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Frankreichs letzter Kaiser

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Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Ruaidhri » 18.12.2015, 12:59

Macht- auch in kleineren Zusammenhängen- korrumpiert die meisten Menschen. Was aber Mitterrrands bauliche Aktivitäten damit zu tun haben sollen, ist mir nicht klar.
Letztlich ist es auch so bisschen französische Eigenart, mit Architektur Zeichen setzen. Nicht nur in Paris.
Ob das nun eine besonders negative Doku über Mitterand war kann ich nicht sagen. Mitterand nahm ich zu seinen Lebzeiten nur als Franzosen vom anderen Stern wahr.

Selektive Wahrnehmung halt, bei dem, was Du daraus gezogen und hier eingebracht hast.
Ein Ritter ohne Fehl und Tadel war nicht- wer ist das schon? Ich habe zu seinen Regierungszeiten in Frankreich gelebt, die heißen innerfranzösischen Diskussionen um Für und Wider verfolgt- und den Fortschritt im Land gesehen, dann allerdings die wieder aufs Neeue bremsenden Effekte der Sozialpolitik.
Man sollte sich auch mit Mitterrrands Außenpolitik befassen, da gibt es sehr interessante Aspekte.
OT:
Mit leisem Grinsen: So ein bisschen etwas wie Napoleon -Verehrung gab es schon, genauso wie die man später eben ras -le -bol hatte.
Demokratie lebt vom Wandel, und Mitterrand war eben ein demokratisch gewählter und wieder abgewählter Kaiser, wenn er denn überhaupt je den Anspruch auf solch Beinamen gehabt hätte.
Zum Umgangston der französischen Eliten:
Nicht nur abhängig von der individuellen Persönlichkeit. Wer das französische Schul- und Universitätssystem mit den Concours erfolgreich absolviert hat, ist einfach anders geprägt. Mal gar, wer die Ena hinter sich hat, dazu gehörte Mitterrand allerdings nicht.
Das ist auch so der Haken in der französischen Politikerkaste, jetzt gerade wieder- der Enarchisme, der immer auch Cliquenpolitik ist. Quer durch die Parteien.

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von james » 18.12.2015, 01:26

Das war nur ein ironischer Kommentar bezüglich der Architektur.
Bezüglich Mitterand hab ich es ja so verstanden, das er in seiner ersten Amtszeit viel Gutes bewirkt hat, aber auch hier zeigte sich das Macht korrupiert. Ob das nun eine besonders negative Doku über Mitterand war kann ich nicht sagen. Mitterand nahm ich zu seinen Lebzeiten nur als Franzosen vom anderen Stern wahr.

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Ruaidhri » 17.12.2015, 22:23

Nur haben Mitterand und seine Vorgänger keine Ruinen produziert.
Und was willt Du? S 21 wird gebaut, war ja schon lange genug bekannt, bevor man in Stuttgart demonstrierte. Die Elbphilharmonie wird langsam fertig, und dann hat Hamburg wahrlich einen Blickpunkt der besonderen Art- und einen angemessene Konzertsaal.
Es gab nur einen schnellen Brüter, und der fiel früh dem Gesinnungswandel zum Opfer, inzwischen wird er ja sinnbringend genutzt.
Heiligendamm ist auch nicht Merkels Ruine, sondern die der Immo-Spekulanten.
Ber ist ein Thema für sich- wenn man sich ehrgeizige Ziele setzt, sollte man dafür sorgen, dass fachkundige, unabhängige Leute den Bau beaufsichtigen.
Wenn in Deutschland viele Großprojekte scheitern, so, weil jeder mitmischen will und jeder möglichst viel verhindern will.
Das Land wird langweilig bleiben.

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von james » 17.12.2015, 19:30

Triton hat geschrieben:
Die beiden konservativen Nachfolger Mitterands sollen wohl, nach allem, was ich gehört habe, mindestens genausogroße Ekel im persönlichen Umgang gewesen sein.


Warum verwundert mich das nicht.

Am Erfolg ihrer Architektur wird eine Zivilisation gemessen."
Ich denke, im letzten Satz liegt ein grosses Stück Wahrheit.


Hmm, Heiligendamm=Merkels Ruine, die Philharmonie in Hamburg, Stuttgart 21, die Autobahn die ins Leere führt, die schnellen Brüter, die Ruine in Bonn die vermutlich immer noch unter Wasser steht, das Wohngebiet auf Europas größter Müllkippe, Flughafen Berlin...
Da komm ich aber echt ins grübeln wie wie ich diese Architektonischen Erfolge bewerten muss. :lolno:
Aber vielleicht liegt darin ein großes Stück Wahrheit. :oops:

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Ruaidhri » 17.12.2015, 11:35

Triton hat geschrieben:
Was die Architektur anbelangt: Kann es sein, dass es bei großen Projekten manchmal ganz gut ist, wenn es nicht lupenrein demokratisch zugeht und erst jede Randgruppe zustimmen muss, bevor etwas gebaut wird?

Wieso soll es nicht lupenrein demokratisch zugegangen sein, was die Bauwerke angeht?
Sicherlich sind einige Bauwerke mit Mitterrands Namen verknüpft, die allerdings werden öffentlich genutzt und waren nötig, einiges war schon unter seinem Vorgänger in Planung gewesen.
Zur eit der Erbauung war Frankreich- zu seinem Glück- nicht von der grünen Hysterie infiziert, die so gern alles verhindert.
Die etwas einseitigen "Excerpte" aus der Doku zechenen ein falsches Bild, bzw. entsprechen nicht den tatsächlichen Abläufen, geschweige denn den tatsächlichen Verdiensten Mitterrands.
Die beiden konservativen Nachfolger Mitterands sollen wohl, nach allem, was ich gehört habe, mindestens genausogroße Ekel im persönlichen Umgang gewesen sein.

Man sagt so.

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Triton » 16.12.2015, 22:58

Die beiden konservativen Nachfolger Mitterands sollen wohl, nach allem, was ich gehört habe, mindestens genausogroße Ekel im persönlichen Umgang gewesen sein.

Was die Architektur anbelangt: Kann es sein, dass es bei großen Projekten manchmal ganz gut ist, wenn es nicht lupenrein demokratisch zugeht und erst jede Randgruppe zustimmen muss, bevor etwas gebaut wird?

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Ruaidhri » 16.12.2015, 18:07

Am Erfolg ihrer Architektur wird eine Zivilisation gemessen."
Ich denke, im letzten Satz liegt ein grosses Stück Wahrheit.


Ja, und gerade in Frankreich durch die Zeiten deutlich zu erkennen. Das Land brauchte damals einen Aufbruch, neue Orientierung, neue Vorgaben, und Gegensatz zum Berliner Provinz- Größenwahn sind die Ergebnisse auch gelungen.
Es gibt gewiss Punkte, an denen man sich sich kritisch mit Mitterrand auseinandersetzen muss, was diese Doku ja auch tat, wie andere zu seiner Persn auch. Was dann der Zuschauer versteht und daraus behält- behalten will, ist wieder eine andere Sache.

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Orianne » 16.12.2015, 14:11

Hollande kann Mitterrand niemals das Wasser reichen, er ist farblos und wird es vermutlich auch bleiben, es gibt ja Menschen die an Aufgaben wachsen, aber bei ihm sehe ich es nicht.

Zu seiner "Bautätigkeit":

François Mitterands Bautätigkeit. "Werden wir es schaffen", fragte er im Frühjahr 1981, "dem Raum und der Materie unser Kulturprojekt einzugravieren? Ich werde meine ganze Energie dafür einsetzen. Am Erfolg ihrer Architektur wird eine Zivilisation gemessen."
Ich denke, im letzten Satz liegt ein grosses Stück Wahrheit.

Mitterrand hatte als erster Präsident der V. Französischen Republik die Herausforderung sich mit der Cohabitation auseinander zu setzten, Chirac, sein Nachfolger musste dies auch "durchleiden". Ich denke, dass ein Politiker an so einer kniffligen politischen Lage durchaus wachsen kann, aber auch scheitern kann, wie vielleicht Obama in den Staaten.

OT:
Ich erfreue mich bei jeden Besuch in Metz am Centre Pompidou-Metz, für mich sieht das Gebäude wie eine riesige Muschel aus :)

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Ruaidhri » 16.12.2015, 13:30

Allerdings ist diese "Doku", die gestern lief, auch ziemlich einseitig, gibt bessere.
http://www.arte.tv/guide/de/060785-000/ ... autoplay=1
Eine uneindeutige Gestalt wird Mitterand immer bleiben, das ist sicher. Seine Amtszeiten hatten Licht- und Schattenseiten, wie seine Persönlichkeit auch.
Die alleinige Wahrheit hat diese Doku jedenfalls nicht gebracht, und Du hast dazu noch einseitig inhaltliche Dinge selektiert.
Gibt bessere Analysen der Ära Mitterand.
Und sein Bauprogramm gleicht dem der römischen Kaiser. Überall in Paris stolpert man über seine Bauten.

Das ist beste französische Tradition, wenn man das Land kennt, für Paris waren sie bitter nötig, allein von früheren Glanzzeiten konnte die Metropole nicht leben.
Sicherlich tat Mitterand das nicht uneigennützig, sondern durchaus, um sich eigene Denkmäler zu setzen, geschadet hat es der Capitale aber nun wahrlich nicht.
So wie Mitterand manches in Gang gesetzt hat, um Frankreich zu modernisieren, sowohl in den Verwaltungsstrukturen als auch im technischen Fortschritt. Da waren- nicht zuletzt Dank Mitterand, die Franzosen uns in einigen Bereichen um Meilen voraus.
Mitterand hat sogar die Wiederwahl seiner eigenen Partei verhindert, weil er der Einzige sein wollte, der es an die Spitze schaffte.

Wenn schon, dann nenne auch den Zusammenhang, in dem Mitterrrand so handelte, denn das ergibt dann ein anderes Bild.
Also das Wort Demokratie das ja mit Pressefreiheit einher geht, ist nicht nur in Deutschland eine Illusion, sondern auch in Frankreich. Macht korrupiert, egal in welcher Partei.

Was soll das denn? Medienfreiheit in Frankreich wird in dem Beitrag nicht bestritten. Der Figaro war ihm u.a. nie freundlich gesonnen, und auch aus der linken Ecke erntete er Kritik, nicht nur im Zusammenhang mit der Rainbow-Warrior-Affaire.
Eine ganze Weile lang habe ich zu Mitterands Zeiten in Frankreich gelebt und konnte nun Medien jeglicher Denkrichtung aus dem In- und Ausland nutzen.
surinter hat geschrieben:
Mitterand hat einige sehr gute Dinge angestoßen in Frankreich ohne die das Land heute wohl deutlich schlechter da stehen würde..

Hat er, und das macht hn für viele Franzosen, auch diejenigen, die ihn nicht gewählt haben, eben nicht nur zur ausschließlich schlechten Figur.
Unbestritten hat er sozial- und wirtschaftspolitische Fehler gemacht, die sich bis heute "rächen".
Ob Hollande ihm nacheifern kann, ob der überhaupt jene Ausstrahlung hat, die Mitterand besaß, wäre die eine Frage.
Ob das inhaltlich noch zeitgemäß ist, sich an Mitterands Politik zu orientieren, ist die andere.
Ob sich überhaupt irgendjemand in Frankreich soweit durchsetzen kann, dass sich das Land wirtschaftlich erholt, lasse man erst recht offen.

Re: Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von Scurinter » 15.12.2015, 15:23

james hat geschrieben:
Hollande eifert ihm nach und möchte sogar mit Mitterand verglichen werden - das sagt einiges über Hollande aus.

Die Frage ist, in welchen Punkten Hollande Mitterand nacheifert. Mitterand hat einige sehr gute Dinge angestoßen in Frankreich ohne die das Land heute wohl deutlich schlechter da stehen würde..
Mir fällt da spontan als Vergleich der US-Wirtschaftswissenschaftler ein, der eine Ausgabepolitik wie bie den Nazis befürworten würde. Das heißt wahrscheinlich noch lange nicht, dass er auch Juden töten will ;)

Frankreichs letzter Kaiser

Beitrag von james » 15.12.2015, 13:19

Ich habe mir gestern eine Doku über François Mitterrand angeschaut der Frankreich von 1981 bis 1995 führte. Die interviewten beschrieben ihn als "letzen Kaiser von Frankreich".
Anfangs machte er eine gute Politik, aber dann sah er in Europa die Möglichkeit seine Wirtschaft wieder hoch zu bringen und verwandelte sich vom Saulus zum Paulus. Er benutzte die Presse und es werden Regierungs-Szenen aus dem Elysee-Palast geschildert, bei dem einen die Haare zu Kopf steigen. Ähnlich war es wohl auch bei Kohl, seinem besten Freund.
Mitterand hat sogar die Wiederwahl seiner eigenen Partei verhindert, weil er der Einzige sein wollte, der es an die Spitze schaffte. Und sein Bauprogramm gleicht dem der römischen Kaiser. Überall in Paris stolpert man über seine Bauten.
Also das Wort Demokratie das ja mit Pressefreiheit einher geht, ist nicht nur in Deutschland eine Illusion, sondern auch in Frankreich. Macht korrupiert, egal in welcher Partei.
Hollande eifert ihm nach und möchte sogar mit Mitterand verglichen werden - das sagt einiges über Hollande aus.
Und wenn ich daran denke das die Merkel gestern haufenweise Gegenwind bekam, dann aber alle wieder angeblich "einstimmig" hinter ihrer Politik standen, dann hat auch das eine gewisse Scheinheiligkeit. Sie fröhnen einem moralischen Codex um an der Macht zu bleiben oder ihre Posten nicht zu verlieren. Sie sind die Blockflöten Deutschlands.