Das Gedankenmodell des Marxismus einer klassenlosen Gesellschaft ohne Privateigentum in der der Staat überflüssig wird, ist utopisch und in der Realität kaum umsetzbar. Allein der Mensch an sich, steht in seinem gesamten Denken und Handeln dieser Gesellschaftstheorie antagonistisch gegenüber. Der Ehrgeiz, also der Wille besser zu sein als andere, lässt sich mit der klassenlosen Gesellschaft kaum vereinbaren, da es immer Rivalitäten zwischen Menschen geben wird – diese jedoch im Kommunismus nicht vorhanden sein dürften.

Dieses utopische Gedankenmodell einer klassenlosen Gesellschaft, in der es niemand schlecht geht, alle Menschen gleich sind, vollkommene Harmonie eingekehrt ist und ein Staat überflüssig wird, wirkt verlockend. Die Realität der Umsetzung mit der Übergangsphase der Diktatur des Proletariats ist jedoch kaum mit den ehernen Zielen der kommunistischen Gesellschaft zu vergleichen. Der Staat zieht sich nicht langsam zurück – nein – er wird immer präsenter, immer zentralistischer und bestimmender. Man konnte es in der UdSSR wie auch in der DDR beobachten, dass die Staatsmacht immer weiter wuchs und das Leben des Bürgers bestimmte. Hier kann bereits ein großer Widerspruch zur Marxschen Theorie gefunden werden: Dürften in einer klassenlosen Gesellschaft die „Partei-Bonzen“, die Regierenden, nicht mehr Macht haben als der gemeine Arbeiter in der Stahlfabrik? Dem entgegen sprechend lebten die Partei-Funktionäre mit vielen Vergünstigungen und Vorrechten – sei es bei Lebensmitteln, Luxusartikeln oder Wohnungen.

Natürlich wurde im „real existierenden“ Sozialismus das Privateigentum in Gemeineigentum überführt, jedoch gehörte eben die Fabrik nicht den Arbeitern. Dies prangerte bereits der jugoslawische Staatspräsident Josip Tito in einer Rede zum Stalinismus im Jahr 1950 an[1]. Die Arbeiter hatten im Sozialismus keinerlei Mitspracherecht, die Leitung hatten Direktoren inne. Eine auffallende Parallele zum Kapitalismus, denn auch dort haben die Arbeiter „nur“ das Recht und die Pflicht zu arbeiten.

Als äußerst schwierig erwies und erweißt sich für jedes Land, das sich auf das marxistische Gedankenmodell berief und beruft, die Planwirtschaft. Als Zentralverwaltungswirtschaft wird die gesamte Wirtschaftstätigkeit durchgeplant, angefangen vom Lohn bis hin zur zu produzierenden Gütermenge. In der Realität indes konnten die angestrebten planwirtschaftlichen Ziele kaum erreicht werden, wodurch eine Rückständigkeit in der Wirtschaft im Vergleich zu kapitalistischen Ländern zu beobachten war. Wirtschaftliche Tätigkeit sollte weitestgehend frei von staatlichem Einfluss sein, nicht der Staat ist der bessere Unternehmer, Banker und Händler. Ein äußerst bürokratisch aufgestellter Beamtenapparat eignet sich nicht dazu, die sich kontinuierlich ändernde Wirtschaft zu planen und zu ordnen. Wirtschaftliche Aktivität ist auch Spontaneität, die nicht geplant werden kann.
Der Mensch als Individuum, das frei und eigenverantwortlich bestimmen kann, wie das eigene Leben bestenfalls verlaufen soll, hat im Sozialismus/Kommunismus keine Berechtigung. Die Menschen hatten sich unterzuordnen und durften sich nicht auflehnen. Weder in Protesten noch im Verweigern bestimmter Dinge. Besonders der Stalinismus zeichnete sich durch Brutalität und Menschenverachtung aus. Bei den so genannten „Säuberungen“ mussten engste Vertraute Stalins sterben – aus Angst Stalins vor einer Revolution. In der DDR konnte jeder ein IO (inoffizieller Mitarbeiter) der Staatssicherheit sein, die Angst, dass beispielsweise der Nachbar ein Spitzel ist, war allgegenwärtig. Allgemein gesagt, war die Freiheit des Menschen beschnitten – die Freiheit, das höchste Gut des Menschen.

[1] Vgl. Geschichte Geschehen Klett Verlag S 264 b Jugoslawiens Staatspräsident Josip Tito zum Stalinismus, 1950