209px-Pompejanischer Maler um 80 v. Chr. 001Religion und Politik waren im Röm.Reich immer eng miteinander verbunden; die Religion war “Staatsreligion” im Wortsinn !

Anzeichen für politsche/religiöse Räume im Gebiet der Stadt Rom zeigen die endgültige Stadtwerdung an:

– Eine erste Regia mit Brunnen und Heiligtum der Vesta entsteht im 7.Jh. bzw. Ende des Jhs.

– um 650 v.Chr. wird ein erster Fußboden des Forums (= Versammlungsort, später Comitium genannt, nicht nur Marktplatz!) angelegt, der 625 erneuert wird.

– um 600 v.Chr. entsteht hier ein neues Gebäude, vielleicht die erste Curia Hostilia.

– um 580 Vulcanus-Heiligtum und Lapis-Niger-Inschrift

– Existenz eines bürgerlichen Raumes (Comitium) im Gebiet des Forums mit bürgerli­chem Kult und politisch-religiösem Gebäude während 2.Hälfte des 7.Jhs.

– Gleichzeitig wird auch auf dem Kapitol ein Kult etabliert (Votivfunde), vielleicht ein erster Vorläufer der römischen Göttertri­as ­Ju­pi­ter-Mars-Quirinus ?

– seit dem 6.Jh. gibt es Kultstätten der Fortuna und der Mater Matuta auf dem neuerrichtetem Forum Boia­rum („Rindermarkt“)

– während des 7.Jhs. ist auch eine Vergrößerung, Verschönerung und griechischer Einfluß an römischen Hei­ligtümern festzustellen.

– griechischer Einfluß ist auch im Verschwinden der Grabbeigaben in Rom und Latium vetus fest­zustellen (vgl. Tab. X des XII-Tafel-Gesetzes!); in Etrurien gibt es keine solche Selbstbeschrän­kung des Adels !

 

Diese enge Verbindung zwischen Staat und Religion in Rom liegt begründet im Wesen der römischen Religion. Sie war selbstverständlicher Bestandteil des täglichen Lebens, nicht etwa seine Krönung. Gottheiten waren allgegenwärtig, die Übergänge zwischen Menschen- und Götterwelt fließend (deswegen konnten sich die Götter auch problemlos in das Leben der Menschen einmischen!). Dogmatische Strenge war den Römern fremd, die Sphäre der Götter nicht durch Definitionen, etwa die genauen Aufgaben betreffend, aufgeteilt. So konnten nicht nur fremde Götter ohne Probleme integriert werden (sie wurden einfach als Manifestationen der eigenen Götter gesehen), sondern auch Genien wie Roma oder der Kaiser in göttlichen Rang aufsteigen. In die Götterwelt gehörten so nicht nur die Haupt- und Planetengötter, sondern auch Geisterwesen wie Lare, Penaten, Nymphen, Faune, Satyrn usw.

Schon früh kam auch der Gedanke auf, alle Götter seien letzten Endes nur Manifestationen eines einzigen, noch höheren, über den Göttern stehenden Wesens. Der Reichskult des Jupiter Optimus Maximus war einer der Anfänge dieser Entwicklung. Ihm als Übergreifenden galten letzten Endes alle Opfer. So konnte auch der Herrscherkult in die Kultpraxis übernommen werden. Wer das Prinzip erfasst hatte, konnte dem Genius jeden Kaisers opfern; schließlich opferte er eigentlich dem Jupiter. Unter orientalischem Einfluss kam es aber im 4.Jh. n.Chr. zur Vergottung noch lebender Kaiser. Nicht mehr nur Trank- oder Tieropfer, sondern die erzwungene öffentliche Loyalitätsbezeugung wurden verlangt.

Im Unterschied zu diesen mehr repräsentativ-äußerlichen Kulten wandten sich die Mysterienkulte mehr an das Individuum und an transzendentale Fragen. Über sie ist wenig bekannt; die Eingeweihten mussten striktes Stillschweigen bewahren. Durch die unbedingte Hingabe an einen einzelnen Gott wie Artemis, Mithras oder Isis, die verschworene Gemeinschaft der Gläubigen, die durch Inititationsriten wie die Taufe bestärkt wurde, und einer Ausrichtung auf das Jenseits gewannen diese Kulte eine Kraft, die ihre Bedeutung bald weit über die der alten polytheistischen Religionen steigen ließ. Auch das Christentum hat einige Merkmale solcher Mysterienreligionen; das wurde noch verstärkt durch die Übernahme zahlreicher Merkmale anderer Kulte, womit man deren Anhänger mit dem Christentum versöhnen wollte, als dieses erst einmal Reichskult geworden war. Dazu gehören u.a. das Gedächtnismahl mit Brot und Wein und der 25. Dezember als Datum des Hauptfestes aus dem Mithraskult sowie das Bild der Himmelskönigin mit Krone und Zepter, den Mond zu Füssen, aus dem Isiskult.