Der eigentliche Schauplatz für den Beginn des sogenannten „Kalten Krieges“ lag geographisch außerhalb Europas. Im Februar 1946 sendete U.S.-Diplomat George F. Kennan sein sogenannte „Long Telegram“ nach  Moskau, in dem dieser darlagte, dass die Sowjetunion nicht mehr zur Kooperation bereit sei und statt dessen weltpolitisch opportunistisch-aggressiv agiere und deshalb politisch, gesellschaftlich und militärisch eingedämmt werden müsse. So kam es im März 1946 zur ersten schweren Krise zwischen Washington und Moskau, als sich Stalin weigerte, seine Truppen aus dem im Zuge des Zweiten Weltkriges von den Kriegsgengern Deutschlands besetzten Iran abzuziehen. Statt dessen versuchte Stalin, in der nördlichen iranischen Provinz Aserbaidschan ein Marionettenregime zu installieren. Um die Kontrolle über die Dardanellen über den Zugang zum Schwarzen Meer zu erlangen, setzte Stalin zudem im August 1946 die Türkei unter Druck. In beiden Bemühungen scheiterte Stalin am Widerstand Washingtons, doch hatten diese Krisen auch Auswirkungen auf die Politik in Deutschland. Washington kündigte die wirtschaftliche Verschmelzung der amerikanschen mit der britischen Zone an, die bis Dezember 1946 zum Abschluss kam und am 1. Januar 1947 in Kraft trat (Bizone). In Reaktion auf die kommunistische Infiltration in der Türkei und Griechenland verkündete US-Präsident Truman im Frühjahr 1947 die nach ihm benannte Doktrin, die allen vom Kommunismus bedrohten Ländern Beistand versprach.

Truman
Präsident Harry S. Truman bei seiner zweiten Amtseinführungsrede. Nach Truman ist die so genannte Truman-Doktrin bennant.

Am 5. Juni 1947 kündigte der damalige U.S.-amerikanische Außenminister George C. Marshall die Auflage des nach ihm benannten Hilfsprogramms für alle europäischen Länder an, inkusive Deutschlands und der Länder, die unter sowjetische Besatzung standen. Der Marshall-Plan umfasste sowohl materielle als auch finanzielle Hilfen und enthielt Waren, Sach- oder Lebensmittel sowie technische Unterstützung, aber auch Zuschüsse und Darlehen in einem Gesamtwert von 13,3 Mrd. US-Dollar. Diese wurden 17 westeuropäischen Ländern zur Verfügung gestellt. Westdeutschland allein erhielt 1,4 Mrd. US-Dollar ausschließlich in Form von Krediten. Der Marshall-Plan lief 1953 aus. Deutschland mußte von den erhaltenen Krediten bis 1966 eine Mrd. Dollar zurückzahlen, während der Rest erlassen wurde.

Plakat der Marshallhilfe von 1949. Bild von Bundesarchiv, Plak 005-002-008 / CC-BY-SA
Plakat der Marshallhilfe von 1949. Bild von Bundesarchiv, Plak 005-002-008 / CC-BY-SA

 

Während die westeuropäischen Länder von diesem „Marshall-Plan“ wirtschaftlich profitierten, lehnte die Sowjetunion ab und auch die unter deren Einfluss  stehenden Länder inklusive der SBZ in Deutschland mussten ablehnen, wodurch sich die Spaltung Europas weiter festigte.

 

Dieser Artikel ist dem Geschichte-Wissen Magazin „Die Spaltung Europas“ entnommen. Die Ausgabe kann hier kostenlos heruntergeladen werden.