nun im 2. Schuljahr ist, nichts geändert hat. :roll: Ich habe nur meine Beobachtung bezüglich der Schule geschildert und die sind meiner persönlichen Meinung nach nicht abwegig. :wink: Wir haben unsern Sohn bis zum 1)Abi gebracht und hoffen, dass das unserer Schwiegertochter mit ihren Kindern auch gelingt. Sein Studium hat er dann schon allein sehr erfolgreich abgeschlossen. :wink:


Naja, lieber Dieter,
Du hast Lia geschrieben:

dieter hat geschrieben:
Wenn Du nicht bereit bist Deine Lebenseinstellung zu ändern, dann darfst Du Dich nicht wundern, wenn alles beim Alten bleibt. :roll: Nur um mehr Unterstützung fordern und sonst nichts machen, kann es nicht bringen.


1)Das ist doch unnötig persönlich. Ausserdem aber am Thema vorbei: Lia hat ja geschrieben, dass GEW und Philologen Verband in vielen Fragen an einem Strick ziehen. Wenn ich das richtig verstanden habe, heisst das übersetzt, linke und rechte Lehrer sind einer Meinung und üben also schon Druck aus. Was soll dann dieser Satz "sonst nichts machen"? Sie machen ihren Job und formulieren ihre Vorschläge.

und:

dieter hat geschrieben:
Damit, dass Du Geld für Nachhilfe-Stunden nimmst, unterstützt Du doch das System, wie es heute ist und darfst Dich nicht wundern, dass nichts besser wird


2)Auch das ist auch weit her geholt und unnötig persönlich. Nachhilfestunden geben ist sicher keine "Unterstützung des Systems", sodern, wie Lia geschrieben hat, einerseits ihrer persönlichen Situation nach einem Schicksalsschlag geschuldet, zum anderen eine Hilfe für die Betroffenen, deren Nachhilfebedarf aus mannigfaltigen Situationen entstehen können. Ich gebe übrigens auch Nachhilfe, dem Sohn meiner Freundin, Deutsch, dies nach einem Schulwechsel, wo ein anderer Lehrplan nun ein Nachlernen in Deutsch erfordert (hier in Tschechien). Nicht dem Schulsystem geschuldet.

Lieber Marek,
zu1) Im GEW ist Lia nicht, sie hat auch nicht geschrieben, dass sie im Philologen Verband ist. Somit kann sie keinen Druck zur Besserung der Verhältnisse ausüben. Das ist nicht unnötig persönlich, sie hat sich über diese persönlichen Verhältnisse beklagt, dann muß sie sich auch Ratschläge gefallen lassen. Ich habe das bei meinen 13 Jahren und den 13 Jahren unsers Sohnes erlebt, es wurde von Lehrerseite immer gemault, sie sagten auch dass sie mit einem Bein im Zuchthaus ständen und gemacht wurde nichts, sodass sich auch nichts änderte. :evil:
zu2)Lieber Marek,
das ist auch nicht weit hergeholt und unnötig persönlich, sie hat ihre persönlichen Verhältnisse geschildert, da muß sie sich auch eine persönliche Antwort gefallen. Natürlich unterstützt sie mit ihren Nachilfestunden des herrschende System. Es kann sich erst etwas ändern, wenn Ganztagsschulen überall eingeführt wurden und die Hausaufgaben in der Schule gemacht werden können und man einen Lehrer, der die Aufsicht führt fragen kann, wenn man etwas nicht begriffen hat. :wink:
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Marek1964
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 13:50

Lieber Dieter,

es war nur ein Vermittlungsversuch und Darstellung einer neutralen Sichtweise. Schlage vor, wir lassen das jetzt ruhen. Individuelle Erfahrungen können interessant sein, aber auch zu persönlichen Diskussionen aneinander vorbei führen, und sind vor allem nicht represäntativ für das Ganze.

Kehren wir zum finnischen Modell zurück, wo Du und Lia Euch im Grunde einig seid und sich das mit der Quelle bei wiki deckt: Vor allem im Grundschulwesen wird viel mehr gemacht und wesentlich mehr Geld in die Hand genommen.

Wie Du sagst und Lia fordert, gibt es dort eben Lehrer und Psychologen und man legt den Jungen einen Grundstock fürs Leben, geht auf individuelle Stärken und Schwächen ein, übrigens etwas was auch ein individueller Nachhilfeunterricht bieten kann, deshalb ist eine Ganztagesschule hier auch wieder nur teilweise von Nutzen.

Auf den ersten Blick überzeugt mich dieses Konzept überaus. Wichtig sind die ersten Schuljahre, da formt sich das Lernverhalten und das kommt dann später zu Nutze, ich kann mir auch vorstellen, dass die Schüler an Mittel- und Hochschulen selbständiger, zielorientier und verantwortungsbewusster sind.

Und abschliessend beantwortet das ja auch die Ausgangsfrage von Noswell zu diesem Thread: Wissensvermittler und Psychologe ist offensichtlich sehr schwer zu kombinieren (wurde ja auch Lia so geschildert) und also, vor allem wohl im Grundschulalter, von Vorteil voneinander personell zu trennen.
 
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dieter
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 15:48

Lia hat geschrieben:

Wer Finnland will, solte erstmal genau eruieren, wie es dort geht und muss tief in die Tasche greifen, und im hoch gelobten Skandinavien vermehren sich kritische Stimmen zum Bildungswesen.

Lieber Marek,
vielen Dank für Deinen Vermittlungsversuch. :) Oben nochmal das Zitat von Lia, das sieht nicht so aus, als ob sie für das finnische Modell wäre. :wink:
Gott sei Dank gibt es auch vernünftige Lehrer, meistens Männer die ich bei dem Schulbesuch unsers Sohnes kennen lernen durfte. Bei mir war das noch ganz anders, ich war in meiner Schulzeit von Offizieren und alten Nazis umgeben. Wobei es für die Offiziere unter ihrer Würde war, die Kinder von Arbeitern und kleinen Angestellten zu unterrichten. Bedauerten, dass es in Hessen kein Schulgeld mehr gab. :evil: Ein Adeliger, den wir immer nur "zu Sauhügel" nannten, tat sich dabei besonders hervor. :wink: :mrgreen: Die alten Nazis akzeptierten uns wenigstens, weil wir auch Deutsche waren, leugneten aber den Holocaust mit der Aussage: "Ein deutscher Soldat macht so was nicht", so dass sie heute in keinen Schuldienst mehr kämen.
Mit Solchen Menschen hatten wir uns rumzuärgern. Bei unserem Sohn waren die Frauen so eingeschnappt, die Klasse hatte ein Abschiedsgeschenk ihr zum Übergang in die Oberstufe gemacht, unser Sohn war auf einer additiven Gesamtschule und ging wie seine Klassenkammeraden dann auf das Oberstufengymnasium, sie lehnte das Geschenk, ab weil ihr die Klasse zu frech war. :roll:
Ich weiß nicht, ob Du das deutsche Schulmodell, was es so nicht gibt, weil Kultus Sache der Länder ist, kennst :?: Du kannst auf allen Gebieten was erleben. :wink: :mrgreen:
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Marek1964
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 15:59

Naja, Lias Standpunkt erwähnt, dass das finnische Modell mehr Geld kostet und dass sich kritische Stimmen mehren (vielleicht gerade deshalb). Vielleicht führt sie das ja nochmal aus.

Wie gesagt, die Systeme in Deutschland kenne ich nur rudimentär. Ich habe meine Schulzeit in der Schweiz absolviert und man hatte auch mit dem einen oder anderen Lehrer so seine Erfahrungen, ähnlich wie Du sie beschreibst. Linke wie rechte und auch solche, deren politische Orientierung nicht zu erkennen war (eigentlich die Mehrheit). Das ist aber auch drei Jahrzehnte her.

Darüber, wie es heute ist, weiss ich sehr wenig, aber dass es für die Lehrer nicht einfacher geworden ist, scheint unbestritten.
 
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dieter
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 16:10

Lieber Marek,
es war für die Lehrer noch nie einfach. Durch unser Enkelkind Celina, bin ich über die heutige Zeit einigermaßen orientiert. Im ersten Schuljahr traute sich unser Enkelkind nicht allein in die Schule, weil sie Angst hatte auf dem Schulweg von Jungens abgepasst zu werden. In ihrer Klasse sind von 22 Kindern 19 ausländische Kinder und nur drei deutsche. Ein Mädchen wurde in den Bauch getreten und ein anderes als Opferlamm bezeichnet. Sie hatten im ersten Jahr eine Schweizerin mit afghanischen Hintergrund, die Gott sei Dank schwanger wurde. Sie hat sich um die Übergriffe nie gekümmert. Jetzt hat Celina eine andere Lehrerin, die Scheint besser zu sein. :wink:
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Marek1964
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 16:25

Früher hatten die Lehrer einfach kraft ihres Amtes mehr Autorität. Wurde der Schüler in der Schule getadelt, kriegte er auch Ärger mit denn Eltern. Man vertraute viel mehr den Lehrern.

Heute wird alles hinterfragt, ist der Schüler nicht gut, sucht man viel mehr beim Lehrer oder der Schule die Fehler als heute.
 
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dieter
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 16:29

Lieber Marek,
solche Taten, sind aber zu unterbinden, die jetzige Lehrerin scheint das zu schaffen. :wink:
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Marek1964
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

08.05.2014, 16:39

dieter hat geschrieben:
Lieber Marek,
solche Taten, sind aber zu unterbinden, die jetzige Lehrerin scheint das zu schaffen. :wink:


Absolut. Aber leider auch nicht das erste Beispiel, das ich mitbekomme. Es gab leider schon immer Autoritäten, die sich nicht um lästige Konflikte kümmern wollten, die eigentlich in ihrem Verantwortungsbereich liegen.

Betrifft auch nicht nur Lehrer.
 
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dieter
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

09.05.2014, 11:30

Marek1964 hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Lieber Marek,
solche Taten, sind aber zu unterbinden, die jetzige Lehrerin scheint das zu schaffen. :wink:


Absolut. Aber leider auch nicht das erste Beispiel, das ich mitbekomme. Es gab leider schon immer Autoritäten, die sich nicht um lästige Konflikte kümmern wollten, die eigentlich in ihrem Verantwortungsbereich liegen.

Betrifft auch nicht nur Lehrer.

Lieber Marek,
das mag so sein, dann haben diese Personen ihren Beruf verfehlt. :evil:
Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu.
 
RedScorpion

Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

09.05.2014, 13:07

Marek1964 hat geschrieben:
Früher hatten die Lehrer einfach kraft ihres Amtes mehr Autorität. Wurde der Schüler in der Schule getadelt, kriegte er auch Ärger mit denn Eltern. Man vertraute viel mehr den Lehrern.

Heute wird alles hinterfragt, ist der Schüler nicht gut, sucht man viel mehr beim Lehrer oder der Schule die Fehler als heute.


Vom Prinzip her aber doch eigentlich nicht schlecht, oder?

Die Schule ist eben halt in der Moderne und in der Demokratie angekommen (bzw. andersherum).


Und dal liegt genau das, was ich an Lehrern (und Lia hier) kritisiere:

Sich ständig zu beschweren, einen auf Aufopferung und besondere Verantwortung und so zu machen (was bestimmt auch teilweise zutrifft), dann Sprüche abzulassen wie "Das steht nicht im Vertrag" (was ja stimmen mag) und zu behaupten, in der DDR und anderswo sei's besser gewesen (hier allerdings pack' ich mir anne Birne) bzw. in anderen Branchen säh's aber ja sooo viel besser aus (aha),
und dann beleidigt.



A bisserl weltfremd, oder?



LG
 
Renegat
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

09.05.2014, 15:49

RedScorpion hat geschrieben:
.....und dann beleidigt.


Lias Gründe kenne ich natürlich nicht genau, es ging auch um den Diskussionsstil. Und der ist wieder mal "unter aller Kanone". Babylon5 hat sich auch nicht wieder geäußert. Da müßt ihr ´halt alleine weiterboxen. Diskutieren kann man das kaum nennen.
 
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Marek1964
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

09.05.2014, 20:32

RedScorpion hat geschrieben:
Marek1964 hat geschrieben:
Früher hatten die Lehrer einfach kraft ihres Amtes mehr Autorität. Wurde der Schüler in der Schule getadelt, kriegte er auch Ärger mit denn Eltern. Man vertraute viel mehr den Lehrern.

Heute wird alles hinterfragt, ist der Schüler nicht gut, sucht man viel mehr beim Lehrer oder der Schule die Fehler als heute.


Vom Prinzip her aber doch eigentlich nicht schlecht, oder?


Kommt auf das Mass drauf an. Der Wille, zu lernen und zu leisten muss von zu Hause kommen.


RedScorpion hat geschrieben:
Und dal liegt genau das, was ich an Lehrern (und Lia hier) kritisiere:

Sich ständig zu beschweren, einen auf Aufopferung und besondere Verantwortung und so zu machen (was bestimmt auch teilweise zutrifft), dann Sprüche abzulassen wie "Das steht nicht im Vertrag" (was ja stimmen mag) und zu behaupten, in der DDR und anderswo sei's besser gewesen (hier allerdings pack' ich mir anne Birne) bzw. in anderen Branchen säh's aber ja sooo viel besser aus (aha),
und dann beleidigt.

A bisserl weltfremd, oder?

LG


Das ist ziemlich knallhart ausgedrückt, aber irgendwo hast Du recht. Es ist schon so, der Leistungsdruck ist in vielen Branchen und Berufen härter geworden, nicht nur im Lehrberuf.

Deshalb erstaunt mich auch das nicht sehr überzeugende argumentative Geschick und die Dünnhäutigkeit. Den eigenen Berufsstand gegen welche Argumente auch immer verteidigen zu können müsste doch eigentlich ein leichtes sein für jemanden, für den Kommunikation zur Kernkompetenz gehört.
 
Babylon5
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

09.05.2014, 21:39

Renegat hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:
.....und dann beleidigt.


Lias Gründe kenne ich natürlich nicht genau, es ging auch um den Diskussionsstil. Und der ist wieder mal "unter aller Kanone". Babylon5 hat sich auch nicht wieder geäußert. Da müßt ihr ´halt alleine weiterboxen. Diskutieren kann man das kaum nennen.


Genau aus dem Grund habe ich mich auch nicht weiter geäußert. Wenn es nur nóch auf "das habe ich nicht gesagt" und "das habe ich gesagt" hinausläuft, mag ich eigentlich auch nicht.
Danke an Marek, du hast alles versucht, und deswegen versuche ich auch noch mal etwas....
 
Babylon5
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Re: Lehrer als Wissensvermittler oder als Psychologe?

09.05.2014, 21:54

RedScorpion hat geschrieben:
Marek1964 hat geschrieben:
Früher hatten die Lehrer einfach kraft ihres Amtes mehr Autorität. Wurde der Schüler in der Schule getadelt, kriegte er auch Ärger mit denn Eltern. Man vertraute viel mehr den Lehrern.

Heute wird alles hinterfragt, ist der Schüler nicht gut, sucht man viel mehr beim Lehrer oder der Schule die Fehler als heute.


Vom Prinzip her aber doch eigentlich nicht schlecht, oder?

Die Schule ist eben halt in der Moderne und in der Demokratie angekommen (bzw. andersherum).


Alles eine Sache der Dosierung. Sicherlich ist es nicht schlecht, wenn der Lehrer keine blinde Verehrung mehr erfährt, aber was an deutschen Schulen so abgeht, geht weit über "Demokratie" hinaus. Und das liegt an der oft miserablen Gesetzgebung.
Das hessische Schulgesetzt z.B. schreibt vor, daß der Elternwille letztendlich auschlaggebend dafür ist, welche weiterführende Schule nach der grundschule besucht wird, die Grundschulen an sich sprechen nur Empfehlungen aus. Gymnasien sind daher z.B. verpflichtet auch Schüler aufzunehmen, die keine Gymnasialempfehlung haben. Allerdings schreibt das Gesetz vor, daß am Ende der fünften Klasse das Gymnasium entscheidet, ob das Kind ohne Empfehlung den Leistungsanforderungen entspricht oder nicht. Im letzteren Fall wird es in die realschule querversetzt.
Eine Unzahl von Eltern ist nun der Meinung, daß ihre Kinder vom bösen Lehrer die falsche Empfehlung bekommen haben und melden ihre Kinder dann auf einer für sie ungeeigneten Schule an. Bei meinem Sohn in der Klasse waren es 5 von 29. Drei wurden am Ende der 5. Klasse querversetzt. Einer blieb in der sechsten Klasse sitzen und die Eltern entscheiden sich, jetzt doch zur Realschule zu wechseln. Der letzte mußte dann die 7. Klasse wiederholen, nachdem er die 5. und 6.mit angelegten Ohren geschafft hatte.
Und jetzt treiben es die Eltern dann noch doller: Um zu verhindern, daß das ungeeignete Kind querversetzt wird, wird die Empfehlung durch massiven Druck erzwungen und mit Klage gedroht...
Und gleichzeitig darf die weiterführende Schule Kinder nicht ablehnen, die nicht geeignet scheinen...

Bei so etwas wundere ich mich dann nicht mehr, wenn Lehrer die Motivation verlieren.
Aber das ist nun mal nicht das Versagen der Lehrer, sondern der Gesetzgebung...

ich würde ja so halbwegs verstehen, wenn die Eltern dann gegen die Noten Amok laufen, wenn die Noten für die weiterführende Schule ausschlaggebend wären. Sind sie aber nicht. ..