Forum für Geschichte und Politik


Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Antwort erstellen


Diese Frage dient dazu, das automatisierte Versenden von Formularen durch Spam-Bots zu verhindern.
Schriftfarbe
   

Ansicht erweitern Die letzten Beiträge des Themas: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Feldwebel57 » 15.08.2019, 19:59

Nun , wie war es mit Abwehrchef Gehlen oder Panzergeneral Guderian  ?
Nur zwei Beispiele .

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Feldwebel57 » 13.08.2019, 20:33

Alle Beiträge sind absolut interessant . Zu Barbarossa möchte ich bemerken , daß die Offiziere der Wehrmacht nicht mehr unpolitisch sein sollten , deswegen wurden sie ja auf Hitler vereidigt .
Allgemein fehlt in allen Beiträgen der Hinweis , daß einige Verschwörer gern den Krieg gegen die Sowjetunion fortgesetzt hätten , andere wollten wirklich die Kapitulation .
Dieser Widerspruch hätte alles unmöglich gemacht , auch wenn das Attentat erfolgreich gewesen wäre .

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Balduin » 12.08.2019, 22:51

Um auf das eigentliche Thema "Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?" zurückzukommen, möchte ich auf die folgende Veröffentlichung hinweisen: https://geschichte-wissen.de/blog/ausst ... juli-1944/

In dem Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung sind auch mehrere Aufsätze abgedruckt, die das Verhältnis der Bundeswehr zum Widerstand behandeln. Ich möchte einfach kurz einen Absatz aus dem Artikel zitieren:

Der Autor Dr. Wagner arbeitet in seinem Essay die Bedeutung des Widerstands klug heraus. Er macht sich nicht die pauschale Kritik zu eigen, dass die Widerständler gerade nicht Demokraten im heutigen Sinne waren und erst spät, als der Krieg bereits verloren war, eingriffen. Vielmehr weist er – zutreffend und reflektierend – auf die persönliche Entwicklung und den Reifungsprozess hin, den diese Menschen erlebten. Es mag ein menschliches Bedürfnis sein, reine Helden zu haben – die Wirklichkeit ist jedoch vielschichtiger und schwieriger.

Ich habe eine weitere Erwägung nicht in den Artikel mit aufgenommen, die aber auch sehr wichtig ist und von dem Autor des Aufsatzes herausgearbeitet wird: Der Widerstand um Stauffenberg hatte konkrete Pläne, wie es nach dem Attentat politisch und militärisch weitergehen sollte, zudem standen tatsächlich konkrete Mittel zur Verfügung, um das NS-Regime zu stürzen.

Re: 70. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli Stauffenberg

Beitrag von dieter » 21.07.2014, 14:22

Barbarossa hat geschrieben:
dieter hat geschrieben:
...
Kriege haben noch nie ein Problem gelöst. :wink:

Außer die Kriege von Bismarck - die haben immerhin die lang ersehnte Einheit Deutschlands herbeigeführt. Anderenfalls wäre es zu diesem Zweck zu einer weiteren Revolution gekommen - aber das ist ein anderes Thema.
:wink:

Lieber Barbarossa,
Du hast recht, es ist so zu einem Ergbnis gekommen. Vielleicht wäre das auch irgenwann friedlich gegangen :?:

Re: 70. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli Stauffenberg

Beitrag von Barbarossa » 21.07.2014, 13:44

dieter hat geschrieben:
...
Kriege haben noch nie ein Problem gelöst. :wink:

Außer die Kriege von Bismarck - die haben immerhin die lang ersehnte Einheit Deutschlands herbeigeführt. Anderenfalls wäre es zu diesem Zweck zu einer weiteren Revolution gekommen - aber das ist ein anderes Thema.
:wink:

Re: 70. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli Stauffenberg

Beitrag von dieter » 21.07.2014, 11:50

Marek1964 hat geschrieben:
Will mal diesen Thread aus aktuellem Anlass des 20. Juli "hochholen". Vor allem die Anfangspost sind selenswert, ich empfehle besonders denjenigen von Beppone.


dieter hat geschrieben:
Lieber Joerg,
also aufhören. :wink:


Dazu fällt mir das berühmte Zitat von Rundstedt ein: Rundstedt: „Was ihr machen sollt? Schluss sollt ihr machen mit dem Krieg, ihr Idioten." Telefonisch an Keitel eine Woche vor dem Attentat ubermittelt, auf die Frage, was man denn tun solle.

Lieber Marek,
Kriege haben noch nie ein Problem gelöst. :wink:

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Lia » 20.07.2014, 14:36

Wie sagte ein polnischer Historiker-Freund, Mitglied der Solidarnosc von Beginn an, als das Thema Widerstand diskutiert wurde:
"Wir wussten in Polen lange nicht, dass es überhaupt aktiven deutschen Widerstand gegebenhatte, mal gar nicht innerhab der Wehrmacht. Bevor man sich daran macht, Widerstand zu bewerten, sollte sich jeder darüber im klaren sein, wie schwierig und im kleinsten gefährlich es sein kann, überhaupt solchen zu entwickeln, geschweige denn, vom passiven in den aktiven überzugehen. Gleich, aus welchen Kreisen und wie viel zu spät es den Nachgeborenen erscheinen mag."
V. war am Abend des 12. Dezember auf dem Weg von Warschau nach Kiel, lange geplante Reise, und gerade über die innerdeutsche Grenze eingereist, als das Kriegsrecht verhängt wurde.

Triton wies weit vorn in ähnlicher Form darauf hin, dass die Geschehnisse sehr differenziert betrachtet werden werden müssen und nicht bestimmte Gruppen, insbesondere Adel und Wehrmacht, von vornherein als der "schlechtere" Widerstand dargestellt werden.
Um gegen ein Regime aktiven Widerstand zu leisten, müssen auch innere Zweifel, Skrupel, Prägungen zunächst mal überwunden werden.
Barbarossa hat Recht, auf Beppes Stellungnahmen zu verweisen, in den fast alles gesagt ist.
Was wäre gewesen, wenn?
Ein großer Teil der Bevölkerung und der kämpfenden Truppe war definitiv kriegsmüde, hätte keinen Widerstand gegen eine Machtübernahme der Widerständler geleistet. Andere Teile der Bevölkerung, wären möglicherweise zu aktiven Unterstützern geworden.
Gab die Menschen, die durchaus Hass gegen die Nazis empfanden, aber nicht so recht wussten, was sie tun konnten, das Regime zu beseitigen, immer auch war damit Gefahr für die ganze Familie verbunden.
Und sei es, wenn man nichts von Ehre und Stolz und " gefallen für Führer, Volk und Vaterland" in eine Traueranzeige schreiben wollte.
Längst nicht alle zogen begeistert und für Deutschland nach Russland, nach Stalingrad mal gar nicht.
Ein anderer Teil war fanatisiert, definitiv, wollte kämpfen bis zum Sieg oder Untergang.
Wie oben erwähnt, sicherlich Teile der HJ, da trafen die jüngeren Jahrgänge, die nie etwas anderes gekannt hatten als die Nazis und Füher-Verehrung, auf ebenso fanatische Führer im Kleinen, daneben gab es auch die Jahrgänge, die langsam realisierten, wohin sie sich hatten ziehen lassen.
Barbarossa hat geschrieben:
Darum ging es in meinem Beitrag nicht, sondern es ging um das letzte Kriegsjahr, wo ich nach Argumenten dafür gesucht habe, warum trotz der aussichtslosen Lage weitergekämpft und weiter ausgehalten wurde.

Eine einzige Begründung gibt es dafür wohl nicht. Zum Teil war jeder viel zu sehr mit dem eigenen nackten Überleben beschäftigt, um sich selbst in Aktionen noch einzubringen, viele waren fatalistisch, andere fanatisiert und an den Endsieg glaubend, andere wussten- die tägliche Not mit eingerechnet, einfach nicht, was sie selber hätten tun können, wäre noch Kraft vorhanden gewesen. Nicht jeder ist zum Helden geboren.
Was so oft als Durchhaltewillen bezeichnet wird, war in Teilen und in der Realität des Kriegswahnsinns Resignation und passives Abwarten, dass es irgendwannn irgendwie vorbei sein möge, nicht der von der Propaganda verbreitete Hass und Widerstand gegen die Bomber-Nationen.
Den Männern und Frauen des 20.Juli gehört Respekt gezollt. Uneingeschränkt, denn sie waren Menschen ihrer Zeit, von denen man nicht als kluger Nachgeborener fordern sollte, was man selbst nicht unbedingt als Kind dieser Zeit leistet, trotz größerer Möglichkeiten.

70. Jahrestag des Attentats vom 20. Juli Stauffenberg

Beitrag von Marek1964 » 20.07.2014, 11:55

Will mal diesen Thread aus aktuellem Anlass des 20. Juli "hochholen". Vor allem die Anfangspost sind selenswert, ich empfehle besonders denjenigen von Beppone.


dieter hat geschrieben:
Lieber Joerg,
also aufhören. :wink:


Dazu fällt mir das berühmte Zitat von Rundstedt ein: Rundstedt: „Was ihr machen sollt? Schluss sollt ihr machen mit dem Krieg, ihr Idioten." Telefonisch an Keitel eine Woche vor dem Attentat ubermittelt, auf die Frage, was man denn tun solle.

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von dieter » 27.12.2013, 15:34

Conzaliss hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben:

b) die Mordandrohung gegen Deserteure und deren Familienangehörige. Besonders im letzten Kriegsjahr wurde die Sippenhaft stark propagiert - ich habe darüber Dokumentaraufnahmen gesehen. Diese Androhung kam von alleroberster Stelle, nämlich vom "Führer" selbst. Wie oft das nun zur Anwendung kam, weiß ich nicht, aber es spielt auch keine Rolle, denn die Drohung stand erst einmal im Raum und wer hätte schon gern mal ausprobiert, ob die ernst damit machen.


Die Sippenhaft war eine ganz perfide Maßnahme der Nazis.

Kinder von in das Attentat verwickelten Vätern kamen in Kinderheime und mussten einen neuen Namen annehmen.

Bei sehr kleinen Kindern ergaben sich nach dem Krieg große Probleme mit der Familienzusammenführung...

Lieber Conzaliss,
dasselbe haben auch die Kommunisten mit Kindern gemacht, deren Eltern in den Westen geflohen waren. :roll: Diktaturen gleichen sich anscheinend. :wink:

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Triton » 27.12.2013, 13:31

Wobei man bei der Sippenhaft sagen muss, dass sie selbst im Naziregime juristisch nicht legitimiert war.
Es ist doch klar, dass in der Endphase des 3.Reichs alles unternommen wurde, um die Disziplin aufrecht zu erhalten. Und Sippenhaft ist nun gerade bei Menschen, die aus Gewissensgründen und aus dem Gefühl der Verantwortung für andere handeln, ein sehr probates Mittel der Abschreckung.
Das Naziregime war in dieser Beziehung leider sehr flexibel und einfallsreich.

Partisanen, Widerstandskämpfer und deren Mitwisser wurden im Normalfall gefoltert und mit dem Tod bedroht, sollten sie nicht wertvolle Informationen liefern. Waren aber die Gefangenen in fortgeschrittenem Alter, zog diese Drohung nicht so richtig. Also wurde der Gefangene äußerst zuvorkommend und freundlich behandelt, aber dafür ein junger Mensch zuerst gefoltert, dann lebenslang entstellt und schließlich vor den Augen des Älteren umgebracht, sollten keine Informationen fließen. Eine sehr wirkungsvolle Methode, aber natürlich mit keinem Völkerrecht in Einklang zu bringen.

Beste Grüße
Joerg

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Marvin » 27.12.2013, 11:44

Die Sippenhaft wurde zu Beginn des Dritten Reiches vereinzelt eingesetzt. Erst nach dem 20. Juli 1944 führte das NS-Regime die Sippenhaft umfassend ein. Es wurde für den Vollzug der Sippenhaft eine spezielle Gruppe gegründet und zwar die Gruppe XI in der Sonderkommission 20. Juli des RSHA. Die Leitung hatte Karl Neuhaus und diese Gruppe wurde ab August 1944 tätig. Ab dem 21.11.1944 wurde im RSHA ein neues Referat IV a 6 c "S" errichtet, die Leitung hatte Ernst Jarosch. Dies wurde dann als ständige Institution eingericht und ausgeweitet. Diese Ausweitung betraf nun auch Familien von Deserteuren und Wehrmachtsangehörige die in der Kriegsgefangenschaft Landesverrat begingen.

44 Kinder von den beteiligten am Attentat wurden nach Bad Sachsa in ein Kinderheim gebracht.

http://www.bad-sachsa-geschichte.de/ind ... &Itemid=30

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von RedScorpion » 27.12.2013, 11:00

Das ist aber nicht plausibel.

"Sippenhaft" gab es in begrenzter Form im Rahmen des Röhm-Putsches und dann, wie Conzaliss richtigerweise schreibt, bez. des 20. Juli.

Betraf also realiter, in der von Euch verstandenen Form, etwa 0.0000001 % der Bev., irgendwo in der "Elite".


Sonst eher zu 99.9999998% Juden, Sinti und Rom.
:shh:



LG

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Barbarossa » 27.12.2013, 08:32

RS: Manchmal verstehe ich wirklich dein Probem mit meinen Posts nicht. Was ich meinte war:

Die NS-Führung war (wider jeglicher Vernunft) fest entschlossen, den Krieg auch in letzten Kriegsjahr bis zum Ende auszufechten. Um zu erreichen, dass auch die Bevölkerung weiter mitmachte, setzen sie als Mittel ein:

a) die Propaganda - insbesondere versuchten die Nazis Hoffnung dadurch zu nähren, dass sie die sogenannte "Wunderwaffe" noch einsetzen würden und dann wäre der Sieg doch noch erreichbar.
Bezüglich der Beeinflussung der Bevölkerung durch die NS-Propaganda hatte ich dann noch festgestellt, dass anscheinend nicht wenige Leute auch Jahrzente später noch immer Maßnahmen der Nazis rechtfertigten.

b) die Mordandrohung gegen Deserteure und deren Familienangehörige. Besonders im letzten Kriegsjahr wurde die Sippenhaft stark propagiert - ich habe darüber Dokumentaraufnahmen gesehen. Diese Androhung kam von alleroberster Stelle, nämlich vom "Führer" selbst. Wie oft das nun zur Anwendung kam, weiß ich nicht, aber es spielt auch keine Rolle, denn die Drohung stand erst einmal im Raum und wer hätte schon gern mal ausprobiert, ob die ernst damit machen.

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von RedScorpion » 26.12.2013, 22:07

Barbarossa hat geschrieben:
RedScorpion hat geschrieben:
...

Und wo ist die Korrelation mit Fahnenflucht?

Darum ging es in meinem Beitrag nicht, sondern es ging um das letzte Kriegsjahr, wo ich nach Argumenten dafür gesucht habe, warum trotz der aussichtslosen Lage weitergekämpft und weiter ausgehalten wurde.

Nu, det passt aba hinden un vonne nüscht.

Entweder, Du meinst's so, wie Du's hier schreibst:
Barbarossa hat geschrieben:
Titus Feuerfuchs hat geschrieben:
Das letzte Kriegsjahr war das verheerendste und unnnötigste. Es ist völig idiotisch, einen Kampf zu kämpfen, den man auf keinen Fall gewinnen kann.

Im Grunde genommen ja, nur da gab es die Propaganda der Nazis auf der einen Seite und die Mordandrohung bei Fahnenflucht gegen sich und auch der ganzen übrigen Familienangehörigen auf der anderen Seite. Darum war auch die Bombardierung der deutschen Städte so sinnlos.
...

... dann klingt das so, als sei der Bombenkrieg von Durchhaltewillen, Angriffs- bzw. Verteidigungskraft, Kriegsanstrengungen usw. völlig losgelöst (und andersherum); sprich Korrelation und gegenseitige Ursachen- und Effektenwirkung gleich null, denn die eigentliche Wirkung ginge, so Dein Post, von "Mordandrohung bei Fahnenflucht" aus (dabei führt ein Sichergeben dem Feinde bei unbedeutendeter Verletzung und Nichteinsatz aller zum Kampfe bereitstehender körperlicher Kräfte "unter Umständen" zur Streichung von Versorgungsgeldern an die im Restreich ausharrenden Angehörigen, oh welch schröcklich Straf, Führerbefehl wohlgemerkt von Ende März 1945, nach "Granate"). Schwer, das "darum" in Deinem Satz anders zu deuten.

Oder aber, wenn Du jetzt meinst,
Barbarossa hat geschrieben:
...
es ging um das letzte Kriegsjahr, wo ich nach Argumenten dafür gesucht habe, warum trotz der aussichtslosen Lage weitergekämpft und weiter ausgehalten wurde.

dass der Bombenkrieg im Gegensatz zum obigen Zitat jetzt den Durchhaltewillen der Bev. stärkte, anstatt zu schwächen?



Danke und lG

Re: Wie ist der Widerstand der Wehrmacht zu werten?

Beitrag von Barbarossa » 26.12.2013, 20:50

RedScorpion hat geschrieben:
...

Und wo ist die Korrelation mit Fahnenflucht?

Darum ging es in meinem Beitrag nicht, sondern es ging um das letzte Kriegsjahr, wo ich nach Argumenten dafür gesucht habe, warum trotz der aussichtslosen Lage weitergekämpft und weiter ausgehalten wurde.