Ekwesh/Akwasha

Der Name erinnert so verdächtig an die Ahhijawa aus hethitischen Texten und an die homerischen Achäer, dass es nahe liegt, diese mit jenen zu identifizieren.

Wenn man nach den Karnak-Inschriften geht, waren die Ekwesh die größte Gruppe innerhalb der Seevölker, gegen die sich Pharao Merneptah wehren musste. Außerdem sind nach den Darstellungen in Karnak die Ekwesh beschnitten gewesen! Diesen Fakt bringt man normalerweise nicht mit den mykenischen Griechen in Verbindung, allerdings weiß man auch nicht, dass sie NICHT beschnitten waren.

Tatsache ist jedoch, dass die Ägypter den in der Schlacht von Sais Gefallenen – wie damals üblich – jeweils eine Hand abschnitten, um die Zahl der Toten zu ermitteln. Dies taten sie jedoch nicht bei allen Völkern, sondern nur bei den Schekelesch, den Tursa, den Schardana und den Ekwesch. Bei anderen, wie bei den libyschen Stämmen, schnitten sie die Phalli ab, weil diese Völker unbeschnitten gewesen seien. Unbeschnitten zu sein galt bei den Ägyptern als Schande; die postmortale Entmannung stellte somit eine Art dar, noch den Toten besondere Verachtung zu zeigen. In Sauls Befehl an David, die Vorhäute toter Philister als Dokumentation, dass David Sauls Vorgaben auch wirklich erfüllt habe, ist eine biblische Parallele zu diesem Vorgehen der Ägypter bekannt.

Wie kamen diese relativ eindeutig als ägäischen Ursprungs identifizierten Völker dazu, die Sitte der Beschneidung einzuführen? Ein Hinweis könnte sein, dass die Beschneidung bei den Ägyptern aufgekommen ist. Die Israeliten haben sie beispielsweise von den Ägyptern übernommen. Da auch z.B. die Schardana sicher alte und enge Verbindungen zu den Ägyptern hatten, liegt die Vermutung nahe, dass sie durch ihren lang andauernden Kontakt mit den Ägyptern auch die Beschneidung von diesen übernommen haben. Wenn dies bei den Schardana der Fall war, dann vielleicht auch bei den anderen beschnittenen Seevölkern.

Im Fall der Ekwesch – und sollten diese tatsächlich identisch mit den Ahhijawa und Achäern sein – kann man sich dann durchaus vorstellen, dass nicht alle Ekwesch diesen Brauch übernommen haben, sondern nur die Stämme, die engeren Kontakt mit Ägyptern und/oder Schardana & Co hatten. Denn weder von den Griechen der historischen Zeit noch von den Etruskern – die ja möglicherweise mit den Tursa (Tyrsenern?) zu identifizieren sind – ist der Brauch der Beschneidung bekannt. Wie gesagt ist jedoch nicht auszuschließen, dass Teile dieser Völker die ägyptische Sitte übernommen haben.

Nach den späteren griechischen Legenden bestanden enge Kontakte zwischen Griechen und Lykiern, den „Lukka“ hethitischer Texte, die auch in Karnak erwähnt werden.

Da der Staat Ahhijawa zwar in seiner konkreten Lage bis heute unbekannt ist, aber wohl auf Westanatolien und die ägäischen Inseln ausgegriffen hat, liegt es nahe, dass Ahhijawa und Lukka gemeinsame Sachen machten – warum nicht auch bei einem Überfall auf Ägypten?

Anklänge in der Odyssee, die einen Angriff auf Ägypten durch Griechen erwähnen sowie Kontakte zwischen Libyen und Griechen, müssen sich nicht auf den speziellen libysch-„seevölkischen“ Überfall zur Zeit Merneptahs beziehen, sie zeigen aber, dass solche Pläne bei den Griechen nicht ungewöhnlich waren.