Hyksos1998 stieß ein österreichisches Team unter Manfred Bietak auf die früheste Frischwasserzuleitung Ägyptens (mit sorgfältig behauenen Kalksteinblöcken ausgekleidet und von einem dicken Lehmpaket umschlossen), die vermutlich ein oder mehrere Hyksos-Regierungsgebäude in Auaris versorgte.

Wer waren die Hyksos? Über diese Fremdherrscher Ägyptens, deren Niederlage gegen die Ägypter unter Kahmose und Amohse I. den Beginn des Neuen Reichs markiert, wissen wir nicht viel.

 

Der Name leitet sich her vom ägypt. „heka-chesut“ = Häuptlinge der Fremdländer. Vermutlich stammten sie aus aus Syrien/Palästina. Ihre Hauptstadt war Auaris im Delta. Sie kannten den Streitwagen, das Sichelschwert und den Umgang mit Pferden (die pfeilschießende Gottheit Reschef aus Syrien und Ugarit sowie die syrische Fruchtbarkeitsgöttin Astarte, die auch Bezüge zum Meer hat, wurden dem ägyptischen Pantheon eingefügt; alle mit Pferden zusammenhängenden Fachbegriffe übernahmen die Ägypter von den Hyksos!), außerdem brachten sie ihren Gott Baal-Hadad mit, den sie dem ägyptischen Seth anglichen.

Faszinierend für uns ist eine mögliche Verbindung zur Bibel: Eventuell stehen die Hyksos und die biblischen Hebräer in einem Zusammenhang!

Die Hebräer kamen ebenfalls aus Palästina nach Ägypten, als Händler und Handwerker. Sie könnten eine Schwächeperiode Ägyptens ausgenutzt und eigenes Reich im Delta aufgebaut haben.  Von den Ägyptern lernten sie allerdings auch viel: Wie eine 2008 beim Stadttor Khirbet Qeiafa, einer Stadt des anitken Königreichs Judäa an der Grenze zum Philistergebiet, gefundene Tonscherbe zeigt, haben die Hebräer und späteren Juden auch Teile ihres Rechtssystems von den westlichen Kulturnachbarn übernommen. 

Auf der Tonscherbe ist ein juristischer Text niedergeschrieben, vermutlich als Übung eines Schreiberlehrlings (Beamte und Schreiber hatten schon bei den Ägyptern ihre „Büros“ häufig in der Nähe von Stadttoren). Auf der aus dem 10.Jh. v.Chr. stammenden Scherbe ist ein juristischer Grundsatz zu lesen, der in anderer Formulierung auch in der Bibel steht: „Also sprach der Herr Zebaoth: Richtet Recht, und ein jeglicher beweise an seinem Bruder Güte und Barmherzigkeit; und tut nicht Unrecht den Witwen, Fremdlingen und Armen.“ (Sacharja 7, 9-10). Schon in ägyptischen Weisheitslehren und Rechtstraditionen von ca. 1500 v.Chr. gilt, dass der Besitz vno Witwen und Waisen zu schützen sei. Von Ägypten aus dürfte der Rechtsgrundsatz zu den Kanaanitern und von diesen wiederum zu den Hebräern und Juden weitergegeben worden sein. Reinhard Achenbach von der Uni Münster, der die Tonscherbe aus Khirbet Qeiafa entschlüsselt hat, betont: „Unser heutiger Grundsatz, Ausländern vor Gericht Rechtsschutz zu gewähren und sozial Benachteiligte im Sozialstaat zu schützen, reicht also weit in die altorientalische Zeit zurück“. 

Tatsiche ist jedenfalls: Unter Ramses II. und dessen Nachfolgern wurden „Hapiru“ („Sandwanderer“, Synonym für Wüstennomaden) aus Palästina als Kriegsgefangene nach Ägypten gebracht. Das könnte der Ursprung der Geschichte von der Knechtschaft in Ägypten und dem Auszug unter Mose sein.

Verschiedene Argumente sprechen für ein solches Szenario, eventuell sogar für eine Verbindung beider Szenarios:

          Ägypten war für Nomaden immer Zufluchtsort in Notzeiten. Die Hapiru wären dann also als Flüchtlinge gekommen und hätten dann im Delta die Herrschaft übernommen. 

         Gegenargument: Die sog. „Fürstenmauer“ sperrte den Zugang zu Ägypten ab und war nur schwer zu überwinden. Die Ägypter konnten also den Zuzug von Hapiru kontrollieren. Waren nach ihrem Geschmack zu viele Hapiru im Delta und die Gefahr eines Aufstandes virulent, ließ man keine weiteren Hapiru ins Land. Die Hapiru hatten allerdings Verbindungen zu den Kanaanäern und den mit diesen eng verwandten levantinischen Kulturen, u.a. das mächtige Ugarit. In einer ägyptischen Schwächephase konnten die Hapiru sehr wohl die „Fürstenmauer“ überwinden und mit militärischen Mitteln sowie der Unterstützung von Kanaanäern und Levantinern einen Staat im Nildelta aufbauen. 

         die Bibel berichtet vom Einsatz der Hebräer in Ziegeleien, was eine äußerst schwere Fronarbeit bedeutete. Der Anlass könnte die  „Bauwut“ Ramses´ II. gewesen sein, der nach dem Abzug der Hyksos im Delta und in unmittelbarer Nachbarschaft zum zerstörten Auaris seine neue Hauptstadt Pi-Ramesse aus dem Boden stampfte. Wenn die Hapiru wirklich mit den Hyksos (teil)identisch waren, bot sich die Fronarbeit als „Strafarbeit“ für die Besiegten an.