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Wallenstein

Die Sozialfaschismustheorie der KPD

16.10.2015, 10:37

Im Jahre 1924 verkündete der Führer der Komintern, Sinowjew, die berühmte Sozialfaschismustheorie, die im gleichen Jahr von Stalin wie folgt begründet wurde:

„Der Faschismus ist eine Kampforganisation der Bourgeoisie, die sich auf die aktive Unterstützung der Sozialdemokraten stützt. Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, die Kampforganisationen der Bourgeoisie könnten ohne die aktive Unterstützung durch die Sozialdemokraten entscheidende Erfolge in den Kämpfen oder bei der Verwaltung des Landes erzielen. Diese Organisationen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen einander. Das sind nicht Antipoden, sondern Zwillingsbrüder.“
Stalin, Werke, Band VI, S.253 Berlin 1950,

Stalin dachte damals nicht an Hitler, denn dessen NSDAP spielte nach dem gescheiterten Putsch im November 1923 keine Rolle mehr. Aber im turbulenten Krisenjahr 1923 hatte im Sommer ein Generalstreik die Regierung Cuno gestürzt. Die KPD hoffte auf eine neue Revolution, doch die SPD unterstützte die nachfolgende Regierung Stresemann und brach den Streik ab, was für die Kommunisten Verrat war. Mit Billigung der Berliner SPD-Führung liquidierte die Reichswehr die von linken Teilen der SPD mit Hilfe von Kommunisten gebildeten Regierungen in Sachsen und Thüringen und schlug den Hamburger Aufstand unter Führung von Thälmann nieder. Anschließend wurde die KPD verboten und überall herrschten nun Generäle der Armee mit Notverordnungen.

Doch die Lage beruhigte sich bald wieder und auch das KPD-Verbot wurde 1924 aufgehoben. Aber die Argumentation von Stalin macht seine Faschismustheorie deutlich. Jede repressive Maßnahme des bürgerlichen Staates gegen Kommunisten war für ihn gleichbedeutend mit Faschismus. Damit geriet er in eine gefährliche Sackgasse. Die Kommunisten wurden unfähig, die wahre Natur des Faschismus zu begreifen. Jeder, der gegen sie vorging, war Faschist, ohne Unterschied, ohne Differenzierung.

In den nächsten Jahren spielte die Sozialfaschismustheorie zunächst keine Rolle, denn die KPD hoffte auf eine partielle Zusammenarbeit mit der SPD, um politische Ziele zu erreichen und orientierte auf eine Einheitsfront. Doch der sechste Weltkongress der Komintern verkündete 1928 überraschend die „Dritte Periode des Kapitalismus“, die gekennzeichnet wäre durch schwere Wirtschaftskrisen, eines möglichen Kriegs gegen die UDSSR und einer revolutionären Aufschwung Phase des Proletariats.

Einher ging der Machtkampf zwischen Stalin und seinem Politbüro. Die Zwangskollektivierung bedeutete die Liquidierung der Kulaken, eine angeblich neue Phase des Klassenkampfs. Dieser linke Kurs fand sein Pendent in der Außenpolitik. Die Kommunisten sollten im Ausland gegen alle Politiker vorgehen, die man als Feinde der UDSSR ansah, um diese vor einem Angriff zu schützen.

Für Stalin war das in Deutschland die SPD, die 1928 die Regierung Müller stellte und später Brüning tolerierte. Deshalb sollte die KPD vor allem die Sozialdemokratie bekämpfen. Als der sozialdemokratische Polizeipräsident Zörgiebel 1929 eine kommunistische Mai-Demonstration zusammen schießen ließ und den Rotfrontkämpferbund verbot, schien dies ein Beweis zu sein für den faschistischen Charakter der SPD. In der Folgezeit versuchte die KPD eine „Einheitsfront“ von unten aufzubauen, SPD-Mitglieder in ihre Organisation abzuwerben, um die SPD-Führung zu isolieren. Gleichzeitig wurden schon Brüning und Papen als angebliche faschistische Regierungen bezeichnet, da sie mit Notverordnungen regierten. Weil die SPD diese Regierungen unterstützte, müsse man vor allem die Sozialdemokratie bekämpfen.

Folgende Rede von Thälmann zeigt den verhängnisvollen Kurs der KPD:

„SPD und NSDAP sind Zwillinge!
Wie steht es nun mit dem Verhältnis zwischen der Politik der Hitlerpartei und der Sozialdemokratie? Schon das XI. Plenum hat von einer Verflechtung dieser beiden Faktoren im Dienste des Finanzkapitals gesprochen. Am klarsten hat Genosse Stalin schon im Jahre 1924 die Rolle dieser beiden Flügel gekennzeichnet, indem er von ihnen als von „Zwillingen“ sprach, „die einander ergänzen“.
Gegenwärtig zeigt sich diese Entwicklung in Deutschland unverkennbar. Die Sozialdemokratie als „gemäßigter Flügel des Faschismus“ nimmt in letzter Zeit teilweise den nationalistischen Sprachgebrauch des Hitlerfaschismus an. Ich erinnere an jene Nummer des „Vorwärts“, die die große Überschrift brachte „Der Young-Plan muß fallen“, während doch dieses Blatt stets die größte Reklame für den Young-Plan betrieben hat. Ich erinnere an den berüchtigten Noske-Artikel in der „BZ am Mittag“, der gleichfalls genauso gut im „Völkischen Beobachter“ hätte stehen können.
Auch in der Frage der Terrororganisationen ahmt die SPD immer mehr den Hitlerfaschismus nach.“

http://ciml.250x.com/sections/german_se ... ag_kpd.htm

Diese absurde Gleichsetzung von NSDAP und SPD bahnte den Weg in die Katastrophe, sie führte zur Selbstzerfleischung der beiden Arbeiterparteien und erleichterte Hitler den Aufstieg zur Macht. Ob eine Einheitsfront beider Parteien den Faschismus verhindert hätte, kann man im Nachhinein natürlich nicht sagen. Auf jeden Fall hat sie ihm geholfen.
 
Wallenstein

Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

18.10.2015, 11:26

Ich habe einige Schulbücher aus der DDR bekommen, aber dort steht natürlich nichts von der Sozialfaschismusthese der KPD. Stattdessen wird behauptet, die KPD hätte sich um eine Einheitsfront gegen Hitler bemüht.

Offiziell wurde die Sozialfaschismustheorie erst 1935 auf dem siebenten Weltkongress der Komintern begraben und ersetzt durch die Strategie der Volksfront. Die Kommunisten sollten nun überall mit den Sozialdemokraten zusammen arbeiten, aber jetzt auch sogar mit Liberalen und Konservativen. Die Einheitsfront gegen den Faschismus sollte so groß wie möglich werden. Die Kommunisten verzichteten nun auch auf eigene Forderungen.

Sehr erfolgreich war diese neue Strategie auch nicht. Die Volksfrontregierung in Frankreich Februar 1936 scheiterte schon nach kurzer Zeit und wurde 1939 durch eine eher konservative Regierung ersetzt.

Die Volksfrontregierung in Spanien Sommer 1936 wurde durch den Bürgerkrieg beseitigt.

Für Deutschland kam dies ohnehin zu spät. Zwischen SPD und KPD kam es im Exil zu keiner Verbindung. Ulbricht reiste nach Paris und versuchte Deutsche, die dort im Exil lebten, zu organisieren, auch ohne Ergebnis. Der zweite Weltkrieg machte dann ohnehin alle Bemühungen zunichte.
 
james
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

18.11.2015, 15:53

Vielleicht hätte man hinzufügen sollen, das die Feindschaft zwischen KPD und SPD aufgrund der Sozialfaschismus-These nach dem Krieg zu extremen Mißtrauen führte.Die Einheit von SPD und KPD zur SED in der Westberliner Urabstimmung der SPD scheiterte unter anderem genau deswegen. Deshalb hat man dann den Kompromiss geschlossen, keine Urabstimmung in Ostberlin zu machen.
Der Braunschweiger Grotewohl der die SPD nach dem Krieg mit gründete, lehnte die Einheit der Parteien ursprünglich massiv ab.
In einer stundenlangen Aussprache zwischen SPD und KPD wurde dann entschieden die Macht zu gleichen Teilen zwischen dem SPD-Lager und das KPD-Lager aufzuteilen. Das änderte Grotewohls Meinung und die Vereinigung von SPD und KPD wurde ohne Urabstimmung vollzogen.
Grotewohl (Ex-SPD) bekam das Amt des Kanzlers (hier Ministerpräsident genannt), sein Vize wurde Wirtschaftsminister, während Pieck (Ex-KPD) das Amt des Präsidenten bekam und dessen Vize wurde Verteidigungsminister. Dies konnten die Westberliner aber nicht akzeptieren denn die fühlten sich natürlich übergangen und lehnten deshalb von Anfang an die SED als Zwangsvereinigung ab.
Die laut Wikipedia "baldige Machthaber" wurde erst 1960 nach dem Tode Piecks und dem Rücktritt Grotewohls, also 11 Jahre später zum Machthaber der DDR und wurde seit 1971 nach und nach durch den Saarländer entmachtet.
 
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

18.11.2015, 17:50

james hat geschrieben:
Vielleicht hätte man hinzufügen sollen, das die Feindschaft zwischen KPD und SPD aufgrund der Sozialfaschismus-These nach dem Krieg zu extremen Mißtrauen führte.Die Einheit von SPD und KPD zur SED in der Westberliner Urabstimmung der SPD scheiterte unter anderem genau deswegen. Deshalb hat man dann den Kompromiss geschlossen, keine Urabstimmung in Ostberlin zu machen.

Das war kein Kompromiss, sondern die SMAD verhinderte eine für den gesamten Osten geplante Urabstimmung für die SBZ und den sowjetischen Sektor Berlins und fand somit nur in den Westdektoren Berlins statt. Hintergrund waren steigende Widerstände innerhalb der SPD.

james hat geschrieben:
Der Braunschweiger Grotewohl der die SPD nach dem Krieg mit gründete, lehnte die Einheit der Parteien ursprünglich massiv ab.
In einer stundenlangen Aussprache zwischen SPD und KPD wurde dann entschieden die Macht zu gleichen Teilen zwischen dem SPD-Lager und das KPD-Lager aufzuteilen. Das änderte Grotewohls Meinung und die Vereinigung von SPD und KPD wurde ohne Urabstimmung vollzogen.

Grotewohl wurde zur SMAD in Berlin-Karlshost einbestellt. Es ist anzunehmen, dass er seine Haltung geändert hat, nachdem er dort massiv unter Druck gesetzt wurde. Im Zusammenhang mit den Blockparteien (Ost-)CDU und LDP ist überliefert, dass die SMAD und die SED auch mit der Auflösung der Parteien gedroht hat, wenn diese sich nicht unterordneten.

james hat geschrieben:
Grotewohl (Ex-SPD) bekam das Amt des Kanzlers (hier Ministerpräsident genannt), sein Vize wurde Wirtschaftsminister, während Pieck (Ex-KPD) das Amt des Präsidenten bekam und dessen Vize wurde Verteidigungsminister...

Richtig. Eigentlicher Wortführer der KPD/SED und damit Machthaber in der DDR war von Anfang an Walter Ulbricht, der die KPD schon seit dem 2. Mai 1945 - in Deutschland fielen noch die letzten Schüsse - aufgebaut hatte. Also war auch Wilhelm Pieck nur eine Marionette.

In Kürze werden wir dazu den 2. Teil unseres Magazins veröffentlichen, dessen Inhalt ich ausgearbeitet habe.
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james
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

19.11.2015, 04:24

Du erinnerst mich an Solschenizyn und viele Andere. Enttäuscht von der DDR wurden sie glühende Fans des totalitären Kapitalismus, bis es sie selbst trifft. Dann wird ihnen plötzlich klar, das dies hier auch nicht dem entspricht, wofür sich ein anständiger Mensch einsetzen sollte. Solschenizyn ist nicht der Einzige der dahinter kam, das diese Demokratie nur eine Worthülse ohne Inhalt ist.

Das Grotewohl unter Druck gesetzt wurde, ist eine (durchaus verständliche) Legende der enttäuschten Westberliner SPD.
Allein der Umstand das Grotewohls SPD-Lager die halbe Regierung stellte widerlegt das. Der hat damals mehr gewonnen als verloren. Mit einem Alleingang der SPD hätte er nichts erreicht, aber so konnte er auf die DDR Einfluss nehmen. Das ist mehr, als die SPD im Westen erreichte, wo sie nur eine der damals vielen Parteien war. Und inzwischen hat sie sich vollendes zur CDU-Blockflöte entwickelt.
Fakt ist auch das Pieck und Grotewohl gemeinsam das Land die nächsten 11 Jahre führten, nicht Ulbricht.

Davon mal abgesehen läuft das hier genauso nur nicht 1950 sondern 2015. Die schachern sich alle paar Jahre die Ämter zu. Warum das hier "demokratisch" und da "unter Druck" sein soll, liegt wohl nur daran, wie man darüber schreibt. Nehmen wir nur mal Schäuble, der ist schon seit Kohl der Strippenzieher im Lande und einer der Hauptverantwortlichen für die totale Enteignung und Entmündigung der Ossis.
Und wenn du eine Marionette suchst, geh zur Merkel. Die lässt sich so ziemlich alles von den Amis aufdiktieren, egal ob das Volk dagegen in Scharen demonstriert oder nicht, siehe Vorratsdatenspeicherung oder TTIP oder wegen mir auch die Lebensmittelampel oder Genmais. Soviel Vasallentreue spricht Bände.

Das Problem der DDR war auch nie das Gesetz, sondern wie es Einige gebeugt haben. Es ist daher Schwachsinn dieser Verfassung Unredlichkeit zu unterstellen, denn die wurde nicht zur Unterdrückung des Volkes oder zur Errichtung einer Mauer geschrieben. Das Problem hängt immer am anderen Ende der Leine.
Auch die BRD bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, was die Durchsetzung von Gesetzen betrifft. Auch da wird gebogen auf Teufel komm raus. Reiche erkaufen sich Straffreiheit, während Anderen unter den Mühlen der Justiz alles genommen wird. Ich denke da nur an die vielen kleinen Häuslebauer, wie kleine Leute abgezockt werden während die Täter davon kommen oder auch an das Kapitel der Kinderarbeit und der Rechte von Frauen. Bis in die 70iger war es noch legal seine Ehefrau zu vergewaltigen oder ihr die Fahrschule zu verbieten. Auch das ist deutsche Geschichte.
Es ist traurig genug, das euer Magazin für diese Opfer keine einzige Zeile übrig hat, insbesondere da es ja nicht an Material über die Verfehlungen der DDR mangelt, die ja bereits jeder kennt.
 
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

19.11.2015, 09:28

James, du solltest dich einmal ersthaft mit den Unterschieden zwischen einer totalitären Diktatur und einer repräsentativen Demokratie auseinandersetzen. Kleiner Tipp: Wikipedia oder auch bpb.de helfen dir dabei.

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james
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

22.11.2015, 22:08

Diesem Staat ist die Hetze auf die böse DDR derart wichtig, das er jedes Jahr Milliarden dafür ausgibt.
bpb ist wohl die Größte der staatlich üppig finanzierten Verbildungsgesellschaften, die jede Art von Wahrheitsverdrehung verbreitet. Die lügen selbst dann, wenn ihre eigenen Studien das Gegenteil beweisen, was ihr wahres Ziel überdeutlich macht.
Die selbe einseitige Darstellung spiegelt sich natürlich auch in der Wikipedia wieder, die nahezu alles zensiert was zu einer politisch korrekten Neutralität und damit zur Wahrheit führen könnte und es würde mich nicht wundern wenn auch dafür Gelder heimlich fließen. Weiterführendes kann man hier nachlesen. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20994&css=print

Dein kritikloser Glaube an diese Scheindemokratie muss selbst auf einem Wessi befremdlich wirken, denn zweifellos erkennt er das da so Einiges mit seiner Demokratie im Argen liegt.

Die Vorstellung der Sozialfaschismustheorie ist wichtig und gut weil sie zeigt, wohin politische Irrwege und Feindbilder führen. Das die Nazis überhaupt an die Macht kamen ist ja leider auch der Zerstrittenheit von KPD und SPD z.B. durch diese Theorie zu verdanken, wobei es noch andere Gründe gab.
Das der Westen der DDR eine Art "sozialistischen Faschismus" unterstellt, ist auch so ein gewolltes politisches Feindbild, das an der Wahrheit scheitern muss. Er dient denen die lieber nie an die Macht kommen sollten.

Deshalb muss man den Leuten auch die andere DDR vorstellen, denn dann können sie neutral vergleichen was das Beste für sie ist. Aber genau dieser Vergleich wird ihnen vorenthalten. Stattdessen werden sie einseitig mit Negativem gefüttert und entwickelten ein Feindbild für das sie sogar in den Krieg ziehen würden. Sie werden manipuliert, von Maulwürfen unterwandert und dann ist plötzlich Krieg. Am Ende zahlen sie die Zeche für eine kleine gierige Elite, die skrupellos über ihre Leichen geht.

„Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.“
– Martin Morlock 1977
 
Dietrich
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

23.11.2015, 15:20

james hat geschrieben:
Es ist daher Schwachsinn dieser Verfassung Unredlichkeit zu unterstellen, denn die wurde nicht zur Unterdrückung des Volkes oder zur Errichtung einer Mauer geschrieben. Das Problem hängt immer am anderen Ende der Leine.


Die kommunistisch-totalitäre Einparteiendiktatur der DDR schuf eine breite Kluft zwischen formaler Verfassung und Verfassungswirklichkeit. Die DDR war kein demokratischer Rechtsstaat. Verfassungsfragen besaßen eine nur untergeordnete Bedeutung. Mit den Verfassungen von 1949, 1968 und 1974 wollte sich die DDR den Anschein eines Rechts und Verfassungsstaates geben. Doch die Realität sah anders aus: Die Verletzung von Menschenrechten wie Rede, Versammlungs und Pressefreiheit war an der Tagesordnung.

james hat geschrieben:
Deshalb muss man den Leuten auch die andere DDR vorstellen, denn dann können sie neutral vergleichen was das Beste für sie ist.


Die "andere DDR" ist hinreichend bekannt. Allerdings wollte neimand mehr in diesem verrotteten Staat leben, der keine Wahlen zuließ, keine Reisefreiheit und der seine Bürger von nahzu 100 000 STASI-Leuten überwachen ließ. Es ist gut, dass dieses Regime endlich zu Fall gekommen ist umd mit ihm alle Ostblockstaaten.
 
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Barbarossa
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

23.11.2015, 18:13

Was du "Hetze" nennst, james, nenne ich Aufarbeitung der jüngsten Geschichte. Auch wir von geschichte-wissen haben dazu einen Beitrag geleistet. Es gibt ein projekteigenes Magazin mit dem Titel: War die DDR ein Unrechtsstaat?
und als Zusatzinfo dazu: Rechtssystem der DDR

Und noch einmal - die DDR war ein totalitärer Staat. Das sind Staaten, die sich ihr Volk im Sinne einer vorgegebenen Ideologie erziehen wollen (also DDR: Marxismus-Leninismus oder auch NS-Regime: Nationalsozialismus). Und das wiederum ist das genaue Gegenteil von dem, wie ein Staat funktionieren sollte - nämlich dass sich der Staat gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen anpasst. Und wer das nicht einsehen will, dem kann ich dann auch nicht helfen.
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james
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

24.11.2015, 02:17

Was du Aufarbeitung nennst ist nichts weiter als simple Propaganda die dazu dient, den Diebstahl an den Ossis zu legitimieren und ein Feindbild über den gesamten Osten zu erschaffen, damit nur ja keiner das derzeitige System bezweifelt oder auch nur jene Rechte fordert, die man ihm schon vor Jahren gesetzlich abnahm. Und sie lassen sich immer mehr Rechte nehmen und wie Vieh durchzählen und Fingerabdrücke nehmen, ihre Kommunikation auf Vorrat speichern, sich von Kameras überwachen lassen und vieles mehr wogegen vor Jahrzehnten noch rebelliert wurde.

Das sie derart schlecht über ihr eigenes Land und dessen Leichen im Keller informiert sind, ist ein deutliches Indiz dafür, das ihnen dies hier als einziger Weg dargestellt wird. Und deshalb hetzen sie gegen jeden, der einen anderen Weg geht oder zeigt das eine andere Welt möglich ist.
Und der Einzige der dabei verliert ist der gewöhnliche Bürger, denn der bezahlt die Zeche mit seiner Meinungsfreiheit, seinen Bürgerrechten und natürlich auch mit seinem Eigentum. Schon heute arbeiten wir bis in den August eigentlich nur für Steuern. Deswegen ist ja der Staat so unglaublich reich. Aber wenn er in sein Volk investieren soll, quatscht er von "Gürtel enger schnallen" usw. und verschenkt gleichzeitig Atomuboote oder finanziert Irakkriege.

Die Verarmung der Bevölkerung ist im Westen in den letzten 25 Jahren massiv gestiegen und sie wird weiter steigen. Wohnungsnot, schlechte Straßen, heruntergekommene Viertel, Landflucht, Verschlechterung des allgemeine Gesundheitszustands der Bevölkerung, sinkende Gehälter, prekäre Arbeitsverhältnisse, Minialrenten, steigende Arbeitslosenzahlen, Versendegesetze, Freihandel, Aufbau einer gesamtbevölkerungstechnischen Überwachungsstruktur, Militarisierung und Kriegseinsätze, Entdemokratisierung usw. das wird alles noch viel schlimmer werden. Und solang sie in diesem geistigem Zustand leben, diese ganzen Verschlechterungen zu ignorieren, statt ihre Welt besser machen zu wollen, werden sie sich nicht wehren, bis es zu spät ist.

Aus der Geschichte der DDR kann man eine Menge lernen, wenn man sie neutral mit dem vergleicht, was in diesem System nicht stimmt. Aber diese völlig sinnlose Hetze, bringen sie nicht weiter und machen ihr Leben nicht besser, sondern hetzen sie nur auf einen Feind der sie gar nicht bedroht. Sie bemerken dabei nicht mehr, das sie längst von Maulwürfen manipuliert werden.
 
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

24.11.2015, 12:34

james hat geschrieben:
Was du Aufarbeitung nennst ist nichts weiter als simple Propaganda die dazu dient, den Diebstahl an den Ossis zu legitimieren ---


Es gab keinen "Diebstahl".
Die volkseigenen Kombinate der DDR waren dermaßen marode, überaltert und heruntergewirtschaftet, dass sie mangels Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt zu großen Teilen abgewickelt werden mussten. Diese konkursreifen Unternehmen waren also eher eine Last als eine ökonomische Lust. Nur ganz wenige VEB-Betriebe fanden daher solvente Käufer.

Trotz der Anstrengungen und des Fleißes vieler in den Betrieben der ehemaligen DDR arbeitenden Menschen weist die Schlussbilanz der DDR-Wirtschaft ein ausgesprochenes Fiasko auf.

james hat geschrieben:
... und ein Feindbild über den gesamten Osten zu erschaffen, damit nur ja keiner das derzeitige System bezweifelt oder auch nur jene Rechte fordert, die man ihm schon vor Jahren gesetzlich abnahm....


Das sind ganz unsinnige Verschwörungstheorien, die aus verwirrten Köpfen stammen.

james hat geschrieben:
Und der Einzige der dabei verliert ist der gewöhnliche Bürger, denn der bezahlt ...


Die Zeche der kommunistischen Misswirtschaft bezahlt ganz Deutschland. Ohne den Transfer von hunderten Milliarden Euro sähe es in Ostdeutschland böse aus.

james hat geschrieben:
Die Verarmung der Bevölkerung ist im Westen in den letzten 25 Jahren massiv gestiegen und sie wird weiter steigen. Wohnungsnot, schlechte Straßen, heruntergekommene Viertel, Landflucht, Verschlechterung des allgemeine Gesundheitszustands der Bevölkerung, sinkende Gehälter, prekäre Arbeitsverhältnisse, Minialrenten, steigende Arbeitslosenzahlen, Versendegesetze, Freihandel, Aufbau einer gesamtbevölkerungstechnischen Überwachungsstruktur, Militarisierung und Kriegseinsätze, Entdemokratisierung usw. das wird alles noch viel schlimmer werden. U


Du leidest an einem gravierenden Realitätsverlust. Ein solches deursches Horrorgemälde spricht von großer Fantasie.

james hat geschrieben:
Aus der Geschichte der DDR kann man eine Menge lernen, ....


Man kann lernen, wie eine ideologisch verblendete kommunistische Funktionärselite einen Staat in Grund und Boden wirtschaftet und seine Bevölkerung aller Freiheitsrechte beraubt.
 
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

05.12.2015, 20:55

Ja das ist das übliche Niveau der Bildzeitung oder sollte ich sagen die Moral der Morallosen.
 
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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

07.12.2015, 19:46

Wallenstein hat geschrieben:
Diese absurde Gleichsetzung von NSDAP und SPD bahnte den Weg in die Katastrophe, sie führte zur Selbstzerfleischung der beiden Arbeiterparteien und erleichterte Hitler den Aufstieg zur Macht. Ob eine Einheitsfront beider Parteien den Faschismus verhindert hätte, kann man im Nachhinein natürlich nicht sagen. Auf jeden Fall hat sie ihm geholfen.


Die Polarisierung in der Gesellschaft insgesamt war für dem gesellschaftlichen Frieden und Fortschritt nicht förderlich.
Interessenausgleich durch Verständigung und friedliche Konnkurrenz der Ideen ist besser.
viele Grüße

Paul

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Re: Die Sozialfaschismustheorie der KPD

07.12.2015, 22:00

Da gebe ich dir Recht, Paul.
Im Grunde gab es eigentlich zu viel Feinde der Republik in Deutschland.
Da gab es die Monarchisten, die eigentlich den Kaiser zurück wollten.
Dann gab es die Kommunisten (KPD und linker Flügel der USPD), die ein Regime nach dem Vorbild Sowjetrusslands und der UdSSR errichten wollten. Diese Nichtakzeptanz der Republik führte bei der KPD sogar dazu, dass sie bei der Wahl zur Nationalverammlung 1919 gar nicht antraten.
Und dann gab es die Nationalsozialisten (NSDAP), die das Regime wollten, welches sie schließlich auch errichteten.

Also ich könnte gar nicht entscheiden, wer der entschiedenere Feind der Republik war, die Nazis haben sich lediglich als die erfolgreichsten erwiesen.
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