Pol Pot im Jahr 1978, (c) Romanian Communism Online Photo Collection under the digital ID 45014X1X4
Pol Pot im Jahr 1978, (c) Romanian Communism Online Photo Collection under the digital ID 45014X1X4

Pol Pot wurde 1975 der kommunistische Herrscher Kambodschas, nachdem er mit seinen Roten Khmer alle Gegner im Bürgerkrieg besiegt hatte.

 

Biographie

Pol Pot wurde 1928 als Saloth Sar in der Provinz Kompong, Kambodscha (damals Französisch-Indochina) geboren, die Eltern waren Khmer (der größte Volksstamm in Kambodscha mit einem Anteil von über 80 % der Bevölkerung). Kambodscha (auch geschrieben Kampuchea) war in den Vietnamkrieg verwickelt, den hauptsächlich die USA in den Jahren 1955 bis 1975 gegen das kommunistische Nord-Vietnam führten. Dieser wurde u.a. von China und der Sowjetunion unterstützt.

 

1975 eroberten die (kommunistischen) Roten Khmer die Hauptstadt Phnom Penh, Ministerpräsident wurde Pol Pot.

 

Das neue Regime zerschlug alle bisherigen Gesellschaftsstrukturen und schaffte umgehend eine zutiefst kommunistische maoistische Gesellschaftsform; sogar das Geld wurde abgeschafft. Im Westen wurde dies plakativ als Steinzeitkommunismus beschrieben. Das Leben änderte sich schnell und radikal. Hunger und Krankheiten rafften große Teile der Bevölkerung dahin. Man zwang die Menschen aus den Städten aufs Land, um Kooperativen für den Reisanbau zu bilden. Es wurden verrückte Anordnungen erlassen. So wurde, wer es von den neuen Bauern nicht schaffte, drei Tonnen Reis je Hektar Landfläche – dreimal so viel wie normal – zu erzielen, als Verräter gebrandmarkt.

 

Insgesamt forderte die Politik der Regierung Pol Pots zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Todesopfer. Darunter waren vor allem Intellektuelle, buddhistische Mönche und Nonnen, die in etwa 100 Vernichtungslagern gefoltert und hingerich-  tet wurden, weil sie Widerstand geleistet hatten oder einfach der „besseren“ Klasse angehörten, wobei es oft ausreichte, lesen zu können oder eine Fremdsprache zu beherrschen. Viele Menschen starben auf dem Land an Entkräftung und Krankheiten als Folge der harten Märsche und Arbeit.

 

Schädel in Choeung Ek, Gedenkstätte für die Opfer der Roten Khmer (c) Adam Carr, gemeinfrei
Schädel in Choeung Ek, Gedenkstätte für die Opfer der Roten Khmer (c) Adam Carr, gemeinfrei

 

Ab etwa 1976 flammten Konflikte mit dem Nachbarn Vietnam auf und Ende 1977 wurden die gegenseitigen diplomatischen Beziehungen beendet. Ein Jahr später drangen vietnamesische Truppen mit Unterstützung von kambodschanischen Pol-Pot-Gegnern in das Land ein und eroberten es. Die Herrschaft der Roten Khmer endete 1979. Pol Pot floh in ein Versteck.

 

Noch 1979 wurde er wegen Völkermordes in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er starb schließlich 1998 im Hausarrest nahe der thailändischen Grenze an Herzversagen (wahrscheinlich aber Selbstmord).

 

Kommentar

Kambodscha wurde 1975 nach dem (zweiten) Indochinakrieg von den Roten Khmer überzogen. Ihr Anführer Pol Pot war ein Steinzeit-Kommunist und hatte sich brutal durchgesetzt gegen alles, was ihm im Wege stand. Dabei spielte es keine Rolle, wie viele Menschen dabei starben. Selbst wenn es in der Vergangenheit starke Ungerechtigkeiten im Lande gegeben hatte und die Befreiung daraus ein Arbeiter- und Bauernstaat sein sollte, muss dem doch nicht nur eine Ideologie, sondern auch eine Ethik zugrunde liegen, die den Menschen Zukunft verspricht. Sonst profitiert nur der Machthabende und die Untergebenen zahlen die Zeche – und das mussten sie in brutalster Weise. Relativ gesehen hat das Pol-Pot-Regime mehr Opfer hinterlassen als Hitler in Deutschland, Stalin in der UdSSR und Mao Zedong in China.

 

Wenn man nach Erklärungen für das Verhalten eines Menschen sucht, geht man gern in dessen Jugend zurück. Sein buddhistischer Hintergrund aus dem Elternhaus war wohl nicht stark genug. Er hatte dieses schon mit etwa 4 Jahren zu verlassen. Pol Pot wurde hin- und hergeschickt, war auch auf Schulen in Europa. Als Schüler war er nur mittelmäßig und hat Prüfungen zum Teil nicht bestanden. Er ist mit Anti-Imperialisten und Kommunisten in Kontakt gekommen und es hat sich dabei in ihm ein Hass hochgeschaukelt. Kommentatoren seines Verhaltens erwähnen auch, dass er rassistisch gegen die Ureinwohner eingestellt war. Die ersten zugänglichen Fotos von Pol Pot stammten übrigens von einem Treffen mit Hua Guofeng und Deng Xiaoping, den Machthabern in China, die Pol Pot im September 1977 besucht hatte.

 

 

Cover_100 MenschenDieser Artikel ist dem Buch 100 Menschen von Bedeutung entnommen. Das Buch wurde von Matthis Mertens und Ludger Hecking verfasst. Es ist unter der ISBN 9783746063591 im Buchhandel erhältlich. Die E-Book Version kann auf Amazon erworben werden. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Buches und auf Facebook.