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Moderator: Barbarossa

 
Aneri

Re: Herkunft der Protobulgaren – Slawen oder Turkvolk?

11.12.2014, 14:19

Protobulgaren sind aus Protoslawen und Prototürken entstanden :P

Renegat hat geschrieben:
Untersucht man heute nicht eher die DNA statt Schädel zu vermessen und zu klassifizieren?

DNA sagt nur mit bestimmte Wahrscheinlichkeit über das Aussehen. So haben wir durch Knochen zuverlässigere Aussagen als DNA (abgesehen von Haut-,Augen-Haaren-Farbe, Anfälligkeit für bestimmten Krankheiten etc.)

DNA ist noch offenes Buch. Der Eindruck, dass dort schon alles erforsch ist, ist falsch. Aber auch in Zukunft fraglich, ob es sehr viel verlässlichere Aussagen gemacht werden können. Ich meine Epigenetik. Durch die Entwicklung des Embryo und auch späterer kann bestimmte Gene aktiviert werden oder eben nicht, oder nur in einem bestimmten Maß. Das alles bewirkt auch das Aussehen.
 
Spartaner
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Re: Herkunft der Protobulgaren – Slawen oder Turkvolk?

11.12.2014, 17:02

Spartaner hat geschrieben:
Der zugehörige Titel Boila taucht z. B. auf in einer Inschriift einer Granitplatte in Bjal Brjag bei Preslaw.
Dort steht u.a. geschrieben der Name Sitkoi Itsrigu Boihla und Tortuna Pile Zopan . Boihla bedeutet soviel wie "Der Erste der Nobelste" und ist identisch mit dem Titel Boljarin . Auch in byzantinischen Quellen wird dieser Titel genannt. Zopan auch Zupan geschrieben, bedeutet soviel wie "Herr, Vorsteher".

Kleine Korektur: Der Name Sitkoi Itsrigu sollte richtig lauten Sitkoi Itsurgu Boila .
 
Spartaner
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Re: Herkunft der Protobulgaren – Slawen oder Turkvolk?

12.12.2014, 22:33

-Donaubulgarien 681 - 1014-

Um 675
"Khan Asparuch lässt sich im Donaudelta nieder und nennt sein Land Bulgarien (=Donau-Bulgarien) Er erobert die heutige Dubrudscha (ehemalige Provinz Mösia) und schließt ein Bündnis mit 7 slawischen Stämmen. Dieses Bündnis gilt als Geburtsstunde des slawisch-bulgarischen Staates. Das Bündnis zwischen den ethisch und kulturell verschiedenen Urbulgaren und Slawen wurde geschlossen, um sich gemeinsam gegen Byzanz und andere anstürmende Steppenvölker zu wehren. Die Pflichten der Slawen, die vornehmlich Bauern waren und der Urbulgaren (Viehzüchter) zur Verteidigung des gemeinsamen Territoriums unter dem Oberbefehl des Khans waren genau reglementiert Die Urbulgaren erhielten die zentrale Gewalt, tasteten aber die Autonomie der Slawen nicht an.
Während die Urbulgaren im sogenannten Inneren Gebiet in der Umgebung Hauptstadt Pliska lebten, waren die Slawen auch weiterhin in ihren Stammesverbänden zusammenschlossen, der Clanchefs die bulgarische Zentralmacht anerkannten. Trotz des andauernden Verwaltungsdualismus, kam es ein der Folgezeit zur Annährung der protobulgarischen und slawischen Gruppen, die sich schließlich zum Volk der "Blauen Bulgaren" (Khökh Bulkhar/Qöq Bolqar/Donaubulgaren) vereinigen sollten.

681
Nachdem die bulgarische Kavallerie zusammen mit slawischen Fußtruppen dem Heer und der Flotte Kaiser Konstantin IV. Pogonats im Donaudelta verheerende Niederlagen zufügt, erkennt dieser in einem Friedensvertrag den neuen slawo-bulgarischen Staat, an den er zudem jährliche Tribute zahlen muss, an. An dessen Spitze steht der Khan, dessen Macht erblich ist und der Rat der 12 Großen Boilen, Vertretern aus adligen Geschlechtern, die jeweils für ein bestimmtes Staatsressort zuständig sind. Bei wichtigen Entscheidungen ist die Zustimmung der "Volksversammlung", der Vertreter aller bulgarischen Adelsgeschlechter und die Fürsten der slawischen Stämme angehören, erforderlich.

Khan Asparuchs Bruder, der vom Khagan der Awaren eingesetzte Archon der "Sermésionoi" Kuber löst sich aus der Vasallenschaft der Awaren. Er entschließt sich, sein bulgarisches Gefolge und die von den Awaren 60 Jahre zuvor aus dem nördlichen Ilyricum und aus Thracien verschleppten Einwohner "Sermésionoi" in ihre alte Heimat zurückzuführen. Bei der Verfolgung der aufständischen Auswanderer müssen sich die Awaren mehrmals geschlagen geben. Bei diesen Kömpfen könnte Kuber in Besitz des Awarenschatzes gelangt sein. Auf Straße Naissus (Nîs)-Scupi (Skopje) erreichen Kuber und sein Gefolge schließlich die zwischen Stobi und Heraclea Lyncestis/Bitolj gelegene Ebene von Ceramiai, wo sie sich mit Billigung des byzantinischen Kaisers Konstantin IV. niederlassen und dadurch das erste westbulgarische Gemeinwesen gründen

700
Khan Asparuch wird bei einem Gefecht getötet.

717
Khan TervelNachdem ein arabisches Heer die byzantinische Armee in Kleinasien geschlagen hat, überschreitet Maslama, der Bruder des Omajjaden-Kalifen Suleiman, die Dardanellen und belagert die Reichshautstadt mit einer 180 000 Mann starken Armee.
Nur mit Hilfe des griechischen Feuers konnten die Byzantinern dem ersten Ansturm, der von 2500 arabischen Schiffen unterstützt wurde, wiederstehen.
Vollkommen unverhofft für Kaiser Leo III. kommt Khan Tervel mit 30.000 Panzerreitern den Byzantinern zur Hilfe. Die Araber stellen sich den Bulgaren jedoch nicht zum offenen Kampf.

718
Nachdem die Araber nun ihrerseits zu Belagerten der Bulgaren geworden sind, und vom Nachschub abgeschnitten, infolge des harten Winters, Hunger und Epidemien bereits angeschlagen waren, stellen sie sich den Bulgaren schließlich doch zur Schlacht. und werden in kurzer Zeit niedergemacht.
Die vereinten bulgarisch-byzantinische Truppen, zu denen auch Kontingente der Khasaren, Armenier und andere Kaukasier gehören, schlagen die Araber schließlich aus Europa bis an die Reichsgrenzen in Kleinasien zurück. Dadurch stoppen sie die Ausbreitung des Islams an der Ostgrenze Kleinasiens für die nächsten 6 Jahrhunderte.
Dem Sieg Khan Tervels kommt ähnliche Bedeutung zu, wie Karl Martells Sieg bei Tours & Potiers 14 Jahre später. Während dem fränkische Hausmeier und seinen 7000 Kämpfern lediglich 6000 Araber gegenüberstehen sollten, hatte es Khan Tervel, als Herrscher seines noch nicht einmal christianisierten Reiches mit 180.000 Gegner zu tun. Zum Dank für die Rettung von Byzanz wird Khan Tervel von Kaiser Justinian II. der Titel „Kessar“ verliehen.
Mit dem einzigartigen Felsenrelief des "Reiters von Madara wurde Khan Tervel ein Denkmal gesetzt (heute UNESCO Weltkulturerbe)."
http://www.timediver.de/Bulgarien_1._Bu ... n.html#675
 
Spartaner
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Re: Herkunft der Protobulgaren – Slawen oder Turkvolk?

14.12.2014, 01:07

Zur Entstehung der Urbulgaren gibt es folgende Versionen:
"Die Altyn Oba Horde umfaßte mit den Oguren nicht nur die eigentlichen Hunnen sondern auch die Volksstämme der Sabiren Chasaren und den späteren Balkaren . Schon damals spielte der Don eine Grenzrolle: Westlich von ihm lebten die als "Akh (Weiße Bulgaren) bezeichneten Stämme die schließlich von Bleda Khan beherrscht wurden und östlich von ihm die Stämme der "Khara Bulkhar" (Schwarze Bulgaren) in dem dessen Bruder Attila herrschte. Unter ihnen erreichte die Altyn Oba Horde ihre größte Ausdehnung: Im Norden reichte sie nun bis an die Wolga-Kama-Mündung im Osten bis an den Ural im Süden bis an den Kaukasus und im Westen bis ans Donaudelta. Insgesamt umfaßte die Altyn Oba Horde 4 5 Mio. km².
Nach dem Tode Attilas er wurde in dieser Horde wohl geboren wurde sie zum Rückzugsgebiet der europäischen Hunnen und unter dessen Söhnen wurde sie geteilt. Dabei spielte der Don als Grenze zwischen beiden Reichen eine große Rolle: Westlich von ihm entstand das Khanat der Kutriguren östlich von ihm das der Utriguren . Diese Volksstämme bildeten nun zwei mächtige Bulgarenreiche.
640 vereinigte Kubrat Khan beide Teilreiche zum später " Großbulgarischen Reiche ". Er wurde zum Stammvater der Bulgaren . Nach dessen Tode (642/651) zerfiel die Altyn Oba Horde in fünf verschiedene Teilhorden die nach den Söhnen Kubrats benannt wurden.

Die Nachfolge-Horden der Altyn Oba Horde
Die Bayan-Horde lag in der Gegend um Azow und ging später im Chasarenreich auf.
Die Kotrag-Horde zog in die Wolga-Kama-Region und dort wurde das Wolgabulgarische Reich begründet.
Die Asparuch-Horde zog ins Donaudelta und begründete das Donau-Bulgarische Reich .
Die Kuber-Horde zog ins spätere Ungarn und galt ab 805 als Teil des europäischen Awarenreiches . Die Reste wurden nach der Niederlage der Awaren gegen die Franken und Asparuch-Bulgaren in die Asparuch-Horde eingegliedert.
Die Altsek-Horde zog nach Italien und ging im 7. Jahrhundert in den Langobarden auf."
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Al ... Horde.html
http://quellebom.com/kategorie/wissensc ... iguren.php
https://books.google.de/books?id=2xELAw ... en&f=false