Der jüdische Friedhof in Köln-Bocklemünd. © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juedfriedbockl5-07-03-25.jpg
Der jüdische Friedhof in Köln-Bocklemünd. © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons), https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juedfriedbockl5-07-03-25.jpg

Der Holocaust zählt zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte. Vor der Shoa lebten in Deutschland zwischen 500.000 und 600.000 Juden. Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur lebten in Deutschland noch 15.000 Juden – sie hatten sich vor den Häschern des Regimes versteckt gehalten und so die systematische Vernichtung jüdischen Lebens überlebt.

Viele der Menschen, die Deutschland noch lebend verlassen konnten, kamen nie mehr zurück.

 

Ein weißer Fleck im deutschen Gedächtnis

Diejenigen, die zurückkehrten und überlebt hatten, wurden aber nicht mit offenen Armen empfangen. Dem jüdischen Leben in Deutschland nach 1945 widmet sich der Film des Regisseurs Sam Gabarski „Es war einmal in Deutschland“ mit Moritz Bleibtreu in einer der Hauptrollen. Der Film basiert auf dem Roman „Die Teilacher“ von Michel Bergmann.

 

„Die Teilacher“ verfasste Bergmann, weil über die Rückkehr und Einwanderung der jüdischen Holocaustopfer nach Deutschland kaum etwas bekannt ist – Bergmann beschreibt die Juden im Nachkriegsdeutschland als „weißen Fleck im kollektiven Gedächtnis der Deutschen“. In den letzten Jahren bemühten sich Historiker und Medien aber verstärkt aber um die Aufarbeitung dieses Kapitels – so sendete das ZDF im Januar 2017 den Mehrteiler „Landgericht“, in der die Lebensgeschichte eines jüdischen Richters aufgearbeitet wird, der Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlassen musste und nach seiner Rückkehr mithelfen wollte, die Verbrechen der Nazis aufzuarbeiten, aber an den Widerständen der alten Eliten scheiterte.

 

Der Antisemitismus war weiterhin weit verbreitet

Mit dem Ende Hitlers war der Antisemitismus nicht aus den Köpfen der Deutschen verschwunden – vielmehr schlug den in Deutschland lebenden Juden weiterhin Hass und Verachtung entgegen: Die Bevölkerung, die unter den Kriegsfolgen litt, unterstellte den überlebenden Juden, durch die Besatzungsmächte mit Privilegien ausgestattet worden zu sein. Die Qualen und Tragödien, die die einstigen Nachbarn und Mitbürger während dem Nationalsozialismus hinnehmen mussten, wurden dabei mit den eigenen Opfern relativiert: Ein amerikanischer Journalist bemerkte spitz, dass die Bevölkerung geradezu „krankhaft besessen vom eigenen Elend“ sei.

 

Die überlebenden Juden wollten ihrem Leben nach all den Verlusten und Schicksalsschlägen einen neuen Sinn geben – und brachten den Deutschen gleichzeitig erhebliches Misstrauen entgegen. Viele saßen sprichwörtlich „auf gepackten Koffern“, um Deutschland schnellstmöglich verlassen zu können – in Richtung Amerika oder dem neu gegründeten Staat Israel.

 

Bis 1989 wuchs die Zahl der Juden in Deutschland auf 30.000 an – ihre Interessen werden seit 1950 durch den Dachverband der jüdischen Gemeinden, dem Zentralrat der Juden, vertreten.