Dieser Beitrag widmet sich der Entwicklung der Musik in den 40 Jahrtausenden vor und bis Christi Geburt, allerdings mit einem Schwerpunkt auf Ägypten, Mesopotamien und der Levante in der Zeit zwischen 3000-500 v.Chr. Da ich vielmehr Historiker als Musiker bin, bitte ich mir zu verzeihen, nicht genauer auf musikalische Aspekte eingehen zu können, stattdessen werde ich mich bemühen historische sowie kulturelle Zusammenhänge besser zu erläutern und dabei mehr auf die Bedeutung als auf den Klang der Musik einzugehen. Eigene historische Schlussfolgerungen stehen ohne Fußnote, übernommene mit.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.Wie hat sich die Musik entwickelt?

1.1 Blasinstrumente

1.2 Zupfinstrumente

1.3 Trommeln, Rasseln, Gesang und Weiteres

2.Welche Bedeutung hatte die Musik für die Menschen in dem behandelten Zeitraum?

2.1 Kulturelle Aspekte

2.2 Millitärische Aspekte

2.3 Musik als Unterhaltung bei Herrscher und Volk

3. Aufgeschriebene und erhaltene Musikstücke des Altertums

4. Ein Einfluss auf die heutige Zeit?

 

 

 

Einleitung

 

Musik hat die Menschen zu jeder Zeit fasziniert. Schon seit ihrem ersten Auftritt in der Menschheitsgeschichte wurde sie wegen ihrer Schönheit zur, in allen Epochen gegenwärtigen, Begleiterin von Jung und Alt. Ihre verschiedenen Eigenschaften wurden in ebenso verschiedenen Bereichen, von Kult- bis Militärmusik, wie Orten, wobei es kaum einen bewohnten ohne sie gegeben haben dürfte, verwendet, mit meist dem sinnigen Ziel dem Zuhörer Wohlgefallen an ihr zu schenken. Da uns in der heutigen Zeit, außer unseren Sorgen, wenig mehr als die Musik begleitet, die man vom Aufstehen an im Radio, Fernsehen, Schule, Kirche, Restaurant, Disko usw., um nur einige zu nennen, hört, stellt sich der ein oder andere vielleicht die Frage woher dieses Phänomen eigentlich kommt und wie man früher mit ihm umgegangen ist. Im Folgendem möchte ich versuchen dem interessierten Leser einige, keinesfalls alle, Aspekte altertümlicher Musik zu zeigen, wobei dieser Aufsatz vielmehr einen kleinen Eindruck machen soll, der möglicherweise das Interesse an weiterführenden Werken weckt.

 

 

1.Wie hat sich die Musik entwickelt?

 

Um die Bedeutung der Musik überhaupt in ihren Epochen begreifen zu können ist es unabdingbar sich ihre Entwicklung und Möglichkeiten vor Augen zu führen. Je vielfältiger der Klang nämlich sein konnte, desto mehr Bereiche standen diesem offen.

In Folgendem soll ein kleiner Überblick verschiedener Instrumentengattungen gegeben werden, eine vollständige Aufzählung ist im Zusammenhang mit dieser Arbeit weder sinnvoll noch notwendig, zum groben Begreifen, so denke ich, reicht Folgendes:

 

 

1.1 Blasinstrumente

 

Das wohl älteste Instrument überhaupt ist die Flöte. Die älteste erhaltene stammt interessanterweise aus Deutschland, ist aus Gänsegeierknochen gefertigt und gut 35.000 Jahre alt. Sie wurde 2008 auf der Schwäbischen Alb in der Nähe von Ulm gefunden. Allerdings ist sich die Wissenschaft hierbei nicht einig, ob diese tatsächlich zum musizieren verwendet wurden: Die schrillen Pfeiftöne taugten vermutlich eher als Signallaute bei der Jagd . Auch die älteste Trompete stammt aus Deutschland; sie wurde auf dem Berg Ösel südlich von Wolfenbüttel entdeckt, ist etwa 7000 Jahre alt und besteht aus einer großen Muschel aus dem Mittelmeerraum, dieser Glücksfund lässt auf frühe weiträumige Handelsbeziehungen schließen. Wieder deutsch ist die älteste erhaltene Holzflöte aus Hagnau am Bodensee, sie stammt aus der späten Bronzezeit (ca. 1040 v. Chr.).

Im Nahen Osten gibt es ebenfalls zahlreiche Belege für Blasinstrumente: Rufen wir uns doch nur die biblische Geschichte der Posaunen vor Jericho ins Gedächtnis: Allein die Erwähnung setzt Kenntnisse über dieses Instrument voraus, ob es das Ereignis dabei in geschilderter Form gegeben hat ist hier irrelevant. Kein Wunder ist dies allerdings wenn man die allgemeine, vor allem aber kulturelle Nähe des Gebiets zu Ägypten beachtet; aus diesem Land nämlich stammt das älteste erhaltene Blechblasinstrument, das Scheneb aus dem Grab Tutanchamuns aus dem Jahre 1323 v. Chr.. Außerdem verwendeten die Ägypter als die ersten, um 2500 v. Chr. den sogenannten Aulos, oder zumindest einen Vorgänger. Hier ist dieser auf einer Wandmalerei von 1400v. Chr. zu sehen:

 

 

Doch auch die, meiner Meinung nach, größte Kultur ihrer Zeit, die Sumerer, standen den Entwicklungen ihrer Nachbarn um nichts nach, schon ca. 2000 v. Chr. schenkte Abi-simti, die Gemahlin Amar-Sins und Königen des Ur-Reichs in der 3. Dynastie, der Göttin Inanna eine goldene Flöte worauf ich später näher eingehen werde. Wen das nicht beeindruckt sollte bedenken wie weit die Gusstechnik zu dieser Zeit schon fortgeschritten seien musste und welches technische Wissen zur Herstellung eines solchen Kunstwerkes benötigt wurde.

Insgesamt scheinen Blasinstrumente eine wichtige Rolle in der frühen Musik gespielt zu haben. Die hohe Qualität und Entwicklung deutet, was von allerlei Abbildungen und Erwähnungen gestützt wird, eine große Bedeutung in allen Bereichen der Verwendung an.

 

 

 

1.2 Zupfinstrumente

 

Die ersten Zupfinstrumente waren gewöhnliche Holzbögen mit einer einzigen Saite aus Pflanzenfasern, Haaren, Seide oder Sehnen . Erkennen können wir dies vor allen an Malereien in Höhlen, wirkliche Funde dieser Instrumente sind aufgrund ihres vergänglichen Materials selbstverständlich sehr selten. Diese Zupfbögen entwickelten sich dann zu Instrumenten wie der Lyra oder Harfe und solchen mit Resonanzkörpern wie Zithern oder Lauten. In China gab es außerdem das Qin. Das älteste erhaltene Saiteninstrument ist die 4500 Jahre alte Harfe der Königin Puabi von Ur, die in ihrem Grab gefunden wurde. Dies lässt darauf schließen, dass deren Entwicklung zuerst in Mesopotamien, speziell im Süden, stattgefunden hat. (Bild vermutlich Nachbau):

 

 

Einen weiteren Beweis für den frühen Gebrauch dieser hochwertigen Instrumente ist eine Abbildung auf der Standarte von Ur die zwischen 2850 bis 2350 v. Chr. entstand :

 

 

Es ist gut vorstellbar, dass diese Instrumente einen Sänger, bzw. Dichter bei Vorträgen musikalisch unterstützten, zumindest berichtet Homer wie die griechische Phorminx Sänger bei Vorträgen griechischer Epen begleitete. Die Phorminx wurde später von der Kithara und Lyra abgelöst.

Aus den oben genannten Beispielen liegt die Vermutung einer komplexen, in Mesopotamien, speziell von den Sumerern, entwickelten Zupfmusik nahe. Spätestens aber im Laufe des 2. Jahrtausends scheint sich diese Kunst weiter verbreitet, bzw. an anderen Orten selbstständig entwickelt, zu haben. Besonders wichtig waren Zupfinstrumente wohl in der Freizeit oder bei öffentlichen, nicht unbedingt kultischen, Festen. Gestützt wird diese Annahme von Puabis persönlicher Harfe, auf der sie zum Zeitvertreib vielleicht gespielt hat und der Abbildungen auf der Standarte von Ur, die einen Festumzug zeigt.

 

 

1.3 Trommeln, Rasseln, Gesang und Weiteres

 

Schon sehr früh verwendete Instrumente waren zum Beispiel Klappern, Rasseln und Trommeln. Während letztere sicher schon, wegen ihrem einfachen Prinzip der Tonerzeugung, in der (Jung-)Steinzeit verwendet wurde sind die beiden ersteren spätesten im Prähdynastischen Ägypten, also ca. 3000v. Chr. nachgewiesen. Die Ägypter verwendeten außerdem auch „Schwirrgeräte“, die laut dieser Seite schon von Neandertalern benutzt wurden. Inwieweit diese als Instrumente gelten lasse ich hier offen.

Wie in vergangener Zeit gesungen wurde lässt sich in heutiger Zeit schwer sagen, Wortlaut und Sprachrhythmus sind selbstverständlich schon seit tausenden Jahren vergessen, allerdings scheint zumindest Sprechgesang, in Begleitung von Instrumenten, üblich gewesen zu sein. So werden immer wieder Sänger/innen erwähnt und einige Musikstücke mit Text sind erhalten (siehe weiter unten).

 

 

2.Welche Bedeutung hatte die Musik für die Menschen in dem behandelten Zeitraum?

 

 

2.1 Kulturelle Aspekte

 

Die Musik hatte in ihrer frühen Zeit vermutlich eine hohe kultische Bedeutung. Während wir hierbei über schriftlose Kulturen/Zeiträume nur mutmaßen können, scheinen aber spätere sumerische Zeugnisse diese Vermutung zu bestätigen: Diese hatten für religiöse Anlässe Priestermusiker. Dies lässt stark auf eine vorangegangene Entwicklung dieser Musiksparte schließen, auch vermuten die Experten, aufgrund des spirituellen Klangs der frühen Instrumente, eine kultische Benutzung von Schamanen. Dass die Musik im gesamte Altertum religiös wichtig war zeigen Abbildungen in Tempeln oder Gräbern und Inschriften die sowohl Götterhymnen als auch versteckte Hinweise enthalten, so wird in einem Schöpfungsmythos geschildert wie die Kriegs-und Liebesgöttin Inanna versucht ein Monster mit ihrer schönen Stimme in den Schlaf zu singen – dieses kann nur widerstehen weil es taub ist. Dass diese Göttin vielleicht allgemein viel mit Musik zu tun hatte, zeigt das oben genannte Beispiel: Warum sollte Amar-simti Inanna etwas schenken womit diese nichts anfangen konnte? Da die Sumerer glaubten, die Götter würden tatsächlich in den für sie gebauten Tempeln leben ist diese Schlussfolgerung mehr als logisch.

Zusammengefasst lässt sich leicht sagen, dass Musik ein essenzieller Bestandteil allerlei Kulte überall auf der Welt war.

 

 

2.2 Millitärische Aspekte

 

Mit der Entwicklung des Militärs und dem Entstehen der ersten wirklich organisierten Kriege dürfte selbstverständlich auch den Militärs die Wirkung der Musik nicht verborgen geblieben sein, denn wie dichtete schon Herodot:

Edle mannhafte Musik erquickt den Geist, ermutigt zaghafte Männer und regt sie zu großen und würdigen Taten an!“ (Homer)

Logischerweise schenkte Musik den Soldaten nicht nur Mut und Zuversicht, auch konnte sie den Gegner demotivieren oder, durch die Vorgabe eines bestimmten Rhythmus, das Arbeiten erleichtern. Außerdem übernahm sie auch eine große Bedeutung bei der Signalübermittlung(18). Anscheinend gelangte diese Kriegsmusik sogar über den Nahen Osten, Ägypten und Kleinasien nach Europa, bis sie im Römischen Reich ihre antike Höchstleistung erreichte.

 

 

2.3 Musik als Unterhaltung bei Herrscher und Volk

 

Davon abgesehen, dass das Volk allein schon durch den Götterkult stark in die Musik integriert war, zumindest in den Konsum, gibt es noch etliche weitere Belege für ein reges Musizieren in der Freizeit. So bietet schon die Bibel einen doppelten Beweis; sie beschreibt wie der junge David in seiner Freizeit Harfe spielte -auch bei den Griechen gibt es einige Entsprechungen- und dadurch sogar den depressiven Saul heilt. Sowohl das Volk als auch die Herrscher genossen also Musik-die offensichtlich durch ihre heilende Kraft einen hohen Stellenwert hatte. Einige weitere Lieder, die David zugesprochen werden, sind unter anderem einige der Psalmen deren Dichtung das hohe Niveau der frühen Lieder zeigen. Auch in Ägypten sangen sogenannte Klageweiber beim Tot eines Menschen Klagelieder. Es ist fast schon logisch, dass die Menschen damals in ihrer Freizeit, oder sofern es möglich war auch während der Arbeit, so wie der Hirte David, Musik hörten oder spielten, denn was hätten sie sonst schöneres zur Unterhaltung gehabt?

 

 

3. Aufgeschriebene und erhaltene Musikstücke des Altertums

 

Ein paar der ältesten bis heute erhaltenen Musikstücke kommen aus Ugarit. Diese stammen aus dem 15. und 14. Jahrhundert vor Christus und wurden um 1950 gefunden. Das mit Abstand bekannteste dieser Lieder ist die fast vollständig erhaltene, in hurritischer Sprache abgefasste, Hymne an die Frau des Mondgottes, Nikkal, die kurz einfach h.6, für hurrian hymn N°6, genannt wird. Zu unser aller Glück konnte 1972 die Professorin Anne Kilmer nach 15 Jahren Arbeit einen Teil der Noten entziffern, der Text wurde bereits 1955 sowie 1968 von Emmanuel Laroche und 1975 von Manfried Dietrich zusammen mit Oswald Loretz veröffentlicht. Dass es bezüglich der Übersetzung noch großen Unklarheiten und Problem gibt mag an den Schwierigkeiten liegen, die die Forscher immer noch mit dem Hurritischen haben. Die Entzifferung der Notenschrift war möglich, da das Musikstück, neben Text und Noten, auch noch Anweisungen an die Musiker enthält, so zum Beispiel wie die Harfe richtig gehalten werden soll. Text und Noten werden durch einen doppelte Trennlinie voneinander getrennt (siehe auch Bild). Die Noten bestehen aus bestimmten Keilschriftzeichen die Intervalle ausdrücken, das Musikstück wurde außerdem, was man aus den Anweisungen und der Größe der Intervalle schließen kann, für 9-saitige Leiern geschrieben(4). Interessant ist außerdem, dass es eine Art Refrain zu geben scheint, denn an einigen Stellen wiederholt sich ein bestimmter Teil des Liedes, vermutlich, wie man es schon aus babylonischen Texten kennt, um Übergänge flüssiger zu gestalten.

Hier noch ein Bild der h.6 samt Übersetzung:

Und hier der Fundort des Liedes:

 

Einige Interpretationen des Lieds:

Prof. Kilmer’s transcription

Marcelle Duchesne-Guillemin’s transcription

M. L. West’s transcription

 

Ein vielleicht noch älteres Musikstück wurde in einer 4300 Jahre alten Grabkammer in der Nähe von Kairo, Ägypten, entdeckt. Die Hieroglyphen sind noch unvollständig entziffert, es kann also nicht genau gesagt werden, inwieweit hier eine Notenschrift vorhanden ist, allerdings ist der Text von Sängerinnen und Musikern umrahmt und handelt von der Schönheit einer Frau. Da es allgemein bekannt ist, dass die Ägypter, wie in vielen anderen Bereichen, Vorreiter in Sachen Musik waren, ist die Annahme einer frühen Notenschrift bei ihnen durchaus berechtigt. Sicher ist aber, dass im Alten Reich Dirigenten durch festgelegte Handbewegungen Tonsprünge und Rhythmus anzeigten.

 

 

 

 

 

4. Ein Einfluss auf die heutige Zeit?

 

Eine wichtige Frage, die man sich bei vielen historischen Themen immer stellen sollte, allein um den Kontext des Geschehenen besser einordnen zu können, ist die nach der Wirkung der Geschichte auf kurz-und langfristige Sicht sowie auf die Gegenwart.

Doch: wie können wir das Vermächtnis vergangener Kulturen, die teilweise schon seit tausenden Jahren mehr oder weniger vergessen und selbst für Wissenschaftler zu großen Teilen Rätsel sind, überhaupt noch in heutiger Zeit spüren? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. An einer anderen Stelle erwähnte ich bereits Einflüsse und Spuren sumerischer, babylonischer sowie griechischer Dichtung in der Bibel. Doch wie sieht das Ganze mit Musik aus?

Sicher ist, dass wir direkt, so dass wir sie mit bloßem Auge erkennen könnten, nichts der antiken, ja vergangenen Musik mitbekommen. Viel zu alt sind die Wege, viel zu verzweigt, überarbeitet, geschliffen, poliert und vielleicht perfektioniert sind sie. Spürbare Einflüsse beispielsweise griechischer Musik, wie es sie wohl vor rund 2000 Jahren in Mitteleuropa aufgrund ihrer Verbreitung durch die Römer gegeben haben muss, sind im Laufe der Geschichte meist vielfach verändert zu uns gestoßen. Zur Verdeutlichung möchte ich hier einen von vielen verschlungenen, nicht mehr deutlich herausgreifbaren, imaginären, Weg, den musikalisches Wissen genommen haben könnte, aufzeichnen:

Wir fangen im 10. Jt. v. Chr. an, die neolithische Revolution setzte ein, die ersten Wildbeuter ließen sich in Mesopotamien nieder. Sie übernahmen die bisher gewonnenen musikalischen Kenntnisse ihrer Vorfahren, fügten aber ihre eigenen hinzu. So wurden bisher bekannte Instrumente wie Trommeln, Flöten, oder andere Blasinstrumente den neuen Anforderungen in einem komplexen, zunehmend aus sozialen Schichten bestehenden, urbanen System entsprechend verbessert, oder, anders gesagt, in vielerlei Hinsicht ergänzt. Dazu dürfte eine Steigerung der kultischen Möglichkeiten der Musik unabdingbar gewesen sein, besonders wenn wir bedenken, dass die ersten Stadtstaaten überhaupt von einer Priesterklasse regiert wurden, bis sich aus dieser, im Laufe der Uruk-Zeit, eine Königsklasse bildete. Besonders deutlich wird dies, wenn wir ab dem Aufkommen der Schrift in Verwaltungstexten immer wieder auf Musiker im Kultpersonal stoßen. Sichtbare Veränderungen sind unter anderem Zupfinstrumente mit, im Laufe der Zeit, steigender Saitenzahl.

Wie schon weiter oben erwähnt dürfte seit der Entwicklung des Militärs und dem entstehen der ersten wirklich organisierten Kriege selbstverständlich auch militärische Aspekte in die Musik eingeflossen sein.

Sicherlich ist den Menschen damals, vor allem aber wohl den Herrschern, die Schönheit der Musik in allerlei Hinsicht nicht verborgen geblieben, weswegen wahrscheinlich auch bald zum Vergnügen der Adligen, bzw. Reichen, Berufsmusiker zu privaten Veranstaltungen bestellt wurden. Das zeigen unter anderem zahlreiche Wandmalereien in Palästen. Auch hier dürften zahlreiche neue Aspekte in die Musik gekommen sein, denn professionelle Musiker wurden jetzt nicht mehr nur bei religiösen Festen, sondern auch bei privaten Angelegenheiten gebraucht, die andere Anforderungen stellten, so vermutlich „lustigere“, schnellere Musik mit, um dies zu erreichen, anderen Instrumenten. Während es selbstverständlich ist, dass sich die Musik so immer weiterentwickelt hat, teils aus Bedürfnis neuer Anforderungen, teils um neue, andere und vor allem schönere Töne zu erzeugen, die der allgemeinen Erheiterung dienen sollten, so müssen wir, besonders im Laufe des immer stärker zutage tretenden Handels und Krieges auch die Beeinflussung bestimmter Kulturkreise untereinander in unsere Überlegungen miteinbeziehen. So ist es nicht nur möglich sondern höchst wahrscheinlich, dass beispielsweise mesopotamisches Gedankengut über Kontakte mit Anatolien, das jeher eng mit Griechenland verbunden war, nach Europa gekommen ist. Viel stärker wird dieser Einfluss noch durch die griechische Kolonisation in Kleinasien und schließlich Alexanders Eroberung des Perserreichs gewesen sein. Der daraus entsprungene Hellenismus bezieht sowohl Orientalistisches als auch Griechisches in seine Kultur mit ein, gewissermaßen entstand so eine Symbiose. Es versteht sich fast schon von selbst, dass auch die Musik teil dieses kulturellen Austausches war. Direkt sind die Einflüsse der fernen Vergangenheit für die damaligen Menschen natürlich schon überhaupt nicht mehr zu spüren. Zu viel Zeit ist vergangen, zu verworren sind die Wege die das Wissen und die Musik gemacht haben, denn knapp 10.000 Jahre sind seid dem Beginn unserer Gedankenreise vergangen, Alexanders Eroberung Persien erfolgte ca. 333 v. Chr.

Wie bekannt sein dürfte hatten die alten Griechen auch auf unsere Kultur einen nicht unbeträchtlichen Einfluss. Neben der Philosophie und dem „logischen Denken“ ist es wahrscheinlich, dass auch, über Umwege, musikalisches Wissen zu uns gekommen ist. Noch viel wahrscheinlicher wird dies vor allem, wenn wir die Römer in unser Überlegung miteinbeziehen: Diese, ohnehin stark von den Griechen geprägt, haben mit Sicherheit einiges, für die fremden Völker sicher neues, Wissens an den Rand ihres Imperiums, so auch nach Mitteleuropa, gebracht. Selbstverständlich ist die neuartige Musik bei den Kelten und Germanen schon auf eine eigene getroffen, im Laufe der Romanisierung dürfte vermutlich wieder eine neue, von beiden Seiten geprägte, Musikrichtung entstanden sein. Diese war dann wohl auch Grundstein für die mittelalterliche Musik, die uns schließlich über die Renaissance und „Klassik“ zur heutigen gebracht hat.

Ich denke dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass manche Ereignisse in der Geschichte zeit-und raumlos in alle Ewigkeit Wirkung zeigen, vielleicht kann der ein oder andere schlaue Kopf daraus ja auch etwas für die Zukunft lernen, denn genau das sollte ja der Sinn der Geschichte sei.

 

 

 

Christoper Bischof

 

 

 

Bilder von (in der gleichen Reihenfolge wie die oben):

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:K%C3%B6nig_David_spielt_Harfe_c1770_MfK_Wgt_img01.jpg

http://de.wikipedia.org/wiki/Aulos

http://joseph_berrigan.tripod.com/ancientbabylon/id13.html

http://en.wikipedia.org/wiki/Lyres_of_Ur

http://www.willizblog.de/?p=768

http://en.wikipedia.org/wiki/File:Ugarit_mapa.jpg

 

Die Schöpfungsmythen. Ägypter, Sumerer, Hurriter, Hethiter, Kanaaniter u. Israeliten., von Mircea Eliade (Hg.)