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Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

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Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Renegat » 14.11.2014, 09:44

Interessantes Thema, auch in einem Geschichtsforum. Man geht Zukunft meist doch mit den Erfahrungen und Prägungen der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit an. Was sehr oft den Blick verstellt.

Nach Betrachtung der bisherigen Beiträge möchte ich sortieren.
Energie
Marek1964 hat geschrieben:
Ja, eine weitere industrielle Revolution wäre nötig, und zwar, um die Ressourcen dieses Planeten schonend nutzen zu können. Sonst kommt eine gigantische Energiekrise auf uns zu. Ob es Sonnenenergie oder sonst was sein wird - irgendwas muss gefunden werden.

Spartaner hat geschrieben:
Die fast völlige Ausbeutung der globalen Ölvorräte wird die Beweglichkeit der Menschen auf der Erde einschränken und wird den Ausbau der Bahn, der Strecken kleiner privater Bahnbetreiber und der Aufstockung der Schifffahrt erforderlich machen . Es wird "Energiestädte" geben die sich vollends auf die Sonnenenergie stützen werden.
Energie wird grösstenteils aus Sonnenenergie oder Windkraft gewonnen. Die Atomenergie wird weiterhin in einigen Ländern ein fester Bestandteil sein. Es wird neue Energiegewinnungssysteme geben.

Beim Thema Energie braucht man keine Glaskugel, um zu erkennen, dass die ungleiche Verteilung der Energieverbräuche zu Problemen führen muß. Dabei funktioniert sogar der Preis als Anzeiger so einigermaßen. Wir denken es nur nicht zu Ende und überlegen, wie der Einzelne mit weniger Energie auskommt. Denn weniger Energieverbrauch hieße wahrscheinlich weniger Wachstum und Nachfrage bei der Großindustrie, z.B. Auto, Machinen, Straßenbau.

Roboter und Automaten:
Barbarossas These verkürzt lautet ungefähr: Industrieroboter, Fertigungsautomaten etc machen den Menschen in der Güterproduktion weitgehend überflüssig. Zum Teil ist das schon eingetreten und die Entwicklung geht im Dienstleistungsbereich weiter, z.B. Telefonberatungsautomaten, Selbstbedienungssysteme. Braucht man immer weniger Arbeitskräfte in diesen Bereichen, gibt es 2 Möglichkeiten.
1. Man verteilt Grundeinkommen und schafft einen Hartz IV-Markt, dort hat man dann ein gewisses Wachstum/Nachfrage auf niedrigem Niveau. Funktioniert aber nur, wenn die Großindustrie, dass durch Steuern finanziert.
2. Man denkt sich was neues aus, um woanders neue Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen, der klassische Weg, wie ihn Karlheinz vorschlägt. Interessant bei diesem Weg ist China, dort sollen sich bisher selbstversorgende Bauern in Städte umgesiedelt werden, um neue Binnennachfrager zu generieren. Das könnte man natürlich weltweit machen.

Die weiteren Stichworte: Trend in die Städte, Geburtenrückgang, Konkurrenz aus Asien und Islamisierung wären dann mit letzterem Punkt im Zusammenhang zu betrachten.

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Skini91 » 13.11.2014, 01:18

Ich habe mittlerweile eins als Geschichtsstudent verstanden, man kann nie voraussagen was kommt. Ich denke viele werden mir recht geben das die Geschichte einen lediglich lehrt wie man es nicht mehr machen sollte. Gerade wir Menschen haben ein unglaubliches Talent , Fehler nochmal zu begehen aber in völlig anderer Form. Man sollte meinen, man hätte aus den Immobilienkrisen der letzetn Jahrhunderte was gelernt. Siehe das Jahr 2009 nein haben wir nicht.
Was ich damit sagen will ist man kann wenn man sich die Geschichte anschaut lediglich ein Urteil über das Hier und Jetzt verschaffen und dieses bewerten. Aber man wird keine Prognosen stellen können.
LG

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Triton » 05.11.2014, 21:41

Karlheinz hat geschrieben:
So etwas muss finanziert werden. Schon heute erhalten viele Menschen Transfereinkommen wie Renten, Arbeitslosengeld I und II, Kindergeld, Wohngeld. Das wird aber alles bezahlt von der berufstätigen Bevölkerung, also von Besteuerung ihrer Einkommen. Schrumpft diese Bevölkerung, müssen sie stärker besteuert werden, es müssten immer weniger tätige Menschen immer mehr untätige Menschen finanzieren. Dies wird auf die Dauer nicht funktionieren. Dies wird auch alle Leistungsanreize zerstören.

Zur Berichtigung: Steuern zahlen alle. Der Anteil der Lohnsteuer, also der Beitrag der "berufstätigen Bevölkerung" macht gerade mal 25 Prozent des Gesamtsteueraufkommens aus.

Das bedingungslose Grundeinkommen kann man kostenneutral gestalten - der Steuerfreibetrag fiele natürlich auch weg - in dem man die heutigen Transferleistungen einfach bedingungslos und gleich weitergibt. Heute schon kostet ein Durchschnitts-Bundesbürger den Staat ca. 800 € im Monat an Transferleistungen.

Es ist genau umgekehrt, das jetzige System lässt Menschen danach streben, möglichst hohe Transferleistungen zu ergattern, die nicht im Verhältnis zur Leistung stehen. Egal ob jetzt Hartz IV oder überversorgte Pensionisten.
Das bedingungslose Grundeinkommen schafft den Anreiz, aktiv zur Verbesserung gegenüber dem Ausgangszustand zu werden, schon damit es einem besser als Anderen geht. Außerdem gibt es jedem Kind Chancengleichheit.

Für den besten Vorschlag halte ich immer noch ein Grundeinkommen und eine Finanzierung des Staates nur über Verbrauchssteuern. Und bevor wieder der nächste Unsinn: Nein, die Preise steigen im Toto nicht, in den jetzigen Preisen sind genauso alle Steuern enthalten.

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von ehemaliger Autor K. » 05.11.2014, 13:10

Barbarossa

Interessante Gedanken, sie wurden in der Vergangenheit aber schon häufig diskutiert. Als vor 200 Jahren die industrielle Revolution begann und viele Weber, Spinner und andere Berufszweige verschwanden und sich eine große Arbeitslosigkeit ausbreitete, glaubten auch viele Wissenschaftler, das für die Menschen in Zukunft keine Arbeit mehr existieren würde, da die Maschinen alles übernehmen werden.

Doch die Industrialisierung schuf zahlreiche neue Produktionszweige: Maschinenbau, Chemie, Fahrzeugbau, Flugzeuge, Elektroindustrie usw. Die industrielle Revolution schuf im Endeffekt wesentlich mehr Arbeitsplätze, als sie zerstörte. Zu Beginn der industriellen Revolution lebten in Deutschland um 1830 ungefähr 25 Millionen Menschen, jetzt sind es 82 Millionen, wir haben aber 42 Millionen Arbeitsplätze, viel mehr, als es früher Einwohner gab. Arbeiteten früher fast 90% der Menschen in der Landwirtschaft, so ist dieser Prozentsatz auf absurde 2% zusammengeschrumpft. Doch die freigesetzten Arbeitskräfte sind nicht jetzt nicht arbeitslos.

In meiner Lehrzeit gab es in dem Betrieb, in dem ich lernte (1966), riesige Lagerhallen mit fast 100 Beschäftigten. Die Lagerhaltung wurde in den nächsten Jahrzehnten nahezu vollständig automatisiert, heute sind die Hallen menschenleer, alles wird von Computern gesteuert. Die Zahl der Beschäftigten ist auch gesunken, aber längst nicht im gleichen Ausmaß. Das liegt daran, dass viele neue Abteilungen entstanden sind und sich gleichzeitig der Umsatz gegenüber den sechziger Jahren gewaltig erhöht hat. Der weitaus größere Vertrieb mit wesentlich mehr Aufgaben als früher hätte, bei gleichzeitig unveränderter Technik, erheblich mehr Arbeitskräfte benötigt als jetzt, das ist richtig, aber es entstand keine Massenarbeitslosigkeit.

In den sechziger Jahren strömten jeden Morgen riesige Mengen von Arbeitern in den Hamburger Hafen. Heute ist es dort menschenleer. Wie von Geisterhand bewegen sich überall die Kräne und Fahrzeuge, alles ist vollautomatisch, nirgendwo ist ein Arbeiter zu sehen. Und trotzdem haben wir in Hamburg keine Massenarbeitslosigkeit. Es sind viele neue Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich entstanden und der Umsatz im Hafen ist wesentlich größer als vor fünfzig Jahren. Die riesigen Mengen, die jetzt täglich anfallen, hätte man mit den Arbeitskräften von früher gar nicht bewältigen können.

Ich bin deshalb sehr zuversichtlich. Auch die künstliche Intelligenz macht den Menschen nicht überflüssig. Man wird sie konstruieren, warten, weiter entwickeln müssen und zwar von Menschen. Sie ist auch nur eine neue Form von Maschine. Es werden sich um sie herum viele neue Wirtschaftszweige entwickeln. Davon bin ich fest überzeugt.

Von einem arbeitslosen Grundeinkommen halte ich nicht viel. So etwas muss finanziert werden. Schon heute erhalten viele Menschen Transfereinkommen wie Renten, Arbeitslosengeld I und II, Kindergeld, Wohngeld. Das wird aber alles bezahlt von der berufstätigen Bevölkerung, also von Besteuerung ihrer Einkommen. Schrumpft diese Bevölkerung, müssen sie stärker besteuert werden, es müssten immer weniger tätige Menschen immer mehr untätige Menschen finanzieren. Dies wird auf die Dauer nicht funktionieren. Dies wird auch alle Leistungsanreize zerstören.

Waren und Dienstleistungen brauchen einen Markt und sie müssen Gewinne machen. Auch in Zukunft werden die Betriebe privat sein. Auch die künstliche Intelligenz gehört Unternehmern, die sie einsetzen, um Profit zu machen. Durch die Wertschöpfung entstehen Gewinne und Löhne. Arbeitsloses Grundeinkommen entsteht aber nicht durch Wertschöpfung, sondern durch Besteuerung von Einkommen, die durch die Wertschöpfung geschaffen werden. Unternehmer und beschäftigte Arbeitnehmer müssten eine riesige unproduktive Bevölkerung aushalten. Ich glaube nicht, dass so eine Gesellschaft auf Dauer funktioniert.

Um Massenarbeitslosigkeit durch künstliche Intelligenz zu vermeiden, müssen wir das machen, was wir seit der industriellen Revolution immer getan haben und was die Katastrophe bisher auch regelmäßig verhindert hat: Neue Wirtschaftszweige schaffen und Wachstum, Wachstum, Wachstum!

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Spartaner » 04.11.2014, 22:27

Barbarossa hat geschrieben:
Karlheinz: Das sind aber ausschließlich sehr konservative Meinungen von Leuten, die offensichtlich nicht an den technischen Fortschritt glaubten.


Eben, der Fortschritt wird auch in der Zukunft nicht halt machen.
Spartaner hat geschrieben:
Es wird "Energiestädte" geben die sich vollends auf die Sonnenenergie stützen werden.
Energie wird grösstenteils aus Sonnenenergie oder Windkraft gewonnen. Die Atomenergie wird weiterhin in einigen Ländern ein fester Bestandteil sein. Es wird neue Energiegewinnungssysteme geben.


Wir haben schon in heutiger Zeit einen Trend in die Städte zu beobachten und der Trend das es mimmer mehr menschen in die Metropolen zieht wird weiter zu nehmen . Hier gilt es, Energieeffizienz an den Tag zu legen. Hier wird es zukünftig eine Reihe von Erfindungen geben, die die Energieerzeugung und die effektiven Nutzung von Energie optimieren werden.

Städte der Zunkunft:
"Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits in den Städten und dieser Trend wird sich fortsetzen. Mit der Größe der Ansiedlungen wächst auch die Energienachfrage.
Ursula Eicker, Studiendekanin an der Hochschule für Technik in Stuttgart, erklärt welchen Herausforderungen sich die Städte von morgen stellen werden müssen, all das und mehr in einer Spezial Ausgabe von Futuris.
Wir reisen durch ganz Europa, von Paris bis nach Istanbul, um mehr zu erfahren über energieeffiziente Bürotürme, Wasserstoff- und Elektrofahrzeuge, Solaranlagen und andere moderne Technologien, die im Rahmen von europäischen Forschungsprojekten entwickelt werden. "
http://de.euronews.com/2010/05/11/die-s ... r-zukunft/

"Mikroalgen haben ein enormes Potential, sie könnten die Hochhäuser der Zukunft mit Energie versorgen. Das französische Unternehmen Ennesys arbeitet an einem System, bei dem das Abwasser eines Gebäudes als Brutstätte für Mikroalgen genutzt wird. “Wir fangen das Klärwasser ein und verdünnen es so lange, bis es von Mikroalgen assimiliert werden kann, diese vermehren sich und zersetzen die organischen Stoffe im Abwasser”, erklärt Jean-Louis Kindler, der Leiter der Firma..“Dann werden die Mikroalgen in Öl und Biomasse zerlegt. Das Algenöl kann als Brennstoff eingesetzt werden, um Energie zu erzeugen in Form von Wärme oder Strom.”
http://de.euronews.com/2013/01/23/mikro ... r-energie/

Die Weltstädte wachsen. Nirgendwo ist es mehr zu sehen, als in Asien:
Energie in der Großstadt Singapur:
http://de.euronews.com/2011/11/01/energ ... -singapur/

"Inzwischen wohnt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Räumen, 2050 werden es voraussichtlich mehr als zwei Drittel sein. Und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Sogwirkung der Städte nachlassen könnte. Weder in den armen Ländern des Südens, wo sie Heere von Glücklosen mit dem Versprechen einer besseren Zukunft locken."
http://www.zeit.de/online/2009/06/Architektur-Zukunft

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Barbarossa » 04.11.2014, 18:30

Karlheinz hat geschrieben:
Einige interessante Zukunftsprognosen:

„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren."
Gottlieb Daimler, Erfinder, 1901

"Auf das Fernsehen sollten wir keine Träume vergeuden, weil es sich einfach nicht finanzieren lässt."
Lee De Forest, Vater des Radios, 1926

"Es gibt keinen Grund dafür, dass jemand einen Computer zu Hause haben wollte."
Ken Olson, Präsident von Digital Equipment Corp., 1977

"Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt."
Thomas Watson, CEO von IBM, 1943

"Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren."
Darryl F. Zanuck, Chef der Filmgesellschaft 20th Century-Fox, 1946

"Das Pferd wird es immer geben, Automobile hingegen
sind lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung."

Der Präsident der Michigan Savings Bank, 1903

„Flugzeuge sind interessant, haben aber keinerlei militärischen Wert."
Marschall Ferdinand Foch, französischer Militärstratege, 1911

"Die Erfindung hat so viele Mängel, dass es nicht ernsthaft als Kommunikationsmittel taugt. Das Ding hat für uns an sich keinen Wert"
Memo der Western Union Financial Services zur Erfindung des Telefons, 1876


Karlheinz: Das sind aber ausschließlich sehr konservative Meinungen von Leuten, die offensichtlich nicht an den technischen Fortschritt glaubten.

Wie sieht die Sache aber aus, wenn man dem technischen Fortschritt recht aufgeschlossen gegenüber steht? So wie ich...


Meine These:

Bereits in den ´90er Jahren habe ich innerhalb der FDP-Ortsgruppe Hennigsdorf eine Denkschrift veröffentlicht, in der ich auf ein Problem hingewiesen habe, welches durch den sich schnell entwickelnden technischen Fortschritt entstehen könnte. Darin habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass bereits heute an intelligenten Computern/Robotern geforscht wird, die in noch relativ ferner Zukunft nach meiner Meinung in der Lage sein werden, die menschliche Arbeitskraft vollständig zu ersetzen.

Sind solche künstlichen Intelligenzen erst einmal ausgereift, wird der Einsatz in der Wirtschaft sicher rasch umgesetzt werden. Denn die Vorteile solcher künstlichen Intelligenzen liegen auf der Hand:
Da sie keinen Lohn erhalten müssen, keine Sozialversicherungen benötigen und bei einem Defekt schneller repariert werden können, als ein Mensch bei einer Krankheit gesund wird, können durch ihren Einsatz die Kosten in allen Wirtschaftsbereichen stark gesenkt werden. Diese Vorteile werden über kurz oder lang den Menschen als Arbeitskraft in allen Bereichen ersetzen.
Ich hatte damals noch angeregt, man solle darüber eine öffentliche Diskussion anstoßen, um zu verhindern, dass unsere Gesellschaft das Problem der Freisetzung von menschlichen Arbeitskräften nicht unvorbereitet trifft. Aber die These stieß bis auf eine Ausnahme auf allgemeines Desinteresse.

Im Grunde hat sich an meiner These bis heute nichts geändert. Einzig beim Punkt, dass sich während einer solchen öffentlichen Diskussion unsere Gesellschaft entweder für oder gegen den Einsatz von künstlichen Intelligenzen entscheiden könnte, bin ich inzwischen zu der Ansicht gelangt, dass es für solche Entscheidungen wenig Spielraum geben wird. Denn eine solche Entscheidung dürfte auch nicht jede Nation für sich treffen, sondern es müsste eine Entscheidung sein, die zur selben Zeit auf globaler Ebene getroffen wird. Ein solches Szenario halte ich aber für weniger wahrscheinlich, als die Einführung von künstlichen Intelligenzen als Arbeitskraft in allen Bereichen, in denen heute noch Menschen arbeiten. Denn es dürfte sich nicht eine Nation der Welt der Entscheidung dagegen verschließen, da diese in einem solchen Fall einen klaren Vorteil gegenüber aller anderen hätte. Der daraus folgende wirtschaftliche Vorteil dieser einen Nation würde die Entscheidung aller übrigen Nationen dagegen hinfällig machen.


Folgen der Entwicklung von künstlichen Intelligenzen auf die Gesellschaft:

Dies würde zur Entwicklung einer Freizeitgesellschaft führen, in der Menschen sich ausschließlich ihren Interessen widmen:
der Wissenschaft, den Künsten, dem Sport und natürlich der Politik. Wichtig dabei ist, dass Menschen grundsätzlich - egal, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt - die Entscheidungsträger bleiben müssen. Aus diesem Grund bleibt die Bildung gerade auch in Zukunft wichtig.

Aber wovon werden die Menschen in einer solchen Zukunft ihren Lebensunterhalt bestreiten?


Das bedingungslose Grundeinkommen für alle

Auch von Mitgliedern der Piratenpartei wurde diese hier von mir angesprochene These bereits öffentlich angesprochen. Wirkliche Diskussionen darüber sind in den Medien aber auch hier nicht entstanden. Eine Antwort auf die These scheint das bedingungslose Grundeinkommen für alle zu sein und ist einer der Punkte, die beispielsweise in der Piratenpartei diskutiert werden. Nur scheint mir die sofortige Umsetzung eines solchen "bedingungslosen Grundeinkommens für alle" nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein.

Begründung:
Welche Auswirkung würde die sofortige Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens für auf die Gesellschaft haben?
In einer Fernsehdoku wurde dieses Thema auch bereits behandelt, wobei Experten zu dem Schluss kamen, dass dieses Grundeinkommen grundsätzlich bezahlbar wäre und es mit geschätzten 10 % der Bürger, die dann nicht mehr arbeiten würden, nicht zu einem wesentlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit kommen würde.
Ich möchte diese Expertenmeinung nicht grundsätzlich anzweifeln, dennoch bin ich der Meinung, dass nach einer gewissen Übergangszeit allmählich immer mehr Bürger aufhören würden, zu arbeiten. Der Grund dafür liegt auf der Hand:
Wenn es nicht mehr notwendig ist, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten, man aber dennoch ein existenzsicherndes Einkommen hat, welches zudem eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht, wird bei immer mehr Menschen ein Umdenkprozess stattfinden.
Die Ambitionen, einer eher ungeliebten Arbeit nachzugehen, werden abnehmen. Anders wäre es lediglich bei Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, die aber meines Erachtens eine kleine Minderheit darstellen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Einführung des bedingungslosen Einkommens für alle Bürger der Starschuss zur Freizeitgesellschaft wäre. Dies wäre jedoch in unserer heutigen Wirtschaft problematisch, in der die menschliche Arbeitskraft (noch) benötigt wird.

Die Ablösung der menschlichen Arbeitskraft durch künstliche Intelligenzen wird voraussichtlich auch nicht in allen Bereichen der Wirtschaft und im Sozialbereich gleichzeitig stattfinden, sondern je nach Schwierigkeitsgrad der Arbeit gestaffelt. Dies wäre nach meinen Vorstellungen also eher ein fließender Prozess.
Beim Prozess der Entwicklung zu einer Freizeitgesellschaft rege ich daher eine nach Berufen gestaffelte bzw. getrennte Einführung des bedingungslosen Einkommens an - also nicht sofort für alle, sondern nach Bedarf und zwar bei Wegfall der Einkommensmöglichkeit im jeweiligen Beruf. Arbeiter bzw. Angestellte solcher Berufe könnten dann entweder die Möglichkeit einer Umschulung in einen anderen Beruf erhalten oder aus dem Berufsleben auszusteigen, um statt dessen das bedingungslose Grundeinkommen zu erhalten.

In jedem Falle würde ich die Diskussion über diese These, die ja offensichtlich nicht (mehr) nur von  mir vertreten wird, für wichtig halten, um schon im Vorfeld auf eine solche - mögliche - Entwicklung vorbereitet zu sein. Denn das schlimmstmögliche Szenario wäre es, wenn daraus soziale Spannungen erwachsen würden.

Wie weit die Forschung bereits ist, sah man am bereits ausgestellten Androiden "Repliee Q1" auf der Expo 2005 in Aichi, siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Repliee_Q1

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Spartaner » 04.11.2014, 16:35

Triton hat geschrieben:
Man muss sich nur die Prognosen der Vergangenheit anschauen, um zu wissen, dass die klügsten Gehirne gewaltig danebenlagen.
In den 60ern nahm man an, dass wir heute schon lange in einer Art Raumschiff unterwegs sein müssten, dass man nicht mehr selbst lenken muss. Niemand hätte wohl damals gesagt, dass wir heute mit benzingetriebenen Verbrennungsmotoren und stinknormalen Autos von A nach B dackeln müssen/wollen. Dagegen ahnte kein Mensch, was der Computer an unserem Leben ändern wird.

Zutreffender Weise gab es einige Visionäre die gar nicht mal so weit bei ihren Zukunftsvisionen daneben lagen, obwohl sie keine Wissenschftler waren. z. B. Jules Verne
Nur "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde " war doch etwas weit daneben.

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Spartaner » 04.11.2014, 16:31

Harald hat geschrieben:
@Spataner: Und wann ist dann endlich der Weltuntergang?

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Welcher Weltuntergang ? Sollte die EU untergehen, geht noch lange nicht die Welt unter. :wink:
Ich hoffe ja nicht das du solchen Gedanken nachsinnierst, dass die Existenz der EU von der Existenz der Welt abhängt. :mrgreen:
Nein, ich kann dich beruhigen so schnell geht die Welt nicht unter.

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von ehemaliger Autor K. » 04.11.2014, 14:19

Einige interessante Zukunftsprognosen:

„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren."
Gottlieb Daimler, Erfinder, 1901

"Auf das Fernsehen sollten wir keine Träume vergeuden, weil es sich einfach nicht finanzieren lässt."
Lee De Forest, Vater des Radios, 1926

"Es gibt keinen Grund dafür, dass jemand einen Computer zu Hause haben wollte."
Ken Olson, Präsident von Digital Equipment Corp., 1977

"Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt."
Thomas Watson, CEO von IBM, 1943

"Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren."
Darryl F. Zanuck, Chef der Filmgesellschaft 20th Century-Fox, 1946

"Das Pferd wird es immer geben, Automobile hingegen
sind lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung."

Der Präsident der Michigan Savings Bank, 1903

„Flugzeuge sind interessant, haben aber keinerlei militärischen Wert."
Marschall Ferdinand Foch, französischer Militärstratege, 1911

"Die Erfindung hat so viele Mängel, dass es nicht ernsthaft als Kommunikationsmittel taugt. Das Ding hat für uns an sich keinen Wert"
Memo der Western Union Financial Services zur Erfindung des Telefons, 1876

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Gontscharow » 04.11.2014, 13:49

Wenn ich nur mal meine früheren Planungen für meine e i g e n e Zukunft mit dem vergleiche,
was dann gekommen ist, kann ich nur zu dem Schluß kommen, daß die Zukunft nicht
vorhersehbar und deshalb auch schlecht planbar ist...
Selbst Dinge, die mir sehr wahrscheinlich erschienen, sind nicht oder anders als erwartet eingetreten.
Deshalb halte ich Futurologie für ein nettes Hobby, gebe aber nichts auf sie.
Eine besonders schöne "Zukunftsprognose" stammt aus dem London des 19.Jahrhunderts :
Die Straßen der Stadt würden in absehbarer Zeit nicht mehr passierbar sein, da sie unter hohen
Haufen von Pferdemist begraben würden.Wegen des immens zunehmenden Kutschenverkehrs und
der Unmöglichkeit der zeitnahen Beseitigung des Pferdemists ;-)

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Marek1964 » 04.11.2014, 11:43

Harald hat geschrieben:
@Spataner: Und wann ist dann endlich der Weltuntergang?

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Der war schon, harhar. Am 31.12.1999. Leider hats keiner gemerkt. :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Harald » 04.11.2014, 11:39

@Spataner: Und wann ist dann endlich der Weltuntergang?

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Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von ehemaliger Autor K. » 04.11.2014, 11:38

Der größte „Philosoph“ des 20. Jahrhunderts, Carl Valentin, hatte einmal gesagt, das Prognosen immer dann besonders unsicher sind, wenn sie die Zukunft betreffen und er war der Meinung, das die Zukunft früher auch besser gewesen ist.

Aber ernsthaft: Es gibt die sogenannte Futurologie, die Zukunftsforschung. Hier werden in erster Linie Trends aus der Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft extrapoliert, z.B. die Bevölkerungsentwicklung, der Energieverbrauch usw. Doch lineare Gleichungen bringen nicht viel, da Innovationen oder unvorhersehbare Ereignisse alles wieder über den Haufen werfen können.

Man kann deshalb nur Szenarien entwickeln und jedem einzelnen Szenario mit Hilfe der Stochastik einen gewissen Wahrscheinlichkeitswert zuschreiben. Man kann dann auch versuchen, die sogenannten „Random Walks“ (Zufallsbewegungen) und die Sigma-Standardabweichungen zu berücksichtigen, um die Berechnungen robuster gegen plötzliche Veränderungen zu machen. Aber trotzdem, die Prognosen sind nicht sonderlich zuverlässig.

Als ich früher noch in der Wirtschaft tätig gewesen bin, haben wir häufiger vor Investitionsentscheidungen Szenarien entwickelt. Die Realität wich später immer erheblich von der Vorhersage ab.

Noch komplizierter wird es, wenn man versucht, die quantitativen und qualitativen Auswirkungen von sich verändernden Variablen auf die Gesamtgesellschaft zu prognostizieren. Beispielsweise die Folge von der Veränderung der Bevölkerungszahl auf Energieverbrauch, Wohnungsbedarf, Infrastruktur usw. Solche Prognosen stimmen fast nie. Das gesellschaftliche System ist viel zu komplex, als das wir es wirklich mit seinen ganzen Verflechtungen und Interdependenzen verstehen, geschweige denn vorhersagen können.

Natürlich gibt es viele Methoden, um die Zukunft zu erahnen: Computersimulationen, historische Analogien, Nutzwertanalysen, Systemanalysen, Relevanzbäume, Verflechtungsmatrizen, Roadmapping usw.

Aber ich persönlich werde mich hüten, Prognosen abzugeben. Wer die Zukunft wissen will: Geht zur Wahrsagerin auf dem Dom oder lest im Kaffeesatz. Diese Aussagen sind genauso falsch oder genauso richtig, wie die von Futurologen. Die Wahrsagerin sucht sich einige Schlagzeilen aus den Zeitungen zusammen und verlängert diese Ereignisse einfach in die Zukunft. So machen das auch die meisten Menschen, auch viele Wissenschaftler. Sie stochern mit einer Stange im Nebel herum. Die Zukunft ist eine Gleichung aus lauter Unbekannten, deren Werte wir allenfalls erahnen können.

Was ist der Unterschied zwischen einer Hundehütte und einem Zukunftsforscher? Die Hundehütte ist für den Hund, der Zukunftsforscher ist für die Katz.

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Triton » 04.11.2014, 10:46

Man muss sich nur die Prognosen der Vergangenheit anschauen, um zu wissen, dass die klügsten Gehirne gewaltig danebenlagen.
In den 60ern nahm man an, dass wir heute schon lange in einer Art Raumschiff unterwegs sein müssten, dass man nicht mehr selbst lenken muss. Niemand hätte wohl damals gesagt, dass wir heute mit benzingetriebenen Verbrennungsmotoren und stinknormalen Autos von A nach B dackeln müssen/wollen. Dagegen ahnte kein Mensch, was der Computer an unserem Leben ändern wird.

Re: Coraline95: Zukunft und Industrialisierung

Beitrag von Barbarossa » 03.11.2014, 23:59

Gast hat geschrieben:
Moin,

ich bin eine stille Leserin auch dieses wie anderer Foren, auch Geschichte. In einem anderen Forum stellte die Userin Coraline95 eine Frage, die man dort nicht beantworten wollte. Dabei ist sie für Geschichtsinteressierte sicher interessant:

Wie seht Ihr die Entwicklung der Gesellschaft? Wie wird eurer Meinung nach die Welt in Zukunft aussehen?

Man soll ja nicht immer nur rückwärts schauen. :wink:

Eine gute Frage, auf die ich auch gern antworten würde.
Aber zunächst mal eine Gegenfrage: Wie weit in die Zukunft möchtest du schauen?