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Moderator: Barbarossa

 
Mendelejew
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Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 12:06

Machtergreifung ?

Zu den nachhaltigsten Legenden in der Deutschen Geschichte gehört die Legende von der „Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933“

„ Ergreifung“ da ist also irgendwo von oben ein Irgend-Etwas gekommen und hat so mir nichts dir nichts einfach die Macht ergriffen.
„Ergreifung“ das mildert ja die Schuld der Deutschen etwas , impliziert doch auch, vielleicht doch nicht ganz so schuldig zu sein. eigentlich vergewaltigt worden zu sein. und eigentlich mit der ganzen Sache nichts zutun gehabt zu haben.

Ich will hier auf die politische und wirtschaftliche nicht eingehen, nicht darum, weil ich sie als unwichtig ansehe, DAS ist ein ganz anderes Thema.
Ich will mich hier nur auf den Morgen des 30 Januar 1933 beziehen.
Hindenburg traute Hitler nicht, aus Gründen des Standesdünkel – Hindenburg ein ostelbischer Junker, Generalfeldmarschal , monarchistisch und kaisertreu auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite Hitler, Gefreiter, ein Empörkömmling in den Augen Hindenburgs , ein Cretin, ein Bonvivant, ungehobelt, vulgär

Was stimmte Hindenburg um ?
Hindenburg und seine Klasse hassten den Kommunismus wie der Teufel das Weihwasser.
Als Goebbels aus dem Hotel Kaiserhof, in dem Hitler bis 1933 sein Hauptquartier hatte, morgens gegen 10..00 berichten ließ, die Kommunisten hätten für den 31.Januar einen Putsch in Berlin geplant – eine Lüge war es – da schwenkte Hindenburg um und ernannte Hitler zum Richskanzler.

Es gibt 3 Ereignisse in der Geschichte Deutschlands, die sich in groben Zügen vergleichen lassen und den gleichen Hintergrund haben:

1.) die Niederschlagung der sozialdemokratischen Revolution 1919 durch die eigene Partei , vorgeblich aus Angst vor dem Sozialismus . Real, um die alte bürgerliche Gesellschaftsstruktur zu retten. .
2.) Jene Lüge vom 30. Januar 1933 aus den gleichen Gründen
3.) und die Prüfung auf Glaubwürdigkeit der Wiedervereinignugnsangebote der SU in den 50 Jahren des letzten Jahrhunderts.

Alle 3 Ereignisse waren Fehler
Alle 3 haben den gleichen Hintergrund, der von Thomas Mann so treffend charakterisiert wurde:
Der Antikommunismus ist die Grundtorheit der Deutschen.

Hat sich diese Grundtorheit wirklich gewandelt ? Politisch sicherlich, aber auch der Adressat ?

Zwar nicht mehr in der Propaganda eines Goebbels, dafür über feiner, glaubwürdiger und darum nicht minder infiltrierend, UND alte Vorurteile bestätigend .
 
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Peppone
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 14:15

Mendelejew hat geschrieben:
Machtergreifung ?

Zu den nachhaltigsten Legenden in der Deutschen Geschichte gehört die Legende von der „Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933“


Seit den 1980ern und zumindest bei Historikern nicht mehr. Die sprechen seitdem von Machtübenahme oder auch Machtübergabe (letzteres hab ich grad von Tante Wiki gelernt...)

Mendelejew hat geschrieben:
„ Ergreifung“ da ist also irgendwo von oben ein Irgend-Etwas gekommen und hat so mir nichts dir nichts einfach die Macht ergriffen.



Nicht irgendwer, der feststehende Begriff lautet "Machtergreifung Hitlers", bzw. eben seit den 80ern "Machtübernahme Hitlers."
Mendelejew hat geschrieben:
„Ergreifung“ das mildert ja die Schuld der Deutschen etwas , impliziert doch auch, vielleicht doch nicht ganz so schuldig zu sein. eigentlich vergewaltigt worden zu sein. und eigentlich mit der ganzen Sache nichts zutun gehabt zu haben.



Das legt nahe, der Begriff sei erst in der Nach-Nazi-Zeit entstanden. Tatsächlich benutzt, wer den Begriff "Machtergreifung" verwendet, Nazi-Propaganda. Sie soll ausdrücken, dass die Nazis ihre Macht weder erhalten noch erschlichen haben (was der historischen Wahrheit entspräche), sondern dass die Nazis sich die Macht aktiv genommen haben (was Blödsinn ist).
 
Mendelejew
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 14:33

Wie war noch die Geschichte mit des Kaisers Bart ?
Ob nun Machtübernahme oder Machtergreifung, ist völlig egal.
Und was DEINE Historiker betrifft: der Ausdruck Machtübernahme,auf den Du wohl so einen gesteigerten Wert legst, ist ja noch nebulöser. bedeutet er doch Legalität. dass nun die Macht legal in den Händen anderer liegt, die Macht von Anderen übernommen wurde.
DAS kann doch wohl nicht Dein Ernst sein..

Mal sehn Peppone, wie Du da wieder rauskommst.

Zwischen Machtergreifung bzw. Machtübernahme und Machterschleichung liegen doch wohl Welten.
 
Renegat
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 16:42

Sprache und der Kontext von einzelnen Begriffen sind einem stetigen Wandel unterworfen.
Wichtig ist, dass die Abläufe 1933 einigermaßen bekannt sind.
Den Begriffswandel in den 80ern, den Peppone angeführt hat, kenne ich so nicht. Kann aber sein, dass der Begriff Übernahme seitdem oder auch aus anderen Gründen einen negativen Kontext bekommen hat, z.B. bei der feindlichen Übernahme, wo zumindest sublegale Trickserei und Hinterzimmermauscheleien mitschwingen.
 
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Barbarossa
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 16:45

Mendelejew hat geschrieben:
Machtergreifung ?
(...)
„Ergreifung“ das mildert ja die Schuld der Deutschen etwas , impliziert doch auch, vielleicht doch nicht ganz so schuldig zu sein. eigentlich vergewaltigt worden zu sein. und eigentlich mit der ganzen Sache nichts zutun gehabt zu haben...

Zunächt möchte ich mich Beppe anschließen.
Außerdem möchte ich aber auch der Aussage entgegentreten, DIE DEUTSCHEN seien schuld, daß Hitler an die Macht kamen.
Schaut man sich die Wahlergebnisse an, dann erkennt man schnell, daß es so eben nicht richtig ist.

Die letzte wirklich freie Wahl in der Weimarer Republik fand am 6. November 1932 statt. Das Wahl ergebnis sah wie folgt aus:

NSDAP..: 33,1 % (- 4,4 %) / 196 Sitze* (- 34)
SPD.....: 20,4 % (- 1,2 %) / 121 Sitze (- 12)
KPD.....: 16,9 % (+ 2,3 %) / 100 Sitze (+11)
Zentrum: 11,9 % (- 0,9 %) / 70 Sitze (- 5)
DNVP....: 8,8 % (+ 2,9 %) / 52 Sitze* (+15)
BVP......: 3,1 % (- 0,1 %) / 20 Sitze (- 2)
DVP......: 1,9 % (+ 0,7 %) / 11 Sitze (+ 4)
DDP......: 1,0 % ( / ) / 2 Sitze (- 2)
andere..: 2,9 % (+ 0,3 %) / 12 Sitze (+ 1)
---------------------------------------------------
Sitze gesamt:................ 584 Sitze ( 1/2 = 292)

Koalition aus NSDAP und DNVP = 248 Sitze

Mit dieser kleinen Berechnung wollte ich nur klären, daß selbst die Koalition aus NSDAP und DNVP lediglich 248 Sitze erreichte und nicht die 293 für eine regierungsfähige Mehrheit erforderlichen Sitze.

Die Neuwahl am 5. März 1933 kann nicht mehr als wirklich freie Wahl bezeichnet werden, da sie bereits unter dem Terror der SA stand. Doch selbst hier erreichte die NSDAP nur 43,9 % der Stimmen und benötigte wiederum einen Koalitionspartner, der sich mit der DNVP wiederum fand. Für mich war diese "Machtergreifung" oder "Machtübergabe" - wie auch immer man sie bezeichnen mag, vor allem ein Versagen der Politiker der Weimarer Republik.
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 16:47

Die Abwägung der Begriffe findet heute im Geschichtsunterricht statt. Dabei wird das für und wieder jedes der Begriffe abgewogen.
Machterschleichung finde ich per se nicht allzu schlecht, wobei es assoziiert, dass diese nicht sichtbar gewesen wäre. Was nicht unbedingt zutreffend ist...
„In all den Jahren habe ich so viele junge Männer gesehen,
die der Meinung waren, auf andere junge Männer zuzulaufen.
Aber das stimmt nicht.
Sie liefen alle zu mir.“
so sprach der Tod

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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 16:57

Renegat hat geschrieben:
Sprache und der Kontext von einzelnen Begriffen sind einem stetigen Wandel unterworfen.
Wichtig ist, dass die Abläufe 1933 einigermaßen bekannt sind.
Den Begriffswandel in den 80ern, den Peppone angeführt hat, kenne ich so nicht. Kann aber sein, dass der Begriff Übernahme seitdem oder auch aus anderen Gründen einen negativen Kontext bekommen hat, z.B. bei der feindlichen Übernahme, wo zumindest sublegale Trickserei und Hinterzimmermauscheleien mitschwingen.


Der gute Peppone redet Nazi-Propaganda, weil er meint, der richtige Ausdruck sei Machtübernahme.
Ich gebrauche den Ausdruck Nazi-Propaganda bewusst in Bezug auf Peppone, weil er in seinem Beitrag exemplarisch meine Formulierung kritisierte.

GENAU DAS hatten die Nazis immer gesagt - Machtübernahme und den Begriff der Machtergreifung tunlichst vermieden.

Schau ruhig bei Wikipedia rein.
Vielleicht weiß Peppone auch nicht so richtig, wovon er schreibt
Zuletzt geändert von Mendelejew am 14.10.2012, 17:15, insgesamt 1-mal geändert.
 
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 17:13

Barbarossa hat geschrieben:
Mendelejew hat geschrieben:
Machtergreifung ?
(...)
„Ergreifung“ das mildert ja die Schuld der Deutschen etwas , impliziert doch auch, vielleicht doch nicht ganz so schuldig zu sein. eigentlich vergewaltigt worden zu sein. und eigentlich mit der ganzen Sache nichts zutun gehabt zu haben...

Zunächt möchte ich mich Beppe anschließen.
Außerdem möchte ich aber auch der Aussage entgegentreten, DIE DEUTSCHEN seien schuld, daß Hitler an die Macht kamen.
Schaut man sich die Wahlergebnisse an, dann erkennt man schnell, daß es so eben nicht richtig ist.

Die letzte wirklich freie Wahl in der Weimarer Republik fand am 6. November 1932 statt. Das Wahl ergebnis sah wie folgt aus:

NSDAP..: 33,1 % (- 4,4 %) / 196 Sitze* (- 34)
SPD.....: 20,4 % (- 1,2 %) / 121 Sitze (- 12)
KPD.....: 16,9 % (+ 2,3 %) / 100 Sitze (+11)
Zentrum: 11,9 % (- 0,9 %) / 70 Sitze (- 5)
DNVP....: 8,8 % (+ 2,9 %) / 52 Sitze* (+15)
BVP......: 3,1 % (- 0,1 %) / 20 Sitze (- 2)
DVP......: 1,9 % (+ 0,7 %) / 11 Sitze (+ 4)
DDP......: 1,0 % ( / ) / 2 Sitze (- 2)
andere..: 2,9 % (+ 0,3 %) / 12 Sitze (+ 1)
---------------------------------------------------
Sitze gesamt:................ 584 Sitze ( 1/2 = 292)

Koalition aus NSDAP und DNVP = 248 Sitze

Mit dieser kleinen Berechnung wollte ich nur klären, daß selbst die Koalition aus NSDAP und DNVP lediglich 248 Sitze erreichte und nicht die 293 für eine regierungsfähige Mehrheit erforderlichen Sitze.

Die Neuwahl am 5. März 1933 kann nicht mehr als wirklich freie Wahl bezeichnet werden, da sie bereits unter dem Terror der SA stand. Doch selbst hier erreichte die NSDAP nur 43,9 % der Stimmen und benötigte wiederum einen Koalitionspartner, der sich mit der DNVP wiederum fand. Für mich war diese "Machtergreifung" oder "Machtübergabe" - wie auch immer man sie bezeichnen mag, vor allem ein Versagen der Politiker der Weimarer Republik.



Was willst Du eigentlich mit den Wahlergebnissen beweisen ?
Die noch überwiegende Mehrheit der Deutschen wollte Hitler, zwar nicht den Hitler, den sie dann bekamen.
Und was den /oder die Koalitionspartner Hitlers nach den Märzwahlen angeht, dann bleib bitte auch bei der ganzen Wahrheit.
Das katholische Zentrum, Vorgänger der Nachkriegs - CDU , stimmten MIT Hitler für das Ermächtigungsgesetz.

Du wirst nun sagen, weil Hitler seine Versprechen gegenüber dem Zentrum nicht einhielt.
Das stimmt sogar, ABER dann ist das Verhalten des Zentrums ja noch verwerflicher, zu ahnen, Gewissheit bestand ja noch nicht, zu ahnen, was Hitler vorhat, sich für die eigene Partei Milde zu erkaufen, indem man für ein durch und durch antidemokratisches Gesetz mitstimmt, das war dann das katholische Zentrum, das dann die grechte Beute Hitlers wurde.
 
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 17:23

Mendelejew hat geschrieben:
Renegat hat geschrieben:
Sprache und der Kontext von einzelnen Begriffen sind einem stetigen Wandel unterworfen.
Wichtig ist, dass die Abläufe 1933 einigermaßen bekannt sind.
Den Begriffswandel in den 80ern, den Peppone angeführt hat, kenne ich so nicht. Kann aber sein, dass der Begriff Übernahme seitdem oder auch aus anderen Gründen einen negativen Kontext bekommen hat, z.B. bei der feindlichen Übernahme, wo zumindest sublegale Trickserei und Hinterzimmermauscheleien mitschwingen.


Der gute Peppone redet Nazi-Propaganda, weil er meint, der richtige Ausdruck sei Machtübernahme.
Ich gebrauche den Ausdruck Nazi-Propaganda bewusst in Bezug auf Peppone, weil er in seinem Beitrag exemplarisch meine Formulierung kritisierte.

GENAU DAS hatten die Nazis immer gesagt - Machtübernahme und den Begriff der Machtergreifung tunlichst vermieden.


Ehrlich gesagt sind mir Begrifflichkeiten und wer, was zuerst gesagt hat, ziemlich egal. Wenn die Abläufe hinter den Worten bekannt sind.
Wenn die Nazis auch den Begriff Übernahme korrumpiert hätten, wäre es ja nicht der einzige.
 
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Barbarossa
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 17:37

Mendelejew hat geschrieben:
Was willst Du eigentlich mit den Wahlergebnissen beweisen ?
Die noch überwiegende Mehrheit der Deutschen wollte Hitler, zwar nicht den Hitler, den sie dann bekamen.
Und was den /oder die Koalitionspartner Hitlers nach den Märzwahlen angeht, dann bleib bitte auch bei der ganzen Wahrheit.
Das katholische Zentrum, Vorgänger der Nachkriegs - CDU , stimmten MIT Hitler für das Ermächtigungsgesetz.

Du wirst nun sagen, weil Hitler seine Versprechen gegenüber dem Zentrum nicht einhielt.
Das stimmt sogar, ABER dann ist das Verhalten des Zentrums ja noch verwerflicher, zu ahnen, Gewissheit bestand ja noch nicht, zu ahnen, was Hitler vorhat, sich für die eigene Partei Milde zu erkaufen, indem man für ein durch und durch antidemokratisches Gesetz mitstimmt, das war dann das katholische Zentrum, das dann die grechte Beute Hitlers wurde.

Das mit dem Ermächtigungsgesetz habe ich jetzt mal weggelassen, weil das alles nach dem 30. Januar stattfand - sogar nach der nur noch halbfreien Wahl.
Aber im grunde bestätigst du mich damit. Es war vor allem ein Versagen der politischen Führung.
Das deutsche Volk hat sich dann erst in späteren Jahren langsam durch vermeindliche Erfolge des Regimes einlullen lassen. Wer will ihnen das verdenken... (?)
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 18:08

Barbarossa hat geschrieben:
Mendelejew hat geschrieben:
Was willst Du eigentlich mit den Wahlergebnissen beweisen ?
Die noch überwiegende Mehrheit der Deutschen wollte Hitler, zwar nicht den Hitler, den sie dann bekamen.
Und was den /oder die Koalitionspartner Hitlers nach den Märzwahlen angeht, dann bleib bitte auch bei der ganzen Wahrheit.
Das katholische Zentrum, Vorgänger der Nachkriegs - CDU , stimmten MIT Hitler für das Ermächtigungsgesetz.

Du wirst nun sagen, weil Hitler seine Versprechen gegenüber dem Zentrum nicht einhielt.
Das stimmt sogar, ABER dann ist das Verhalten des Zentrums ja noch verwerflicher, zu ahnen, Gewissheit bestand ja noch nicht, zu ahnen, was Hitler vorhat, sich für die eigene Partei Milde zu erkaufen, indem man für ein durch und durch antidemokratisches Gesetz mitstimmt, das war dann das katholische Zentrum, das dann die grechte Beute Hitlers wurde.

Das mit dem Ermächtigungsgesetz habe ich jetzt mal weggelassen, weil das alles nach dem 30. Januar stattfand - sogar nach der nur noch halbfreien Wahl.
Aber im grunde bestätigst du mich damit. Es war vor allem ein Versagen der politischen Führung.
Das deutsche Volk hat sich dann erst in späteren Jahren langsam durch vermeindliche Erfolge des Regimes einlullen lassen. Wer will ihnen das verdenken... (?)



Auch wieder falsch

Nichts bestätige ich Dir, der 30.1. 33 war kein Versagen der politischen Führung, sondern ein Versagen der demokratischen politischen Parteien, für die SPD die Quittung des Jahres 1919,
Ohne den Verat der SPD-Führung hätte Hitler nie die Chance gehabt hätte.

Erst in späteren Jahren jubelte das deutsche Volk ? Die jubelten schon 1934, 1935 mit dem Saarland, und der Wehrpflicht, 1936 mit den Spielen in Berlin, 1937 und 1938 in München. Die überwiegende Mehrheit der Deutschen hatten den Hitler, den sie haben wollten, auch den Hitler, der gegen die Juden vorging.
Sieh Dir einfach nur einmal das Programm der NSDAP an, dann siehst Du, was Hitler mit den juden machen wollte.

Der Holocaust war seit 1924 geplant !!!

Wäre Hitler 1936 einem Attentat zum Opfer gefallen oder bein einem Unfall ums Leben gekommen, die meistem Deutschen hätten ihn als Vollstrecker der deutshen Geschichte angesehen, in der festen Überzeugung, den größten Detschen ihere Geschichte verloren zu haben.
 
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 18:36

Mendelejew hat geschrieben:
...Nichts bestätige ich Dir, der 30.1. 33 war kein Versagen der politischen Führung, sondern ein Versagen der demokratischen politischen Parteien, für die SPD die Quittung des Jahres 1919,
Ohne den Verat der SPD-Führung hätte Hitler nie die Chance gehabt hätte...

Also das halte ich für etwas weit her geholt, daß 1919 schon die Weichen für 1933 gestellt wurden.
Richtig ist, daß viele an die Dolchstoßlegende glaubten und wer am lautesten dagegen Front machte, konnte sich einige Sypmatien bei der Bevölkerung erwerben. Auch der Versailler Vertrag sprach eine sehr nationalistische Sprache. Die Siegermächte nahmen klar in Kauf, daß Völkerverständigung unter diesen Bedingungen zunächst mal unmöglich wurde. Hier wurden tatsächlich die Weichen für einen weiteren Krieg gestellt.
Was die Niederschlagung des "Spartakusaufstandes" angeht, halte ich es nach wie vor für logisch, daß die Kommunisten/Linkssozialisten als eine nicht nur nationale Gefahr angesehen wurden.
Und ich muß ganz ehrlich zugeben, ich würde selbst heute mit der Linkspartei heute nichts zusammen machen, auch wenn es gegen die NPD gehen würde. Selbst da nicht. Ist einfach so.
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 19:00

Barbarossa hat geschrieben:
Und ich muß ganz ehrlich zugeben, ich würde selbst heute mit der Linkspartei heute nichts zusammen machen, auch wenn es gegen die NPD gehen würde. Selbst da nicht. Ist einfach so.



Moin Barbarossa,

da bin ich bei Dir!
Kaum haste dich umgedreht, bekommste ein Messer ins Kreuz - bildlich gesehen.
O heilig Herz der Völker, des hohen Gesanges und der göttlichen Ahnung.
Ernste und holde Heimat, Du Land der Liebe - O laß mich knien an Deinem
erschütternden Grabe.


Zum Gruße
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 19:20

Mendelejew hat geschrieben:
Der gute Peppone redet Nazi-Propaganda, weil er meint, der richtige Ausdruck sei Machtübernahme.
Ich gebrauche den Ausdruck Nazi-Propaganda bewusst in Bezug auf Peppone, weil er in seinem Beitrag exemplarisch meine Formulierung kritisierte.

GENAU DAS hatten die Nazis immer gesagt - Machtübernahme und den Begriff der Machtergreifung tunlichst vermieden.

Schau ruhig bei Wikipedia rein.
Vielleicht weiß Peppone auch nicht so richtig, wovon er schreibt

Siehste, manchmal kann es sich doch lohnen, bei Tante Wiki vorbei zu schauen.

Es bleibt jedoch dabei: Von Machtergreifung spricht man heute eigentlich nicht mehr, da dies eine Aktivität der Nazis voraussetzt. Tatsächlich jedoch wurde die Macht an Hitler übergeben, von Hindenburg und Papen, in Fehleinschätzung der Gefährlichkeit Hitlers. Die Aktivität der Nazis lag eher darin, die Voraussetzungen zu schaffen, in denen ein Reichskanzler Hitler (scheinbar) unverhinderbar war.

Dass die Nazis im Zusammenhang mit dem 30.1.33 eher von "Revolution" sprachen, enthält zwar auch einen aktiven Begriffsinhalt, ist jedoch was anders, da hat Mendelejew schon recht.

Beppe
 
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Re: Machtergreifung - Machterschleichung

14.10.2012, 21:04

Barbarossa hat geschrieben:
Mendelejew hat geschrieben:
...Nichts bestätige ich Dir, der 30.1. 33 war kein Versagen der politischen Führung, sondern ein Versagen der demokratischen politischen Parteien, für die SPD die Quittung des Jahres 1919,
Ohne den Verat der SPD-Führung hätte Hitler nie die Chance gehabt hätte...

Also das halte ich für etwas weit her geholt, daß 1919 schon die Weichen für 1933 gestellt wurden.
Richtig ist, daß viele an die Dolchstoßlegende glaubten und wer am lautesten dagegen Front machte, konnte sich einige Sypmatien bei der Bevölkerung erwerben. Auch der Versailler Vertrag sprach eine sehr nationalistische Sprache. Die Siegermächte nahmen klar in Kauf, daß Völkerverständigung unter diesen Bedingungen zunächst mal unmöglich wurde. Hier wurden tatsächlich die Weichen für einen weiteren Krieg gestellt.
Was die Niederschlagung des "Spartakusaufstandes" angeht, halte ich es nach wie vor für logisch, daß die Kommunisten/Linkssozialisten als eine nicht nur nationale Gefahr angesehen wurden.
Und ich muß ganz ehrlich zugeben, ich würde selbst heute mit der Linkspartei heute nichts zusammen machen, auch wenn es gegen die NPD gehen würde. Selbst da nicht. Ist einfach so.


Barbarossa, immer wider versuchst Du, den Spartakusaufstand mit der sozialdemokratischen Revolution zu verquicken, das ist nicht seriös.

Ich versuchte schon mehrfach, Dir die Kausalitäten klar zu machen und warum Hitlers Aufstieg bis 1933 mit dem Verat der SPD an ihren eigenen Genossen 1919 zusammen hängt.

Zur Nationalvwersammlung im Jan. 1919 wählten noch 12,5 Mio Wähler die SPD.
Wenige Monate später im juni 19 halbierte die SPD ihre Wählerstimmen auf 5,5 mio Wähler, aus Enttäuschung über das schändliche Verhalten der Herren Ebert , Noske.
seit dieser Zeit gab es in Weimar die Bürgerblockparteien.

Hätten die Herren Ebert und Consorten die eigenen Leute nicht niederkartätscht, die Genossen hätten sich für die SPD in Stücke reißen lassen.

Hoffentlich nur unbewusst begehst Du den gleichen Fehler, den 1933 die SPD machte, eine Zusammenarbeit mit der KPD generell auszuschließen . Auch die KPD war da bockig.
Wenn Du also mental den gleichen Fehler machst, wie 1933 die SPD, auch eine Zusammenarbeit mit den Linken gegen die NPD generell ablehnst, dann erkennst Du die NPD und ihre Protagonisten (man spricht in Deutschland von rd.10.000 gewaltbreiten NEO´S wohl nicht als Gefahr