Aus: Kemet Jg.1, H.4/Okt.1992:

320px-Hatshepsud01In der Königsliste Manethos ist Hatschepsut mit einer Regierungszeit von 21 Jahren und 9 Monaten verzeichnet. Die späteste gefundene Inschrift (bei den Türkisminen des Sinai) ist aus ihrem 20.Regierungsjahr. Schon hier zeigt sich, dass Hatschepsut nicht nur eine der faszinierendsten, sondern auch der rätselhaftesten Herrscherpersönlichkeiten des Alten Ägypten war.

Ihr (2.) Grab im Tal der Könige (!) ist das größte Grab dort. Es ist sage und schreibe 213m lang; das nächstkleinere Grab ist das von Ramses III., welches 125m weit in den Fels gehauen ist. Hatschepsuts Grabanlage enthält zwei Sarkophage, einen für Thutmosis I., und einen für Hatschepsut (beide leer). Nur Thutmosis I. wurde hier mit Sicherheit bestattet, jedoch vermutlich von Thutmosis III. umgebettet. Bei Hatschepsut ist man sich nicht sicher.

Einzige Spuren für ordnungsgemäßes Begräbnis Hatschepsuts sind

          ein Foto aus dem vorigen Jahrhundert, das ein Kästchen mit den Nisubit- und Sa(t)-Ra-Namen Hatschepsuts zeigt, in dem eine menschliche Leber und Milz gefunden wurden

          ein Königsuschebti im Museum in Den Haag, der mit „Maat-Ka-Re“ beschriftet ist

          Reliefblöcke, auf denen Thutmosis III. beim Opfer vor Statuen Hatschepsuts in Osirisform und beim Übersetzen solcher Statuen über den Nil dargestellt ist. Solche Reliefs sind ohne Zweifel Begräbnisszenen.

Lange Zeit war umstritten, ob Thutmosis III. seine Stiefmutter beseitigt und gehasst hat oder nicht. Er galt als Urheber der Zerstörung der Namensglyphen und Vernichtung ihrer Denkmäler. Doch es gibt Ungereimtheiten:

         Hatschepsuts Namensglyphen sehr sorgfältig ausgemeisselt, nicht wie bei einer absichtlichen Zerstörungsaktion (wie z.B. Echantons/Ach-et-Atons Auslöschung aller Götternamen)

         Einzelne Namenkartuschen Hatschepsuts wurden nicht nur durch Namen Thutmosis‘ III. ersetzt sondern auch durch den Thutmosis‘ I. und II.

          Anstelle ihrer Person sind manchmal auch ganz neutral Opfertische und Blumenornamente abgebildet

          Einige kultisch besonders bedeutsame und weithin sichtbare Denkmäler Hatschepsuts wurden nicht zerstört oder umgewidmet! (z.B. Jubiläumsobelisk in Karnak, der heute noch steht, und auf dem durch Echnaton der Name Amuns ausgelöscht wurde, jedoch Hatschepsuts Name noch heute lesbar ist!))

          Hatschepsuts Name und Darstellung an einigen Pfeilern von Deir el-Bahari sind erhalten geblieben, ebenso in der Hathorkapelle im Tempel und in einer Szene der Krönungszeremonie.

Folgerung: Nicht Thutmosis III., sondern jemand anderer hat auf vielen, aber bewusst nicht auf allen Monumenten Hatschepsuts Name ausgelöscht, um ihr Weiterleben trotzdem zu sichern. Hinweis auf möglichen anderen Urheber:

          Im Grab des Vermögensverwalters Kenamun (unter Amenophis II., 1438-1412 v.Chr.) ist Amenophis II. dargestellt, wie er seinem Vater Thutmosis III. Statuetten königlicher Vorfahren, darunter Hatschepsuts, überreicht.

          Auf der Grabstatue des Aufsehers der Kornspeicher Setau (unter Amenophis II.) ist Hatschepsuts Nanagramm zu sehen

          Im Grab von Hatschepsuts Stiefenkel Thutmosis IV. (1412-1402 v.Chr.) wurde ein Skarabäus mit Hatschepsuts Name und ein Gefäß mit ihrem Namen und dem von Thutmosis IV. gefunden. Hatschepsut war also noch z.Zt. Thutmosis IV. nicht verfemt!

Möglicher anderer Urheber der Namensauslöschung Hatschepsuts könnten gewesen sein:

  • Amenophis III. Gründe

          Er wählte keine königliche Gattin, sondern Teje, deren Vater Offizier war. Hatschepsut dagegen hatte ihre königliche, sogar göttliche Abstammung überaus betont!

          Um seinen Nachkommen die Thronfolge ermöglichen zu können, musste er bedacht sein, das Gesetz der Mitregentschaft über das der weiblichen Erbfolge zu stellen, für das Hatschepsut geradezu Symbol war.

Er musste also bedacht sein, Hatschepsut wegen ihrer Beispielhaftigkeit aus der Erinnerung zu verbannen, wollte aber nicht das Weiterleben seiner Ahnin verhindern.

  • Amenophis IV. (ägypt.: Imen-hotep IV., 1402-1364 v.Chr.). Gründe:

          Einziger Pharao zwischen Thutmosis IV. und Echnaton, der bereits die zweite Auslöschungsaktion vornehmen ließ