Rezension zu Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat

 

(Dies ist eine subjektiv verfasste Rezension zu „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ von Ralph Feile und stellt allein die Meinung des Autors dar.)

 

Im Vorfeld zur Premiere von Operation Walküre gab es bereits heftige Diskussionen, ob der Besetzung von Stauffenberg durch Tom Cruise. Dieser ist in der Sekte Scientology involviert und stellte für viele Menschen nicht die Idealbesetzung eines Klaus Graf Schenk von Stauffenberg dar. Abgesehen von Cruise haftete bereits zu Produktionsbeginn ein Mangel an Operation Walküre: Kann ein Hollywood-Streifen, der um die 300 Millionen Dollar kostete, den Widerstand führender Generäle der Wehrmacht verkörpern und richtig darstellen?

Der Film beginnt durchaus eindrucksvoll mit dem Eid auf Vaterland und Führer – ein Anfang, der bereits die Problematik vieler Wehrmachtsgeneräle aufzeigt – der Zwiespalt zwischen eigenem Gewissen und dem geschworenen Eid. Im Anschluss wird Oberst Stauffenberg in Afrika gezeigt, wie er schwer verwundet wird und bereits dort eine opportune Einstellung zu Hitlers Drittem Reich vertritt. Es wird gezeigt, wie der Widerstand von Wehrmachtsgenerälen umgesetzt wird. General Henning von Tresckow möchte Hitler mit Hilfe einer Bombe in einem Flugzeug umbringen. Als dieser Anschlag scheitert, droht der gesamte Widerstand einzubrechen. Stauffenberg wird als Ersatz für ein ausgeschiedenes Mitglied des Widerstandes geordert. In den Reihen der Widerständler ist man sich jedoch uneinig über das weitere Vorgehen, beziehungsweise vertritt eine naive und verklärte Einstellung zu einer Neuordnung nach dem Sturz Hitlers.
Die Idee einer Änderung von Operation Walküre wird im Film pathetisch dargestellt: Stauffenberg und seine Familie harren im Keller aus, da Luftangriffe geflogen werden. Im Schallplattenspieler wird derweil von Richard Wagner „Die Walküren“ abgespielt. Laut Hitler könne man den Nationalsozialismus nicht begreifen, wenn man nicht Wagner begreift und versteht – dies äußert er im Film, als Stauffenberg ihm den umgeschriebenen Walküre-Befehl vorlegt. Durch die Unterschrift Hitlers ist ein Umsturz der bestehenden Ordnung durch das nationalsozialistische Terroregime möglich.
Als sich die Möglichkeit eines Anschlags in der Wolfsschanze durch Stauffenberg, der in seiner Tasche eine Bombe trägt, bietet, wird ihm dies jedoch verboten, da die Order besteht, dass Himmler und Hitler gleichzeitig getötet werden sollen. Obwohl General von Quirnheim noch interveniert, ist die Chance eines Anschlags vertan. Diese bietet sich später abermals in der Wolfsschanze – der Plan von Stauffenberg gerät jedoch ins Wanken, da eine Lagebesprechung in einer Baracke und nicht wie geplant in einem Bunker stattfindet. Die Explosion, die das Führerhauptquartier erschüttert, reicht nicht aus um Hitler zu töten.
Derweil läuft in Berlin die Operation Walküre an, im sicheren Wissen, dass Hitler tot ist. Die Ersatzarmee umstellt das gesamte Regierungsviertel und nimmt SS und Parteifunktionäre fest. Als jedoch publik wird, dass Hitler noch am Leben ist, wendet sich das „Glück“ des Widerstandes und er wird niedergeschlagen. Stauffenberg und seine Mitverschwörer werden erschossen.

Ein Tom Cruise und eine bildgewaltige Produktion ist nötig um den Widerstand der Wehrmacht ins allgemeine Interesse zu rücken – für Deutschland bietet dieser Film jedoch die Chance, dass im Ausland die Menschen erfahren und merken, dass nicht jeder Deutsche mit einem Nazi gleichzusetzen ist und es durchaus in Deutschland Widerstand gegen Hitler gab. Dies ist ein sehr positiver Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte.
Natürlich bietet der Film in bester Hollywood Manier Action vom Feinsten und man verspürt, obschon man die Handlung bereits kennt, eine gewisse Spannung bei Umsetzung der Operation Walküre. Die geniale Filmmusik und die, wie oben bereits beschrieben, bildgewaltige Handlung tragen dazu maßgeblich bei. Das historische Berlin sowie alle Handlungsschauplätze wurden sehr detailgetreu umgesetzt.
Tom Cruise als Stauffenberg bleibt jedoch zu oberflächlich. Es ist nichts zu spüren von dem Geist des Widerstandes und dem Wunsch nach Frieden, der Stauffenberg damals antrieben. Ebenso wird der Zwiespalt zwischen Eid und Gewissen, den viele Generäle innerlich ausfochten, zu wenig beleuchtet und ausgearbeitet. Zwar beginnt der Film genau mit diesem Konflikt und stellt ihn sehr eindrucksvoll dar, nichtsdestotrotz bleibt dieser Aspekt, bis auf wenige Szenen, zu beschränkt dargestellt.
Für den Zuschauer erschließt sich die Gesamtsituation Deutschlands in dieser Phase des Krieges nicht – zwar werden kurz Kartenausschnitte mit den Grenzen des Deutschen Reiches eingeblendet und im Führerhauptquartier berichten ranghohe Generäle Hitler von den aktuellen Kriegsentwicklungen, die katastrophale Lage, in der sich die Wehrmacht in diesem Zeitpunkt des Krieges befand, wird jedoch nicht klar. Dies wiederum lässt die Motivation vieler Generäle verblassen, die nur aufgrund des derzeitigen Kriegszustandes gegen Hitler waren und eben keine Demokraten waren, die das 3. Reich für ein freiheitliches Deutschland stürzen wollten.
Der Schluss ist ein wenig unglücklich dargestellt. Zwischen den Erschießungen der Widerständler im Bendlerblock wird eine „Gerichtsverhandlung“ mit Roland Freisler dargestellt, die sich jedoch nicht in die Atmosphäre der Hinrichtung einfügt. Als Folge fühlt der Zuschauer keine tiefgreifende Ergriffenheit und bewegende Teilnahme, ob des Schicksals der hingerichteten Widerständler.

Abschließend bleibt jedoch zu vermerken, dass es sich durchaus lohnt Operation Walkühre anzuschauen – in Anbetracht dessen, dass man sich weder an kleinen historischen Ungenauigkeiten noch an Tom Cruise mit Scientology Hintergrund stört.