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Moderator: Barbarossa

 
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Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

14.06.2010, 00:58

elysian hat geschrieben:
...Rot-Grün will die Einheitsschule und ich bin, wie viele andere m.E. auch, gegen Einheitsbrei. Mir sind die Gymnasien lieb und teuer und vor allem will ich, dass das Geld in eine Verbesserung des schulischen Ausbildung gesteckt und nicht für ideologische Steckenpferdchen verbraten wird...


Ich sehe diese Mehrgleisigkeit beim Schulsystem eher kritisch. In der DDR gab es das auch nicht, sondern es gab für die große Mehrheit eine POS (Polytechnische Oberschule), die bis zur 10. Klasse ging. Wer dann die Leistung brachte (nur mit Durchschnitt 1 nach meinem Wissen), konnte zur EOS (Erweiterte Oberschule) und in den Klassen 11 und 12 (ebenfalls keine 13.!) das Abitur machen und dann studieren.
Für die besonders schwachen Schüler gab es darüber hinaus eine Hilfsschule und für besonders begabte Schüler gab es dann noch Spezialschulen, z. B. für sportlich besonders begabte Schüler Schulen mit einem Schwerpunkt Sport usw.

Fest steht, daß etwas leistungsschwächere Schüler in der POS mehr gefordert wurden und wer die Leistung dennoch nicht brachte, blieb eben sitzen. Die schwächsten Schüler der POS verließen die Schule dann allerdings auch schon nach der 8. Klasse, wenn die Lehrer einschätzten, daß der betreffende Schüler die Abschlußprüfungen in der 10. Klasse nicht bestehen würde - auch das gab es.
Ich will jetzt mal nicht von den Fächern reden, die klar politisch verseucht wurden, sondern von den naturwissenschaftlichen Fächern, wie Mathematik, Biologie, Physik, Chemie usw.
Tatsache ist auch, daß ein ehemaliger Lehrer von mir bei einem Klassentreffen gesagt hat, daß wir damals in der 10. Klasse mehr Bildung hatten, als die Gymnasiasten heute. Er muß es wissen, denn er war inzwischen Direktor eines Gymnasiums in Hennigsdorf, wo ich aufgewachsen bin.

Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Möglicherweise haben die Lehrer damals einfach mehr Druck gemacht und die Schüler auf diese Weise mehr gefordert.
Andererseits habe ich im Fernsehen auch schon gesehen, daß auch auf heutigen Schülern z. T. ein enormer Druck lastet. Das kann im Extremfall auch zu körperlichen Problemen führen, so daß Besuche beim Psychologen notwendig werden - auch wieder nicht gut. Hier machen aber wohl vor allem die Eltern Duck, weil das Kind ja unbedingt aufs Gymnasium soll und da muß eben der Notendurchschnitt stimmen. In Bayern gibt es die Trennung bereits nach der 4. Klasse. Auch hier habe ich einen Bericht gesehen und da war es so, daß auch hier ein unglaublicher Druck auf die noch kleinen Kinder aufgebaut wurde, der so groß war, daß sie nur noch die Schule und das Lernen im Kopf hatten. Spielen? Hobbys? - Fehlanzeige!
Das fand ich wirklich sehr schlimm, als ich das gesehen habe. Auch aus diesem Grunde bin ich eigentlich gegen diese Trennung in verschiedene Schultypen vor der 10. Klasse.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund:
Dadurch, daß es anscheinend höherwertige und weninger hochwertige Schultypen gibt, findet frühzeitig schon im Kindesalter eine Einteilung in Schüler (=Menschen) 1., 2. und möglicherweise noch 3. Klasse statt, wodurch der Lebensweg viel zu früh bereits vorgezeichnet wird und Hauptschüler in irgendeinem Bundesland (ich weiß nicht mehr welches) werden gleich ganz abgeschrieben und denen wird klar gesagt, daß aus ihnen beruflich nichts wird und lernen schon im Unterricht, wie man einen Hartz IV-Antrag ausfüllt und was man sich von Hartz IV leisten kann und was nicht.
Und die Gymnasiasten? Die kommen sich schon frühzeitig als etwas besseres vor und treten gegenüber Gleichaltrigen anderer Schultypen hochnäsig auf.
Das soll besser sein? Das kann ich nicht finden.

Irgendwo wurde auch das Schulsystem der DDR gelobt, weil das Lernniveau eben gut war. Ein gleichmäßiges Lernen auf hohem Niveau ist aus meiner Sicht besser, als ein übermäßiger Druck in bestimmten sogenannten "wichtigen" Klassen. Das gewährleistet das derzeitige Schulsystem in Deutschland nicht.
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elysian
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

15.06.2010, 00:21

Fest steht, daß etwas leistungsschwächere Schüler in der POS mehr gefordert wurden und wer die Leistung dennoch nicht brachte, blieb eben sitzen


Ich will jetzt sicher nicht eine Debatte übers Sitzenbleiben starten. Das wird ja auch kritisch hinterfragt. (Abbruch sozialer Bindungen etwa...kann man auch GANZ schlimm finden; andere sehen darin eine Demütigung)
Aber wir kommen hier ja doch in eine Schwierigkeit: die Höhe des Niveaus. Ist es ziemlich hoch, bleiben Schüler, die jetzt die Hauptschule besuchen würden, recht häufig sitzen und werden frustriert, wenn sie dieselbe Klasse vielleicht drei Mal machen müssen, bevor sie die Schule abbrechen...
Ist das Niveau zu niedrig, werden die sehr guten Schüler nicht hinreichend gefordert.
Bei leistungsschwachen Kindern sollte übrigens mehr das Fördern im Vordergrund stehen. ;)
Mein Argument ist, dass das individuelle Fördern und Fordern im gegliederten Schulsystem ebenso gut praktiziert werden kann, wie bei einer Einheitsschule. Da tut sich nix. Und weil keine Form Vorteile bietet, sehe ich nicht ein, dass aus Ideologie das Geld für die Form verpulvert wird, statt Schule als individuelles Training zu verbessern!

Tatsache ist auch, daß ein ehemaliger Lehrer von mir bei einem Klassentreffen gesagt hat, daß wir damals in der 10. Klasse mehr Bildung hatten, als die Gymnasiasten heute. Er muß es wissen, denn er war inzwischen Direktor eines Gymnasiums in Hennigsdorf, wo ich aufgewachsen bin.


"Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."
:mrgreen:
Also mit Verlaub, auch Lehrer irren (oft) und diese Jammertiraden kenne ich von meinen Gymnasiallehrern und meinen vormaligen Gesamtschullehrern (Gesamtschule ist das System, welches beim Umstieg auf eine Einheitsschule verwendet würde; auch ich spreche hier also aus Erfahrung! ;) ) und davor von meinen Grundschullehrern. Früher waren die Schüler immer alle besser....
Davon abgesehen kann es ja sein, dass die Aussage für seine Schule zutrifft, aber diese Aussage ist nicht verallgemeinerungsfähig.
Übrigens liegen die nur gegliederten Süddeutschen bei den Leistungserhebungen interessanterweise oft recht weit vorne, um mal britisches understatement zu bemühen.

Auch hier habe ich einen Bericht gesehen und da war es so, daß auch hier ein unglaublicher Druck auf die noch kleinen Kinder aufgebaut wurde, der so groß war, daß sie nur noch die Schule und das Lernen im Kopf hatten. Spielen? Hobbys? - Fehlanzeige!


Hier muss man differenzieren. Es ist heuer ein breit verbreitetes Phänomen, angefangen von Teletubbies und ähnlichem Schund, dass Eltern meinen, ihre Kinder müssten möglichst schnell möglichst alles möglichst perfekt erlernen. Und dann kommt es zu diesen Auswüchsen. Ferner herrscht der Irrglaube vor, man müsse heuer unbedingt Abitur haben. Ansonsten könne man sich gleich erschießen. Dein Beispiel mit Grundschülern ist doch nichts, was wir nicht schon kennen. Schau Dir doch mal die Debatten um das zwölfjährige Abitur an, welches in dem von Dir gelobten System der Standard war! In dieser Diskussion werden doch dieselben Argumente vorgetragen! Und nach dem Abi die Uni oder FH, wo der Bachelor- und Masterwahnsinn kritisiert wird. Da allerdings durchaus zu Recht, weil hier vor allem das Studium als solches und der nach humboldtschem Ideal nötige und eigentlich gewünschte Forscherdrang leidet.

Dadurch, daß es anscheinend höherwertige und weninger hochwertige Schultypen gibt, findet frühzeitig schon im Kindesalter eine Einteilung in Schüler (=Menschen) 1., 2. und möglicherweise noch 3. Klasse statt, wodurch der Lebensweg viel zu früh bereits vorgezeichnet wird und Hauptschüler in irgendeinem Bundesland (ich weiß nicht mehr welches) werden gleich ganz abgeschrieben und denen wird klar gesagt, daß aus ihnen beruflich nichts wird und lernen schon im Unterricht, wie man einen Hartz IV-Antrag ausfüllt und was man sich von Hartz IV leisten kann und was nicht.


Mit Verlaub, aber das ist doch Quatsch! Gerade an den Hauptschulen gibt es sehr viele äußerst engagierte Lehrer, die sich sehr für ihre Schüler einsetzen. DIe Einteilung auf verschiedene Schulformen hat auch nichts mit dem Wert eines Menschen oder einer Schulform zu tun. Die verschiedenen Schulformen gehen lediglich in der Wissensvermittlung differenzierte Wege, die aber auch hinsichtlich der intellektuellen Fähigkeiten der jeweiligen Schüler erforderlich sind. Man kann einen Hauptschüler nicht abstrakte Formeln rechnen lassen! Beziehungsweise: es ist nicht sehr sinnvoll, weil er es auf diese Weise nur sehr schwer lernt. Vorgezeichnet wird da auch nichts. Auf unser Gymnasium wechselten jedes Jahr einige Hauptschüler. Für viele von ihnen war die Diskrepanz zu groß und sie schafften das Abitur nicht. Aber manch einer eben doch. Die Durchlässigkeit war gegeben. Auch an einer Einheitsschule wird übrigens deswegen differenziert. Nur dass die Schüler nicht nach Schulen, sondern nach Kursen unterteilt werden. Sind dann diese Kurse menschenverachtend?
Natürlich kann man auch alle in eine Klasse stecken. Doch seien wir ehrlich: dann muss jeder einzelne Schüler GANZ INDIVIDUELL betreut werden. Das bedeutet Klassen bis zu 15 Schülern bei immer 2 anwesenden Lehrkräften! DAS ist der Grund, warum das gemeinsame Lernen in Finnland so gut funktioniert. Kann man alles machen, aber wir haben, nicht zuletzt in Nordrheinwestfalen, das Problem, dass wir das Geld für diese Veränderung nicht haben. Das heißt, wir bekämen die Einheitsschule mit Kursen, die keinen Vorteil bieten. Was meinst Du denn, wie z.B. Arbeitgeber auf Bewerbungen von Gesamtschülern reagieren? Die schauen sich an, welche Schule das ist und was sie von der Schule wissen und dann geht der Blick auf.....genau! Die Kurse!
Ich kann mich nur wiederholen: nicht die Schulstruktur ist ein Problem, sondern der Schulinhalt!

Und die Gymnasiasten? Die kommen sich schon frühzeitig als etwas besseres vor und treten gegenüber Gleichaltrigen anderer Schultypen hochnäsig auf.
Das soll besser sein? Das kann ich nicht finden.


Ich war Gesamtschüler und ich war Gymnasiast und wenn Du mich fragst, stimmt das so pauschal nicht, sondern entspringt eher der Vorstellung derjenigen, die nicht Gymnasiasten waren und das irgendwo als Makel empfinden und m.E. deshalb einen Minderwertigkeitskomplex haben. Dass es Einzelne gibt, die sich hochnäsig verhalten, das mag sein. Arroganz ist aber eine menschliche Eigenschaft, die den Nichtgymnasiasten genauso gemein ist und sich an anderer Stelle ebenso äußert. (z.B. Sprüche wie:"Du bist zwar schlau, aber dafür will Dich keiner!" usw.)
p.s.
oh, da fällt mir noch ein schönes Beispiel ein:
http://www.youtube.com/watch?v=1RucrpBU ... re=related
speziell 2:25 ;)
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

15.06.2010, 01:32

Dadurch, daß es anscheinend höherwertige und weninger hochwertige Schultypen gibt, findet frühzeitig schon im Kindesalter eine Einteilung in Schüler (=Menschen) 1., 2. und möglicherweise noch 3. Klasse statt, wodurch der Lebensweg viel zu früh bereits vorgezeichnet wird und Hauptschüler in irgendeinem Bundesland (ich weiß nicht mehr welches) werden gleich ganz abgeschrieben und denen wird klar gesagt, daß aus ihnen beruflich nichts wird und lernen schon im Unterricht, wie man einen Hartz IV-Antrag ausfüllt und was man sich von Hartz IV leisten kann und was nicht.


elysian hat geschrieben:
Mit Verlaub, aber das ist doch Quatsch! Gerade an den Hauptschulen gibt es sehr viele äußerst engagierte Lehrer, die sich sehr für ihre Schüler einsetzen. DIe Einteilung auf verschiedene Schulformen hat auch nichts mit dem Wert eines Menschen oder einer Schulform zu tun. Die verschiedenen Schulformen gehen lediglich in der Wissensvermittlung differenzierte Wege, die aber auch hinsichtlich der intellektuellen Fähigkeiten der jeweiligen Schüler erforderlich sind...


Quatsch ist das nicht, sondern eine Tatsache. Ich hab es ja in dem Bericht selbst gesehen. Allerdings ist diese "Wissensvermittlung" sehr umstritten - der betreffende Lehrer hat seine "Lehrmethode" aber verteidigt. Und übrigens hat eine weitere Schülerin unabhängig von dem Bericht genau das gleiche berichtet. Solche "Lehrninhalte" scheinen sich also auszubreiten.
Leider wird das auch von der Wirtschaft so gesehen und dort hat man anscheinend die Erfahrung gemacht, daß der Bildungsstand von Gymnasiasten gerade ausreicht, um eine Lehrstelle in einem handwerklichen Beruf ergreifen zu können. Die Schüler aus den übrigen Schulformen erfüllen angeblich meist nicht einmal die Anforderungen in Mathematik und Deutsch.
Solche Äußerungen erschrecken mich besonders und zwar schon deshalb, weil das Gymnasium die Schüler auf ein Studium vorbereiten soll und nicht für eine normale Lehrstelle!
Wie kann so etwas sein?
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elysian
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

17.06.2010, 09:07

Der Wert eines Menschen bestimmt sich definitiv nicht nach dessen Schullaufbahn!
Es ist auch nicht richtig, dass es an den Hauptschulen üblich wäre, die Schüler in "Hartz4" auszubilden. Es gibt immer irgendwo Einzelfälle. Das will ich nicht bezweifeln. Dass man aber hergehen könne, wie Du das machst, diesen Fall zu verallgemeinern, DAS geht nicht. Dasselbe machst Du ja übrigens auch bei Deiner Aussage über Gymnasiasten, die ja alle nur arrogante Schnösel wären. Diese Vorurteile hörte ich an der Gesamtschule zwei Jahre lang. Dann wechselte ich auf das Gymnasium und siehe da: es waren tatsächlich nur Vorurteile. Die Realität sah anders aus. Natürlich gab es auch am Gymnasium nicht nur tolle Menschen. Gab auch genügend Spinner und miese Typen. Ebenso wie an der Gesamtschule.
Übrigens war die Gesamtschule in meinem Heimatort die Nachfolgeschule der hiesigen Hauptschule. Dadurch haben wir auch einiges über das Hauptschulsystem mitbekommen. Im Übrigen gibt es aber auch diverse Reportagen und offizielle, regelmäßige Untersuchungen bezüglich der Hauptschule und der dortigen Arbeit und Auswertung der angewendeten Lehrkonzepte. Und die sprechen eine andere Sprache.
Dass der Bildungsstand von Gymnasiasten allgemein grad mal für eine Lehrstelle im Handwerk ausreicht und bei den anderen für nicht einmal das, wage ich, auch mit Blick auf die gestiegenen Studentenzahlen an Universitäten und(!) Fachhochschulen, durchaus zu bezweifeln. Da kann man umgekehrt fragen, ob es nicht so ist, dass sich lediglich weniger der Gebildeteren für einen handwerklichen Beruf interessieren. Da spricht m.E. einiges für. Unter anderem der anstehende Arbeitermangel in bestimmten Bereichen. Dann kann durchaus subjektiv der Eindruck entstehen, die Schüler würden immer schlechter, selbst wenn es nicht so ist. Auch hier gilt also: pauschale Aussagen sind grundsätzlich falsch. Es gibt zudem nach wie vor große Unterschiede zwischen einzelnen Schulen. Z.B. haben es einige Schüler des später von mir besuchten Gymnasiums dort nicht geschafft und wechselten dann zur Gesamtschule, auf der ich vorher war. Dort machten sie dann auch Abitur. Was aber nicht an der "Einheit" lag, gabs ja wegen der Kurse auch nicht wirklich, sondern an der anderen Form der Wissensvermittlung. Zum Beispiel wurde auf dem Gymnasium abstraktes Rechnen verlangt. Also mit Buchstaben. An der Gesamtschule hat man bis zuletzt vornehmlich mit Zahlen gearbeitet. Das weiß ich deshalb so genau, weil mein Bruder dort seinen Abschluss gemacht hat. (übrigens kann man m.E. auch nicht pauschal behaupten, alle Gesamtschüler seien doof und bekämen das Abitur geschenkt; nur um das klarzustellen ;) )
Und wieder andere hätten an dieser Gesamtschule kein Abitur machen können. Die wechselten dann auf eine andere Gesamtschule. Dort erlangten sie dann auch das Abitur. Und ich weiß ganz genau, dass diese Schüler mit ihrem Abitur in dieser Region nichts anfangen können, weil jeder Arbeitgeber weiß, dass diese Schule schlecht ist!
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Polit-Onkel
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

26.06.2010, 19:27

Seit Existenz der Schule in der Menschheitsgeschichte gibt es faule, fleissige, motivierte, unmotivierte und andere Schüler. Sogar im Sozialismus in der DDR. Wir haben z.B. den lernschwachen Mitschülern nicht die Bohne geholfen, so toll war das DDR-Bildungssystem wie heute gar nicht, Nachhilfe gabs nicht. Erst ab Gymnasium 11. Klasse, also die gestandenen Lernwilligen, unterstützten sich die Schüler, weil sie auch im entsprechenden Alter waren.
Das Gezeter über die Bildung ist reine Polemik der linken Kräfte. Als ob ein Kind mehr lernen würde, wenn ein Lehrer besser und vermehrter vor der Klasse herumhampelt. Noch unwissenschaftlicher wird das Argument, wenn man noch länger zusammen lernen würde, wäre es besser für die dummen oder lernfaulen Kinder. Sicherlich stimmt an der letzten These zumindest der Effekt, dass Kinder von besseren Kindern lernen. Aber wenn die Klasse sich nicht gegen die dummen oder lernfaulen Kinder behaupten kann, dann bewegt sich die Waage in die andere Richtung, mehrere labile Kinder neigen dann zu den faulen Schülern.
Und gerade diese beschriebene Gefahr wird mit Einheitsschulen gefördert. Die positive Gruppendynamik im Erwachsenenalter wirkt noch nicht bei Kindern. Erst, wie es das DDR-Schulsystem bewiesen hat, ab dem 17./18. Lebensjahr.

Ein weiterer Hintergrund. Es geht um die Migranten und Ausländer, deren Eltern von deutscher Bildung und Kultur einen Hinternwisch halten und ihre Kinder auch dementsprechend erziehen. Sind diese Kinder dann aus der Schule (mit oder ohne Schulabschluß) bekommen sie ebenso wie die deutschen faulen oder unmotivierten Jugendlichen keine Arbeit, hängen rum, liegen dem Steuerzahler auf dem Sack usw. In der Schule grad mal das Nötigste, deren Berufswunsch ist eh Autoschieber, Türsteher, Zureiter oder alle Monate mal Schnellgeldmacher. Diese Jugendlichen wollen keine Bildungschance!! Lernen ist doof und schwer.
Man stelle sich vor, eine 12-zügige Einheitsschule mit 95 Prozent solcher Migrantenkindern auch noch aus aller Herren Länder, es gibt heute schon solche Schulen in vielen Stadtteilen der Republik- dort Rektor oder Lehrer zu sein ist Suizid in Zeitlupe.

Zusatz: eigentlich geht es bei Einheitsschule nur um Geldsparen, Stellenabbau. Eine Schule, mehrere Lehrer fertig. Mehrere Schulen erfordern viel mehr Lehrer. Das ist der eigentliche Grund um das Bildungspalaver.
 
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

26.06.2010, 20:47

Hm - ok, erst mal Danke für deine Meinungsäußerung @Polit-Onkel.
:wink:

Polit-Onkel hat geschrieben:
Seit Existenz der Schule in der Menschheitsgeschichte gibt es faule, fleissige, motivierte, unmotivierte und andere Schüler. Sogar im Sozialismus in der DDR. Wir haben z.B. den lernschwachen Mitschülern nicht die Bohne geholfen, so toll war das DDR-Bildungssystem wie heute gar nicht, Nachhilfe gabs nicht. Erst ab Gymnasium 11. Klasse, also die gestandenen Lernwilligen, unterstützten sich die Schüler, weil sie auch im entsprechenden Alter waren.

Daß es überall auch "faule" (also wenig motivierte) Schüler gab und gibt, ist natürlich richtig.
Ich bin auch wirklich niemand, der den "Sozialismus" in irgendeiner Weise beschönigt (wer mich kennt, der weiß das :wink: ), aber in meiner Schule wurde ein freiwilliger Nachhilfeunterricht nach dem regulären Unterricht eingerichtet. Ich glaube, es war in der 9. Klasse, wo ich selbst freiwillg Nachhilfeunterricht in Mathe genommen habe (war auch bitter nötig :twisted: ) und ich weiß z. B. auch, daß im Schulhort, in den die Schüler der Unterstufe (Klassen 1-4) gehen konnten, Hausaufgaben gemacht werden konnten und diese auch kontrolliert wurden (jedenfalls hat das meine Mutter so gemacht, als sie das kurzzeitig gemacht hat).
Für besonders disziplinlose Schüler, bei denen selbst ein Tadel nichts mehr half, trat eine Konfliktkommission zusammen, die über das weitere Vorgehen entschied.
Es gab übrigens auch Schulverweise und ich habe auch erlebt, daß ein schwieriger Schüler in eine Parallelklasse versetzt wurde. So wie heute, gab es auch in meiner damaligen Schule ein Elternaktiv, das auch Schulprobleme ansprach.

Polit-Onkel hat geschrieben:
Das Gezeter über die Bildung ist reine Polemik der linken Kräfte. Als ob ein Kind mehr lernen würde, wenn ein Lehrer besser und vermehrter vor der Klasse herumhampelt. Noch unwissenschaftlicher wird das Argument, wenn man noch länger zusammen lernen würde, wäre es besser für die dummen oder lernfaulen Kinder. Sicherlich stimmt an der letzten These zumindest der Effekt, dass Kinder von besseren Kindern lernen. Aber wenn die Klasse sich nicht gegen die dummen oder lernfaulen Kinder behaupten kann, dann bewegt sich die Waage in die andere Richtung, mehrere labile Kinder neigen dann zu den faulen Schülern.
Und gerade diese beschriebene Gefahr wird mit Einheitsschulen gefördert. Die positive Gruppendynamik im Erwachsenenalter wirkt noch nicht bei Kindern. Erst, wie es das DDR-Schulsystem bewiesen hat, ab dem 17./18. Lebensjahr.


Zusätzlich zu den von mir bereits angesprochenen Problemen, die die Schulteilung mit sich bringen kann, möchte ich noch einen weiteren Gedanken dazu bringen:
Durch die Aufteilung einer Schulklasse auf verschiedene Schulen werden auch Schulfreundschaften auf eine harte Probe gestellt Klassenkameraden, die viel zusammen waren, werden getrennt, neue Freundschaften müssen erst neu geknüpft werden - auf meinen Sohn kommt das jetzt auch zu und er schließt nur schwer Freundschaften. Auch das kann sich negativ auf die Schulleistungen auswirken.

Polit-Onkel hat geschrieben:
Ein weiterer Hintergrund. Es geht um die Migranten und Ausländer, deren Eltern von deutscher Bildung und Kultur einen Hinternwisch halten und ihre Kinder auch dementsprechend erziehen. Sind diese Kinder dann aus der Schule (mit oder ohne Schulabschluß) bekommen sie ebenso wie die deutschen faulen oder unmotivierten Jugendlichen keine Arbeit, hängen rum, liegen dem Steuerzahler auf dem Sack usw. In der Schule grad mal das Nötigste, deren Berufswunsch ist eh Autoschieber, Türsteher, Zureiter oder alle Monate mal Schnellgeldmacher. Diese Jugendlichen wollen keine Bildungschance!! Lernen ist doof und schwer.
Man stelle sich vor, eine 12-zügige Einheitsschule mit 95 Prozent solcher Migrantenkindern auch noch aus aller Herren Länder, es gibt heute schon solche Schulen in vielen Stadtteilen der Republik- dort Rektor oder Lehrer zu sein ist Suizid in Zeitlupe.

Hier stimme ich dir zu, daß diese Gettoisierung, wie sie stattgefunden hat, nie hätte passieren dürfen. Statt dessen hätte die Kommunal-Politik gleich von Anfang an darauf achten müssen, daß Migranten gleichmäßig über ein Stadtgebiet verteilt werden. Das ist nicht passiert und das ist heftig zu beklagen.

Polit-Onkel hat geschrieben:
Zusatz: eigentlich geht es bei Einheitsschule nur um Geldsparen, Stellenabbau. Eine Schule, mehrere Lehrer fertig. Mehrere Schulen erfordern viel mehr Lehrer. Das ist der eigentliche Grund um das Bildungspalaver.

Na ja - wenn sparen keine Nachteile mit sich bringt, darf auch bei der Bildung mal gespart werden, aber nur dann.

@elysian:
Es kann natürlich sein, daß Berichte im Fernsehen für mich so erscheinen oder vielleicht wirklich so dagestellt werden, als wäre das dort Gesagte allgemeingültig. Da neigt man möglicherweise tatsächlich zur Verallgemeinerung.
:|
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elysian
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

27.06.2010, 13:52

Polit-Onkel hat geschrieben:

Zusatz: eigentlich geht es bei Einheitsschule nur um Geldsparen, Stellenabbau. Eine Schule, mehrere Lehrer fertig. Mehrere Schulen erfordern viel mehr Lehrer. Das ist der eigentliche Grund um das Bildungspalaver.


Auch dem Vorherigen stimme ich zu, aber dieser Punkt ist äußerst wichtig.
Es ist nicht ohne Hintergrund, dass die Befürworter der Einheitsschule darauf verweisen, dass das gegliederte Schulsystem in bevölkerungsarmen und geburtsschwachen Regionen problematisch zu organisieren ist. Dort gibt es dann aber auch diese Sachzwänge, welche eine lokale Einheitsschule sinnvoll erscheinen lassen. Auf das ganze Bundesland, und damit auch auf bevölkerungsreiche und geburtenstarke Regionen, ausgeweitet folgt hieraus schlicht eine Mittelkürzung.
Was mich bei Rot-Grün nicht wundert. Die SPD kürzte ohnehin seit Jahr und Tag im Bildungswesen des Landes NRW (am eigenen Leibe mehrfach bitter erfahren müssen!) und die Grünen haben, als sie mitregieren durften, fröhlich mitgemacht, denn man benötigte das Geld für wichtigere Fragen: z.B. Studien zum gender-mainstreaming hinsichtlich unserer Wälder, also zu gut Deusch wie wohl sich einerseits Mann und andererseits Frau bei Spaziergängen in welchen Arten von Wäldern fühlen... :roll:
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

27.06.2010, 14:04

elysian hat geschrieben:
...man benötigte das Geld für wichtigere Fragen: z.B. Studien zum gender-mainstreaming hinsichtlich unserer Wälder, also zu gut Deusch wie wohl sich einerseits Mann und andererseits Frau bei Spaziergängen in welchen Arten von Wäldern fühlen... :roll:


Das ist natürlich eine "äußerst wichtige" Frage... --> *Kopfkratz* :?
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Polit-Onkel
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

02.07.2010, 00:04

Barbarossa hat geschrieben:
Hm - ok, erst mal Danke für deine Meinungsäußerung @Polit-Onkel.
:wink:
...und ich weiß z. B. auch, daß im Schulhort, in den die Schüler der Unterstufe (Klassen 1-4) gehen konnten, Hausaufgaben gemacht werden konnten und diese auch kontrolliert wurden (jedenfalls hat das meine Mutter so gemacht, als sie das kurzzeitig gemacht hat).
Für besonders disziplinlose Schüler, bei denen selbst ein Tadel nichts mehr half, trat eine Konfliktkommission zusammen, die über das weitere Vorgehen entschied.
Es gab übrigens auch Schulverweise und ich habe auch erlebt, daß ein schwieriger Schüler in eine Parallelklasse versetzt wurde. So wie heute, gab es auch in meiner damaligen Schule ein Elternaktiv, das auch Schulprobleme ansprach.


Ja gibt es alles schon. Sogar in der Grundschule der Hort mit Hausaufgaben bis 4. Klasse :)
Die Ganztagsschule erzieht das Kind übrigens frühzeitig zu einem Achtstunden-Arbeitstag. Die Pharmaindustrie freut es.
 
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

02.07.2010, 03:31

Polit-Onkel hat geschrieben:
Ja gibt es alles schon. Sogar in der Grundschule der Hort mit Hausaufgaben bis 4. Klasse :)
Die Ganztagsschule erzieht das Kind übrigens frühzeitig zu einem Achtstunden-Arbeitstag. Die Pharmaindustrie freut es.


Was hat denn die Pharmaindustrie davon? Das hab ich jetzt nicht verstanden.
Oder meinst du bezüglich Migräneatacken... ?
:roll:
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

07.07.2012, 23:15

Ich lehne das Einheitssystem bereits aus Prinzip ab!
Bei der Trennung der Klassen nach der vierten Klasse ins Dregliedrige war ich sehr froh. In der Beibehaltung des Einheitssystems sehe ich eine Abstufung der Elite und eine Frustration der Schlechteren. Wir sollten die Hauptschule generell aufwerten und diesen Abschluss erstrebenswert machen.

Über dieses Thema habe ich bereits mit einer Lehrerin diskuttiert, die von einer Einheitsschule berichtete, die inzwischen auch wieder in die Klassenarten einteil, dementsprechend wieder dreigliedrig ist.
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

08.07.2012, 10:28

Katenberg hat geschrieben:
Wir sollten die Hauptschule generell aufwerten und diesen Abschluss erstrebenswert machen.

Dass das nicht geht, hat die Praxis erwiesen. Zumindest nicht, solang die Hauptschule die Basis eines mehrgliedrigen Schulsystems darstellt. Die Basis ist dann nämlich gezwungenermaßen auch die niedrigste Ebene, auf der man einen Abschluss erreichen kann, und daher quasi das "Sammelbecken" vür alle, die einen höheren Schulabschluss nicht schaffen können/wollen. Daher muss sich die Hauptschule - wegen der Schulpflicht, die bedeutet, dass jeder Schüler die Chance haben muss, einen Abschluss zu erreichen oder zumindest die Jahrgangsstufe, in der er einen Abschluss machen kann - an den Lernschwächsten orientieren (ewig will man als Lehrer bestimmte Schüler ja auch nicht vor der Nase haben). Der Konvoi fährt immer nur so schnell wie das langsamste Schiff - das ist der Nachteil der Hauptschule innerhalb eines mehrgliedrigen Systems. Sie ist die "Resteschule", ums mal polemisch auszudrücken. Und daher nicht reformierbar.

Katenberg hat geschrieben:
Über dieses Thema habe ich bereits mit einer Lehrerin diskuttiert, die von einer Einheitsschule berichtete, die inzwischen auch wieder in die Klassenarten einteil, dementsprechend wieder dreigliedrig ist.

Das ist auch irgendwie zwangsläufig, wenn man die grundlegenden pädagogischen Grundsätze nicht ganz außer Acht lassen will. Möglichst homogene Klassen fördern deen Lernerfolg der Einzelnen. Siehe das Bild vom Konvoi.

Beppe
 
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Katenberg
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

08.07.2012, 11:16

Wobei es ja in Bayern noch irgendwie zu funktionieren scheint. Eine weitere Bekannte, eine bayrische Realschullehrerin, erzählte, dass eine bayrische Realschulklasse ein besseres Benehmen hätte, als eine hessische Gymnasialklasse...
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

08.07.2012, 12:28

Diese Diskussion wird in Deutschland seit Jahrzehnten politisch auf dem Rücken von Eltern und Kindern ausgetragen. Alle Argumente wurden bereits mehrfach ausgetauscht, ohne dass ein vernünftiger Kompromiss gefunden wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bundesländer die Hoheit beim Schulsystem haben und jedes Land sein eigenes Süppchen kocht.

Mir ist unverständlich, dass wir nicht von anderen Ländern lernen können. Das dreigliedrige Schulsystem scheint eine deutsch/österreichische Spezialität zu sein. In den meisten anderen europäischen Ländern besuchen alle Kinder 10 Jahre gemeinsam eine Schule und einige legen noch 2 Jahre drauf bis zur Hochschulreife. So ähnlich war auch das Schulsystem in der DDR. Es ist kaum anzunehmen, dass die Kinder in anderen Ländern oder damals in der DDR anders sind und waren als heute in D. Inzwischen hat man sogar neue Gymnasien in den östlichen Bundesländern installiert, stimmt das so?
Auf der anderen Seite haben die meisten Gesamtschulen in den Städten lange Wartelisten und Elterninititiativen kämpfen verzweifelt um den Bau neuer Gesamtschulen.
Ich denke, man sollte sich in D an der europäischen Mehrheit und am Elternwillen und an den Erfahrungen in der DDR orientieren. Andere gute Aspekte des deutschen Bildungssystems bes. die duale Berufsausbildung werden ja auch von anderen Ländern übernommen.
 
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Peppone
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Re: Einheitsschule oder mehrere Schultypen - was ist besser?

08.07.2012, 13:24

Renegat hat geschrieben:
Andere gute Aspekte des deutschen Bildungssystems bes. die duale Berufsausbildung werden ja auch von anderen Ländern übernommen.

Echt? Wo? Ich dachte bisher, das wäre eine deutsche "Spezialität"...

Das dreigliedrige Schulsystem ist übrigens historisch (!) begründet:
Erst einmal gab´s nur die Lateinschulen. Aus denen gingen die (humanistischen) Gymnasien hervor.
Dann kamen die Volksschulen dazu (19.Jh., preußische Reformen, für die Grundbildung gedacht), daraus entstanden die Hauptschulen (landläufig in Bayern immer noch "Volksschulen" genannt)
Im späten 19.Jh. ergänzten dann die Realschulen und Realgymnasien die beiden anderen Schularten, weil man erkannt hatte, dass im Zuge der Industrialisierung auch Verwaltungsfachkräfte und Bürokräfte ausgebildet werden mussten; für die waren die Schulen mit "realitätsnaher" Ausbildung gedacht. Diverse Realgymnasien wurden zu "normalen" Gymnasien (von denen es zuerst nur humanistische Richtung gab, später kam auch die mathematisch-naturwissenschaftliche und die soziale sowie die wirtschaftliche Richtung hinzu).

So entstand also nach und nach eine Rangfolge: Die Volksschüler/Hauptschüler sollten die "normalen" Berufe wie Handwerk und Landwirtschaft erlernen, die brauchten weder Latein noch Rechnungswesen. Die Gymnasiasten sollten studieren. Die Realschüler sollten die gehobenen Posten in der Industrie und Wirtschaft übernehmen.

An diesem gewachsenen System hielt man fest, weil dadurch jede Schulart auch ihre Tradition hatte, auf die man stolz war und an der man festhalten wollte - von Seiten der Schulen, wohlgemerkt!

Beppe