Durch Einwanderung der Semiten vor und nach 3000 v.Chr. aus Arabien wurde die erste sumerische Hochkultur vernichtet. Die Semiten plünderten zunächst als räuberische Nomaden die reichen Siedlungen Mesopotamiens, siedelten sich aber in Zeiten hohen Bevölkerungsdrucks immer wieder auch an und vermischten sich (auch kulturell) mit den “Kulturlandbewohnern” und schufen so eine Nachfolgekultur zu den Sumerern. Eines der ersten semitischen Großreiche war das Akkadische Reich des Sargon, eines ehemaligen Höflings des Königs von Kisch in Babylonien. (Assyrien und Babylonien sind die Namen zweier Regionen im nördlichen Mesopotamien, im Unterschied zu Sumer im südl. Mesopotamien). Dieses Reich erstreckte sich von der Mittelmeerküste bis an den Persischen Golf, vereinte also das gesamte Gebiet der alten Stadtkulturen von der Levante über Syrien bis nach Sumer. Sargon griff aber auch nach Anatolien, Ostarabien, Bahrein und Oman aus. Die Gutäer, ein Volk aus dem Bergland nördlich von Baylonien, vernichteten das Akkadische Reich und errichteten eine 100jähr. Fremdherrschaft.

Auch die Semiten übernahmen die Tempelkultur; die ältesten Epen wie das Gilgamech-Epos berichten davon, dass die Ratsversammlungen der (mehr als 2000!) Götter (= der Priester) wichtige politische Entscheidungen trafen, denen sich selbst mächtige Stadtherrscher beugen mussten.

Nachdem Kanaaniter im syrischen Teil des Euphrattales mehrere Kleinstaaten aufgebaut hatten, beendete Hammurabi von Babylon (1793-1750 v.Chr.) diese Zeit des labilen Gleichgewichts. Er erkämpfte sich gegen den Widerstand der (miteinander in Koalitionen kämpfenden) Stadtstaaten von Larsam und Eschnunna in Sumer sowie Assyrien und Elam (in Persien) ein Großreich. Bei seinen Eroberungszügen war ihm wichtig, die Flüsse Euphrat und Tigris unter Kontrolle zu haben, von denen die Landwirtschaft, aber auch der Handel abhingen. Dazu kam die Abwehr äußerer Feinde, die er nach vielen Kriegsjahren zu Boden zwang, sowie der Zugang zu Rohstoffgebieten.

Mit seinem Codex Hammurabi versuchte er, sein Reich auf eine Basis zu stellen, die das weitere Bestehen garantieren sollte. Dabei wurden ältere Gesetze aufgegriffen, sowohl semitischen als auch sumerischen Ursprungs, jedoch oft in verschärfter Weise; die Todesstrafe wird relativ häufig angedroht. Gleichzeitig genießt jedoch auch der produktive Teil der Bevölkerung Schutz; beispielsweise wurden Schuldner vor der Schuldhaft und -sklaverei besser geschützt, sie konnten ihre Schulden abarbeiten. Auch Boden- und Besitzrechte behandelt der Codex.

Die Tatsache, dass wichtige Rechtsbereiche unberücksichtigt bleiben, unterstreicht, dass es Hammurabi nicht um eine neue Rechtsprechung ging, sondern nur um eine Vereinheitlichung der gewiss sehr unterschiedlichen Normen in seinem Herrschaftsbereich. So gelangten auch zu Hammurabis Zeit schon überholte Rechtsnormen in den Codex, wie die Einteilung der Bevölkerung in Freie, halbfreie Palasthörige und Sklaven. Die Mittelschicht der Halbfreien existierte schon unter den kanaanäischen Kleinkönigen vor Hammurabi kaum mehr, denn entweder waren die Hörigen zu Vollfreien aufgestiegen oder in direkte Abhängigkeit abgeglitten.

Ein weiterer Impetus dürfte für Hammurabi die Absicht gewesen sein, den Willen der Götter durchzusetzen, vor allem den des neuen, von ihm eingesetzten Gottes Marduk (in der Einleitung zum Codex wird die Herkunft und Legitimation Marduks als Nachfolger und Erbe der alten sumerischen Götter dargestellt), der zum Reichsgott wurde (eine Reflexion der Tatsache, dass die Tempel bzw. Götter immer noch als eigentliche Besitzer des Landes angesehen wurden, obwohl mittlerweile privater Landbesitz erlaubt war!). Vorher war es nämlich immer wieder zu Vergöttlichungen von Königen gekommen – z.T. noch zu ihrer Lebenszeit. Hammurabi vergrößerte und verdeutlichte nun den Abstand zwischen Göttern und Menschen und trennte so Theologie und Politik.

Im weiteren Verlauf der Geschichte ging Hammurabis Reich bald wieder zugrunde und wurde von anderen Reichen und Völkern beerbt. Die Hethiter plünderten Babylon, worauf sich die Kassiten festsetzen konnten. Dieses Volk aus den nördlichen Bergen wurde schnell “babylonisiert” und gründete eine eigene Dynastie.

Assuruballit gründete im 14.Jh.v.Chr. das erste assyrische Reich, wobei Babylonien immer noch die Rolle einer z.T. konkurrierenden, z.T. untergeordneten Mittelmacht spielte. Zwischen Assyrern und Babyloniern bestanden enge kulturelle Verbindungen, doch waren die Assyrer immer etwas kriegerischer und härter als die Babylonier, die mehr Bedeutung auf Kultur und Handel legten; bezeichnenderweise finden sich auch in Inschriften babylonischer Könige fast nie Hinweise auf militärische Erfolge. Während das Assyrische Reich sich auf einen feudalen Militäradel stützte und deswegen den Krieg als Selbstzweck betrieb, hatten in Babylonien die Händler größeren Einfluss. Trotzdem war auch Assyrien auf den Überlandhandel angewiesen.

Die Aramäer traten in dieser Zeit als Nomaden aus dem arabischen Bereich erstmals ins Licht der Geschichte. Gegen sie mussten fast alle assyrischen Könige Kriege führen, doch konnten die Kamelnomaden den Armeen der Assyrer oft ausweichen und im Folgejahr trotzdem wieder Raubzüge starten.

Nachdem Tiglatpilesar III. und sein Nachfolger, der Usurpator Sargon II. im 8.Jh.v.Chr. das Neuassyrische Reich gegründet hatten, geriet Babylonien wieder in eine abhängige Position zu seinem nördlichen Nachbarn. Auch Syrien und Palästina gelangten aus der ägyptischen in assyrische Abhängigkeit, wobei das jüdische Nordreich Israel zur Provinz wurde, während sich das Südreich Juda gerade noch retten konnte.

Auf kulturellem Bereich baute Assyrien den Vorsprung Babylons, der oft genug zu regelrechten Komplexen auf assyrischer Seite geführt hatte, weitgehend ab. In den Palästen Ninives sind großartige Bildzeugnisse erhalten, die von der Kunst Assurs beredtes Beispiel geben.

Sanherib, der Sohn Sargons II., unternahm beträchtliche Anstrengungen, Babylon zu unterwerfen und Assyrien zu fördern. So ließ er von Griechen und Phönikern bei seiner Hauptstadt Ninive eine Flotte bauen, mit der er Mesopotamien eroberte. Um die Landwirtschaft um Ninive zu fördern, ließ er den Fluss Zab am Oberlauf in einen Kanal leiten; um ein Tal zu überwinden, ließ er ein 280m langes und 22m breites Aquädukt bauen, von dem noch heute beträchtliche Teile zu sehen sind.

In der Folgezeit spaltete sich Assyrien in Bürgerkriegen und Thronstreitigkeiten, so dass eine Invasion skythischer Stämme in Syrien und Palästina nicht verhindert werden konnte. Als sich dann Baylonien, z.T. im Bund mit dem neuen Reich der Meder, freikämpfen konnte, war das Assyrische Reich am Ende.

Literatur:

     Bretschneider: Das Geheimnis von Nabada.

Spektrogramm/Spektrum der Wissenschaft 5/99, S.33: “Wolfgang Röllig und Tübinger und Berliner Wissenschaftler haben größtes assyrisches Privatarchiv in Nordostsysyrien entdeckt”