Forum für Geschichte und Politik


Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der CH

Antwort erstellen


Diese Frage dient dazu, das automatisierte Versenden von Formularen durch Spam-Bots zu verhindern.
Schriftfarbe
   

Ansicht erweitern Die letzten Beiträge des Themas: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der CH

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Orianne » 01.11.2014, 21:15

Mannerheim hat geschrieben:
Triton hat geschrieben:
http://www.arte.tv/guide/de/047835-000/akte-grueninger
Wie zu lesen ist, Wiederholung morgen und am Freitag.


Vielen Dank für den link. Der Mann hat es verdient, verfilmt zu werden.

Marek


Leider erlebte er seine Reputation nicht mehr, aber wenigstens gibt es diesen Film, der übrigens ausgezeichnet ist, ich kann ihn nur empfehlen, er kam schon vor ca. 3 Wochen im Schweizer Fernsehen.

Danke für den Tipp Triton:)

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Mannerheim » 01.11.2014, 19:48

Triton hat geschrieben:
http://www.arte.tv/guide/de/047835-000/akte-grueninger
Wie zu lesen ist, Wiederholung morgen und am Freitag.


Vielen Dank für den link. Der Mann hat es verdient, verfilmt zu werden.

Marek

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Triton » 01.11.2014, 19:35

http://www.arte.tv/guide/de/047835-000/akte-grueninger
Wie zu lesen ist, Wiederholung morgen und am Freitag.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Orianne » 28.09.2014, 09:52

Triton hat geschrieben:
Das sollte in Deutschland auch so sein, Beamtenberuf nur nach abgeleistetem Dienst für den Arbeitgeber. Hier konnte man zur Polizei statt zum Wehrdienst, damit zog man gerade Menschen an, die eben nicht für den Staat eintreten wollten.
Eigentlich eine gute Sache, wenn Polizisten auch mal was anderes getan haben.




Das wusste ich nicht, also macht man eine Lehre als Polizist in Deutschland sozusagen?

In der Schweiz ist es so, dass die Polizeischule die selben Waffen wie im Militär benutzt, ausser, ich weiss es seit einer Woche, dass die Polizeipistolen immer entsichert sind, man kann also sofort schiessen. Es gibt keine Funktion für die Sicherung.
Wenn man annimmt, dass in der CH ca. 30 % eine Armeepistole zu Hause haben, dann finde ich das irgendwie gefährlich, denn es wurden Polizisten schon oft Waffen entrissen. Ich kam vor ca. 2 Wochen nachts in eine Grosskontrolle auf der Autobahn, bei der Einfahrt stand einer mit einer Maschinenpistole, als sie meine Papiere kontrollierten stand einer mit der Hand an der Waffe neben "meinem" Polizisten, als ich wieder losfuhr stand auf der anderen Seite auch ein Beamter mit MP, so etwas hatte ich bis jetzt noch nie erlebt.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Orianne » 28.09.2014, 09:51

Triton hat geschrieben:
Das sollte in Deutschland auch so sein, Beamtenberuf nur nach abgeleistetem Dienst für den Arbeitgeber. Hier konnte man zur Polizei statt zum Wehrdienst, damit zog man gerade Menschen an, die eben nicht für den Staat eintreten wollten.
Eigentlich eine gute Sache, wenn Polizisten auch mal was anderes getan haben.

Was wäre mit Georg Elser passiert, der vor der Grenze geschnappt wurde?


Du meinst in der Schweiz? Ich glaube er hätte vielleicht Asyl bekommen, auch er war ein stiller Held, der viel geleistet hatte, ich sah einmal Arbeiten von ihm als Kunstschreiner, auch diese Arbeiten von ihm waren perfekt.

Aber zurück zu Georg Elser, ich glaube, Berlin hätte Druck gemacht, und die Auslieferung von Elser gefordert, ob die Behörden weich geworden wären, ich weiss es nicht. Das ist sehr schwer zu beurteilen. Die Bevölkerung hätte ohne Zweifel Partei für Elser genommen, aber die Regierung wohl eher nicht.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Triton » 28.09.2014, 09:11

Das sollte in Deutschland auch so sein, Beamtenberuf nur nach abgeleistetem Dienst für den Arbeitgeber. Hier konnte man zur Polizei statt zum Wehrdienst, damit zog man gerade Menschen an, die eben nicht für den Staat eintreten wollten.
Eigentlich eine gute Sache, wenn Polizisten auch mal was anderes getan haben.

Was wäre mit Georg Elser passiert, der vor der Grenze geschnappt wurde?

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Orianne » 28.09.2014, 08:48

Triton hat geschrieben:
Wie wird denn ein Lehrer Polizeikommandant einer mittelgroßen Stadt? Ist das ein Beruf, der keine besonderen Kenntnisse voraussetzt?
Wenn selbst der Kommandant ärmlich lebte, wie ging es dann erst Streifenpolizisten?


Er lebte erst ärmlich als er kein Kommandant mehr war, die Voraussetzung für so einen Posten ist eine abgeschlossene Rekrutenschule im Militär, dazu eine abgeschlossene Polizeischule, sowie ein erlernter Beruf, oder ein abgeschlossenes Studium, dazu ein tadelloser Leumund, ein sauberer Auszug aus dem Betreibungsregister. All dies konnte Grüninger vorweisen.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Triton » 28.09.2014, 08:41

Wie wird denn ein Lehrer Polizeikommandant einer mittelgroßen Stadt? Ist das ein Beruf, der keine besonderen Kenntnisse voraussetzt?
Wenn selbst der Kommandant ärmlich lebte, wie ging es dann erst Streifenpolizisten?

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Orianne » 28.09.2014, 08:26

Triton hat geschrieben:
Marek1964 hat geschrieben:
Was sollen diese Spekulationen? Wo wurde erwähnt, dass ein Schweizer Beamter nicht gut situiert war? Jedenfalls gut genug, um nicht seine Postion "wegen ein paar Juden" zu riskieren.


Orianne hat geschrieben:
«Die haben ja gesehen, in welch ärmlichen Verhältnissen wir lebten.» Auch ihr Vater hatte stets beteuert, nie einen Rappen genommen zu haben.


In Deutschland waren Beamte bis in die 60er Jahre bettelarm, meine Mutter kannte noch Gedichte vom "armen Dorfschullehrlein", teilweise wurde sogar gehungert. Die Ärmelschoner der Beamten waren notwendig, weil kein Geld für neue Hemden da war. Die schweizer Verhältnisse kenne ich nicht, aber wenn ein Lehrer noch nebenher Grenzpolizist war, dann wohl eher aus finanziellen Zwängen.
.


Eben darum war Paul Grüninger hauptamtlich St. Galler Polizeikommandant,und nicht nebenamtlicher Grenzpolizist, weil der Lehrerberuf schlecht bezahlt war, und es zum Teil heute immer noch ist.

======================================================================================================

Der Historiker Edgar Bonjour brachte 1970 die vor allem unter Intellektuellen und Medienschaffenden vorherrschende Haltung auf den Punkt: «Die ganze damalige Generation hat versagt und ist mitschuldig.» Mit dem Bergier-Bericht wurde diese Haltung Ende des letzten Jahrhunderts offiziell: Die Schweizer Politik habe nicht nur viel Leid verursacht, sondern auch dazu beigetragen, «dass die Nationalsozialisten ihre Ziele erreichen konnten» (Schlussbericht der Bergier-Kommis­sion).

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Triton » 28.09.2014, 08:10

Marek1964 hat geschrieben:
Was sollen diese Spekulationen? Wo wurde erwähnt, dass ein Schweizer Beamter nicht gut situiert war? Jedenfalls gut genug, um nicht seine Postion "wegen ein paar Juden" zu riskieren.


Orianne hat geschrieben:
«Die haben ja gesehen, in welch ärmlichen Verhältnissen wir lebten.» Auch ihr Vater hatte stets beteuert, nie einen Rappen genommen zu haben.


In Deutschland waren Beamte bis in die 60er Jahre bettelarm, meine Mutter kannte noch Gedichte vom "armen Dorfschullehrlein", teilweise wurde sogar gehungert. Die Ärmelschoner der Beamten waren notwendig, weil kein Geld für neue Hemden da war. Die schweizer Verhältnisse kenne ich nicht, aber wenn ein Lehrer noch nebenher Grenzpolizist war, dann wohl eher aus finanziellen Zwängen.

Marek1964 hat geschrieben:
Relativ sicher? Inwiefern? Wo war es weniger sicher? Steht das wirklich bei Klemperer? Würde mich wundern.
Klemperers bauten noch in den späten 30ern ein Haus. Lesen bildet. Relativ sicher im Vergleich zu den Kriegsjahren als sich die Welt nicht mehr für das Schicksal der Juden in Deutschland interessierte.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Marek1964 » 27.09.2014, 23:34

Triton hat geschrieben:
Hat Schindler nicht auch Geld genommen? Aendert doch erstmal nichts an seinen Taten.
Grueninger riskierte seine Stelle, er war, wie oben erwaehnt, eben nicht besonders gut situiert, wer haette ihm das veruebelt?


Was sollen diese Spekulationen? Wo wurde erwähnt, dass ein Schweizer Beamter nicht gut situiert war? Jedenfalls gut genug, um nicht seine Postion "wegen ein paar Juden" zu riskieren. Gibt es irgendwo Hinweise, dass er Geld bekommen hat?

Der Vergleich mit Schindler hat aber insofern eine gewisse Berechtigung, als dass zwar Schindler tatsächlich zuerst Geld genommen hat, später aber dieses für die Rettung "seiner" Juden wieder "verbraten" hat.


Triton hat geschrieben:
Aus Klemperers Tagebuechern weiss man, dass es vor dem Krieg zumindest im alten Reichsgebiet noch relativ sicher war, wenn auch alles andere als angenehm.
.


Relativ sicher? Inwiefern? Wo war es weniger sicher? Steht das wirklich bei Klemperer? Würde mich wundern.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Triton » 27.09.2014, 23:08

Hat Schindler nicht auch Geld genommen? Aendert doch erstmal nichts an seinen Taten.
Grueninger riskierte seine Stelle, er war, wie oben erwaehnt, eben nicht besonders gut situiert, wer haette ihm das veruebelt?
Zumindest die Schlepper mussten gewusst haben, dass der sich der kleine Ort Hohenems besonders eignete.
Was waere eigentlich mit Georg Elser in der Schweiz passiert? Kein Jude, aber ein in Deutschland gesuchter Verbrecher.

Aus Klemperers Tagebuechern weiss man, dass es vor dem Krieg zumindest im alten Reichsgebiet noch relativ sicher war, wenn auch alles andere als angenehm. Die Pogromnacht provozierte internationale Proteste, noch konnte sich das Regime das nicht beliebig leisten. Daher denke ich, ist es schon richtig, wenn Grueninger in diesem Punkt etwas uebertrieb.

Das schlechte Ansehen nach dem Krieg teilte er leider mit vielen, die sich nicht zu Erfuellungsgehilfen der Nazis gemacht haben.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von RedScorpion » 27.09.2014, 22:24

Wenn man vllt irgendwie zum Konsens kommen könnte, dass industrieller Massenmord mit Zyklon B noch nicht erprobt bzw. Wannsee eben noch in der Zukunft lag (und N.B. auch vor Wannsee hatte es bereits hunderttausendfachen Mord in Galizien, z.B., eben mit "traditionellen" Mitteln und durch die WH),

wusste man aber doch immerhin genug, um zu wissen, dass durch den NS in D massenhafter Mord verübt wurde. Stichwort Pogrommorde Nov. 1938, aber nicht nur. 1934 war in Erinnerung geblieben, den Anschluss fand man sehr bedenklich (aus vielerlei Gründen, auch unredlichen), und nicht nur in der Schweizer Presse (die u.a. auch Streicher bezog, was ihn in Nürnberg an den Galgen brachte, als er sich depperterweise damit herauszureden suchte, er habe von nix gewusst), auch in GB schrieb man über organisierte Verbrechen durch den NS.

Chaplin sagte, frei wiedergegeben, dass er den Film über Hinkel nicht gemacht hätte, hätte er das wahre Ausmass der Morde durch den NS auch nur annähernd geahnt.

Aber ein kleiner Teil von Viel ist immer noch viel.

Das war schon das Mittel, mit dem Speer das Trial in Nürnberg gelinkt hatte.



LG

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Marek1964 » 27.09.2014, 21:55

Triton hat geschrieben:
Da es 1940 noch den Madagaskarplan gab, konnte Grüninger nicht gewusst haben, dass den Juden der industrielle Massenmord drohte. Wussten ja 1938 nicht einmal die Nazis selbst. Also da schwindelte Grüninger natürlich schon.
http://de.wikipedia.org/wiki/Madagaskarplan
Hätte mich nicht gewundert, wenn Geld eine Rolle gespielt hätte, wie so oft bei späten Judenfluchten ohne Schmiermittel nichts lief.

Warum wehrte sich die Schweiz damals so vehement gegen jüdische Flüchtlinge? Ich nehme an, viele brachten Geld mit, viele zogen weiter.


Und warum wehrte sich Kanada mit dem berühmten Spruch MacKenzie Kings "even None is too much" schon Jahre vorher? Ein Riesenland, ohne Gefahr von wo auch immer? DIe Konferenz von Lausanne offenbarte schon vorher den Unwillen, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Obwohl es doch nicht wirklich ein Problem gewesen wäre, für keines der Länder,auch alle deutschen Juden aufzunehmen. Und wie schon erwähnt: auch ohne Todesbedrohung hätten sie Asyl verdient.

Dass Du einem grossartigen Menschen wie Paul Grüninger Schwindel vorwirfst, darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Der Mann hat einen Baum in Jad Waschem.

Auch Charlie Chaplin durchschaute Hitler und ahnte seine Verbrechen noch bevor er sie begannen. Wie Karel Čapek sahen halt wie so manche Leute voraus, wohin Hitlers Reise ging. Andere, wie Chamberlain und die Appeaser, wollten es nicht sehen.

Re: Polizeihauptmann Paul Grüninger half vielen Juden in der

Beitrag von Orianne » 27.09.2014, 21:31

@Triton: Den Massenmord nicht, aber dass den Juden physische und psychische Gewalt angetan wurde, dass wusste er, dass wussten auch viele gewöhnliche Leute in der Schweiz spätestens seit 1935, natürlich gab es damals schon Schleuser, die für Geld Schleichwege zeigten, aber Grüninger nahm nie Geld, er hatte einen guten Lohn, er machte das aus Menschenliebe und wegen seinem Gewissen.

In der Schweiz gab es auch Leute in hohen Positionen, die fürchteten, das Land würde "verjudet", merkwürdiges Wort, aber es war eine Tatsache, auch General Guisan war in einer antisemitischen Bewegung als Mitglied. Der Gesamtbundesrat fürchtete bei so vielen jüdischen Flüchtlingen einen baldigen Einmarsch der WH.