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Was ist für Euch die grösste politische Rede?

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Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Jim Morisson » 15.11.2019, 12:17

Feldwebel,
Doch, natürlich muss man das auch aus heutiger Sicht sehen. Und wenn ich Volk schreibe, ist das völlig korrekt, denn Stalin konnte ja nicht wissen, wie die Menschen reagieren würden, egal ob in der Stadt oder auf dem Land.

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Marianne E. » 14.11.2019, 21:46

Hallo Feldwebel57, lieber Andreas,
ich kann nicht anders. Aber angesichts Deines Statements muss ich einfach gratulieren.
Bravo, endlich eine vernünftige Aussage.

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Feldwebel57 » 14.11.2019, 21:42

Wie schon beim Beurteilen der Bürger der DDR gehst du hier völlig am Thema vorbei .
Du kannst nicht einfach " Volk " schreiben , denn die Landbevölkerung  , vor allem der Ukraine , stand nicht hinter ihm . 
Die Stadtbevölkerung schon , die schon Dinge ihr Eigen nannte , die nichtmal in Deutschland heute selbstverständlich sind .
Was man heute  zu dieser Rede schreibt oder denkt , ist völlig unwichtig .
Man muß sich in das Jahr 41 versetzen , die Faschisten sind an der Stadtgrenze von Moskau .
Es galt , die Massen zu mobilisieren -  UND DAS GELANG - , alles andere muß hier nicht besprochen werden .

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Jim Morisson » 13.11.2019, 12:36

Feldwebel57
Eine der größten Reden ist für mich die von Stalin mit dem Aufruf zum Heiligen Krieg 1941 auf dem Roten Platz .

Na ja, so großartig finde ich die Rede von Stalin nicht. Man kann sie nachlesen unter
https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0029_stj&object=translation&l=de
 
Nun mag ich generell die Reden von Diktatoren nicht gerne. Ich habe einmal eine Original Aufnahme gehört, Stalin spricht monoton, er klingt müde und resigniert. Er spricht auch erst am 3.Juli, fast zwei Wochen nach Beginn des Krieges. Er redet auch nicht von einem heiligen Krieg, das wäre für einen Atheisten auch kein angemessener Terminus. In der UDSSR hieß es ja „Großer Vaterländischer Krieg“. Diese Bezeichnung habe ich in seiner Rede aber nicht gefunden, sie ist wohl später entstanden.

Stalin ist verzweifelt bemüht zu erklären, wieso die Deutschen überhaupt angegriffen haben. Er ist auf Hitler hereingefallen, aber das will er nicht zugeben. Stalin hat keinem Menschen getraut, nur Hitler, dem hat er getraut. Eine Blamage.

In der Rede gibt es wüste Drohungen gegen alle potentiellen Verräter. Stalin weiß nicht, ob sein Volk, das er mit seinen Säuberungen und Zwangskollektivierungen so gequält hat, überhaupt bereit ist, ihm zu folgen. Wir wissen, dass in den ersten Kriegstagen die deutschen Soldaten in der Ukraine von den Bewohnern freudig begrüßt wurden. Das hat Stalin auch erfahren.

Er sagt, dass Kaiser Wilhelm früher auch besiegt wurde. Nur hat der aber vorher die Russen geschlagen.
Na ja, später haben die Russen ja gesiegt, aber nicht wegen Stalin, sondern trotz Stalin. Die Russen kämpfen tapfer, wenn es um ihre Heimat geht.

Ich kenne viele politische Reden, kann nicht sagen, welche die beste ist. Gut gefallen hat mir die Rede von Roosevelt 1933:

„So lassen Sie mich denn als Allererstes meine feste Überzeugung bekunden, dass das Einzige, was wir zu fürchten haben, die Furcht selbst ist – die namenlose, blinde, sinnlose Angst, die die Anstrengungen lähmt, deren es bedarf, um den Rückzug in einen Vormarsch umzuwandeln.“

Keine Angst vor der Angst zu haben, das ist auch für Deutschland wichtig, wo es so viele, häufig irratonale Ängste gibt und Politiker damit Kapital schlagen.
 

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Feldwebel57 » 11.11.2019, 20:24

Eine der größten Reden ist für mich die von Stalin mit dem Aufruf zum Heiligen Krieg 1941 auf dem Roten Platz .
Daß Stalin selbst für diesen schwierigen Krieg mitverantwortlich war , seiner Armee größere Verluste zugefügt hatte , als es die Faschisten in den nächsten Jahren tun würden , daß Stalin damals schon mehr Menschen auf dem Gewissen hatte als Hitler , ist natürlich im Nachhinein zu beachten .

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Nemeth » 26.12.2014, 13:12

Diese Rede von Ernst Reuther und die von Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon
der Villa Lobkowitz im Oktober 1989 in Prag lassen mir immer ein Gänsehautgefühl
aufkommen.
Es waren Reden der Hoffnung für die noch lebende Generation. Sie haben den Anfang und das Ende
eines totalitären Systems beinhaltet.

Ernst Reuters berühmteste Rede für West-Berlin 1948

Beitrag von Marek1964 » 26.12.2014, 12:39

Nico_Neacsu hat geschrieben:
Ernst Reuter in `48


Es wäre wünschenswert, Nico, wenn Du auch etwas mehr zur Rede sagen könntest, einen link, evtl. Zitate und vor allem, warum Du die Rede gut findest.

Hier die Rede, weiter unten an der Seite hat es auch einen Verweis auf eine Audio Datei.
http://www.berlin.de/berlin-im-ueberbli ... de.de.html

Eine Rede rund um den Kampf West-Berlins um Verbleib beim Westen, während der Blockade. Reuter war damals von der SPD nominierter Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Reut ... _in_Berlin

Wikipedia sagt dazu:

Diesen Widerstandswillen machte Reuter anschließend gegenüber General Clay deutlich, der von Reuters Festigkeit und vom Willen der Berliner Bevölkerung, Entbehrungen in Kauf zu nehmen, beeindruckt war.[44] Reuter bat Clay, die amerikanischen Pläne zur Versorgung Berlins aus der Luft in die Tat umzusetzen. Am 28. Juni 1948 gab Präsident Harry S. Truman den amerikanischen Standpunkt bekannt: Berlin werde versorgt, die Amerikaner zögen sich keinesfalls aus Berlin zurück. Die Luftbrücke entwickelte sich zum nachhaltigen Erfolg und führte zu einer Solidarisierung förderte. Ihm gelang es mit seinen Ansprachen zudem, die Westalliierten gelegentlich moralisch so unter Druck zu setzen, dass sie seinen Wünschen entsprachen. Das bekannteste Zeugnis dafür ist die berühmte Rede Reuters am 9. September 1948 vor dem Reichstagsgebäude. Mit ihr appellierte er vor ungefähr 300.000 Menschen an die „Völker der Welt“, auf die Stadt zu schauen und Berlin nicht preiszugeben.[46] Gut zwei Jahre später, am 18. September 1950, erschien Reuter auf dem Titel des Time Magazine,[47] das ihm zugleich die Titelstory widmete.[48]


Hier die Abschlusspassage der Rede:

Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, daß ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft und nicht preisgeben könnt! Es gibt nur eine Möglichkeit für uns alle: gemeinsam so lange zusammenzustehen, bis dieser Kampf gewonnen, bis dieser Kampf endlich durch den Sieg über die Feinde, durch den Sieg über die Macht der Finsternis besiegelt ist.

Das Volk von Berlin hat gesprochen. Wir haben unsere Pflicht getan, und wir werden unsere Pflicht weiter tun. Völker der Welt! Tut auch ihr eure Pflicht und helft uns in der Zeit, die vor uns steht, nicht nur mit dem Dröhnen eurer Flugzeuge, nicht nur mit den Transportmöglichkeiten, die ihr hierherschafft, sondern mit dem standhaften und unzerstörbaren Einstehen für die gemeinsamen Ideale, die allein unsere Zukunft und die auch allein eure Zukunft sichern können. Völker der Welt, schaut auf Berlin! Und Volk von Berlin, sei dessen gewiß, diesen Kampf, den wollen, diesen Kampf, den werden wir gewinnen!"

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Nico_Neacsu » 26.12.2014, 11:03

Ernst Reuter in `48

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von dieter » 26.12.2014, 10:04

Lieber Marek,
Schade, dass er so früh gestorben ist, er hätte ab 1945 etwas für den Aufbau der SPD ab 1945 tun können. Wenigstens ist er den Nazis nicht in die Hände gefallen. :wink:

Grosse Reden in grossen Momenten: Otto Wels 1933

Beitrag von Marek1964 » 24.12.2014, 14:49

Barbarossa hat geschrieben:
Barbarossa hat geschrieben:
Für mich gibt es da einen ganz klaren Favoriten:

Der Monolog von Charlie Chaplin in "Der große Diktator" ganz am Ende des Films. Für mich geht da nichts drüber.


Eine hervorragende Rede. Überhaupt war es ein sehr guter Film. Er hat das Wesen Hitlers durchschaut mehr als irgend ein anderer.

viewtopic.php?f=74&t=3453&p=33677&hilit=Chaplin#p33677

Aber alle Reden, die hier erwähnt worden sind haben es in sich. Übrigens eignet sich die eine oder andere für besondere Threads, vielleicht sogar für Serien wie "grosse Reden".

Die Rede von Otto Wels zweifelsohne eine besonders mutige, da man eigentlich schon fast nicht mehr von freien Verhältnissen sprechen konnte nach dem Reichstagsbrand und den Einschüchterung. Hier kann die Rede nachgehört werden und die Reaktion Hitlers darauf: https://www.youtube.com/watch?v=LKkqEOJzad4 (29 min).

Otto Wels floh ja dann nach Prag, wo er die Exil-SPD (Sopade) aufbaute, nach dem Münchner Diktat floh er nach Paris, wo er 1939 verstarb.

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Jan H. » 24.12.2014, 14:32

So viele Reden kenne ich gar nicht, aber die Abschlussrede von Eisenhower ist großartig: https://www.youtube.com/watch?v=8y06NSBBRtY
Bild
»In den Räten der Regierung müssen wir uns gegen den Erwerb von unrechtmäßigem Einfluss – ob angestrebt oder nicht angestrebt – des Militärisch-industriellem Komplex schützen. Das Potential für einen verheerenden Aufstieg an fehlplatzierter Macht existiert – und wird sich halten. Wir dürfen niemals das Gewicht dieser Kombination unsere Freiheiten oder demokratischen Prozesse gefährden lassen. Wir sollten nichts als selbstverständlich hinnehmen. Nur eine wachsame und sachkundige Bürgerschaft kann die anständige Vermaschung der riesigen militärischen und industriellen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedvollen Methoden und Zielen erzwingen.«

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Barbarossa » 24.12.2014, 10:42

Barbarossa hat geschrieben:
Für mich gibt es da einen ganz klaren Favoriten:

Der Monolog von Charlie Chaplin in "Der große Diktator" ganz am Ende des Films. Für mich geht da nichts drüber.

Ich meine diesen Monolog: hier klicken

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von dieter » 24.12.2014, 10:31

Triton hat geschrieben:
Otto Wels mit der letzten freien Rede im deutschen Reichstag.

Lieber Joerg,
für mich ist es auch die Rede von Otto Wels, in der er darlegte warum die Sozialdemokraten als einzige Partei im Reichstag gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmen werden. Die Kommunisten konnten nicht mehr dagegen stimmen, da die KPD schon verboten war und die gewählten Reichtagabgeordneten, ins Ausland geflohen, untergetaucht, im Gefängnis oder KZ saßen.
Vor der Kroll-Oper, da der Reichstag ausgebrannt war standen die Horden der SA. Die Bürgerlichen Parteien stimmten diesem Gesetz zu, auch Papa Heuß. Wels sagte: "Unser Leben können sie uns nehmen, unsere Ehre nicht."
Ich hörte diese Rede zum ersten Mal in der Schule, ein Mitschüler hatte diese Rede zum Geschichtsunterricht mitgebracht, der Lehrer erlaubte die Abspielung dieser Rede, ging aber weiter nicht darauf ein.
Später konnte ich ihn auch in einem Zeitdokument sehen.

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Barbarossa » 24.12.2014, 10:04

Für mich gibt es da einen ganz klaren Favoriten:

Der Monolog von Charlie Chaplin in "Der große Diktator" ganz am Ende des Films. Für mich geht da nichts drüber.

Re: Was ist für Euch die grösste politische Rede?

Beitrag von Triton » 24.12.2014, 09:54

Otto Wels mit der letzten freien Rede im deutschen Reichstag.

Wenn Größe = Einfluss bedeutet, dann war die Rede natürlich völlig unbedeutend.
Bei großen Reden Kennedys fällt mir eher seine Antrittsrede als Präsident ein.
Frag nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frag, was Du für Dein Land tun kannst.
Wir werden diese Aufgaben angehen, nicht weil sie einfach zu erfüllen sind, sondern schwer.