Autor: Tom Zeddies

Die Literatur des Barock

 

Ein Sonett besteht aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen, die in der italienischen Originalform in vier kurze Strophen eingeteilt sind: zwei vierzeilige Quartette oder Quartinen und zwei sich daran anschließende dreizeilige Terzette oder Terzinen.
Die einzelnen Zeilen (Verse) des italienischen Sonetts sind Elfsilbler mit meist weiblicher Kadenz. Dem entspricht im Deutschen der jambische Pentameter, dessen Kadenz weiblich (11 Silben) oder männlich (10 Silben) sein kann.
Auch in Deutschland gilt seit A. W. Schlegel als Idealform der jambische Pentameter mit männlicher oder weiblicher Kadenz und dem Reimschema
abba – abba – cdc – dcd
In den beiden Terzetten kamen jedoch zu allen Zeiten viele Varianten vor, z. B.

 

  • abba – abba – ccd – eed
  • abba – abba – cde – cde
  • abba – abba – ccd – dee

Grundsätzlich ist das Weltbild im 17. Jahrhundert ›dualistisch‹ strukturiert:
•    Ewigkeit <>Vergänglichkeit
•    Geist <> Körper
•    Jenseits <> Diesseits
•    Gut <> Böse
•    Richtig <> Falsch
Der Einsicht in die ›Eitelkeit‹ des Irdischen (›vanitas‹), aus der das Postulat ›memento mori‹ folgt (›bedenke, dass du sterblich bist‹), steht das Prinzip des ›carpe diem‹ entgegen (›pflücke den Tag!‹ = ›genieße die Gegenwart!‹).
Eine weitere wesentliche Voraussetzung zum Verständnis ›barocken‹ Denkens und Dichtens bildet das ›Analogie‹-Prinzip: Zwischen der Struktur des Überirdischen und der des Irdischen besteht eine Ähnlichkeitsbeziehung:
1 Gott in der Schöpfung
1 Sonne im Kosmos
1 Fürst im Staat
1 Vater in der Familie
Die häufigste Gedichtform ist das Sonett in jambischen Alexandrinern mit vier Strophen: zwei Quartetten (jeweils vier Verse) und zwei Terzetten (jeweils drei Verse) und zwei Terzetten (jeweils drei Verse).
Die Zäsur im  Alexandriner wird oftmals zur Realisierung von Antithesen genutzt, die sich gegenseitig überbieten (amplificatio). Das letzte Terzett dient mitunter der Platzierung einer summierenden Häufung, einer letzten Steigerung oder Pointe, sodass manches Sonett einen epigrammatischen Charakter bekommt.
Die Quartette sind in der Regel abba abba gereimt; die Terzette stehen prinzipiell in freier Reimstellung, oftmals nach italienischer Manier.
Eine besondere Bedeutung kommt im Barock der Bildlichkeit zu. Dabei ist die Bedeutung der Bilder im Barock festgelegt, sie gehört zu einem Fundus, auf den zurückgegriffen werden kann. Einerseits ist dadurch der Verwendungsspielraum bei Emblemen und Allegorien recht klein, andererseits finden die Dichter des Barock dennoch immer wieder Möglichkeiten, ein Bild zu variieren und in neuen Nuancen zu präsentieren. Die bedeutendsten Stilmittel sind dabei Metonymien, Metaphern, Embleme und Allegorien. Die überladende Bildlichkeit wurde inspiriert vom Stil der spanischen und italienischen Manieristen (Gracián, Góngora, Tesauro, Marino). Typisch ist die Versprachlichung von Emblemen und die Verwendung von Allegorien. Diese sind auf eingeführte Bedeutungen angewiesen, das Verhältnis zwischen Zeichen und Bezeichnetem ist für Leser und Schreiber willkürlich festgelegt und nicht natürlich. Daher sind prinzipiell viele verschiedene allegorische Bedeutungen möglich. Häufig setzen Barockgedichte  die Kenntnis der emblematischen und allegorischen Bedeutungen bestimmter eingeführter Bilder voraus, um gleichzeitig auf andere Bedeutungen anzuspielen.