Der Iran ist noch nicht sehr lange Teil der islamischen Welt. Das liegt natürlich vor allem daran, dass diese Weltreligion erst im siebenten Jahrhundert u.Z. entstanden ist und die iranische Hochkultur zu diesem Zeitpunkt schon auf eine jahrtausendealte Geschichte zurückblicken konnte. Wenn man davon ausgeht, dass die persische Kultur ungefähr siebentausend Jahre alt ist, dann ist der Iran noch nicht sehr lange islamisch und war es die meisten Zeit seiner Geschichte nicht gewesen.

Der Dichter und Nobelpreisträger Naipaul wies auf die Schwierigkeit hin, die nicht arabische Kulturen haben, wenn sie zum Islam überwechseln, denn dieser ist von seinem Ursprung her eine arabische Kultur. Die heiligen Stätten befinden sich auf arabischem Boden, die gottgefällige Sprache ist das Arabische. Jeder Nichtaraber, der sich als Muslim fühlt, ist ein Bekehrter. Von der eigenen Geschichte wendet er sich ab. Der Bekehrte hat allem zu entsagen, was zu ihm gehört. Die Abkehr muss der Bekehrte immer wieder neu vollziehen. Das birgt die Gefahr von Neurosen. Solche Länder können leicht zum Kochen gebracht werden. (V.S.Naipaul, Jenseits des Glaubens, München 1998, S.9)

Tatsächlich ist bei vielen nicht arabischen, fanatischen Muslimen ein Selbsthass auf die eigene Kultur zu entdecken. Denn früher waren die Menschen in ihrem Land heidnisch gewesen und dies empfindet man als Makel. In einigen Ländern beginnt der Geschichtsunterricht erst mit der Geburt Mohammeds, die Zeit davor wird verschwiegen. Manchmal werden sogar die Denkmäler der früheren Zeit vernichtet, so wie dies die Taliban in Afghanistan mit der Sprengung der Buddha Statuen taten.

Auch im Iran gab und gibt es diese Tendenzen. Dies liegt zum einen daran, das sich der gestürzte Schah ganz bewusst in die Tradition der vorislamischen Kultur stellte und sich als Nachfolger von den berühmten Herrschern Kyros und Darius sah, um den Einfluss und die Bedeutung der islamischen Geistlichkeit zu schmälern und zum anderen musste aus dem Gedächtnis der Gläubigen getilgt werden, das Persien diese Religion einer nationalen Katastrophe verdankte, nämlich der verlorenen Schlacht von Quadisiya im heutigen Irak, vermutlich im Jahre 638 u.Z., als die gewaltige Armee des iranischen Großkönigs von einer kleinen arabischen Beduinentruppe vernichtend geschlagen wurde. Mit den fremden Eroberern kam dieser neue Glauben ins Land. Dieser Umstand ließ sich allerdings schlecht leugnen, denn die arabischen Nachbarn wiesen immer wieder bei Gelegenheit die Iraner hämisch auf dieses Ereignis hin. Saddam Hussein beschwor während des Krieges mit dem Iran immer wieder den Geist von Quadisiya und verspottete die Iraner als Feueranbeter in Anspielung auf deren frühere zoroastrische Religion.

So ist es vermutlich nicht verwunderlich, dass sich der Iran der schiitischen Auslegung des Islam zuwendete. Denn die Schiiten verurteilen die ersten drei Kalifen, die auf Mohammeds Tod folgten, und die waren ja auch verantwortlich gewesen für das nationale Desaster in Persien. Mit dem Schiitentum hatte das Land seine eigene Würde zurückgewonnen, denn nun konnte man sich von den arabischen Eroberern deutlich abgrenzen.

Der Iran war während seiner langen Geschichte schon häufiger erobert worden. Bekannt ist allen deutschen Schülern der Feldzug Alexander des Großen, der mit einer kleinen Armee das riesige Heer seines Gegners Dareios’III vernichtend schlug. Doch die spätere Herrschaft der griechischen Generäle hinterließ wenig bleibende Spuren in der iranischen Geschichte.

Es stellen sich nun folgende Fragen:

  • Warum konnte die arabische Invasion die iranische Gesellschaft so grundlegend ändern? und
  • Wie vollzog sich die Islamisierung und warum nahm sie die besondere Form des Schiitentums an?

Um diese Fragen zu beantworten, muss man zunächst einen kurzen Blick auf die Herrschafts-und Gesellschaftsstrukturen werfen, die von den Arabern vorgefunden wurden.

Von 224 – 651 u.Z. entstand in Persien noch einmal ein riesiges Reich unter der Herrschaft der Dynastie der Sassaniden, benannt nach deren Ahnherrn Sasan, von den Historikern auch Neupersisches Reich genannt.

Dieses zweite Imperium umfasste nicht nur das Staatsgebiet des heutigen Iran, sondern auch den Irak, sowie große Teile von Afghanistan und Turkmenistan. Die Hauptstadt war Ktesiphon, 35 km südöstlich von Bagdad am linken Ufer des Tigris, im jetzigen Irak.

Das Sassaniden Reich war eine klassische orientalische Despotie gewesen, regiert von einem Herrscher mit einer gewaltigen Machtfülle, dem ein großer Beamtenapparat zur Verfügung stand, um den Staat zu kontrollieren. In den Städten gab es eine ausdifferenzierte Bevölkerung, bestehend aus Händlern und Handwerkern und Tagelöhnern, überwacht von Polizei, Geheimdienst und Spitzelapparat. Die Provinzen wurden von mächtigen Grundherren beherrscht, die von den Abgaben ihrer Bauern lebten. Die Grundstruktur bildeten jedoch die Dechquane, die kleineren, erblichen Grundherren der Dörfer, die das Bewässerungssystem aufrechterhielten. Dieses war besonders wichtig, da in den vielen trockenen Regionen des Iran nur die Bergländer genügend Regenfälle und Schneewasser erhalten und die an sich fruchtbaren Gebiete trocken bleiben, wenn dies nicht durch ein kompliziertes und hervorragend ausgebautes System von Kanälen und Brunnen verhindert wird.

Die Staatsreligion war ein Kultus, der vor über 3.000 Jahren von dem Propheten Zoroaster geschaffen wurde, eine streng dualistische Weltanschauung, nach der es einen allmächtigen Schöpfergott mit Namen Ahura Mazda gibt, dem sein böser Widerpart Ahriman, gegenübersteht. Die ganze Welt ist ein ständiger Kampf zwischen diesen beiden Mächten. In den Tempeln zu Ehren von Ahura Mazda brennt ein ewiges Feuer, das Symbol der Reinheit. Der Kultus befand sich in den Händen einer mächtigen Priesterkaste, den Magiern, die in der Spätphase des Reiches immer größeren Einfluss auf die Politik gewannen.

Die zentralistische Leitung des Reiches erwies sich als Nachteil, wenn ein schwacher Herrscher auf dem Thron saß. Dann strebten Provinzen und die mächtige Adelsschicht nach Souveränität und Unabhängigkeit. Mehrere Krisen konnten die Sassaniden im Laufe ihrer vierhundertjährigen Regierungszeit überwinden, aber 628 u.Z. erlitten sie eine vernichtende Niederlage gegen das byzantinische Reich. Daraufhin kam es zu Unruhen, Adelsfraktionen revoltierten, innerhalb des Herrscherhauses brachen mörderische Kämpfe um die Thronfolge aus. In dieser verworrenen Situation kam der Angriff der arabischen Heere unter dem Kalifen Omar völlig überraschend und das Perserreich wurde innerhalb weniger Jahre vollständig besetzt.

Mit den Eroberern kam ein neuer Glaube ins Land, der Islam. Dieser unterschied sich von anderen Religionen dadurch, dass er Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhob und andere Religionen für falsch und unwahr erklärte. Dies war ein Novum, das allerdings für die monotheistischen Religionen typisch ist, denn auch Christentum und Judentum halten nur ihre eigene Lehre für richtig. Dadurch unterscheiden sie sich von den vielen Stammesreligionen, denn hier gehen die Gläubigen davon aus, das auch die Götter der anderen Völker und Kulturen existieren.

Auch wenn die Araber von der alleinigen Wahrheit des Islam überzeugt waren, taten sie in den eroberten Gebieten zunächst nichts, um zu missionieren. In der Anfangszeit waren sie vor allem an Beute und Tribute interessiert gewesen. Die besiegte Bevölkerung wurde mit einer besonderen Kopf- und Grundsteuer belastet, die nur von Ungläubigen zu entrichten war. Eine Bekehrung wäre somit aus fiskalischen Gründen nicht sinnvoll gewesen.

Gegenüber anderen Religionen erwiesen sie sich als tolerant. Diese Toleranz hatte vorwiegend pragmatische Gründe, denn die Araber eroberten Hochkulturen, die ihnen zivilisatorisch oft weit überlegen waren. Es lag im Interesse der neuen Herren, diese nicht zu zerstören, um sie weiter wirtschaftlich ausnutzen zu können. Also mischte man sich zunächst nicht weiter ein. Diese Toleranz wird von einigen Historikern als verächtliche Toleranz bezeichnet, denn Ungläubige blieben Menschen zweiter Klasse, die viele Benachteiligungen zu erdulden hatten. Gegenüber dem Christentum und Judentum blieben die Araber noch halbwegs duldsam, da es sich hier um verwandte Buchreligionen handelte. Gegen die Magier des Zoroasterkult gingen sie allerdings schon bald entschlossen vor, da diese wenig Kooperationsbereitschaft zeigten.

Wie mag sich die Islamisierung des Iran vollzogen haben? Wie auch in vielen anderen Ländern muss dies ein langwieriger Vorgang gewesen sein, der sich bestimmt über Jahrhunderte erstreckte.

Die frühere Oberschicht, die führenden Adelsfraktionen, die Dechquane, reiche Kaufleute, hohe Beamte, sie alle versuchten offensichtlich, einen Teil ihrer Privilegien zu erhalten, in dem sie mit den Arabern kooperierten. Aber auch sie konnten nur als „Mawali“ (Klienten, Abhängige) eines arabischen Stammes Muslime werden und genossen nicht die vollen Rechte eines arabischen Gläubigen. Die Konvertiten wurden zwar bald von der Kopfsteuer befreit, nicht aber von der Grundsteuer. Der Übertritt eines Mitgliedes der früheren Oberschicht zum Islam hatte meistens zur Folge, das auch dessen gesamter Anhang, also alle, die von ihm abhingen, zu der neuen Religion wechselten.

Die Grundherren, Bauern und Städter, die Zoroastrier geblieben waren oder notgedrungen bleiben mussten, galten jetzt als Schutzbefohlene, die eine hohe Steuerlast zu tragen hatten.

Auf die Dauer ließ sich die Sonderstellung der Araber nicht aufrechterhalten. Der Islam ist von seiner Konzeption her eine Religion für alle Menschen. Seine Gleichheitsideale sind nicht auf die Araber beschränkt. Dies macht ihn auch besonders attraktiv.

Der Übertritt zu dieser Religion, wenn er gestattet wird, ist relativ leicht. Viele seiner Vorschriften und Regeln sind mit traditionellen, im Orient damals schon verbreiteten Sitten und Gebräuche zu vereinbaren und verlangen keine vollständige Veränderung des bisherigen Lebens. Während der Zoroasterglauben in seiner Spätform vermutlich ein auf die Exklusivität der persischen Oberschicht zugeschnittener Glaube war, bot der Islam eine volkstümliche Alternative.

Die Nichtgleichberechtigung der Mawali, deren Dienste für die neue Herrenschicht nicht zu entbehren waren, bot hinreichend Sprengstoff für die nun folgende Auseinandersetzung. Die Zwistigkeiten unter den Arabern erleichterte den Persern ihre Emanzipation.

Im Islam setzte sich kaum vierzig Jahre nach dem Tode des Propheten eine der Adelsfamilien von Mekka als Kalifendynastie durch, die Umaiyaden. Doch als deren Vertreter, der dritte Kalif Utman, der sich durch hemmungslose Vetternwirtschaft verhasst gemacht hatte, 656 u.Z. ermordet wurde, kam es zu einem folgenschweren Zwischenspiel im Machtpoker. Ali, Vetter und Schwiegersohn von Mohammed, ließ sich in Medina zum vierten Kalifen ausrufen. Doch der Umaiyadenclan akzeptierte diese Wahl nicht und sie scharten sich um den Gouverneur von Syrien, Muawiya, den sie zum Gegenkalifen ausriefen. In einem blutigen Bürgerkrieg wurde Ali, der seine Anhänger hauptsächlich im Süden des Irak hatte, geschlagen und von Abtrünnigen ermordet. Auch seine beiden Söhne, Hasan und Husain, unterlagen den Umaiyaden und Husain wurde bei Kerbela im Irak erschlagen zusammen mit seinen Anhängern. In seinem und seines Vaters Namen sammelten sich in Zukunft viele Unzufriedene und Unterdrückte und bildeten die Partei Alis, die „Schiat Ali“, die jedoch vorerst wenig gegen die Kalifen in Damaskus ausrichten konnte. Doch im südlichen Irak hatte sie ihre Hochburg und von dort strahlte ihre Bewegung auch nach Persien aus.

Das dieser kurzfristige Machtkampf in der Frühzeit des Islam zu einer dauerhaften Spaltung führte, lag vor allem daran, dass die „Schiat Ali“ immer wieder die Unzufriedenheit mit den Herrschenden kanalisieren und organisieren konnte mit Hilfe einer Institution, den Imamen. Die Nachfolger von Ali und seinen beiden Söhnen wurden nun die Imame, Männer, die von Mohammeds Schwiegersohn abstammten und welche die Idee vertraten, das nur sie berufen seien, die Gläubigen zu beherrschen. Dies musste natürlich auf den Widerstand der Kalifen stoßen und die meisten Imame wurden von ihnen ermordet. Doch diese Opposition erwies sich als sehr wirksam und dauerhaft, denn um sie herum entwickelte sich eine Geistlichkeit, die zum Träger dieser neuen Glaubensvorstellung wurde. Es ergab sich auch schnell ein Bündnis mit Teilen von Mitgliedern der iranischen Hochkultur durch eine Legendenbildung, die besagte, das schon der vierte Imam aus der Familie von Ali als Mutter eine iranische Prinzessin der Sassaniden gehabt hätte.

Im Jahre 747 rief in der alten Metropole des Nordostens, Merw im heutigen Turkmenistan, ein iranischer „Maula“, ein „Neumuslim“ zum Aufstand gegen die Herrschaft der Umaiyaden und fand rasch Gehör und Zulauf. Abu Muslim „Vater des Muslim“ genannt. Ihm strömten nicht nur die iranischen Mawali zu, sondern auch viele Araber, die verarmt waren und die man in das hinterste Persien abgeschoben hatte. Fraktionen der herrschenden arabischen Oberschicht, ehemalige Rivalen der Umaiyaden, die nach einem Onkel Mohammeds genannten Abbasiden, deren Klient Abu Muslim war, sowie die Anhänger der Familie Alis, die Schiiten, rüsteten sich zum Aufstand.

Abu Muslim organisierte eine arabisch-iranische Armee, die er schwarz uniformierte und schwarze Banner gab. Es waren vor allem die persischen Mawali, die ihren Sieg ermöglichte. Das Haupt der Abbasiden, Abu-I-abbas wurde zum neuen Kalifen in Kufa, Irak, ausgerufen, und der Umayadenclan ausgerottet. Die Abbasiden gründeten mit Bagdad, nicht weit von der alten Hauptstadt der Sassaniden, Bagdad als neues Zentrum. Sie reorganisierten das Reich als einen Staat aller Besitzenden. Die Mawali wurden zu Vollbügern, die Macht im Reiche wurde nun von den reichen Muslimen arabischer und iranischer Herkunft getragen. Auch das Steuersystem wurde nach dem Vorbild des sassanidischen Steuersystems umgeformt, das nach der Größe der Landfläche und den Ernteerträgen aufgebaut war. Diese Regelung galt nun für alle. Einen Sonderstatus für Muslime gab es in dieser Hinsicht nicht mehr. Das Interesse des Staates die arbeitenden Klassen vom Übertritt zum Islam abzuhalten, entfiel somit. Der Islam wurde nun zur Staatsreligion.

Nach der abbasidischen Revolution dehnte sich der Islam auch überall in den ländlichen Regionen schnell aus und verdrängte die Reste der Zoroasterreligion.

Freilich gab es auch jetzt sehr viele, deren materielle Situation sich durch die Umwälzung nicht verbessert hatte. Der Staatsislam war nicht schiitisch, die Anhänger Alis hatten die Revolution unterstützt, waren aber an der neuen Regierung nicht beteiligt. Als die nachfolgenden Abbasidenherrscher sich zunehmend zu Despoten entwickelten, wurden die Imame zu Hoffnungsträgern und die „Schiat Ali“ gewann zunehmend an Anhängern in Persien. Auch als mit dem zwölften Imam, der 872 u.Z. von Allah entrückt wurde, also spurlos bereits als Junge verschwand und damit die direkte Reihenfolge der Nachkommen von Ali unterbrochen wurde, blieb die schiitische Geistlichkeit eine Organisationsform der Unzufriedenen. In den nächsten Jahrhunderten geriet der Iran unter die Herrschaft von Nomadenstämmen und zerfiel in Teilreiche, bis es im 16.Jahrhundert einer persischen Dynastie, den Safawiden, gelang, den Iran unter einheimischer Herrschaft neu zu begründen unter dem Zeichen der „Schiat Ali“. Das Sassaniden Reich war gewissermaßen neu entstanden, aber unter islamischem Vorzeichen.

Die iranische Hochkultur konnte dem Ansturm der Araber widerstehen, in dem sie den Islam integrierte und nach ihren eigenen Bedürfnissen umformte. Die Iraner behaupteten auch vor allem deshalb ihre Eigenart, weil sie, anders als etwa die Ägypter oder Syrer, ihre eigene Sprache behielten und nicht das Arabische übernahmen. Auch kam es zu keiner wirklichen Verschmelzung zwischen Persern und Arabern.

Die Beibehaltung der persischen Kultur und die Übernahme der schiitischen Glaubensrichtung trennen den Iran allerdings auch von der übrigen islamischen Welt. Außerhalb Persiens und dem Südirak, wo die „Schiat Ali“ ursprünglich entstanden war, fanden sich nur wenige Anhänger für die Ali Familie. Als Khomeini 1979 zur islamischen Revolution aufrief, fand er keinen Widerhall und auch heute sehen viele arabische Staaten misstrauisch auf Teheran. Das Land bleibt isoliert und findet nur wenige Freunde.

Die Perser sind, wie Naipaul richtig feststellte, Bekehrte und müssen ihre Bekehrung immer wieder rechtfertigen. Die Mullahs wollen deshalb der Vergangenheit ihres Landes entfliehen, aber dies ist in einer so traditionsreichen Kultur nur schwer möglich. Schon das bedeutendste Fest des Landes, das Newroz oder Frühjahrsfest, welches seit 3.000 Jahren gefeiert wird, ist eindeutig heidnischen Ursprungs und vergeblich haben die Mullahs versucht, ihm eine islamische Entstehung anzudichten. Auch der berühmteste Dichter Persiens, Firdausi (941-1020 u.Z.), der in seinem Epos „Das Buch der Könige“ die Geschichte der Sassaniden Herrscher erzählt, erlangte wieder seine alte Bedeutung, nachdem die iranische Geistlichkeit ihn zeitweilig völlig ignoriert hatte.

Es ist zu hoffen, dass sich das Land auch seiner vorislamischen Vergangenheit wieder öffnet und den Dogmatismus und die Engstirnigkeit seiner gegenwärtigen Führer überwindet. Die alten orientalischen Despotien sind zwar kein Vorbild für religiöse Toleranz und erst recht natürlich nicht für Demokratie, aber die Erinnerung an sie würde den Mullahs deutlich machen, das es in der Vergangenheit Persiens nicht nur die Familie Ali gab, so verdienstvoll diese vielleicht auch gewesen sein mag.