Lukka

Seevoelker-Schlacht

 

Die Lukka werden zwar in antiken Listen öfter aufgeführt, aber nähere Informationen erhalten wir auch über dieses Volk nicht, außer, dass es in Verbindung mit einigen anderen Seevölkern gestanden haben muss,

Das „Lukka-Land“, worunter das spätere Lykien verstanden werden muss, befand sich nie unter direkter hethitischer Herrschaft, Lukka waren dennoch auch auf hethitischer Seite an der Schlacht von Kadesch beteiligt, immerhin war das hethitische Klientel-Königreich Arzawa in Westanatolien ein Lukka-Königreich. Wir haben allerdings keinerlei Nachricht von Verträgen zwischen Lukka und Hethitern, sehr wohl aber Nachrichten davon, dass die Lukka von den Hethitern als rebellisch gesehen wurden. Mitte des 15.Jhs.v.Chr. waren die Lukka Teil einer antihethitischen Allianz aus 22 Völkern, die als „Bund von Assuwa“ bekannt war. Das Bündnis wurde von den Hethitern unter Tudhalija I. besiegt. Von Angriffen der Lukka auf das hethitische Kernland in Zentralanatolien inklusive weitreichender Zerstörungen berichtet auch ein hethitisches Gebet, das aber gleichwohl erwähnt, die Lukka hätten die hethitischen Götter verehrt.

Auch bezeichnen die hethitischen Quellen die Lukka als Seefahrer. Jährliche Überfälle auf Alasia gehörten bei den Lukka offenbar zur „Tradition“, weswegen sie allgemein als Piraten angesehen wurden. In einem Brief des Königs von Ugarit an seinen Kollegen von Alasia (Zpern) berichtet ersterer, dass er eine Flotte an die Küste von Lukka schicke, um dort den Kampf des Hethiterkönigs gegen die Seevölker zu unterstützen. Ob die ugaritische Flotte dabei nur die Engstelle zwischen Zypern und dem Festland blockieren sollte oder gegen Lukka kämpfen sollte, bleibt dabei offen.

Einer der Könige von Alasia schrieb an den ägyptischen Pharao, dass sich Alasia auf keinen Fall mit den Lukka gegen ihn verbünden würde, sondern im Gegenteil auf ägyptische Hilfe gegen die Lukka hoffe.

1208 v.Chr. griff eine Koalition aus libyschen und anderen Völkern Ägypten unter Pharao Merneptah an und wurde in der Schlacht von Sais zurückgeschlagen. In der Karnak-Inschrift berichtet Merneptah davon, dass auch Lukka unter den Verbündeten des libyschen Königs Meryre waren. Von den insgesamt etwa 6500 getöteten Libyern waren nur 200 Lukka, diese stellten also nur eine kleine Gruppe innerhalb der Angreifer. Vielleicht deshalb haben wir keine bildlichen Darstellungen von Lukka. Die Karnak-Inschrift berichtet auch, dass die Angreifer ihre Familien bei sich gehabt hätten, sich also wohl in Ägypten hätten ansiedeln wollen (vgl. die Beiträge zu den Luba und Meschwesch). Am zweiten Angriff der Seevölker auf Ägyptenunter Ramses III. waren die Lukka aber offenbar nicht beteiligt, zumindest werden sie in Medinet Habu nicht erwähnt.

Auch Homer berichtet von den Lukka, allerdings nennt er sie bereits Lykier. Sie waren Verbündete der Trojaner, und der lykische Held Bellerophon soll zwar aus Korinth gestammt haben, er kam aber nach Lykien, dessen König der Schwiegervater des Königs von Tiryns war und vollbrachte hier Heldentaten. Bellerophon hieß eigentlich Hipponoos („Pferdeversteher“) und war der Enkel des Aiolos, des Stammvaters der Aiolier, die Thessalien, Böotien und die nördliche Ägäis bewohnten und dabei teilweise das Erbe der Mykener antraten. Im Auftrag des lykischen Königs, der ihn aus dem Weg schaffen wollte, besiegte Bellerophon mit Hilfe des Pegasus die Chimäre, die in Karien ihr Unwesen trieb. Die zweimalige Verbindung des Bellerophon mit Pferden (Name, Pegasus) könnte bedeuten, dass der Held eine ursprünglich lykisch-karische Helden- oder sogar Göttergestalt gewesen sein könnte, denn die Landschaft war für ihre Pferdezucht berühmt. Auch Herodot berichtet von Verbindungen zwischen Griechen und Lykiern, allerdings erstellt er eine Herkunft der Lykier aus Kreta. Allerdings konstruiert Herodot auch eine fragwürdige Ethymologie des Namens der Lykier, die er auf den Athener Lykos zurückführt…

Der erste lykische König soll laut Herodot nichtsdestotrotz ein Bruder des Minos gewesen sein. In diesen Sagen haben sich offenbar Erinnerungen von frühen und relativ engen Beziehungen zwischen Minoern und mykenischen Griechen erhalten.

Denkbar ist etwa, dass sich kretische und/oder griechische Einwanderer mit den Lukka vermischten und sich im Lauf der Zeit assimilierten, denn das Lykische ist eindeutig eine mit dem Luwischen verwandte anatolische Sprache gewesen.

Die Lukka waren ein offenbar recht kriegerisches Volk in Westanatolien, denn sie konnten weder von Hethitern noch von Lydiern erobert werden und konnten auch griechische Kolonisationsversuche erfolgreich verhindern. Erst die Perser schafften es, die Lykier wirklich zu besiegen, auch wenn die Lykier weiterhin eine relativ weitreichende Autonomie genossen. In der Folgezeit standen sie teils im Bündnis mit griechischen Staaten, häufiger als mit den Griechen waren sie aber mit den Persern verbündet.