Richard III earliest surviving portraitAls man im September 2012 bei einer Grabung auf einem Parkplatz in der englischen Stadt Leicester die Gebeine eines Mannes fand und diese einige Monate später als König Richard III. identifizieren konnte, war die Sensation perfekt.

Man wusste, dass Richard nach einer zweijährigen Herrschaft in der Schlacht von Bosworth gefallen war und man wusste ebenfalls, dass der verhasste König in einem simplen Grab beerdigt worden war. Allerdings gingen Informationen über den Standort des Grabes verloren und die letzte Ruhestätte selbst wurde wahrscheinlich mutwillig zerstört. Aber wer war Richard III., den Shakespeare als hässliche Missgestalt beschrieb und der in der englischen Geschichte immer noch einen zweifelhaften Ruf genießt?

 

Richard war der jüngste von acht Söhnen des Richard Plantagenet, dem 3. Duke of York. Plantagenet hatte einen Anspruch auf den englischen Thron. Der Duke fiel gemeinsam mit seinem Sohn Edmund in der Schlacht von Wakefield, einem Schauplatz der sogenannten Rosenkriege – eine Auseinandersetzung zwischen den Häusern York, zu welchem Richard gehörte, und Lancaster. Beide Häuser stammten aus dem Hause Plantagenet und leiteten deshalb jeweils Ansprüche auf den englischen Thron ab. Die Kriege fingen im Jahr 1455 an und sollten bis zu Richards Tod andauern.
Nach dem Tod seines Vaters kam Richard in die Obhut von Richard Nevilles, amtierender Earl von Warwick. Eduard IV., Richards Bruder, konnte im Jahr 1461 den englischen Thron besteigen und nahm den abgesetzten König Heinrich VI. gefangen. Nachdem aber Nevilles die Seiten wechselte und dem Hause Lancaster seine Loyalität aussprach und somit Verrat an den Yorks begann, gelang es Heinrich VI. seine Macht wiederzuerlangen und erneut zum König aufstieg. Richard und Eduard flohen ins Exil. Allerdings konnte Eduard nach seiner Rückkehr im Jahr 1471 Nevilles vernichtend in der Schlacht von Barnet schlagen, Richard Nevilles selbst starb in der Schlacht. Und auch gegen die Truppen von Heinrich war Eduard erfolgreich. Die entscheidende Schlacht bei Tewkesbury sorgte dafür, dass Eduard wieder englischer König wurde. Heinrich VI. wurde gefangengenommen und noch in derselben Nacht im Tower ermordet. Damit starb die direkte Blutlinie der Lancasters aus.
Richard wurde zum Duke von Gloucester ernannt. In den nächsten Jahren heirate Richard Anne Neville, aus der Ehe ging ein Kind hervor, welches aber schon früh verstarb. Außerdem bekam er verschiedene Ämter, wodurch es ihm möglich war, eine gewisse Machtbasis zu errichten.

Mit dem frühen und überraschenden Tod Eduards IV. war für Richard die Gelegenheit gekommen, den Thron zu besteigen. Als Thronfolger war Eduard V. bestimmt – allerdings war der erst zwölf Jahre alt. Aus diesem Grund wurde Richard als Protektor bestimmt. Zusammen mit dem Privy Council sollte er die Geschicke des Königreiches lenken. Die einzelnen Parteien im Council waren aber zerstritten – jeder versuchte auf den noch jungen Thronfolger Einfluss zu nehmen. Richard konnte sich jedoch die Unterstützung zweier einflussreicher, militärisch starker Mitglieder des Thronrats sichern. Ende April 1483 nahm Richard Eduard V. gefangen und mit ihm seinen gesamten Hofstaat. Er begründete diesen Schritt damit, dass Elizabeth Woodville versuche, die Einsetzung Richards als Protektor zu verhindern und damit gegen den letzten Willen Eduards IV. verstoßen würde.

Das Gerücht, die Kinder Eduards IV. wären illegitim, weil Eduard sich vor der Eheschließung mit Elizabeth mit einer anderen Frau verlobt hatte, war für Richard die Möglichkeit, den Thron zu besteigen, da er nun als einziger legitime Thronfolger galt. Einen Beweis für den Vorwurf gab es nie, aber Richard schenkte dem Gerücht seinen Glauben – möglicherweise nur deshalb, um König zu werden. Am 6. Juli 1483 wurde er zum König von England gekrönt.

Allerdings brach schon im Jahr 1485 der Rosenkrieg erneut aus.

Heinrich Tudor – welcher nach dem Tod Heinrich VI. den Thronanspruch für das Haus Lancaster innehatte – landete Anfang August 1485 in England. Er konnte ohne Probleme an Land gewinnen und Richard marschierte ihm letztendlich entgegen. Am 22. August kam es zu der kriegsentscheidenden Schlacht von Bosworth.
Richard führte mehr Truppen als Heinrich und konnte zunächst die Oberhand gewinnen. Als der König seine Armee zum direkten Angriff auf Heinrich führte, wurde er von seinem Verbündeten William Stanley verraten. Die Schlacht wendete sich gegen Richard. Man geht davon aus, dass Richards Pferd im Morast stecken blieb und er deshalb abstieg. Ohne Helm kämpfte er gegen die Truppen – ob er diesen verloren hatte oder abnahm, weil er so besser kämpfen konnte, ist nicht bekannt. Richard III. wurde zweimal lebensgefährlich am Kopf getroffen und starb noch auf dem Schlachtfeld.
Nachdem seine Leiche geschändet und der Öffentlichkeit vorgeführt wurde, beerdigte man ihn in einem einfachen Loch in Leicester.
Richard III. war der letzte englische König, der auf dem Schlachtfeld starb. Mit seinem Tod war der Rosenkrieg beendet, die Dynastie der Tudors begann.

Die Tudors waren es auch, welche das Bild Richards prägten: Als Gewinner des Rosenkriegs musste der Feind in ein schlechtes Licht gestellt werden, um die Legitimität der eigenen Herrschaft zu bewahren. Historienwissenschaftliche Untersuchungen zeigten in letzter Zeit immer wieder, dass viele Richard zugesprochene Verbrechen nicht von ihm begangen wurden. Auch die Darstellung Shakespeares prägte das Bild des machthungrigen und gewissenlosen Königs. Die angebliche missgestaltete Statur Richards entsprach weniger der Wahrheit, auch wenn der König an Skoliose litt. Dass verhasste Herrscher oft als hässlich und körperlich deformiert beschrieben wurden, sollte den miesen Charakter einer Person unterstreichen, da solche unansehnlichen Körpermerkmale als Strafe Gottes angesehen wurden. Richards Kampf auf dem Schlachtfeld wäre mit solchen körperlichen Beeinträchtigungen nicht möglich gewesen und gehören damit in das Reich der Märchen.