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Entwicklung eines Dorfes - Teil 2

Die Entstehung und Entwicklung eines Dorfes am Rande des Erzgebirges

In meinem Besitz befindet sich eine „Festschrift zum Schul- und Heimatfest am 3.,4. und 5. September 1938 anlässlich der  Jahrhundertfeier der Hennersdorfer Schule.
Diese Festschrift berichtet u.a.von der Gründung des Dorfes 1280 am Flusse Zschopau am Füße des Schellenberges, der heutigen Augustusburg, sowie die Entwicklung des Schulwesens in diesem Ort. Ich habe vor, mit diesem Beitrag die Geschichte meiner Heimat zu beleuchten und mit Teilen aus dieser Festschrift zu illustrieren.
Dieser Beitrag erhebt keinen Anspruch auf historische Genauigkeit, sondern will die gelebte Atmosphäre der Zeiten  vermitteln.

Teil 1 des Beitrags


Alteingesessene Bauerngeschlechter

Kempe Siegel

Alteingesessene Bauerngeschlechter haben wir in Hennersdorf zwei Bauerngeschlechter ‚ welche Jahrhunderte lang ihre Verbundenheit mit dem Boden ihrer Heimat, dem stillen Zschopaudörfchen Haynersdorpp,  Hennersdorf, nachweisen können.
In der nachfolgenden kurzen Abhandlung handelt es sich um die Geschichte des heutigen Erbhofes Kempe in Hennersdorf Ortsliste Nr. 6, welcher als das älteste Bauerngeschlecht unseres Ortes nachweisbar ist, mit einer Geschichte von 599 Jahren Verbundenheit mit Grund und Boden— ein Stück Heimatgeschichte, eng verbunden mit der Ansiedelung Hayners— dorf.
Als Stammvater des gesamten Kempeschen Stammes ist der Bauer Friedericus Carlos  Kempen zu nennen. Friedericus Carlos Kempen oder Friedrich Carl Kempe ist rheinfränkischer Herkunft und wanderte hier im Zschopautal als Junggeselle ein.
Nachdem die slavischen Bewohner dieser Gegend vertrieben worden waren, erließen die Markgrafen von Meißen Aufrufe nach dem Westen Deutschlands, um von dort aus ihr Land zu besiedeln ‚Es kam die sogenannte ostdeutsche Kolonisation. Diese Aufrufe fanden besonders starken Widerhall am Rhein u. Mosel. Westgermanische oder Frankenstämme hatten sich dort festgesetzt: von ihnen folgten viele den Rufen der Markgrafen von Meißen, sie zogen mit Weib und Kind, die armselige Habe auf Karren verstaut, ostwärts, einer neuen Heimat zu und kamen so auch in unser Sachsenland, der damaligen marchionatu mysnensis,

Die Familien—und Besitzstandsgeschichte des Bauernstammes “der Kempen“ Tcou Haynersdorpp.

Friedrich Carl Kempe kam wie schon gesagt, als Junggeselle in das Stille Zschopautal und siedelte sich hier an. Ein Beweis hierfür ist uns seine Trauung ‚ welche am 30. septembris 1339 hierselbst erfolgte.
Diese Trauung erfolgte in eclesia castrum schallenberchi, also in der Kirche des Schlosses Schellenberg durch den Schloßpater dieser Burg, welcher als Pater dem Kloster Grünhayn im Erzgebirge angehörte. das Schloss Schellenberg war der Sitz des Geschlechtes der Reichsministeralien von Schellenberg, welche dem Kaiser untertan waren. Über dieses Rittergeschlecht befinden sich sehr ausführliche Abhandlungen in den Gemeinde— chroniken von Hennersdorf und Waldkirchen~ Zschopental. Weiterhin sagt uns diese Trauung noch die sehr interessante Herkunft dieses ältesten Kempe, welcher aus Kempen am Rhein stammt und dessen Vorfahren zweifellos in der Geschichte des Stammes und des Ortes als die Ortsgründer des Ortes Kempen am Rhein anzusehen sind. Der Stamm Kempe hat wesentlichen Anteil an der Geschichte des Ortes Hennersdorf  jahrhundertelang gehabt, denn wir finden ihn schon sehr zeitig als VlCERICHTER von HAYNERSDORPP in der Geschichte verzeichnet.
Der Familienname Kempe hat viele Wandlungen in Bezug auf seine Schreibweise jahrhundertelang durchgemacht. Am 27. November anno 1551 finden wir jedoch den Namen in seiner heutigen Schreibweise richtig verzeichnet. Friedrich Karl Kempe siedelte sich also in den damaligen Heinrichsdorf an der Copowa (Zschopau) an, er starb am 10. März 1370. Von ihm erbt sein Sohn Karl Heinrich Kempe das Gut und bewirtschaftete es vom 16. Februar 1370 bis 13. September 1400. Karl Heinrich Kempe ist am 16. Februar 1347 geboren . Als nächste Generation in der Besitzerfolge der Kempe Bauern wird uns Friedrich Heinrich Hans Kempe ‚ geb. am 16. Juni 1375 genannt, welcher das Einhufengut seines Vaters anno 1400 übernahm und dasselbe bis anno 1452 bewirtschaftete. Karl Hans Kempe ‚ geboren am 4. Aprilis 1415 übernahm l452 das Stammgut und bewirtschaftete es bis zu seinem Tode 1497, wo sein Sohn Friedrich Heinrich Kempe ‚ geboren am 9.Dezernber 1465 in der Besitzerfolge bis zu seinem Tode anno 1545 folgte. Von ihm kann als wichtigstes Geschehnis berichtet werden, dass er anno 1534 mit seiner gesamten Familie, mit Knechten und Mägden der neuen evangl. — luth. Religion Dr. Martinus Lutheri beitrat. Der Stammvater des nunmehrigen evangl. lutherischen Familienstammes der Kempebauern, der Bauer Hans Kempe bewirtschaftete das Gut seiner Vorfahren bis anno 1600. Sein Nachkomme erlebte hier in Hennersdorf anno 1632 den dreißigjährigen Krieg und die Vernichtung seiner gesamten Habe. Plündernde Söldner schleuderten Feuerbrände auf die mit Stroh gedeckten Dächer unserer Bauernsiedelungen und verwandelten alles in Schutt und Asche. Jahrzehntelang lag alles wüste und nichtbebaut darnieder, jedoch der unbeugsame Wille zur Heimatscholle bestimmte die Überlebenden immer wieder zum Aufbaue ihres Besitztums. Im weiteren Verlaufe soll nun nicht mehr die Geschichte des Stammhofes Hennersdorf Nr. 7 wiedergegeben werden ‚ sondern die Geschichte des Nachbargutes Hennersdorf  Nr. 6 ‚ welches der heutige Stammhof des alteingesessenen Bauerngeschlechtes der Kempebauern ist.
Die älteste Nachricht über diesen Hof finden wir im Staatsarchiv Dresden im Gerichtsbuch für Augustusburg Nr.94 Blatt 20 b wie folgt
Nach dem Kaufvertrag vom 22. Mai 1676 kaufte lt. dem jetzt abhanden  gekommenen älteren Gerichtsbuch für Hennersdorf Blatt 145 : Am 16.aprilis anne 1656 STEFFAN FELBERN das verlassene und öde und wüste Gut des Lorenz Naumann in Hennersdorf .„ Dieses Gut lag seit anno 1632 dem Einfalle der Wallensteinschen Truppen unter General von Holk, verwüstet da. Gerichtsbuoh für Hennersdorf und Augustusburg Blatt 20 b ff. Nr.94:
„ Am 22. Mai 1676 kaufte Johann Felbern von den Erben seines am 8.April anno 1676 verstorbenen Vaters Steffan Felbern dessen nachgelassenes Einhufengut in Hennersdorf für 200 Gulden. ‚Meißner Währung). Gerichtsbuch Nr. 94 Blatt 130 b ff:
“Am 21. Majus anna 1723 kauf Christoph Felbern von seinern Vater Hans Felbern dessen Einhufengut in Hennersdorf für 260 Gulden .„
Am 1. Februar 1745 geht das Einhufengut auf Johann Ernst Kühn, dem Schwiegersohn des Christoph Felbern über. Kühn war verheiratet mit Anna Maria Felbern, der Tochter des Erblassers Christoph Felbern. Johann Ernst Kühn verkaufte das Gut an seinen Sohn Johann Ernst Kühn. am 10. Mai 1780 für 600 Gulden. Miterbin und Tochter des Erblassers war Hanna Rosina, verehl. Kempe, geb. Kühn, die Mutter des Käufers von anno 1800.
Am 20. März 1800 kaufte der 16. Jährige Karl Heinrich Kempe durch seinen Vater Heinrich Kempe von seinem Onkel Johann Ernst Kühn dessen Einhufengut in Hennersdorf für 2300 Thaler. Mit diesem Kauf geht das heute von dem Erbhofbauern Johannes Georg Kempe bewirtschaftete Gut als Nachbargut zum uralten Kempeschen Gut in den Besitz der Familie Kempe über. Das Besitzstandsbuch von Hennersdorf  zeigt uns dann 1836, daß Karl Heinrich Kempe Junior von seinem Vater Karl Heinrich Kempe am 30.7. bezw. 13.9. dessen Einhufengut in Hennersdorf für einen Gesamtpreis von 2200 Thalern kaufte. Als nächste Besitzerin wird uns in den Registern sodann Amalie Wilhelmine verw. Kempe geb. Fischer unter dem 18.2. 1873 zufolge Erbganges genannt. Ihm folgt im Erbgange am 12.3. 1874 der Sohn Karl Oswald Kempe, ein früherer Gemeindevorstand unseres Ortes. Von Karl Oswald Kempe erwarb es am 28.2. 1906 der heutige Ortsbauernführer Heinrich Oswald Kempe, welcher sein Gut am 21 • Februar 1934 dem heutigen Erbhofbauern Johannes Georg Kempe überließ. Johannes Georg Kempe ist verheiratet, seine Frau schenkte ihm den künftigen Hof- erben.

Anhang:  Erbfolge Kempe – Bauern
1339 – 1370       Friedrich Karl Kempe (1339 Heiratsurkunde)
1370 – 1400       Karl Heinrich Kempe
1400 – 1452       Friedrich Heinrich Hans Kempe
1452 – 1497       Karl Hans Kempe
1497 – 1545       Friedrich Heinrich Kempe, 1534 der evangelischen Konfession beigetreten
1545 – 1600       Hans Kempe
1600 - ?              im 30 jährigen ganze Habe vernichtet, Wechsel von Ortsliste 7 auf
Nachbargut Nr. 6
1800 – 1836       Karl Heinz Kempe
1836 – 1873       Karl Heinrich Kempe
1873 – 1874       Amalie Wilhelmine verw. Kempe, geb. Fischer
1874 – 1906       Karl Oswald Kempe (deren Sohn), Gemeindevorstand
1906 – 1934       Heinrich Oswald Kempe, Ortsbauernführer
1934 - ?              Johann Georg Kempe



Die Bergbauern zcou Haynersdorpp

Felber Siegel


Als zweitältestes alteingesessenes Bauerngeschlecht können wir in unserem Orte das Bauerngeschlecht der Bergbauern zu Hennersdorf anführen, welches seitdem Jahre 1442 besitzstandlich und familiengeschichtlich als in unserem Orte nachweisbar ist. Durch die Bearbeitung einer Gemeindechronik für unsere Nachbargemeinde Waldkirchen— Zschopental durch den Verfasser unserer Gemeindechronik wurde es möglich, auch den Uranfang des Bauernstammes der „FELBERN TCOU DERO POCKWAEN“ ausfindig zu machen, welche in der Gemeinde Waldkirchen als Erblehnrichter wirkten. In der 6. Fortsetzung unserer Gemeindechronik finden wir bereits den ältesten nachweisbaren Bergbauern MICHAEL FELBERN verzeichnet, der anno 1442 hier ein Gut hatte. Durch die vorgenannten Arbeiten über eine Gemeindechronik unserer Nachbargemeinde Waldkirchen war es dem Verfasser unserer Gemeindechronik nunmehr möglich, festzustellen, dass MICHAEL FELBERN als zweitältester Sohn des Waldkirchner Erbrichtes GEORG Felbern sich am 4. Septembris anno 1442 in Heynersdorff ein Gut erkaufte und im Volksmunde die Bezeichnung „Bergk~ bouwern TCOU HEIYNERSDORFF“ erhielt, weil sein „Guth auf eyner kleynen Anhöhen ‚ eynem Bergken onweyt dereo COPOWAEN“ lag.
Michael Felbern ist zugleich der erste Bauer in Hennersdorf, welcher anno 1442 hierselbst die Schafzucht einführte. Von ihm aus hat sich jahrhundertelang das Züchten der Schafe und das Spinnen von Schafwolle von Generation auf Generation vererbt. Er ist auch der Bauer, welcher in seinem Siegel wie oben dargestellt, einen Spinnrocken führte. Traditionsgemäß spannen die Töchter der Bergbauern zu Hennersdorf stets ihre Wolle zu Garn selbst und haben dieselbe auch jahrhundertelang auf einem alten Handwebstuhl zu Kleiderstoffen verwebt.
Anno 1524— 1525 dem Jahre des Bauernkrieges finden wir den Bergbauern  von Haynersdorff ebenfalls unter den aufständischen Bauern ‚ der für die Freiheit seiner Person, für die Freiheit seines Grund und Bodens kämpfte. Die erste zeichnerische Erwähnung des Gutes der Bergbauern zu Hennersdorf, finden wir auf einem Lageplan, welchen der Kinderlehrer Heinrich Klemm anno 1599 am 15. aprilis für den damaligen Pfarrherrn uffn Schellenberg anfertigte. Eine vollständige Verwüstung aller Felder erlebte der Hennersdorfer Bauernstand während der Wirren des Bauernkrieges nicht, dafür sollten jedoch alle Felder 100 Jahre später in der Zeit des dreißigjährigen Krieges vollständig vernichtet werden.15000 Dörfer sanken in Deutschland in Schutt und Asche .‚ Meilenweit oft waren die Fluren zerstampft. Plündernde Söldner schlugen den Bauern am Pflug nieder, um ihm das letzte Pferd auszuspannen. Das Gut der Bergbauern zu Hennersdorf erlebte anno 1632 durch den Einfall der Wallensteinsohen Truppen unter General von Holk, wie auch alle anderen Güter unseres Dorfes, seine vollständige Vernichtung. Der Besitzer flüchtete mit seiner Familie, mit Knechten und Mägden in den nahen Kunnersteinwald, allwo sie fast 11 Wochen verblieben und fast verhungerten. Unter den DECEM—Angaben von 1671 finden wir den Bergbauern Christoph Felbern, welcher nach Chemnitzer Mass 1 Eigenmass Korn und soviel Habern(Hafer), ferner 1/2 Klafter Holz an den Pfarrherrn ufn Schellenberg abzuliefern hatte.
Die Zeit des 7 jährigen Krieges brachte nochmals neues Elend über den Hennersdorfor Bauernstand. Durch verschiedene Verwüstungen wurde auch das Gut der Bergbauern davon betroffen. Erwähnenswert sind auch noch die verschiedenen Steuern ‚ welche in alten Zeiten auf dem Gute lagen So finden wir als Steuern verzeichnet“ Ackergeld an das Pfarramt, Abgaben für Kutschfuhren und Kutschfuhrhafer an das Rentamt, Erbzins Aequivalent für Zinsgetreide, Hufengeld, Herdegeld(d.i. eine Wohnungssteuer, nach heutigen Begriffen für den Herd, Haus), Wächtergeld, anlässlich der Anwesenheit des Landesherrn, für Wächterdienste zu zahlen. Fischdienstgeld, (für Fischdienste),Frongeld, Opfergeld, eiserne Zinsen und Dienstgeld an das Rittergut zum Jägerhof.


Anno 1842 finden wir die Geburt eines MORITZ Felbern ‚ welcher der spätere Bergbauer zu Hennersdorf wurde. Er war verheiratet mit Emilie Wagner, der Tochter des Johann Karl Wagner, Zimmermann zu Wünschendorf. Er ist der Großvater des heutigen Besitzers. Als seinen Nachfolger verzeichnet uns die Geschichte dieses Gutes den Bergbauern Otto Felber, welcher 1876 zu Hennersdorf geboren wurde. Otto Felber machte den Weltkrieg 1914— 1918 mit und starb an den Folgen einer Verwundung in der Heimat. Ihm folgt in der Besitzerfolge seine Frau Frieda Gerstenberger, die Mutter des heutigen Bergbauern zu Hennersdorf, Kurt Otto Felber, geboren am 18.10. 1905 zu Hennersdorf . Kurt Otto Felber ist verheiratet mit Karola Wally Franke aus Eppendorf . Möge dem Vertreter eines seit 1442 nachweisbaren alteingesessenen Bauerngeschlechtes bald der künftige Hoferbe beschert sein.

Anhang:  Erbfolge Felber-Bauern
Georg Felbern, Erbrichter in Waldkirchen, Vater von
1442 - ?          Michael Felbern, Einführung der Schafzucht in Hennersdorf
1524/25          Aufständige im Bauernkrieg
?
1656 – 1676  Steffan Felber
1676 - ?         Johann Felber (Hans?)
1723 – 1745  Christoph Felbern, Sohn von Hans Felber
1745 – 1780  Johann Ernst Kühn, Schwiegersohn von Christoph Felber
1780 – 1800  Johann Ernst Kühn junior
1800 - ?         Hanna Rosina, verh. Kempe, geb. Kühn
1842              Moritz Felbern geboren
1876    Otto Felbern geboren (Max?)
?                     Besitzerin Frieda Gerstenberger, Mutter des
1905    geborenen Kurt Otto Felber

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