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Alles entstand aus einem riesigem Ozean. Das ist der Kernpunkt vieler Schöpfungsmythen die uns die religiösen Vorstellungen vergangener Völker oft schön und anschaulich erläutern. Mit die größten Dichter aller Zeiten haben vor über 4000 Jahren an ihnen mitgewirkt und mit dem Lauf der Zeit sind literarische Meisterwerke entstanden die bis in die heutige Zeit von Bedeutung sind. Viele Aspekte des Enuma elisch, einem babylonischen Schöpfungsepos, oder anderen mesopotamischen Texten, sind nicht nur im gesamten Nahen Osten wegbereitend gewesen, auch in Europa zeigen sie, durch Einflüsse im alten Testament, bis heute Wirkung.

Inhaltsverzeichnis

1.Ägypter

1.1 Heliopolis

1.2 Memphis

1.3 Hermopolis

1.4 Die Stellung des Menschen und die Wiederkehr der Schöpfung

2.Sumerer

2.1 Die Entstehung der Götter

2.2 Die Menschen

2.3 Andere Mythen

3.Akkader

3.1 Die Urform des Universums und Entstehung der Götter

3.2 Der Kampf und Sieg des Marduk

 

 

1.Ägypter

 

Wichtig ist, besonders bei den Ägyptern, klar zu stellen, dass es nicht den gültigen Schöpfungsmythos gab. Viele einzelne Städte „dachten“ sich einen eigenen aus, indem, was für ein Zufall, der eigene Gott eine Sonder-, bzw. die Schöpfungsrolle übernimmt. Außerdem kam es untereinander immer wieder zu Beeinflussung sodass es etliche verschiedene Geschichten gibt. Wir wollen uns in folgender Darstellung auf die Grundzüge der 3 wichtigsten Städte, Heliopolis, Hermopolis und Memphis, die sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigt haben, beschränken.

 

1.1 Heliopolis

In der heliopolischen Schöpfungslehre besteht, eine Gemeinsamkeit mit (fast) allen anderen ägyptischen Erzählungen, am Anfang der Zeit nur der Urozean, der Nun. Aus ihm ist von sich selbst heraus der Schöpfergott, in dem Fall Re/Chepri/Atum (alles der gleiche Gott) entstanden oder war als Fötus schon immer da. In selbigem Urozean entwirft er seinen Schöpfungsplan und lässt zuerst einen festen Untergrund aus Erde oder Stein entstehen. Ganz zufällig beansprucht fast jede ägyptische Stadt auf diesem Urhügel zu stehen. Der nun aufstehend Sonnengott bedient sich seines Körpers um seinen Plan in die Wirklichkeit umzusetzen, aus seiner Spucke entstehen Schu (Luft) und Tefnut (Feuchtigkeit), aus seinen Tränen der Mensch. Schu und Tefnut zeugen den Gott Geb und die Göttin Nut, diese wiederum Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Die bisherigen Götter nennt man auch die Neunheit, sie führt die Schöpfung gemeinsam fort. Diese ist allerdings zunächst noch nicht vollständig und mit dem Lauf der Zeit kommen immer mehr Dinge, auch Kreationen anderen Göttern, hervor. Dieser Akt der Schöpfung hält bis zum Goldenen Zeitalter, der Herrschaft der Götter auf Erden, an und es können Pflanzen oder auch neue Tierarten entstehen wenn sich ein Gott verletzte und blutete, oder wenn er eben ein wenig experimentierte. Je nach Machtstellung bestimmter Städte rückte aber auch mal deren Stadtgott anstatt eines anderen in die Schöpfertruppe, hier kann man gut die Verbindung von Religion und Politik vieler antiker Völker erkennen. Außerdem meinen Serge Sauneron und Jean Yoyotte, dass die Neunheit gewissermaßen als ein einziger Demiurg zu sehen sei.

 

1.2 Memphis

Der memphische Schöpfergott ist deren Stadtgott Ptah, gleichzeitig fungiert dieser auch als Gott des Handwerks, der Künste und der Bauten. Er ist gewissermaßen auch der Erdboden, der am Anfang der Geschichte steht, hält den Himmel an seinem Platz und mit dem Nun identifiziert bewirkt er die Nilschwemme.

Er schafft das Universum vor allem durch die ausgesprochenen Gedanken seines Herzens, außerdem führt er die gleiche Neunheit wie Heliopolis an, die Sonne allerdings ist, im Gegensatz zu Heliopolis, nur das Werk seiner Hände und nicht die schöpfende Kraft: Sie begnügt sich damit eine Lichtquelle zu sein. In späteren Mythen geht aus Ptah die Achtheit von Hermopolis hervor.

 

1.3 Hermopolis

Hermopolis ist in Sachen Schöpfungsmythos für viele Städte wegweisend gewesen, so orientierten u.a. Theben und Krokodilopolis sich an ihr. Die Gelerten der Stadt gingen von der vielfach übernommenen Vorstellung eines Protodemiurgen aus, denn in ihre Lehre ist die Sonne zwar der Schöpfer, diese war aber nicht das erste was mit dem Nun existierte. Vielmehr entstand der Gott aus einem, zuvor von der Achtheit auf dem Urhügel befruchtetem, Ur-Lotos/Ur-Ei von wo aus er die weitere Schöpfung lenkte.

 

1.4 Die Stellung des Menschen und die Wiederkehr der Schöpfung

Aus heutiger Sicht ist es oft verwunderlich, dass in manchen ägyptischen Texten der Mensch vor den Göttern genannt wird. Dies hat nicht etwa damit zu tun, dass der Mensch mehr Wert als ein Gott hat, im Gegenteil wird er oft ohne eine Sonderrolle neben die Tiere gestellt, vielmehr hängt dies mit seiner zeitlichen Erschaffung vor den Göttern, zusammen.

Theoretisch haben alle Menschen, nicht nur Ägypter, ein Recht auf Leben nach dem Tod, denn der Schöpfergott hat sie alle zusammen, sich durch Aussehen und Sprache unterscheidend, erschaffen, allerdings berichten Schriftquellen des imperialistisch strebenden Neuen Reiches schlechter von anderen Menschen.

Die ägyptische Schöpfung wird oftmals auch als: „Das erste Mal“ bezeichnet, einfach deswegen, weil das Chaos noch nicht endgültig bezwungen ist und die am Abend alternde Sonne sich zuerst durch einem Bad im jenseitigen Nun erholen muss um am Morgen wieder mit neuer, jugendlicher Kraft die kosmische Ordnung zu erhalten. An jedem Morgen wird also die seit der Schöpfung herrschende Harmonie wiederhergestellt.

 

 

2.Sumerer

 

Auch bei den Sumerern ist ein einheitlicher Mythos wohl nicht vorhanden, zumindest gibt es bei der von mir gelesenen Literatur einige Unterschiede. Als Schöpfergott der Menschen fungiert aber immer Enki, gegebenenfalls mit einigen Partnern.

Die sumerische Religion übte über Jahrtausende einen enormen Einfluss aus, am Stärksten ist dieser bei den akkadischen Assyrern/Babyloniern, aber auch den Hurritern und Hethitern zu spüren. Über das Babylonische Exil gelangten vermutlich auch einige sumerische Gedanken in das alte Testament.

 

2.1 Die Entstehung der Götter

Die Schöpfungsgöttin der Sumerer ist Nammu, sie symbolisiert vermutlich, ähnlich wie bei den Ägyptern, den Urozean, bzw. das Süßwassermeer. Außerdem ist sie die Mutter Ans und Kis, welche wiederum die Eltern Enlils und Enkis sind, um nur die wichtigsten Götter zu nennen, denn bald darauf gab es noch einige mehr die natürlich wieder Kinder bekamen. Wieder, wie in Ägypten, wird auch in Sumer die Hierarchie der Götter durch bestimmte machtpolitische Ereignisse der Stadtstaaten beeinflusst, sodass zuerst Enlil, der Stadtgott Nippurs, dann An, der Uruks, an der Spitze des Pantheons zu stehen scheint. Diese zwei waren, zusammen mit Enki, dennoch die wichtigsten Gottheiten.

 

2.2 Die Menschen

Die Götter waren nun also da, aber niemand der ihre Arbeit machte. So teilten sich die Götter die Mühe indem die niederen arbeiteten und die hohen die Arbeiter beaufsichtigten. Enki hatte aber auf nichts von Beidem Lust und schlief stattdessen. Seine Mutter Nammu suchte ihn aber auf und bat ihn den Göttern etwas zu geben womit sie nicht mehr arbeiten müssten, da diese aufgrund der vielen Arbeit keine Nahrung mehr sammeln konnten und deswegen hungerten. Also formte Enki den Menschen aus Lehm und Nammu mischte heiliges Wasser des Urozeans dazu: Prompt hatten die Götter ein paar Dumme die für sie schuften – die Menschen.

 

2.3 Andere Mythen

Ein anderer Mythos berichtet davon, dass die Menschen einmal Tiere waren, die auf dem göttlichen Hügel grasten. Als die Götter von ihrem gehorteten Getreide aßen und ihre Milch tranken schenkten sie diesen Geschöpfen den Lebenshauch. Nun gaben sie den Menschen „den Pflug und das Joch“ sowie Scheunen, in denen sie das Getreide lagern konnten.

Im Dilmun-Mythos wird darüber berichtet wie zuerst die ganze Welt schläft (1. Weltzeitalter), Enki dann aufwacht und das lebensnotwendige (Süß-)Wasser einfließen lässt (2. Weltzeitalter) und schließlich mit einigen Göttinen das Leben (Enki als Gott des Wasser, die Göttin Nintu als Muttererde) zeugt (3. Weltzeitalter).

 

 

3.Akkader

 

Das Hauptwerk, dass uns die akkadische Vorstellung der Weltentstehung zeigt, ist das Enuma elisch, ein Meisterwerk mesopotamischer Dichtung das weiten Einfluss besaß. Natürlich zeigen sich viele sumerische Einflüsse, z.B. Götter, Helden (unter ihrem akkadischen Namen) und einigem mehr. Viele Aspekte wurden von den Hurritern, Hethitern und Israeliten übernommen, das genaue Entstehungsdatum ist allerdings unbekannt.

3.1 Die Urform des Universums und Entstehung der Götter

Wie wir es schon kennen, bestand am Anfang aller Zeit nur gestaltlose Materie, der Urozean, von dem sich schließlich Apsu, eine männliche Gottheit die das Süßwasser repräsentiert, und Tiamat, eine weibliche Göttin die das Sazwasser symbolisiert, lösten. Aus diesen beiden gingen die anderen Götter, zunächst Lachmu und Lachamu sowie alle Baustoffe der Welt hervor. So entstanden mit der Zeit alle Götter des akkadischen Pantheons.

 

3.2 Der Kampf und Sieg des Marduk

Die jungen Götter waren allerdings sehr laut und Apsu konnte nicht schlafen. Daraufhin entschloss dieser sich zu der einfachst möglichen Lösung: Er wollte sie einfach wieder vernichten. Im Kampf gegen Ea unterlag er jedoch und dieser eignete sich nun Vorrechte an. Als nun sein Sohn Marduk geboren wurde erkannten die Götter wie mächtig dieser war und nahmen, gestützt durch eine solche Kraft, den Kampf gegen Tiamat wieder auf. Diese allerdings erschuf einige Ungeheuer, die Götter, nun entmutigt, legten ihr Schicksal in Marduks Hand, der den Kampf schließlich gewann und aus dem Leib Tiamats sowohl den Himmel als auch die Erde schuf. Im Himmel regelte er den Gang der Planten, die von den Akkadern als Abbilder der Götter gesehen wurden und auch die Erde gestaltete er aus den Organen der besiegten Göttin. Der Mensch schließlich ist nicht die Krone der Schöpfung, er entstand aus dem Verräter Kingu, der sich auf Tiamats Seite gestellt hatte und die Bestrafung für alle anderer Götter, die dies mit ihm getan hatten, auferlegt bekam. Ea schnitt ihm die Adern auf und formte aus seinem Blut die Menschen, deren Zweck sowohl der Dienst an den Göttern als auch die Übernahme der Schuld der Verräter ist.

 

Christopher Bischof

 

 

Quellen:

Die Schöpfungsmythen, Benziger Verlag AG Zürich

http://de.wikipedia.org/wiki/Nammu

http://de.wikipedia.org/wiki/Enki_und_Nammu

http://de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_Religion

http://en.wikipedia.org/wiki/Mesopotamian_religion

http://www.mein-altaegypten.de/internet/Alt_Aegypten_2/totenkult/Sonnenlauf.html

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