Pierre-Simon Laplace 1Pierre Simon Laplace wurde 1749 in der Normandie geboren. Sein Vater handelte mit Cidre und war dabei zu Wohlstand gekommen. Er konnte es sich leisten, seinem Sohn eine gute Erziehung zukommen zu lassen und schickte ihn erst auf eine Jesuitenschule, dann an die Universität in Caen, wo er auf eine geistliche Laufbahn vorbereitet werden sollte. Schon bald fiel allerdings den Lehrern die mathematische Begabung des Jungen auf. So brach Laplace sein Theologiestudium in Caen ab und ging nach Paris. Der berühmte Mathematiker D´Alembert förderte ihn und besorgte dem erst 18jährigen eine Anstellung als Mathematiker an der Militärakademie. Schon bald begann Laplace mit der Produktion bemerkenswerter Arbeiten. So präsentierte er der französischen Akademie der Wissenschaften zwischen dem 28.März 1770 und dem 18.Juli des gleichen Jahres drei Arbeiten, die allesamt Beifall fanden.

Als er sich dann 1771 um die Aufnahme in die Akademie bewarb, machte er sich wohl berechtigte Hoffnungen, in den erlauchten Kreis der angesehensten Wissenschaftler Frankreichs aufgenommen zu werden. Doch er wurde abgelehnt. Auch 1772 hatte er keinen Erfolg, und der 23jährige Laplace wollte schon verärgert über die seiner Meinung nach ungerechtfertigte Zurückweisung um eine Stellung an der Berliner Akademie der Wissenschaften bewerben, als er am 31.März 1773 doch noch an der Pariser Akademie aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte er in nur drei Jahren 13 Arbeiten zu den verschiedensten Themen bei der Académie des Sciences eingereicht. Schon zu dieser Zeit beschäftigte sich Laplace mit dem Einfluss von Monden auf die Planeten und mit der Bewegung der Planeten. Neben der Himmelsmechanik war die Wahrscheinlichkeitsrechnung ein zweiter Themenschwerpunkt seiner Arbeiten.

D´Alembert beobachtete mit steigender Eifersucht das immer grösser werdende Ansehen seines Schützlings. Das Verhältnis zwischen beiden wurde immer gespannter, obwohl Laplace sich bemühte, mit Hinweisen auf D´Alemberts Leistungen dessen Gemüt zu beruhigen. Der schwedische Mathematiker Anders Lexell (1740-1784) bemerkte jedoch 1780/81 bei seinem Besuch in Paris, Laplace hielte sich wohl für den besten Mathematiker Frankreichs. Das blieb auch den Kollegen von Laplace nicht verborgen, wobei die Tatsache, dass Laplace fast immer recht behielt, die Einstellung der anderen Mathematiker nicht zum positiven beeinflusst haben dürfte.

Obwohl sich Laplace also bei den Kollegen zunehmend unbeliebt machte, verlief seine Karriere weiterhin steil nach oben. Ab 1784 war er als Prüfer beim königlichen Artilleriekorps in Paris angestellt. In dieser Funktion legte 1785 ein junger und begabter Kadett bei ihm die Prüfung in Mathematik ab: Napoleon Bonaparte. Diese Begegnung und die Tatsache, dass seine Reporte über die Kadetten ihn bei der französischen Regierung bekannt machten, sollte Laplace später zu einer politischen Karriere verhelfen.

1787 kam Joseph-Louis Lagrange (1736-1813) an die Akademie nach Paris, so dass die beiden grössten mathematischen Genies ihrer Zeit sich fortan trotz aller Rivalität gegenseitig befruchten konnten.

1788 heiratete Laplace die 20 Jahre jüngere Marie-Charlotte de Courty de Romanges. Schon 1789 wurde der Sohn Charles-Emile geboren.

1790 wurde Laplace Vorsitzender der Kommission für Masse und Gewichte, die die Standardgewichte und –masse festlegen sollte. In den Wirren der Revolution war diese Kommission der einzige Teil der Académie des Sciences, der ein Weiterarbeiten erlaubt wurde, doch am 8.August 1793 wurde auch die Tätigkeit der Kommission verboten. Laplace flüchtete mit seiner Familie vor dem Terror der Jakobiner nach Melun, 50km südöstlich von Paris. Anders als Lavoisier beugte er sich dem Willen der Revolutionäre und kritisierte weder die Einführung des Revolutionskalenders mit seiner Dezimaleinteilung, die mit den astronomischen Tatsachen nur schlecht zu vereinbaren ist, noch die Unterteilung der Winkel in 100 Einheiten. So überlebte er die schlimmsten Jahre der Französischen Revolution, und als 1795 die Académie des Sciences unter dem Namen „Institut National des Sciences et des Arts“ wieder eröffnet wurde, gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des dazu gehörenden „Bureau des Longitudes“, des Amtes für Sternenkunde. 1796 präsentierte Laplace seine berühmte Nebularhypothese unter dem Titel „Exposition du systeme du monde“.

Darin erläuterte er, wie das Sonnensystem aus einer kontrahierenden und abkühlenden Wolke aus rotierendem Gas entstanden sei.

In seinem wichtigsten Werk, „Traité du Mécanique Céleste“, baute Laplace 1799 seine Theorie aus und untermauerte sie mit mathematischen und physikalischen Beweisen. Im gleichen Jahr wurde er von Napoleon zum Innenminister berufen, doch schon nach sechs Wochen wieder entlassen. Später schrieb Napoleon, Laplace hätte „den Geist des unendlich Kleinen in die Regierung gebracht.“ Trotzdem genoss Laplace weiterhin hohes Ansehen. 1805 erhielt er den Orden der Ehrenlegion, 1806 wurde er zum Grafen erhoben.

Pierre-Simon Laplace 2In den späten Jahren der napoleonischen Herrschaft beschäftigte sich Laplace mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Daraus entstand sein zweites grosses Werk, das 1812, kurz nach dem Sturz Napoleons unter dem Titel „Théorie Analytique des Probabilités“ veröffentlicht wurde. In späteren Ausgaben dieses Werks wandte er die Grundsätze der Wahrscheinlichkeitsrechnung auch auf die Berechnung der Masse von Jupiter, Saturn und Uranus und anderen astronomische und geographische Probleme an.

1817 bis 1820 fügte er seinem Hauptwerk „Traité du Mécanique Céleste“ Überlegungen zur Gestalt der Erde, speziell zum Rotationsverhalten der abkühlenden frühen Erde, hinzu.

Zu dieser Zeit begann der Einfluss des Wissenschaftlers Laplace bereits abzunehmen. Seine Theorien wurden zunehmend von jüngeren Gelehrten attackiert, was von Laplace als persönliche Angriffe gewertet wurde. Insbesondere schadete Laplace jetzt seine politische Indifferenz. Er hatte die Französische Revolution überstanden, indem er sich dem neuen Regime unterwarf und hatte unter Napoleon eine glänzende Karriere gemacht. Nach dem Ende des Napoleonischen Kaiserreichs war er zu einem Befürworter der Restauration der Herrschaft der Bourbonen geworden und 1817 mit der Erhebung in den Stand eines Marquis belohnt worden. Das machte ihn in vielen politischen Kreisen unbeliebt, wozu auch seine überaus hohe Meinung von sich selbst beitrug. Die letzten Freunde verlor er 1826, als er sich weigerte, ein Dokument der Französischen Akademie zu unterzeichnen, in dem die Pressefreiheit gefordert wurde.

Am 5.März 1827 starb Pierre-Simon de Laplace. Die Akademie der Wissenschaften stellte auf die Nachricht von seinem Tod die Arbeit aus Respekt für einen der grössten Wissenschaftler aller Zeiten für einen Tag ein. Sein Platz in der Akademie blieb für mehr als ein halbes Jahr unbesetzt. Der „französische Newton“, wie er genannt wurde, hatte einen neuen Zugang zur Physik entwickelt, indem er die Kräfte, die zwischen Molekülen wirken, als mathematische Grundlage für die Erklärung aller in der Natur wirkenden Kräfte verwendete. Seine Betrachtungsweise der Physik war losgelöst von der Naturphilosophie, wie sie noch Kant pflegte. Das war typisch für Laplace, der sich immer in erster Linie als Mathematiker verstand.

Laplace selbst hat in der Einleitung von „Exposition du systeme du monde“ sein wissenschaftliches Credo so formuliert: „Wer nur die wissenschaftlichen Fakten sammelt und katalogisiert, erkennt niemals die grossartigen Naturgesetze. Nur wenn die Phänomene miteinander verglichen werden, können ihre Beziehungen untereinander erkannt werden und die Gesetzmässigkeiten der Natur offenbaren sich.“