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Moderator: Barbarossa

Vereinigte Staaten von Europa?

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Lia

Re: Vereinigte Staaten von Europa

13.05.2014, 19:14

ich sehe in Europa keine Regierung, auch nicht die Regierungen von Belarus, der Türkei oder sogar Russland, die berechtigen eine Regierung mit Gewalt zu stürzen. Die Möglichkeiten, die Du aufzählst, sind sogar in den von mir genannten Staaten nicht gegeben. Bei Gewaltanwendung ist immer Vorsicht geboten.

Demokratisch gewählte und nach den Regeln der Demokratie handelnde Regierungen laufen eher nicht Gefahr, von demokratisch gesonnen Bürgern gewaltsam gestürzt zu werden.
Nicht allein die Frage, ob sie demokratisch gewählt wurden, sondern wie sie im weiteren handeln, muss entscheidend sein.
Hitler ist durch demokratische Wahlen an die Macht gekommen- hätte der also nicht gewaltsam gestürzt werden dürfen?
Diktauren, die sich unterm dünnen Mäntelchen der Demokratie tarnen, dürfen- so es gewaltfrei nicht geht- auch mit Gewalt gestürzt werden.
 
Renegat
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Re: Vereinigte Staaten von Europa

10.12.2015, 14:32

Dies ist ein alter Mammutthread und ich weiß gar nicht mehr genau, was auf den 30 Seiten schon alles diskutiert wurde. Aus meiner Erinnerung ging es auch um das Zusammenwachsen in der EU und übersichtliche Strukturen.

In letzter Zeit haben wir uns realpolitisch noch weiter vom Ziel eines gemeinsamen Europas entfernt, so mein Eindruck.
Da können doch nicht nur die Flüchtlinge dran schuld sein, diese Diskussion bitte nicht hier sondern in viewtopic.php?f=15&t=61&p=61057#p61057

Mich interessiert, was darüberhinaus die Gründe sind, für die nationalen Egoismen, dieses gedankliche Haltmachen an der eigenen Nationalstaatsgrenze.
Liegt es vielleicht daran, dass man sich echte Kleinstaaterei und deren gravierende Nachteile gar nicht mehr vorstellen kann?
 
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Barbarossa
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Re: Vereinigte Staaten von Europa

11.12.2017, 12:49

Auf dem derzeit stattfindenden SPD-Parteitag hat Parteichef Martin Schulz das Jahr 2025 genannt, in dem die ,,Vereinigten Staaten von Europa'' als Föderation aus der EU heraus mit einer gemeinsamen Verfassung entstehen sollen. Alle EU-Länder, die einer solchen Verfassung nicht zustimmen, sollten seiner Ansicht nach die EU automatisch verlassen.
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article171358179/Schulz-will-Vereinigte-Staaten-von-Europa-bis-2025.html
 
Kommentar von mir:
Ich weiß nicht, welcher Teufel Martin Schulz da reitet, aber es müsste dazu in jedem EU-Land Volksabstimmungen geben. Und schon die Volksabstimmungen zur Euroeinführung waren wohl mehr als ernüchternd. In Deutschland hat man eine Volksabstimmung zum Euro wohlweißlich vermieden und ich kenne persönlich auch niemanden in meinem Umfeld, der damals für die Euroeinführung gestimmt hätte. 
Bei einem solchen Verfassungswerk wird man eine Volksabstimmung aber nicht vermeiden können - auch nicht in Deutschland. Ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll. Ich weiß nur, ich bin Deutscher! Begriffe, wie Nationalstolz und Patriotismus haben für mich noch eine wichtige Bedeutung und so etwas wie eine gemeinsame Europäische Nation halte ich - wenn überhaupt - für Zukunftsmusik und in diesem Jahrhundert nicht mehr für realisierbar. Zudem will ich sogar die Frage in den Raum stellen, ob das wirklich wünschenswert ist. Gerade bei Pleiteländern wie Griechenland erkennt man die Schwierigkeiten bei solchen ,,Vereinigungen'', denn wer will schon gern für Schulden zahlen, die andere gemacht haben?
Oder will Martin Schulz bestimmte EU-Länder nun ,,zu ihrem Glück zwingen'', nach dem Motto: ,,Wenn ihr euch weiterhin nicht an die Verträge der EU halten wollt, dann seit ihr draußen''? Das könnte aber nach hinten losgehen, weil es eine Austrittswelle von Mitgliedsländern auslösen könnte. 
Andererseits habe ich den Verdacht, dass die eine oder andere Mitgliedschaft insgeheim von vorn herein nur zur Geldabschöpfung aus Brüssel angedacht war. So etwas wie ,,gemeinsame Werte'' aller Mitglieder vermisse ich derzeit vor allem in der Flüchtlingsfrage, so dass sich die EU auf diese Werte wohl eher nicht subsumieren lässt - jedenfalls nicht im Moment.

Edit: 
Ich habe den Kommentar hier als Artikel eingestellt: http://blog-politik.de/vereinigte-staaten-von-europa-ab-2025/


(Übrigens kann sich jeder mit seinen Gedanken zu einem Thema im Politik-Blog verewigen. Dazu einfach an mich oder Ralph per PN herantreten. Ok?)
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Ruaidhri
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Re: Vereinigte Staaten von Europa

11.12.2017, 20:39

Barbarossa hat geschrieben:
Ich weiß nicht, welcher Teufel Martin Schulz da reitet,

Das weiß ich auch nicht, und ich sehe auch keine wirklich klareLinie, wie das funktinieren soll.
Ich will ein einiges Europa, meinethalebn auch in vielem vereintes Europa- gleiche Steuern, Sozialgesetzgebung etc, aber ich will keinen europäischen Einheitsbrei.
Barbarossa hat geschrieben:
n Deutschland hat man eine Volksabstimmung zum Euro wohlweißlich vermieden und ich kenne persönlich auch niemanden in meinem Umfeld, der damals für die Euroeinführung gestimmt hätte.

Davon wieder gab es viele in meinem Umkreis, was wieder -ohne negativen Unterton gemeint, die unterschiedlichen Entwicklungen über Jahrzehnte in Ost und West widerspiegeln mag.
Barbarossa hat geschrieben:
Ich weiß nur, ich bin Deutscher! Begriffe, wie Nationalstolz und Patriotismus haben für mich noch eine wichtige Bedeutung.

Damit kann ich zwar für mich persönlich wenig anfangen, bin eher Schleswig-Holsteinerin mit Migrationshintergrund  dass ich mich mit Deutschland und Nation identifiziere,  Deutschland ist mir nicht näher als andere EU-Länder, manchmal sogar ferner bis fremd, dennoch:
Nicht nur Deutsche werden das so sehen wie Du, sondern Franzosen, Dänen, Polen, etc. wenn das so kurzfristig erzwungen werden soll. Da muss noch sehr viel mehr zusammenwachsen, auch und gerade im gegenseitigen Verständnis der der Kulturen, bis die Nationalismen verschwinden und man Eupoäer*In mit diesem oder jenem Usprung ist.. Ganz abgesehen von der ökonomischen Unmöglichkeit.
Barbarossa hat geschrieben:
Gerade bei Pleiteländern wie Griechenland erkennt man die Schwierigkeiten bei solchen ,,Vereinigungen'', denn wer will schon gern für Schulden zahlen, die andere gemacht haben?

Ganz unschuldig waren die deutschen Regierungen nicht, und gut dran verdienen tut der Staat immer noch an Griechenlands Pleite. Zu Europa gehört eben auch Solidarität, nur war die etwas erzwungen. Andererseits: Wer um das Elend in Griechenland weiß, dass der rigide Sparkurs heraufbeschwor, könnte auf Idee kommen, den Menschen zu helfen, denen der Staat nicht helfen kann und darf. Viele tun es privatim, wobei das weniger telegen ist als das "Refugees welcome!" 2015

Barbarossa hat geschrieben:
Andererseits habe ich den Verdacht, dass die eine oder andere Mitgliedschaft insgeheim von vorn herein nur zur Geldabschöpfung aus Brüssel angedacht war.

Der Verdacht dürfte sehr begründet sein. Polen, Tschechien, Ungarn-  Geld und Solidarität bitte nur in eine Richtung. Gerade diese genannten Beispiele zeigen, dass manche Länder nicht reif sind für diesen Schritt über die eigenen engen Grenzen hinaus. Gezielter, und mit den Bürgern und Bürgerinnen auf geeintes, einiges Europa hinzuarbeiten: Absolut richtig, aber Identitäten aufzugeben, muss nicht sein,  doch weniger Nationalismus, der immer latent gefährlich ist, wäre gut.
Gut Ding will Weile haben, auch die Kern- und Gründungsstaaten brauchten Zeit, bis man sich besser kannte und verstehen lernte.
Muttersprache: Deutsch Vaterland: Keins. Heimat: Europa
LG Ruaidhri