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Moderator: Barbarossa

 
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dieter
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Re: Konrad Adenauer

19.09.2012, 11:53

Ralph hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Lieber Beppe,
die Befindlichkeiten von Adenauer sind mir deswegen schon egal, weil mir dieser Mensch unsymphatisch ist. Er war der Kanzler der Aliierten und ein katholischer Seperatist. :roll: Ich halte mich an sein politisches Wirken und dazu gehört zweifelsohne seine Absetzung als OB von Köln. :wink:


War damals etwas anderes, als ein Kanzler der Alliierten zu sein, überhaupt möglich?

Lieber Ralph,
ich weiß es nicht. ich weiß nur, dass sie sich den Richtigen ausgesucht hatten, der die Wiederbewaffnung durchsetzte und dem die Einheit unserer Nation schnuppe war. :roll:
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Peppone
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Re: Konrad Adenauer

19.09.2012, 14:09

dieter hat geschrieben:
dem die Einheit unserer Nation schnuppe war. :roll:

Dann weißt du von Adenauer verdammt wenig.
Adenauer wollte die Einheit, aber eben zu seinen Bedingungen: Demokratie, Marktwirtschaft, das waren seine unbedingten Voraussetzungen.

Beppe
 
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dieter
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Re: Konrad Adenauer

19.09.2012, 14:25

Lieber Beppe,
das hat er immer gesagt, lebte ja zu der Zeit schon, Wir haben ihm das aber nicht geglaubt und glauben es weiterhin nicht. Jeder der in Deutschland zu der Zeit gesagt hätte, er wolle kein einheitliches Deutschland, wäre weg vom Fenster gewesen. Sogar die Kommunisten mußten sich zuerst für ein Deutschland aussprechen, deshalb in der Becher-Hymne "Deutschland einig Vaterland". :wink:
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Peppone
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Re: Konrad Adenauer

19.09.2012, 17:24

dieter hat geschrieben:
Wir haben ihm das aber nicht geglaubt und glauben es weiterhin nicht.

Wer ist "wir"?

Adenauer hat sich immer dagegen gesträubt, "seine" BRD mit der kommunistischen DDR zu vereinigen. Er sah - m.E. zu Recht - dass das nicht gut gehen könnte.
Also fuhr er die Strategie, die BRD durch Anbindung an den Westen so stark zu machen, dass eine "feindliche Übernahme" durch den Osten nicht mehr möglich sein würde (daher auch seine Ablehnung der Stalin-Noten - Adenauer befürchtete bei deren Umsetzung genau so eine Übernahme durch die Kommunisten) und darüber hinaus zu warten, bis die DDR sich selbst ad absurdum geführt habe und zusammenbrechen würde.

In Zeiten des Kalten Krieges - und gerade in den hierin sehr extremen 50ern - war das eine Strategie, die konservativen Politikern nur mit Mühen beizubringen war - Adenauers Probleme zu Anfang seiner Amtszeit als CDU-Vorsitzender zeigen dies - die aber je länger desto mehr erfolgversprechend zu sein schien.
Schon gegen Ende der 50er zeigte sich aber auch, dass die bedingungslose Ablehnung jeglicher Annäherung zur DDR auch in eine Sackgasse führte, aus der erst Brandts "Wandel durch Annäherung" heraus führte. Das war dem alten Adenauer und auch seinen Gefolgsleuten nicht nahe zu bringen.

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Barbarossa
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Re: Konrad Adenauer

19.09.2012, 18:47

Peppone hat geschrieben:
...Also fuhr er die Strategie, die BRD durch Anbindung an den Westen so stark zu machen, dass eine "feindliche Übernahme" durch den Osten nicht mehr möglich sein würde (daher auch seine Ablehnung der Stalin-Noten - Adenauer befürchtete bei deren Umsetzung genau so eine Übernahme durch die Kommunisten) und darüber hinaus zu warten, bis die DDR sich selbst ad absurdum geführt habe und zusammenbrechen würde.

In Zeiten des Kalten Krieges - und gerade in den hierin sehr extremen 50ern - war das eine Strategie, die konservativen Politikern nur mit Mühen beizubringen war - Adenauers Probleme zu Anfang seiner Amtszeit als CDU-Vorsitzender zeigen dies - die aber je länger desto mehr erfolgversprechend zu sein schien.
Schon gegen Ende der 50er zeigte sich aber auch, dass die bedingungslose Ablehnung jeglicher Annäherung zur DDR auch in eine Sackgasse führte, aus der erst Brandts "Wandel durch Annäherung" heraus führte. Das war dem alten Adenauer und auch seinen Gefolgsleuten nicht nahe zu bringen.

Beppe

Ja, ich denke du hast recht. Vermutlich hat auch niemand im Westen geglaubt, daß sich der Osten so lange halten könnte, wie er es dann tat. Er wurde (von außen betrachtet) ab 1961 immer "monolithischer". Schließlich mußte es eine Annäherung geben, da ein Ende des bestehenden Zustandes nicht mehr einschätzbar war. Es hätte ja womöglich wirklich noch 100 Jahre dauern können...
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dieter
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Re: Konrad Adenauer

20.09.2012, 09:58

Peppone hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Wir haben ihm das aber nicht geglaubt und glauben es weiterhin nicht.

1)Wer ist "wir"?

Adenauer hat sich immer dagegen gesträubt, "seine" BRD mit der kommunistischen DDR zu vereinigen. Er sah - m.E. zu Recht - dass das nicht gut gehen könnte.
Also fuhr er die Strategie, die BRD durch Anbindung an den Westen so stark zu machen, dass eine "feindliche Übernahme" durch den Osten nicht mehr möglich sein würde (daher auch seine Ablehnung der Stalin-Noten - Adenauer befürchtete bei deren Umsetzung genau so eine Übernahme durch die Kommunisten) und darüber hinaus zu warten, bis die DDR sich selbst ad absurdum geführt habe und zusammenbrechen würde.

2)In Zeiten des Kalten Krieges - und gerade in den hierin sehr extremen 50ern - war das eine Strategie, die konservativen Politikern nur mit Mühen beizubringen war - Adenauers Probleme zu Anfang seiner Amtszeit als CDU-Vorsitzender zeigen dies - die aber je länger desto mehr erfolgversprechend zu sein schien.
Schon gegen Ende der 50er zeigte sich aber auch, dass die bedingungslose Ablehnung jeglicher Annäherung zur DDR auch in eine Sackgasse führte, aus der erst Brandts "Wandel durch Annäherung" heraus führte. Das war dem alten Adenauer und auch seinen Gefolgsleuten nicht nahe zu bringen.
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Mendelejew
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Re: Konrad Adenauer

07.10.2012, 14:29

Peppone hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Was weißt Du davon :?:

Dass das seine Einstellung in der Weimarer Zeit war, nicht aber die der Nachkriegszeit.
Adenauer war wandelbar bzw. lernfähig, oh Erstaunen... :wink:

Zwar flossen seine Überzeugungen und Erfahrungen der Vorkriegszeit auch in seine Gedankengänge der Nachrkiegszeit ein, aber aus seiner Korrespondenz aus der Zeit zwischen seiner Absetzung als Kölner OB und dem Beginn seiner Aktivität in der Politik der späteren BRD geht hervor, dass er schon im Sammellager auf dem Kölner Messegelände zur Überzeugung gelangt war, dass das "unnatürliche Bündnis zwischen Amerika und Russland" in Kürze beendet sein werde und er für Deutschland - und damit meinte er ausschließlich die westlichen Besatzungszonen - nur eine Hoffnung sähe, wenn es sich in das westliche Wirtschaftssystem integriere.Das wäre die einzige Chance, "unsere politische Freiheit, (...), unsere Sicherhiet, unsere in vielen Jahrhunderen entwickelte Lebensform, die die christlich-humanistische Weltanschauung zur Grundlage hat, zu retten." (Adenauer: Erinnerungen 1945-1953, S.209)

Dass sich Adenauer die Begründung des britischen Militärgouverneurs für seine Absetzung nicht gefallen ließ, ist angesichts der Formulierung klar: "Nach meiner Ansicht habe Sie Ihre Pflicht gegenüber der Bevölkerung Kölns nicht erfüllt."

Das konnte und kann man so nicht stehen lassen.

Beppe


Dir ist aber schon klar, dass die Frage von Dieter zu den hochverräterischen Bestrebungen Adenauers NICHT die Zeit nach WK II betrifft .

Adenauers Welt war die eines alten, klerikal konservativ erzogenen Mannes, der in den Kathegorien der Kaiserzeit dachte und nicht verstanden hat, das dieses Europa seiner Kindheit und seiner politischen Erfolge mit Hitler ausgelöscht war.

Adenauer hat nie verstanden, dass sich diese Welt geändert hat.
 
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Barbarossa
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Re: Konrad Adenauer

08.10.2012, 04:53

Mendelejew hat geschrieben:
...Adenauers Welt war die eines alten, klerikal konservativ erzogenen Mannes, der in den Kathegorien der Kaiserzeit dachte und nicht verstanden hat, das dieses Europa seiner Kindheit und seiner politischen Erfolge mit Hitler ausgelöscht war.

Adenauer hat nie verstanden, dass sich diese Welt geändert hat.

Also das glaube ich eigentlich nicht. Hätte er sonst so energisch die Westintegration vorangetrieben, wenn er die Zeichen der Zeit nicht verstanden hätte?
Das Deutschland, das er aus der Kaiserzeit sowie vor und im WW II kannte, war stets das eines weitgehend politisch isolierten Landes und vor allem als Feind der Briten und Franzosen. Das änderte sich in seiner Regierungszeit schon radikal.
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dieter
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Re: Konrad Adenauer

08.10.2012, 11:38

Lieber Barbarossa,
die Westintegreation von Adenauer war doch nur die erweiterte Rheinische Republik, die ihm nach dem WKI vorgeschwebt hatte. Er hatte nie die Wiedervereinigung Deutschlands im Sinn. :roll: Es ist schon die Tragik der deutschen Geschichte, dass im Osten der Sachse Ulbricht und im Westen der Rheinländer Adenauer das Sagen hatten. Beide getreue gefolgsmänner ihrer Führungmächte. :wink:
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Re: Konrad Adenauer

09.10.2012, 00:21

Ja gut, im Grunde war die alte BRD nicht viel mehr, als eine Art "Rheinrepublik" - vielleicht noch erweitert um Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg. Möglicherweise hat er das ja als die "Umsetzung seines alten Traumes" gesehen... :roll:
(Ironie aus)

Aber eines ist schon merkwürdig: hier im Forum lese ich überhaupt zum ersten Mal von solchen separatistischen Tendenzen Adenauers. Niemals wurde in Fersehdokus oder Diskussionen darüber gesprochen. Das stört wohl viele so, daß sie nicht darüber reden möchten? Vielleicht, weil in Bezug auf 1949 ein falscher Eindruck entstehen könnte? (also genau der, wie du es da gerade darstellst?) Denn selbst verständlich tat auch Adenauer alles, um die Einheit Deutschlands zu erhalten... :oops:
Oder was meint ihr?
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Re: Konrad Adenauer

09.10.2012, 09:49

Lieber Barbarossa,
er tat überhaupt nichts und war wie schon Kurt Schuhmacher sagte:"Ein Kanzler der Alliierten". Natürlich wird das nicht erwähnt, weil es nicht in das Weltbild einiger User hier passt. Genausowenig wie sein unrühmliches Verhalten in der Spiegelaffäre. :roll:
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Peppone
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Re: Konrad Adenauer

09.10.2012, 12:47

dieter hat geschrieben:
Lieber Barbarossa,
er tat überhaupt nichts und war wie schon Kurt Schuhmacher sagte:"Ein Kanzler der Alliierten". Natürlich wird das nicht erwähnt, weil es nicht in das Weltbild einiger User hier passt.

Nicht deswegen, sondern weil er sich von seinen diesbezüglichen Äußerungen der 20er Jahre nach dem Krieg distanziert hat bzw. völlig andere Zielsetzungen formuliert hat.
Er wollte ein einiges Deutschland, allerdings unter demokratischen, marktwirtschaftlichen und eben auch christlichen Vorzeichen. Von den Kommunisten - deren Gegner er schon in den 20ern war - wollte er sich nichts vorschreiben lassen.

Beppe
 
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Triton
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Re: Konrad Adenauer

09.10.2012, 13:24

Adenauer wusste, dass der protestantische, proletarische Osten der CDU/CSU Prozentpunkte kosten würde. Das war sicher auch ein wichtiger Punkt für ihn, der immer parteitaktisch dachte.
Heute kann man leicht sagen, dass die Westverankerung richtig war, aber in den 80ern dachte ich da völlig anders. Österreich nahm das Neutralitätsangebot Stalins an und durfte frei leben, Deutschland war ein besetztes Land durch das eine Mauer lief, wer hatte da das bessere Los gezogen?
"Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, in dem man sie ignoriert." (Aldous Huxley)
 
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dieter
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Re: Konrad Adenauer

09.10.2012, 14:43

Peppone hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
Lieber Barbarossa,
er tat überhaupt nichts und war wie schon Kurt Schuhmacher sagte:"Ein Kanzler der Alliierten". Natürlich wird das nicht erwähnt, weil es nicht in das Weltbild einiger User hier passt.

Nicht deswegen, sondern weil er sich von seinen diesbezüglichen Äußerungen der 20er Jahre nach dem Krieg distanziert hat bzw. völlig andere Zielsetzungen formuliert hat.
Er wollte ein einiges Deutschland, allerdings unter demokratischen, marktwirtschaftlichen und eben auch christlichen Vorzeichen. Von den Kommunisten - deren Gegner er schon in den 20ern war - wollte er sich nichts vorschreiben lassen.

Beppe

Lieber Beppe,
das sagte er offiziell, unternommen hat er für die Wiedervereinigung nichts. Dazu kommt noch sein unrühmliches Verhalten in der Spiegelaffaire, er hat da das Parlament angelogen, weil er behauptet hat, vorher davon nichts gewußt zu haben.
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Re: Konrad Adenauer

09.10.2012, 14:45

Triton hat geschrieben:
Adenauer wusste, dass der protestantische, proletarische Osten der CDU/CSU Prozentpunkte kosten würde. Das war sicher auch ein wichtiger Punkt für ihn, der immer parteitaktisch dachte.
Heute kann man leicht sagen, dass die Westverankerung richtig war, aber in den 80ern dachte ich da völlig anders. Österreich nahm das Neutralitätsangebot Stalins an und durfte frei leben, Deutschland war ein besetztes Land durch das eine Mauer lief, wer hatte da das bessere Los gezogen?

Lieber Triton,
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